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Das Knappogue Castle und sein Whiskey

Knappogue Castle
Neil Saad
Written by Neil Saad

Die irische Insel ist übersät mit herrschaftlichen Landsitzen und imposanten Stadthäusern aus den vergangenen Jahrhunderten. Dabei dienten diese rustikalen Wohnsitze der herrschenden Klasse von einst sowohl als Schutz als auch als Prestigeobjekte. Darunter stellt das Knappogue Castle keine Ausnahme dar. Die befestigte Burg stammt aus dem 15. Jahrhundert und beherbergte über die Zeiten verschiedene, bedeutende Familien der Region. Zudem spielte sie durch ihre zentrale Lage im Grenzgebiet zwischen den Grafschaften Clare und Limerick, nahe am Fluss Shannon, regelmäßig eine Rolle in der wechselhaften, irischen Geschichte. Nicht zuletzt erlangte die Burg internationale Bekanntheit durch den gleichnamigen Irish Whiskey.

Knappogue Castle: Sitz der Familie MacNamara

Das Knappogue Castle baute die Familie MacNamara ab dem Jahr 1467. Die MacNamaras waren ein einflussreicher Clan im historischen Königreich Thomond. Thomond war seinerzeit ein größeres Kleinkönigreich in der traditionellen Provinz Munster. Das Herrschaftsgebiet umfasste die modernen Countys Clare und Limerick. Aus dieser bedeutenden Familie stammte Sean MacNamara ab, der Erbauer der Burg. Deren älteste Bestandteile, vor allem der eindrucksvolle Hauptturm, stammen aus dieser Zeit.

Das Schloss blieb im Familienbesitz für die nächsten zweihundert Jahre. Dabei wurde es ab 1571 zum Hauptsitz der Familie MacNamara. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts verlor die Familie ihren Sitz. Zunächst kämpfte der Clan während der irischen Rebellionen ab 1641 gegen die englische Verwaltung. Während der langjährigen Kriegswirren war das Knappogue Castle stets eine standhafte Trutzburg für die irischen Rebellen. Schließlich jedoch setzte die erfolgreiche Eroberung Irlands durch Oliver Cromwell (1649 – 1653) dem Treiben ein Ende. Der Clan MacNamara verlor in der Folge der irischen Niederlage seinen Besitz.

Das Knappogue Castle im Wandel der Jahrhunderte

Die Burg ging an einen Arthur Smith über, der diese zwei Jahre lang unterhielt. Anschließend, nachdem sich die Verwaltungslage in Irland beruhigt hatte, erhielten die MacNamaras ihren Wohnsitz zurück. Für weitere einhundert Jahre lebte die Familie in ihrem traditionellen Heim. Letztlich verkaufte ein Francis MacNamara das Anwesen im Jahr 1800. Käufer war die Familie Scott. Diese begann mit umfangreichen Renovierungen und Umbauten an dem beinahe 350 Jahre alten Gebäude. Dazu entstand ein formeller Mauergarten von einem halben Hektar Größe.

Jedoch lebte die Familie Scott nicht lange in Knappogue Castle. Bereits 1855 verkauften sie das Anwesen an die einflussreiche Adelsfamilie Dunboyne. Diese machte die Burg zu ihrem Familiensitz und setzte die Bauarbeiten der Scotts fort. Auf die Dunboynes gehen weitere, umfangreiche Erweiterungen zurück.

In der Folge wechselte das Knappogue Castle weitere Mal den Besitzer. Nach dem irischen Unabhängigkeitskrieg (1919 – 1921), während dem es als Stützpunkt für die I.R.A diente, ging es in Staatsbesitz über. Nach Jahren des Verfalls erwarb es 1966 der US-Amerikaner Marc Andrews gemeinsam mit seiner Frau Lavonne Andrews.

Knappogue Castle und sein Irish Whiskey

Marc Andrews und seine Frau, eine Architektin, setzten das Knappogue Castle instand. Ihr Ziel war es, den ursprünglichen Zustand aus dem 15. Jahrhundert wiederherzustellen. Gleichzeitig blieben neuere Elemente des Bauwerks aus der Zeit der Scotts und Dunboynes erhalten.

Während der Arbeiten an dem Anwesen entdeckte Andrews eine weitere Leidenschaft: irischer Whiskey. Dabei blieb sein Augenmerk besonders an der alten Daly Distillery in Tullamore hängen. Diese hatten 1954 ihre Pforten geschlossen und die Produktion des Tullamore DEW Irish Whiskey eingestellt. Jedoch gab es auch in den 1960er Jahren noch alte Bestände der Destillerie. Diese alten Fässer erwarb Andrews in Teilen. Daraus machte er für den Privatgebrauch seinen eigenen Whiskey. Dies war für die Zeit bemerkenswert. Die 1960er waren die Zeit, in der die letzten großen, irischen Destillerien schlossen. Es verblieben am Ende des Jahrzehnts lediglich zwei Destillerien auf der Grünen Insel. Hierbei handelte es sich um die Midleton Distillery im County Cork und die Bushmills Distillery im County Antrim. Whiskeys von außerhalb dieses Duopols waren selten.

Aus diesen Tagen stammt ein legendärer Knappogue Whiskey: der Knappogue Castle 1951. Diesen bot Andrews Sohn schließlich 1987 als 36-jährigen Whiskey zum öffentlichen Verkauf an. Gemeinhin gilt dieser als einer der ältesten irischen Whiskeys. Verbliebene Flaschen sind heute rar und bei Sammlern äußerst begehrt.

Allerdings sind die Knappogue Castle Whiskeys nicht ausschließlich exklusive Sammlerstücke. Nachdem die von Andrews erworbenen Bestände aus Tullamore zur Neige gingen, startete die Marke erst richtig durch. Unter der Leitung von Andrews Sohn und dessen Unternehmens Castle Brand ist der Knappogue Whiskey mit verschiedenen Abfüllungen am Markt vertreten. Die Whiskeys dafür bezieht Andrews mittlerweile von verschiedenen irischen Destillerien.

Die mittelalterliche Burg heute besuchen

1996 ging das Knappogue Castle wieder in staatlichen Besitz über. Heute können Irland-Reisende der altehrwürdigen Burganlage und dem restaurierten Mauergarten einen Besuch abstatten. Dabei ist ein Teil des Gebäudes als Unterkunft buchbar. Zudem finden im Festsaal regelmäßig prächtige Mittelalteressen statt. Außerdem können Hochzeitspaare das Knappogue Castle für ihren Feierlichkeiten anmieten.

Für Irland-Reisende bietet sich ein Abstecher zum Knappogue Castle während einer Rundreise durch die Shannon-Region an. In Verbindung mit Limerick Stadt, dem Bunratty Castle und der Küstenregion der Grafschaft Clare ist das Anwesen ein ideales Ausflugsziel.

Übrigens sollten sich Besucher keine allzu großen Hoffnungen auf den berühmten Whiskey machen. Zwar trägt dieser weiterhin den Namen des Anwesens. Jedoch findet weder die Produktion noch die Lagerung des Destillats vor Ort statt.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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