Irische Schauspieler

Peter O’Toole und seine Filme

Peter O'Toole als Lawrence von Arabien
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

Weltbekannt wurde der Schauspieler und gebürtige Ire Peter O’Toole durch die Rolle des Wüstenhelden „Lawrence von Arabien“. Und durch seine eisblauen Augen, auch genannt „die blauen Augen von Hollywood“, die unter dem Turban des Lawrence bestens zur Geltung kamen. Peter O‘Toole spielte mit Partnerinnen wie Romy Schneider und Audrey Hepburn, brillierte als Papst, Engel, König und Gentleman-Verführer, und die Liste seiner Nominierungen und Auszeichnungen ist ähnlich beeindruckend wie die Zahl seiner Filme.

Peter O’Tooles Kindheit

Dabei nahm seine Karriere einen äußerst bescheidenen Anfang in Connemara im County Galway. Hier kam Peter Seamus O‘Toole am 2. August 1932 zur Welt. So die offizielle Version. Er selbst gibt in seiner Biographie an, dass er sich seiner Geburtsdaten nicht sicher ist: Er besitzt eine Geburtsurkunde aus Irland mit einem Geburtsdatum im Juni 1932, und zusätzlich eine Urkunde der nordenglischen Stadt Leeds, wo er auch aufwuchs.

Fest steht jedenfalls die Identität seiner Eltern. Sein Vater war Patrick Joseph O’Toole, seines Zeichens Buchmacher, der stets an den großen Pferderennbahnen zu finden war. Seine Mutter war Constance Jane Eliot, geborene Ferguson, die aus Schottland stammte und als Krankenschwester tätig war. Gemeinsam mit einer älteren Schwester, Patricia, lebte die Familie in Leeds, Yorkshire. Ihr Zuhause lag in einem irischen Einwandererviertel und die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen.

Peter und seine Schwester wurden im katholischen Glauben ihres Vaters erzogen, außerdem besuchte Peter eine katholische Schule in Hunslet. Die Erziehung dort war sehr streng, und Peter verließ die Schule sobald wie möglich.

Der Schauspieler Peter O’Toole

Peter fand Arbeit als Laufbursche, später als Fotograf und Journalist bei der Zeitung Yorkshire Evening News, bis er von der Royal Navy einberufen wurde. Er tat Dienst auf einem U-Boot. Eines Tages soll einer der Offiziere den jungen Mann gefragt haben, ob es etwas gab, was er schon immer hatte tun wollen. Peter antwortete, dass er schon immer versuchen wollte, entweder Dichter oder Schauspieler zu werden.

Tatsächlich verfolgte er diesen Lebenstraum, indem er mit siebzehn Jahren zum ersten Mal als Laienschauspieler auf der Bühne stand.

Zudem bewarb er sich in Dublin an der Schauspielschule des Abbey Theatre. Doch mit der Begründung, dass er kein Irisch sprach, wurde er abgewiesen. Wie sollte er auch, da er doch sein ganzes bisheriges Leben in England verbracht hatte?

Dafür erhielt er im Jahr 1952 ein Stipendium an der Royal Academy of Dramatic Arts in London. In seiner Klasse befanden sich auch Alan Bates, Albert Finney und Bryan Pringle, allesamt bekannte britische Schauspieler der Zukunft. O’Toole bezeichnete ihre Klasse als die bemerkenswerteste, die die Akademie jemals besuchte, doch damals nicht sonderlich geschätzt wurde. „Wir wurden alle als ein bisschen verrückt betrachtet“.

Erste Erfolge

Nach seiner Ausbildung erhielt Peter sein erstes Engagement am Theater in Bristol.  Hier spielte er bereits im Alter von 23 Jahren den Hamlet. Dieser Rolle folgten im Lauf der 1950er Jahre zahlreiche weitere wie King Lear, Othello und Ähnliche.

Von Bristol aus ging es weiter in die Shakespeare-Stadt Stratford-upon-Avon (ab 1960). Hier spielte er für die Royal Shakespeare Company, unter anderem in den Stücken „Der Widerspenstigen Zähmung“ und „Der Kaufmann aus Venedig“.

Mit Oh, My Papa feierte Peter O‘Toole sogar mit einem Musical Erfolge und wurde 1959 zum Schauspieler des Jahres gewählt.

Der Bühnendarsteller wird zum Filmschauspieler

ABC TV [Public domain]

Obwohl seine Theaterkarriere also steil nach oben ging, arbeitete er gleichzeitig auch an einer Karriere beim Fernsehen. Im Jahr 1954 hatte er sein Filmdebüt in der Rolle eines Soldaten in The Scarlett Pimpernell. Es folgten Auftritte beispielsweise im BBC Sunday-Night Theatre, eine Nebenrolle in einem Disney-Film und 1960 ein Film mit seiner damaligen Frau: The King’s Daughter.

