Irische Schriftsteller

C.S. Lewis – der Schaffer von Narnia

CS Lewis Narnia
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

Mit dem Königreich Narnia, dem majestätischen Löwen Aslan und den Geschwistern Peter, Susan, Edmund und Lucy hat C.S. Lewis eine Welt geschaffen, wie sie ihresgleichen sucht. Wirklich vergleichbar mit ihr ist wohl nur diejenige des Herrn der Ringe aus der Feder von Lewis‘ Zeitgenossen und Freund J.R. Tolkien. Bis heute inspirieren diese beiden unzählige andere Autoren zu deren eigener Version von Fantasy-Welten. Hier findet Ihr ein kurzes Portrait des nordirischen Schriftstellers und Oxforder Universitätsdozenten sowie etliche interessante Hintergründe zu den weltweit beliebten „Chroniken von Narnia“.

C.S. Lewis: Frühe Jahre

Clive Staples Lewis – kurz „Jack“ genannt, wurde 1898 in Belfast geboren. Mit einem älteren Bruder wuchs er in einer Akademikerfamilie mit einer umfangreichen Hausbibliothek auf. Der kleine Jack nutzte sie ausgiebig.

Childhood-Home von C.S.Lewis

Albert Bridge / “Little Lea”, Belfast

Als er neun Jahre alt war, starb seine Mutter, und der Vater schickte die beiden Brüder in verschiedene britische Internate. Von 1917 bis 1923 studierte Jack in Oxford und unterrichtete danach am Magdalen College, ebenfalls in Oxford.

Hier lernte er auch J.R.R. Tolkien kennen. Die beiden gehörten zu einem Freundeskreis, genannt die „Inklings“ (Tintenkleckser), zu dem unter anderen auch Jacks Bruder Warnie Lewis, Hugo Dyson und Charles Williams gehörten. Von 1933 bis 1947 fanden regelmäßige Treffen der Inklings statt, in denen nicht nur über zeitgenössische Literatur, sondern auch über die eigenen Werke diskutiert wurde. Die illustre Runde traf sich im „The Eagle and Child“, einem bis heute beliebten Pub in Oxford.

Laufbahn und Auszeichnungen von C.S. Lewis

Die Freundschaft zu den Inklingen und lange nächtliche Diskussionen mit Hugo Dyson und J.R.R. Tolkien führten auch dazu, dass „Jack“ C.S. Lewis im Jahr 1931 vom Atheisten zum bekennenden Christen wurde. Eine Entscheidung, die einen wesentlichen Einfluss auf seine weitere Laufbahn und seine Werke hatte. Das gilt auch für die Chroniken von Narnia, wie wir später sehen werden.

In den Folgejahren gewann Lewis durch seine Vorlesungen, zahlreiche Veröffentlichungen in christlichen Zeitschriften und Radioansprachen im BBC deutlich an Popularität. Die Gesellschaft britischer Gelehrter „Royal Society of Literature“ kürte Lewis im Jahr 1948 zu einem geschätzten Mitglied. In den drei folgenden Jahren erhielt er außerdem die Ehrendoktorwürden für Theologie und Literatur, und wurde 1958 ein Ehrenmitglied des University College Oxfords.

The Last Battle, der letzte Band der Narnia-Chroniken, bescherte Lewis im Jahr 1955 zudem die Carnegie-Medaille.  Im Jahr 2008 wählte das britische Bildungswerk “Booktrust” den Band Der König von Narnia zum besten Kinderbuch aller Zeiten.

„Jack“ C.S. Lewis, der Privatmensch

Jack, der seine Mutter schon so früh verloren hatte, heiratete erst spät. Im April 1956 ehelichte er Helen Joy Davidman, eine amerikanische Schriftstellerin mit zwei Söhnen. Gerüchten zufolge war Davidman 1952 nach Oxford gekommen, um Lewis, den sie wegen seiner christlichen Schriften bewunderte, näher kennenzulernen.

Die Ehe jedoch bestand eher auf dem Papier als in einer Lebensgemeinschaft. Erst als Lewis von ihrer Krebserkrankung erfuhr, kam von seiner Seite her die Liebe ins Spiel. Nachdem Joy Davidman 1960 ihrer Krankheit erlag, verarbeitete er seine tiefe Trauer in seinem Werk „A Grief Observed“ – „Über die menschliche Trauer“.

Die Ehe war kinderlos geblieben, und Jack selbst sollte seine Frau nicht lange überleben. Er starb 1963, eine Woche vor seinem 65. Geburtstag, an Nierenversagen. Begraben liegt Lewis bei der Holy Trinity Church in Oxford, und die Inschrift auf seinem Grab lautet: Dulden muss der Mensch sein Scheiden aus der Welt.

C.S. Lewis‘ Vermächtnis

Doch Lewis‘ literarisches Vermächtnis begleitet uns bis heute. Neben seinen literaturwissenschaftlichen Werken existieren zahlreiche Bücher, die seine christliche Weltanschauung belegen und bis in die Gegenwart immer wieder neu aufgelegt wurden. Im Deutschen bekannt sind Titel wie Das Schloss und die Insel, 1933, Christentum schlechthin, 1952, und Vier Arten der Liebe, 1960.

In einer Autobiografie mit dem deutschen Titel Überrascht von Freude: Biographie der frühen Jahre und Briefen sowie Tagebüchern gewährt Lewis dem Leser Einblicke in sein Privatleben.

