Irische Schauspieler

Kenneth Branagh – von Belfast nach Hollywood

Kenneth Branagh
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

In der Filmwelt steht der Name Kenneth Branagh für ungewohnte Vielseitigkeit. Der Nordire hält nämlich den Rekord für die meisten Oscarnominierungen in verschiedenen Kategorien. Als bester Hauptdarsteller, bester Nebendarsteller, Drehbuchautor, Regisseur und auch für den besten Kurzfilm wurde er in Hollywood bereits nominiert. Allerdings ohne den Oscar tatsächlich zu erhalten. Die Queen dagegen hat dem Iren wahrhaftig einen Titel verliehen, als sie ihn im Jahr 2012 zum Ritter schlug. Aus einem einfachen Jungen aus Belfast war Sir Kenneth Branagh geworden. Und so kam es dazu…

Kenneth Branagh Biografie

Der Junge aus Belfast

Kenneth wurde am 10. Dezember 1960 in die protestantische Arbeiterschicht Belfasts hinein geboren. Sein Vater William betätigte sich als Klempner und Tischler, seine Mutter Frances widmete sich ihren Kindern. Kenneth war das mittlere von den dreien.

Um den Unruhen in Belfast zu entgehen, zog die Familie nach Reading in England, als Kenneth neun Jahre alt. Reading in der südenglischen Provinz Berkshire ist unter anderem bekannt für das Gefängnis, in dem Oscar Wilde zwei Jahre seines Lebens verbrachte. „Die beste Art, Reading zu sehen, ist mit dem Zug durchzufahren!“, sagte der bekannte irische Schriftsteller deshalb später lakonisch.

Hier jedenfalls ging Kenneth zur Schule. Eines der ersten Dinge, die er lernte, war, seinen irischen Akzent gegen eine sehr deutlich akzentuierte Aussprache einzutauschen. Hauptsächlich, um dem Spott seiner Mitschüler zu entgehen. Schon damals spürte der Junge das Vergnügen an der Imitation und daran, in die Rolle eines anderen zu schlüpfen.

Dennoch sagt Branagh heute, dass er sich noch immer als Ire fühlt. Auch seine Liebe zu Worten, schreibt er seinem irischen Erbe zu.

Der Bühnenschauspieler

Im Alter von 19 Jahren begann Kenneth seine schauspielerische Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art. Seit dem Jahr 2015 ist er im Übrigen selbst Präsident dieser Einrichtung. Noch vor seinem Abschluss an der Akademie trat er in drei Folgen der BBC-Serie „Play for Today“ auf. Passenderweise spielte er den Sohn einer nordirischen Familie, deren Schicksal mit den politischen Unruhen seinen Lauf nimmt.

Unmittelbar nach seiner Ausbildung entwickelte sich Kenneth Branagh zu einem der bekanntesten britischen Bühnendarsteller. 1982 erhielt er für seine Rolle in einem gesellschaftskritischen Stück die Auszeichnung als bester Nachwuchsschauspieler. Fortan war er sowohl auf der Theaterbühne als auch im Fernsehen zu Hause.

Seine Paraderolle und gleichzeitig sein größter Triumph dabei: Die Rolle des englischen Königs Henry V. in Shakespeares gleichnamigem Drama. Die Royal Shakespeare Company hatte den jungen Schauspieler engagiert, und Branaghs Darstellung überwältigte auch die schärfsten Kritiker.

Shakespeare – Kenneth Branaghs große Liebe

1987 gründete Kenneth Branagh gemeinsam mit dem Schauspieler und Produzenten David Parfitt die Renaissance Theatre Company. Neben „Romeo und Julia“ und „Viel Lärm um nichts“ inszenierte die Company zahlreiche weitere Shakespeare-Stücke.

