Wandern in Irland

Der Slieve Donard – 3 Wanderungen auf den heiligen Berg

Neil Saad
Written by Neil Saad

In Irland, der Insel der Heiligen, sind mehrere Berge den großen Männern Gottes gewidmet. Dabei ist der Croagh Patrick wohl der bekannteste unter ihnen. Allerdings sind fünf weitere Berge bis heute heilige Orte, die von Pilgern aufgesucht werden. Darunter ist der Slieve Donard im Norden der irischen Insel einer der berühmtesten. Abseits religiöser Aspekte ist eine Wanderung auf den Slieve Donard ein Highlight für jeden Wanderenthusiasten. Denn auf den Slieve Donard zu wandern, ist nicht nur eine sportliche Herausforderung. Dazu bietet die Wandertour fantastische Ausblicke und so manche historische Besonderheit. Darum nehmen wir euch im Artikel mit auf den höchsten Berg der Provinz Ulster.

Der Slieve Donard und sein heiliger Namensgeber

Slieve Donard, der heilige Berg

Der Slieve Donard befindet sich in den Mourne Mountains in der Grafschaft Down. Er hat eine prominte Lage am Rande des Gebirges. Dabei befindet er sich unmittelbar an der Ostküste von Irland. Seine Bergspitze ist lediglich drei Kilometer von der irischen See entfernt. Der nächstgelegene Ort ist Newcastle, wenige Kilometer nordöstlich des Berges. Der heilige Berg ist mit 849 Metern die höchste Erhebung im Norden von Irland.

Über den Slieve Donard verläuft die berühmte Mourne Wall. Sie führt von Süden kommend zur Bergspitze. Von dort verlässt sie den Berg in Richtung Nordwesten. Die Mourne Wall ist eine 35 Kilometer lange Mauer, die das Kerngebiet des Gebirges umschließt. Dabei verläuft sie über nicht weniger als fünfzehn Bergspitzen. Sie dient dazu, weidende Tiere aus dem Zentrum der Berge fernzuhalten. Bei einer Wanderung auf den Slieve Donard dient sie als hilfreicher Orientierungspunkt.

Mourne Wall, Mourne Mountains

Creating Agency: Tourism Northern Ireland

Der Heilige Donard

Seinen Namen erhielt der Slieve Donard vom Heiligen St. Donard (in Irisch auch St. Domangard). Das irische Wort Slieve oder Sliabh bedeutet übersetzt schlicht “Berg”. Dabei war Donard einst ein heidnischer Kleinkönig im heutigen County Down. Er lebte zu Zeiten des Heiligen Patrick. Der Legende nach sandte St. Patrick einmal einen Boten zu König Donard. Dieser sollte um Gaben zur Unterstützung von Patricks Mission bitten. Jedoch schickte Donard den Boten zunächst mit der Aufgabe in ein Feld, seinen wildesten Bullen zu holen. Als Belohnung versprach er die geforderte Gabe. Erwartungsgemäß scheiterte der Bote an dem wilden Tier. Er kehrte unverrichteter Dinge zu seinem Herrn zurück. Darauf gab der Heilige Patrick dem Boten ein Halfter mit, welches er dem Bullen umlegen sollte. Dieser würde im damit zahm wie ein Lämmchen folgen. Tatsächlich geschah es, wie St. Patrick es weissagte.

Den Bullen brachte der Diener zu seinem Herrn. Dieser schlachtete das Tier und legte die Teile in Salz ein. Als König Donard das Fehlen seines besten Bullen bemerkte, bezichtigte er St. Patrick des Diebstahls. Daraufhin lies der das bereits zerlegte Tier wiederauferstehen. Zutiefst von dieser unglaublichen Tat beeindruckt, unterwarf sich Donard dem Heiligen. Er ließ sich taufen. Zusätzlich gab er seine Königswürden auf. Stattdessen zog er sich in die nahen Mourne Mountains zurück. Dort lebte er fortan zurückgezogen und im Gebet als Einsiedler. Es heißt, nach seinem Tod blieb der Geist des Donard im Inneren des Berges, wo er über diesen wacht.

Mourne Mountains

Silent Valley, Mourne Mountains, Do. Down, Nordirland ©Lynn Harding, Tourism Ireland

Mythologisches über Slieve Donard

Auf der Bergspitze befindet sich ein prähistorisches Steinzeitgrab. Historiker schätzen sein Alter auf 3.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Ein weiteres, kleineres Grab liegt an den nordöstlichen Hängen des Berges. In der lokalen Folklore heißt es, das Grab sei Zugang zur Anderswelt. Aus der vorchristlichen Periode rührt der alte Name des Berges her: Beann Boirche. Das Wort Beann bedeutet, in Anlehnung an das verbreitete Ben (wie in Ben Bulben), Spitze. Dagegen ist Boirche der Name eines einstigen Königs, dem magische Kräfte nachgesagt wurden.

