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Browneshill Dolmen: Europas größter Portal Tomb

Browneshill Dolmen
Written by Nadja Uebach

Inmitten eines unscheinbaren Feldes wenige Kilometer östlich der Kleinstadt Carlow liegt eines der beeindruckendsten megalithischen Portalgräber der Grünen Insel: Der Browneshill Dolmen! Schon von Weitem fällt der Blick auf den gigantischen Deckstein, durch den die Anlage als die größte ihrer Art in Europa gilt! Doch es ist nicht nur der Anblick des Granitbrockens, der seit mehreren Jahrtausenden auf den beiden Portalsteinen sowie dem Endstein ruht; sondern es ist die mystische Atmosphäre, die für Gänsehaut sorgt, je näher man den Steinen kommt. Es sind die vielen Geheimnisse, die sich an diesem Ort türmen und die unzähligen offenen Fragen, die den Dolmen umringen und von den Steinen mit einem immerwährenden Schweigen beantwortet werden; die dieses Fleckchen Irland zu etwas Besonderem machen!

Der Browneshill Dolmen in Carlow: Der Gigant unter den Portal Tombs

Seinen Namen erhält der Browneshill Dolmen von dem Land der Brownes Hill Estate, auf dem er steht. Die Estate war von 1763 bis in die 50er Jahre im Besitz der aus England stammenden Familie Browne; ihrer Zeit eine der einflussreichsten Familien des Landes. Manchmal wird die megalithische Anlage auch als Kernanstown Portal Tomb bezeichnet; ein Name, der sich auf die Region bezieht.

Der Dolmen bleibt jedoch weniger mit seinem Namen, dafür umso mehr mit seinem Anblick in den Erinnerungen seiner Besucher. Dafür sorgt insbesondere der enorme Deckstein mit seinem gigantischen Ausmaß. Der bis zu zwei Meter dicke, sechs Meter lange und vier Meter breite Granitbrocken wiegt schätzungsweise zwischen 100 und 150 Tonnen. Sein Gewicht ruht auf zwei stehenden Portalsteinen sowie einem liegenden Endstein. Die zum Boden hin abfallende Seite des Decksteins war vermutlich ursprünglich von Erde bedeckt. Nach der heutigen Anschauungsweise bildete der Browneshill Dolmen demnach zu seiner Zeit ein perfektes Portal in die Unterwelt. Direkt neben den Tragsteinen befindet sich ein weiterer frei stehender Stein, der womöglich darauf hinweist, dass der Portal Tomb ursprünglich Teil einer weitläufigeren Anlage war. Wozu man diese Anlage jedoch verwendete, ist genauso unklar wie die Bauweise des Dolmens!

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Jahrtausende alt & tonnenschwer: Wie wurde der Browneshill Dolmen erbaut?

Obwohl der Browneshill Dolmen als der weltweit größte Portalstein gilt, ist er bei Weitem nicht der Einzige. Mehrere Zehntausende dieser megalithischen Bauwerke faszinieren Archäologen und Besucher unserer Zeit auf dem gesamten Planeten. Nord- und Mitteleuropa zählt etwa 40.000 dieser beeindruckenden prähistorischen Bauwerke! Neben der Frage nach dem ursprünglichen Verwendungszweck drehen sich die Forschungen oft um die Art und Weise, wie es den Menschen möglich war, die tonnenschweren Steine zu bewegen, um diese Monumente zu erbauen.

Der Browneshill Dolmen wurde schätzungsweise zwischen 3.300 und 2.900 v. Chr. erbaut. Auf die Frage, wie die Menschen den gigantischen Deckstein damals auf den drei Tragsteinen platzierten, gibt es drei mögliche Antworten. Zum einen vermutet man, dass der Deckstein unter Umständen gar nicht bewegt wurde. Stattdessen platzierte man die drei stehenden Tragsteine in vorher ausgehobenen Löchern. Als die Portalsteine und der Endstein sicher unter dem Granitbrocken standen, beseitigte man das restliche Erdwerk unter dem Deckstein.

