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Irische Nachnamen – Herkunft und Bedeutung

Irische Nachnamen
Heike Fries
Written by Heike Fries

Irische Nachnamen? Da kommen den meisten sofort Ó’Connor, aber auch Murphy, Brennan oder Walsh in den Sinn. Doch woher stammen diese Namen und welche Bedeutung steckt dahinter? Und was hat es mit diesem Ó auf sich? Irische Nachnamen sind ein Spiegel der ereignisreichen Geschichte Irlands: Wikinger und Normannen haben ebenso ihre Spuren hinterlassen, wie Könige und Familienoberhäupter. Die meisten irischen Nachnamen wurden im Laufe der Jahre vereinfacht und in eine englische Schreibweise übertragen. Doch viele von ihnen lassen immer noch die ursprüngliche Wortbedeutung erkennen.

Irische Nachnamen – ihre Herkunft

Gälische Wurzeln – Mac, Ó und Ní

Irische Nachnamen dienen, wie fast überall sonst auch dazu, Menschen voneinander zu unterscheiden. Sie helfen dabei, dass ein jeder weiß, von welchem John oder welcher Mary gerade nun genau die Rede ist. Und deshalb entstanden auch in Irland Namen, die die Menschen anhand unterschiedlicher Merkmale zu identifizierten. Das konnte eine Eigenschaft sein, oder das Aussehen, wie zum Beispiel die Haarfarbe – oder auch die Abstammung. Den das Ó vor irischen Nachnamen bedeutet Enkel. Ó’Connor ist in diesem Fall also der Enkel von Connor. Aber halt, so einfach ist es nicht. Denn das Ó kam erst später ins Spiel. Ursprünglich fing alles mit Mac an – das ist eine Silbe, die wir heute überwiegend mit Schottland verbinden, die aber in Irland ebenso benutzt wurde.

Mac heißt Sohn und Mac Arthur bezeichnet in diesem Fall den Sohn des Arthur. Beim Ó verhält sich die Sache etwas anders, denn es geht über die direkte Familie hinaus. Es weist jemanden als Nachfahren einer bedeutenden Person aus – der echte Opa ist also in den meisten Fällen nicht gemeint. Oft folgt auf das Ó übrigens nicht bloß der Name des Vorfahren, sondern eine Eigenschaft oder der Beruf wie zum Beispiel Ó Gobhann, was Nachfahre des Schmieds heißt.

Aber was ist mit den Töchtern? Heißen die auch Mac? Ursprünglich nicht. Denn Frauen haben im Irischen eine eigene Vorsilbe: Bei gälischen Namen lautet die weibliche Form Ní, was Tochter heißt. Ein Beispiel ist Siobhán Ní Arthur – Siobhán, die Tochter des Arthur.

Viele irische Namen haben also einen gälischen Ursprung und haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert – und an die englische Sprache angepasst.

Normannische und nordische Namen

Doch das trifft nicht auf alle Namen auf der Grünen Insel zu. Denn viele Eroberer, wie zum Beispiel die Normannen, die Nordmänner oder die Engländer, haben ihre Spuren auch bei den irischen Nachnamen hinterlassen. So stammen Namen, die mit der Silbe “Fitz” beginnen von den Normannen ab und beziehen sich auf das französische “Fils”, was ebenfalls Sohn heißt. Fitzgerald oder Fitzpatrick sind gute Beispiele dafür.

Was bedeuten die irischen Nachnamen?

Im Folgenden stellen wir Euch fünf der häufigsten irischen Nachnamen und ihren Ursprung vor.

Ó’Connor

Dieser irische Nachname gehört zu den zehn am weitesten verbreiteten in Irland – und er ist einer der bekanntesten. Er entwickelte sich aus dem gälischen ‘Ó’Conchobhair’ oder ‘Ó’Conchúir’, was Kämpfer, Held oder Schutzherr von Kämpfern bedeutet.

Doch nicht alle Connors oder Ó’Connors gehören zum selben Clan. Denn Connor war eben auch ein beliebter Vorname. Am bekanntesten sind die O’Connors aus Connacht. Sie stammen vom berühmten Conchobhar, König von Connacht ab. Dieser war ein direkter Vorfahr der beiden letzten Hochkönige Irlands: Turlough Ó’Connor und Roderick Ó’Connor. Die meisten Ó’Connors findet man übrigens in der Gegend um Kerry, Limerick und Cork.