Es ist übermittelt, dass bis ins 19. Jahrhundert Menschen zu Lughnasad Ende Juli auf die Bergspitze pilgerten. Dies taten sie in den jüngeren Jahrhunderten zu Ehren des Heiligen St. Donard. Jedoch gilt es als gesichert, dass diese Tradition bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht. Deshalb ist eine Wanderung auf den Slieve Donard stets auch eine mythologische Reise.

Auf den Slieve Donard wandern

Der Slieve Donard ist einer der höchsten Berge auf der Grünen Insel. Dementsprechend ist eine Wanderung eine sportliche Herausforderung für geübte Wanderer. Zudem sind die Mourne Mountains, trotz ihrer Küstennähe ein weitestgehend isoliertes Gebiet ohne Infrastruktur. Deshalb ist es ein mehrstündiges und einsames Wandererlebnis auf den Slieve Donard zu wandern. Dabei verlaufen Trampelpfade die Berghänge hinauf. Jedoch teilen sich diese häufig oder verschwinden kurzzeitig. Deshalb ist es für eine Wanderung auf den Slieve Donard wichtig, eine gute Wanderkarte oder Wanderapp zu besitzen. Dazu ist bei schlechten Sichtverhältnissen ein Kompass unerlässlich.

3 Wanderrouten auf den Slieve Donard

Slieve Donard Gipfel

Slieve Donard (5)
cc-by-sa/2.0 – © Albert Bridge – geograph.org.uk/p/1264413

1. Entlang des Flusses: Bloody Bridge River > 9 Kilometer

Von Newcastle aus verläuft in südliche Richtung eine Küstenstraße. Diese überquert vier Kilometer vom Ort entfernt eine Brücke. Unter dieser fließt der Bloody Bridge River in die Irish Sea. Dort befindet sich ein Parkplatz als Ausgangspunkt für diese Wanderung. Vom Parkplatz aus folgt die Route einem Trampelpfad, der nördlich des Flusses verläuft. Der Bloody River Bridge River entspringt in einem Tal südlich von Slieve Donard. Dorthin bringt diese Wanderung die Wanderer. Während der gesamten Wanderung steigt das Tal gemächlich an. Hinter der Flussquelle führt der Pfad weiter auf einen Sattel südlich der Bergspitze. Schließlich trifft der Weg dort auf die Mourne Wall. Die Wanderroute folgt nun der Mauer in nördlicher Richtung bis zur Bergspitze. Für den Rückweg empfiehlt es sich, dieselbe Route zu nehmen.

2. Wanderroute via Millstone Mountain > 12 Kilometer

Diese zweite Wanderroute startet ebenfalls auf dem Parkplatz am Bloody Bridge River. Zunächst folgte sie ebenfalls dem Pfad oberhalb des Flusses. Jedoch teilt sich dieser nach einem Kilometer. Ein Nebenarm strömt aus Nordwesten hinzu. Folgen Wanderer diesen Arm, finden sie Zugang zu dem Bergrücken des Millstone Mountain. Dessen Bergspitze (460 Meter) liegt zwei Kilometer nordöstlich von Slieve Donard. Über einen Sattel, der beide Berge verbindet, erreichen Wanderfreunde den Rücken des heiligen Berges. Dort beginnt der Anstieg zur Bergspitze. Hierbei ist zu beachten, dass diese Route über den Millstone Mountain keinen Pfaden folgt. Ebenfalls steht die Mourne Wall nicht als Orientierungshilfe bereit. Jedoch können Wanderer diese für den Rückweg nutzen und den Slieve Donard südwärts entlang der Mauer verlassen. Sie treffen dort auf den Pfad, der hinab zum Bloody Bridge River und zurück zum Parkplatz führt.

3. Von Newcastle auf den Slieve Donard wandern > 10 Kilometer

Die dritte Route ist die beliebteste Option für eine Wanderung auf den Slieve Donard. Sie beginnt im Ort Newcastle. Dort fließt nahe des Newcastle Strand der Glen River ins Meer. Von dort aus dem Fluss folgend, kommen Wanderer auf direktem Wege in das lang gezogene Tal nordwestlich von Slieve Donard. Ein Trampelpfad folgt oberhalb des Flusses seinem Verlauf. Am Talende führt ein kurzer, aber steiler Anstieg auf den Sattel zwischen Slieve Donard und Slieve Commedagh. Hierbei verläuft entlang dieses Sattels die Mourne Wall. Sie bringt Wanderer östlich zur Bergspitze des heiligen Berges.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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