Eine weitere Theorie besagt, dass man den Deckstein mithilfe einer Erdrampe und überdimensionalen Hebeln aus Holzpfählen auf die Tragsteine hob. Diese Art von Hebel spielen auch bei der dritten Möglichkeit eine Rolle; bei der man davon ausgeht, dass die Menschen von einst den Deckstein an einer Seite aufstemmten. Den dadurch entstandenen Hohlraum füllte man anschließend mit Erde, die man nach der erfolgreichen Platzierung der Tragsteine wieder entfernte.

Wie auch immer, der Browneshill Dolmen entstand, fest steht, es war ein zeitintensives, schweißtreibendes und sicherlich nicht ungefährliches Unterfangen. Ein Hinweis darauf, dass die damalige Kultur dieser Art von Bauwerken einen großen Wert zusprach!

Ritualstätte oder letzter Ruhe Ort?

Ein großer Teil der mystischen Atmosphäre, die Orte, wie den Browneshill Dolmen in Carlow umgeben, sind die Geheimnisse, die in den Steinen verborgen liegen. Obwohl an einigen dieser Megalithanlagen, wie beispielsweise am Poulnabrone Dolmen in der Grafschaft Clare, bereits Ausgrabungen stattfanden; ist nach wie vor unklar, wie genau man die Dolmen zu ihrer Zeit nutzte.

Bei diesen Ausgrabungen gefundene menschliche Überreste, sowie Perlen, Feuersteine und Keramikscherben, weisen darauf hin, dass es sich sowohl um Gräber als auch um Ritualstätten handelt. Die Annahme, dass Dolmen ein zentraler Ort für Rituale jeglicher Art waren, wird zudem von der Tatsache unterstützt, dass menschliche Überreste bisher nie komplett gefunden wurden. So waren es entweder eingeäscherte Knochen oder einzelne Knochen des gleichen Körpers, die getrennt voneinander begraben wurden. Es scheint, als hätte man bei der Bestattung in einem Portalgrab keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern und dem Alter der Toten gemacht. Am Poulnabrone Dolmen im Burren fand man die Überreste von Männern, Frauen und sogar Kindern.

Außerdem gehen Archäologen davon aus, dass die Körper der Toten zunächst an einem anderen Ort aufbewahrt wurden und später nur deren Knochen in den Portalen ihre letzte Ruhestätte fanden. Was ebenso die Vermutung nahelegt, dass die Dolmen als Ritualstätte, als Ort der Götterverehrung und als Grabstätte der damaligen Oberschicht dienten. Da am Browneshill Dolmen bisher keine archäologischen Untersuchungen stattfanden, kann man nur vermuten, dass man diesen ähnlich wie den Poulnabrone Dolmen nutzte.

Wie genau diese Rituale jedoch aussahen, warum sie abgehalten wurden und ob es noch weitere Verwendungszwecke dieser Anlagen gab; sind Fragen, die uns jedoch nur die Steine selbst beantworten könnten!

Ein Besuch beim Browneshill Dolmen

Der Browneshill Dolmen ist das ganze Jahr über für die Öffentlichkeit zugänglich. Etwa drei Kilometer östlich von Carlow Town folgt man der Beschilderung entlang der Hacketstown Road auf eine schmale Straße. Von dem kleinen Parkplatz aus geht es zu Fuß in die Mitte des Feldes. Auf dem Weg sieht man den monumentalen Deckstein schon von Weitem.

Die Anlage selbst ist gepflegt und mit Hinweistafeln ausgestattet. Da der Browneshill Dolmen nicht annähernd so viele Besucher anzieht wie einige andere mystische Orte in Irland; hat man diese megalithische Anlage oft für sich allein. Dann heißt es, auf einer der einfachen Steinbänke Platz nehmen. Und dann das gewaltige Ausmaß des Dolmens mehrere Minuten auf sich wirken lassen. Dabei rückt die geheimnisvolle keltische Vergangenheit der Grünen Insel in greifbare Nähe und sorgt in jedem Fall für Gänsehaut!

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit dreizehn Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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