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Irische Begrüßung – so sagt man Hallo auf Irisch

Irische Begrüßung
Nadja Uebach
Written by Nadja Uebach

Wer schon auf der Grünen Insel unterwegs war, der weiß bereits, dass das Thema Sprache in Irland sehr komplex ist. Zu den beiden offiziellen Staatssprachen English und Irisch gesellen sich unzählige regionale Dialekte und Ausdrucksweisen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Iren oft etwas sagen und damit jedoch etwas ganz anderes meinen. Diese vielen unterschiedlichen Slangs, Redewendungen und Dialekte machen es für Einheimische zwar oft leicht herauszufinden, wo der Gesprächspartner herkommt, führen bei Reisenden und Besuchern allerdings nicht selten zu Verwunderung, immerhin wird manchmal schon die irische Begrüßung zu einer echten Herausforderung für Nicht-Iren.

Wie man sich in den verschiedenen Regionen Irlands „Hallo“ sagt und was es mit diesen zum Teil skurril klingenden Begrüßungsfloskeln auf sich hat, erfahrt Ihr jetzt!

Irische Begrüßung as Geailge

Die alte keltische Sprache, ist etwas, dass für Nicht-Iren faszinierend und befremdlich zugleich ist. Hauptsächlich zieren die unaussprechlichen irischen Wörter Straßenschilder, Poster und Reklametafeln. Allerdings wird die Sprache von vielen Iren auch im Alltag verwendet. In den Gaeltacht Regionen gilt Irisch sogar als Hauptsprache, viele irische Wörter erfreuen sich jedoch auch im Rest des Landes an wachsender Beliebtheit.

Insbesondere zur Seachtain na Gaeilge, dem internationalen Festival der irischen Sprache, das jedes Jahr zwei Wochen vor St. Patrick’s Day stattfindet, hört man das ein oder andere irische Wort durch die Straßen Irlands hallen. Besonders beliebt, um die Gälischkenntnisse vorzuzeigen, ist eine echte irische Begrüßung.

Ein freundliches Hallo auf irisch ist „Dia duit!“ (ausgesprochen: Dee-a Gwit) und bedeutet so viel wie „Gott sei mit dir!“ Diese Begrüßung wird in den meisten Fällen von einem „Wie geht’s dir?“ begleitet. Auf Irisch heißt das: „Conas atá tú?“ und wird Cunnus a-taw tuh ausgesprochen. Die Antwort darauf lässt meist nicht lange auf sich warten und lautet: „Tá mé go maith.“ (gesprochen: Taw mei guh mah) – „Mir geht es gut.“

Irische Begrüßung auf Englisch

Im Vergleich zur irischen Sprache ist das Hallo sagen auf Englisch um einiges einfacher. Als Besucher klappt das perfekt mit einem einfachen „Hi!“ beziehungsweise „Hello!“ oder noch besser mit „Hello, how are you?“ – die Inselbewohner haben untereinander jedoch mehrere Wege sich zu grüßen. Die Liste typisch irischer Begrüßungen ist lang und hängt stark von der jeweiligen Region ab. Eine kleine Auswahl der meist verwendeten Begrüßungsfloskeln der Grünen Insel, gibt es jetzt!

1. „Hi, how are you?“

Die klassische Begrüßung wird auf der ganzen Insel gern verwendet. Oft werden Teile des Satzes allerdings so schnell ausgesprochen, dass es sich fast wie „Howya?“ anhört. Dabei wird die Frage in den südlichen und westlichen Grafschaften schon fast gesungen, wobei die Tonlage vom Beginn des Grußes bis zum Ende immer höher wird.

Wer so empfangen oder gegrüßt wird, der antwortet meist mit „Grand.“ oder „Not too bad.“

2. „What’s the story?“ oder auch nur „Story?“

Nach der „Story“ zu fragen bedeutet so viel wie sich zur Begrüßung nach den Neuigkeiten des Gesprächspartners zu erkundigen. Der Ausdruck wird zwar besonders im Süden Irlands sehr häufig verwendet, ist jedoch im ganzen Land bekannt. Ihren Ursprung findet diese Floskel wohl im irischen Storytelling und diente dazu seinen Freunden oder Bekannten die neusten und spannendsten Geschichten zu entlocken.

Heutzutage wird alternativ auch oft „Any news?“ verwendet.

3. „Hows she cutting?“

Eine Begrüßung, die von Außenstehenden im ersten Moment sicherlich nicht als solche erkannt wird. Die Frage nach dem „cutting“ bezieht sich wörtlich übersetzt auf das Torfstechen. Sinngemäß fragen die Inselbewohner hier allerdings nach dem Befinden ihrer Freunde.

Diese Redewendung wird vor allem in den Regionen Irlands als Begrüßung verwendet, in denen traditionell Torf abgebaut wird.

4. „Well?“

Wer sich auf der Straße in den Grafschaften der Midlands begegnet, ruft sich zum Gruß ein knappes „Well?“ zu. Dabei wird das „e“ in die Länge gezogen, sodass ein Weehell daraus wird. Mit dieser Einwortfrage erkundigen sich die Iren nach dem Wohlergehen ihres Gegenübers, der in dieser Gegend oft nur ein ebenso kurzes „Yea, sure.“ oder „Grand.“ erwidert.

Wer an das „Well“ noch ein „boy“, „lad“ oder „girl“ hängt, der kommt höchstwahrscheinlich aus der Grafschaft Cork, wo dieser kurze Gruß zum guten Ton gehört.

5. „How are you keeping?“

Bei dieser Frage handelt es sich um eine weitere Variante des deutschen „Hallo, wie geht’s und was gibt es Neues?“ – wie man sie oft zwischen zwei Freunden hört, die sich schon seit längerer Zeit nicht mehr gesehen haben.

Diese eine Frage gibt es auf der Grünen Insel zu Begrüßung in unzähligen Varianten. Zu den gängigsten gehören unter anderem noch:

„How are they hanging?“

„How’s tricks?“

„How’s the craic?“

„How is it going?“

„How’s the form?“

„How`s the lad?“

Die formelle irische Begrüßung

Neben der Umgangssprache und den zig verschiedenen Slangwörtern, die von den Iren im Alltag zum gegenseitigen Gruß verwendet werden; gibt es natürlich auch in Irland eine formelle Art sich zu grüßen. In Geschäften, Büros und öffentlichen Einrichtungen wird man höflich mit einem einfachen „Good day!“ empfangen. Je nach Tageszeit wird aber auch häufig „Good morning / afternoon / evening.“ verwendet.

Anstatt dem umgangssprachlichen „How are you?“ verwenden die Einheimischen in einem offiziellen Rahmen meist das „I hope you are well today.“

Irische Begrüßung – Auf vielen Wegen zum Hallo

Wie so vieles, ist auch das Hallo sagen in Irland so ganz anders, als in anderen Ländern. In den beiden Sprachen sowie unzähligen Varianten und Redewendungen spiegelt sich genau das wieder, was wir und viele andere an der Grünen Insel so lieben: Individualität, Freundlichkeit, ein Hauch Geschichte und Tradition sowie der unvergleichliche irische Humor!

Also in diesem Sinne: Dia duit. Bíodh lá maith agat. – Hallo. Hab einen schönen Tag!

Über den Autor

Nadja Uebach

Nadja Uebach

Da ich seit elf Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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