Brennan

Das ist ebenfalls einer der häufigsten irischen Nachnamen. Es handelt sich um die ins Englische übertragene Form dreier unterschiedlicher gälischer Namen: Ó Braonáin, vom gälischen Wort braon, was Kummer heißt. Und Mac Branáin und Ó Branáin, die beide vom gälischenWort bran stammen, was so viel wie Rabe heißt und vielleicht jemanden mit rabenschwarzem Haar meinte.

Der Clan der Ó’ Braonains befand sich größtenteils in Leinster, während die MacBrennans im County Roscommon lebten. Die erste schriftliche Erwähnung des Namens stammt aus dem Jahr 1159, als die MacBranain, als Anführer des County Roscommon genannt werden. Heute gibt es praktisch auf der ganzen Grünen Insel Familien mit dem Namen Brennan.

Murphy

Murphy ist der häufigste irische Nachname überhaupt. Das gilt für die Grüne Insel selbst, aber auch in den USA ist der Name weit verbreitet. Das geht auf die vielen irischen Auswanderer zurück. Es handelt sich um eine ins Englische übertragene Form der gälischen Namen MacMurchadha and O’Murchadha. Beide stammen vom irischen Vornamen Murchadh ab. Das bedeutet so viel wie Kämpfer des Meeres und geht sehr wahrscheinlich auf die Besatzung durch die Wikinger zurück. Denn es ist durchaus möglich, dass der erste Träger des Vornamens seinem Namen alle Ehre machte und tatsächlich auf See gegen die Invasoren kämpfte.

Der bekannteste Clan sind die Ui Murchadha aus Wexford, die ihren Namen von Murchadh oder Murrough, dem Großvater von Dermot MacMurrough haben. Dieser war König von Leinster. John Murphy (1700 – 1770), besser bekannt als Sean O’ Murchadha na Raithineach, war der letzte Anführer der berühmten Barden des Blarney Castle.

Collins

Dieser irische Nachname kommt auf der Grünen Insel ebenfalls oft vor. Und er gilt als ein alter irischer Name, der nicht durch einen äußeren Einfluss entstand. Die gälische Version lautet  Ó’Coileáin, was so viel wie junger Hund bedeutet.

Der Name Collins stammt ursprünglich wohl aus Limerick, wo der Clan die Baronie Connello unter seiner Herrschaft hatte. Doch als die Normannen in Irland einfielen, floh die Familie nach Cork. Heute existieren in Irland keine Burgen oder Ähnliches, die den Namen Collins tragen.

Doyle

Der Name Doyle stammt vermutlich von den Nordmännern ab. Der gälische Name lautet Ó’Dubhghaill, was so viel wie dunkler Fremder bedeutet. Eine Bezeichnung mit der damals die Wikinger, allen voran die dunkelhaarigen Dänen, bezeichnet wurden. Vielleicht wurde der Name auch benutzt, um die Dänen von den hellhaarigeren Norwegern zu unterscheiden.

Dieser berühmte Name ist einer der ältesten ganz Irlands – und einer der häufigsten obendrein. Man sagt, dass der Vorfahr, der diesen Namen weitergab, von einem Wikinger abstammte, der sich früh in Irland niedergelassen hatte.

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Über den Autor

Heike Fries

Heike Fries

Irland ist eine Herzensangelegenheit für mich und neben der irischen Musik hat es mir vor allem der irische Sagenzyklus angetan.

Ich habe Irland schon als Schülerin mehrmals besucht. Damals hatte ich das Glück, die ganze Insel über mehrere Wochen kennenzulernen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Es ist bis heute mein Lieblingsland.

Ich bin Autorin und Künstlerin und irische Motive schmuggeln sich auch immer wieder in meine Zeichnungen. In meiner Freizeit spiele und singe ich in einer Band. Wir sind zwar keine richtige Folkband, haben aber den ein oder anderen irischen Song im Programm. Ich spiele außerdem ein wenig Bodhrán. Da ich nicht genug übe, bin ich nicht besonders gut – aber ich bin mit Begeisterung dabei.

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