Ab dem Jahr 1938 verfasste Lewis außerdem Romane. Darunter eine Weltraum-Trilogie namens „Perelandra“ und selbstverständlich sein heute berühmtestes und mehrfach verfilmtes Werk „Die Chroniken von Narnia“.

Die Ursprünge der Chroniken von Narnia

Wer die Chroniken von Narnia für eine reine Erzählung für Kinder hält, liegt weit daneben. It is my opinion that a story worth reading only in childhood is not worth reading even then, äußerte sich Lewis selbst. Dementsprechend verfasste er seine Chroniken in leicht verständlicher Sprache, äußerst fantasievoll und gleichzeitig voll tiefgründiger Erkenntnisse und Symbolik.

Im Übrigen fasste Lewis selbst es niemals so auf, dass er Narnia „geschaffen“ hatte. Er hätte weniger Dinge erfunden, als vielmehr solche genommen, die schon vorhanden waren, und diese einfach neu geordnet. Seine Kunst lag darin, unterschiedliche Elemente auf eine neue, einzigartige Weise miteinander zu verweben.

Das offensichtlichste Beispiel dafür sind die von ihm verwendeten Namen. In einem Atlas der antiken Welt beispielsweise entdeckte Lewis den Namen einer italienischen Stadt: Narnia (das heutige Narni in Umbrien). Eine der berühmtesten Persönlichkeiten dieser Stadt war die Mystikerin und spätere Schutzheilige Lucia Brocadelli. Aus irgendeinem Grund fand Lewis Gefallen an diesen Namen, behielt sie im Gedächtnis – und schon hatte er den Namen seines fiktiven Königreichs und einer der Heldinnen.  Auch der Name des Löwen – Aslan – ist nichts anderes als der türkische Begriff für „Löwe, König der Tiere, Wüstenkönig“.

Die Schwelle zu einer anderen Welt

Hinter diesen schlichten Namen aber steckt, genau wie hinter vielen Gegenständen und den fiktiven Ereignissen, stets eine tiefere, symbolhafte Bedeutung.

Ein Beispiel: Die Tür des Kleiderschranks als Schwelle in eine andere Welt. Eine derartige „Schwelle“ war schon vor Lewis ein bekanntes Motiv in der Kinderliteratur und ist es bis heute (siehe J.K. Rowlings). Lewis selbst veranschaulicht damit seine Ansicht, dass es eine andere, wunderbare Welt gibt, die unser wahrer Bestimmungsort ist, doch wir stehen auf der „falschen“ Seite dieser Tür. Mit seiner Erzählung lädt er uns also ein, wie Lucy und ihre Geschwister die Schwelle zu übertreten und diese andere Welt für uns zu entdecken.

Dabei malt er im Gegensatz zu herkömmlichen Mythen oder Märchen nicht nur in Schwarz-Weiß. Er gibt nicht vor, was beziehungsweise wer in dieser Welt gut oder böse ist, sondern seine Helden und damit auch die Leser müssen den moralischen Charakter der Figuren selbst entdecken. So erwartet hier niemanden ein erhobener Zeigefinger, sondern eher eine persönliche Entdeckungsreise.

Das Königreich von Narnia und die Theologie

Wie bereits angedeutet, werden die Chroniken von Narnia oft als religiöse Allegorie, also bildliche Darstellung eines abstrakten Begriffes, bezeichnet. Sie symbolisieren die christliche Geschichte der moralisch gefallenen Welt, ihrer Erlösung und der Wiederherstellung des ursprünglichen Königreichs unter der Herrschaft Gottes.

Lewis persönlich sieht Narnia jedoch eher als Gedankenspiel nach dem viel zitierten Motto „What if“, „was wäre, wenn“. Nehmen wir an, es gäbe ein Land wie Narnia und der Sohn Gottes würde, so wie er in unserer Welt Mensch wurde, dort zu einem Löwen, und stellen wir uns vor, was dann passieren würde, erklärte er.

Und seine Vorstellung davon ist äußerst präzise. Die Abbildung zeigt ein Bild des Fauns Herr Tumnus und damit des Wesens, das Lucy bei ihrem Eintritt in die neue Welt begrüßt.

Mr Tumnus Skulptur Narnia

Mr Tumnus sculpture, CS Lewis Square, Belfast – December 2017(2)
cc-by-sa/2.0 – © Albert Bridge – geograph.org.uk/p/5632826

Oder man denke an die Szene, in der der mächtige König Aslan auf dem Steinernen Tisch hingerichtet wird – und zwar aus freien Stücken für die Vergehen des jungen Edward. Derart gekonnt und ausgeschmückt mit Bildern erzählt Lewis, dass die Geschichte jeden Leser (und Zuschauer) in ihren Bann zieht. Sie fasziniert und inspiriert, macht uns zu einem Teil des Geschehens und ermöglicht auf diese Weise manchem Leser einen neuen Zugang auch zu christlichem Gedankengut.

Zum guten Schluss noch ein Zitat des großen nordirischen Schriftstellers:

Wenn wir in uns selbst ein Bedürfnis entdecken, das durch nichts in dieser Welt gestillt werden kann, dann können wir daraus schließen, dass wir für eine andere Welt erschaffen sind.

Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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