Schon als Schüler hatte Kenneth Shakespeare geliebt. Eines Tages hatte sein Bruder ein Buch mit dem Stück „Macbeth“ nach Hause gebracht, das Kenneth – im Gegensatz zu seinem Bruder – brennend interessierte. Diese Ausgabe des Macbeth begleitet Kenneth bis heute. Bis heute liest Kenneth immer wieder auch in Shakespeares übrigen Werken. Er sucht die Begegnung mit den Figuren aus den Stücken des alten britischen Meisters und freut sich an dessen wohlgesetzten Worten. In seiner späteren Verfilmung von „Hamlet“ (1996) verwendet Branagh in weiten Teilen tatsächlich die ungekürzten Dialoge aus dem Shakespeare-Original. Bereits 1990 verlieh die Queen’s University Belfast ihm einen Ehrendoktor in Literatur, und 2014 wählte die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft Kenneth Branagh zu ihrem Ehrenpräsidenten.

Der Privatmensch Kenneth Branagh

Im Alter von 29 Jahren heiratete Kenneth seine Schauspielkollegin Emma Thompson. Die beiden traten in vielen Filmen, beispielsweise „Henry V.“ und „Viel Lärm um nichts“, gemeinsam auf und galten auch privat als Traumpaar. Doch ihr Glück währte nicht lange. Während den Dreharbeiten zu „Mary Shelley’s Frankenstein“ begann Branagh eine Affäre mit der Schauspielerin Helena Bonham Carter. So ließ Emma sich 1996 von ihm scheiden. Kenneths Beziehung mit Helena hielt bis ins Jahr 1999. Seit 2003 ist der Ire erneut verheiratet: mit Lindsay Brunnock, einer Artdirektorin.

Kenneth Branaghs Filmrollen

Heinrich V

Es klingt nur logisch, dass Branaghs Durchbruch im Filmgeschäft ebenfalls einem Shakespeare-Werk zu verdanken war. Mit sich selbst in der Titelrolle produzierte er 1989 das Drama „Heinrich V.“, das ihm schon auf der Theaterbühne zum Erfolg verholfen hatte. Nur, dass er diesmal als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller gleichzeitig seine ganz eigene Version des Stückes produzierte. Prompt wurde er dafür mit dem BAFTA-Award als bester Regisseur ausgezeichnet.

Frankenstein

Aber Branaghs Erfolg als Leinwandheld und Filmemacher beschränkt sich nicht nur auf die Produktion von Shakespeares Werken. Mit „Mary Shelley’s Frankenstein“ machte er 1994 einen Abstecher in die Schauerliteratur.

Harry Potters Gilderoy Lockhart

2002 brillierte er in „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ als arroganter Aufschneider, der die Abenteuer, die er magisch meistert und in seinen Büchern verarbeitet, überhaupt nicht selbst durchlebt hat. Deshalb ist er als Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste eine klassische Fehlbesetzung.

Thor

Selbst in die Welt der Götter drang Kenneth Branagh vor: 2011entstand unter seiner Regie die Kinoversion des Comics „Thor“, weltweit ein äußerst erfolgreicher Streifen.

Cinderella

„Cinderella“ von 2015, Branaghs Realverfilmung des alten Disney-Klassikers, brachte dem Regisseur wieder einmal eine Oscar-Nominierung, diesmal für die prachtvollen Kostüme.

Wallander

Außerdem erwies der Ire sich als begabter Krimi-Darsteller. Von 2008 bis 2015 spielte er für die BBC die Rolle des schwedischen Ermittlers Kurt Wallander. Für die Darstellung des Wallander wurde er 2009 für einen Emmy nominiert, 2017 erhielt er tatsächlich den begehrten International Emmy Award.

Poirot

Im selben Jahr gelangte auch die Verfilmung des klassischen Krimis „Mord im Orientexpress“ unter der Regie von Branagh ins Kino. Mit „Jack Ryan: Shadow Recruit“ gelang dem ambitionierten Regisseur zudem ein politischer Thriller.

Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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