Seinen Durchbruch im Film und auf der Kinoleinwand allerdings verdankt O’Toole  dem Historienepos Lawrence von Arabien aus dem Jahr 1962. Dabei war er ursprünglich gar nicht für die Titelrolle vorgesehen: Eigentlich sollte Marlon Brando den Lawrence spielen, doch er stand nicht zur Verfügung, und Albert Finnley, die zweite Wahl, lehnte die Rolle ab.

Peter O’Toole nutzte die Chance, die sich ihm hier zufällig bot, aufs Beste. Seine Darstellung des Helden brachte ihm die erste Oscar-Nominierung seiner Karriere, einen Golden Globe Award als bester Nachwuchsdarsteller sowie den British Film Academy Award. Außerdem listete das „Premiere“ Filmmagazin seinen Auftritt später unter den hundert besten Darstellungen aller Zeiten, und 2003 wurde er vom American Film Institute zum zehntgrößten Helden der Kinogeschichte gewählt.

Peter O’Tooles Filme

Auf den Welterfolg Lawrence…. folgte bereits 1964 ein weiterer Film, der eine Oscar-Nominierung mit sich brachte: Becket mit Peter O’Toole als King Henry II.. Denselben König spielte er auch in Ein Löwe im Winter, 1968, diesmal an der Seite von Katharine Hepburn, und ergatterte damit seine nächste Nominierung.

Peter O'Toole

Embassy Pictures (U.S.) [Public domain]

In Wie klaut man eine Million? aus dem Jahr 1966 trat Peter gemeinsam mit Audrey Hepburne auf, im selben Jahr wirkte er zudem als Engel in dem starbesetzten Bibel-Epos Die Bibel mit.

Goodbye, Mr. Chips, 1969, The Ruling Class, 1972, Der lange Tod des Stuntman Cameron, 1981, Ein Draufgänger in New York, 1982 – alle diese Filmtitel eint die Tatsache, dass Peter O’Toole für seine jeweilige Rolle eine Oscar-Nominierung erhielt.  Seine endgültig letzte Nominierung, die nicht zum tatsächlichen Erhalt der Trophäe führte, erfolgte im Jahr 2007 für seine Rolle in der Tragikomödie Venus.

Letztendlich aber triumphierte er doch einmal über die begehrte Trophäe: Im Jahr 2003  bekam Peter O’Toole den Oscar für sein Lebenswerk!

Peter O‘ Toole jenseits der Leinwand

O‘ Toole bekannte sich als großer Shakespeare-Liebhaber. Außerdem spielte er von Kindesbeinen an Rugby und Crickett – eine Leidenschaft, die er ein Leben lang pflegte.

1959 heiratete er die Schauspielerin Sian Phillips aus Wales. Das Paar zog zwei gemeinsame Töchter groß: Kate und Patricia. Beide folgten später seinen Fußstapfen und wurden Schauspielerinnen beziehungsweise Regisseurin. Die Familie lebte großteils in London.

Darüber hinaus residierte O’Toole ab 1963 an der Sky Road außerhalb Clifdens in Connemara und unterhielt Wohnungen in Dublin und Paris.

Mitte der 1970er Jahre geriet O’Toole in eine schwere persönliche Krise. Seine Filme liefen nicht gut und er trank viel zu viel, sodass seine Frau sich 1979 scheiden ließ. Zudem starben seine Eltern und sein Magenkrebs wurde fälschlicherweise als Folgezustand der Trunksucht diagnostiziert. Dank der Entfernung seiner Bauchspeicheldrüse und eines großen Teils des Magens 1976 überlebte er, blieb künftig abstinent, erholte sich wieder – und drehte weiterhin Filme.

Außerdem schenkte seine Freundin Karen Brown, ein Model, ihm 1983  noch einen Sohn: Lorcan Patrick O’Toole.

Peter O‘ Tooles Vermächtnis

„Ich werde kein gewöhnlicher Mann sein, weil es mein Recht ist, ein ungewöhnlicher Mann zu sein!“, schrieb Peter O‘Toole einst über sich selbst. Und als solcher wird der Schauspieler auch für immer in Erinnerung bleiben.

Aus über 90 Filmen besteht sein Erbe, dazu kamen ungezählte Rollen auf der Theaterbühne. Im Jahr 2012 und damit im Alter von achtzig Jahren erklärte der einstige Wüstenheld seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft. „Die Leidenschaft dafür hat mich verlassen und wird nicht mehr wiederkommen“, erklärte er. „Ich denke, jeder sollte selbst entscheiden, wann es Zeit ist, zu gehen“.  Darüber hinaus war sein Krebsleiden zurückgekehrt, dem er ein Jahr später schließlich erlag.

Peter O’Toole starb am 14. Dezember 2012 in London, wo bis heute eine Plakette bei der St.Paul’s Church an ihn erinnert.

Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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