Irland Kultur

Lola Montez: Tänzerin, Königsgeliebte, Broadwaystar

Lola Montez
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

Die außergewöhnlichen Landschaften Irlands sind für ihre Schönheit weithin bekannt. (Fast) ebenso bekannt sind einige irische Damen für ihre außerordentliche Schönheit und Begabung. Mit der Schauspielerin Maureen O’Hara, haben wir Ihnen eine davon vorgestellt, heute widmen wir uns einer weiteren: Lola Montez. Denn selbst wenn ihr Name und Werdegang alles andere vermuten lässt: Lola Montez, die Geliebte des bayrischen Königs Ludwig I., war in der Tat eine Irin!

Die frühen Jahre der Lola Montez

Geboren wurde Lola unter dem durchaus irischen Namen Eliza Rosanna Gilbert am 17. Februar 1821 im County Sligo. Vermutlich. Viele Jahre lang hatte man nämlich angenommen, dass sie am 23. Juni 1818 in Limerick geboren wurde. Dieses Datum steht auch auf ihrem Grabstein. Doch seit man vor etwa zwanzig Jahren ihre Taufurkunde fand, geht man davon aus, dass sie in Wahrheit erst 1821 in Grange in der Grafschaft Sligo das Licht der Welt erblickte.

Fest steht jedenfalls die Identität ihrer Eltern: Elizabeth Oliver aus der Familie eines irischen Regierungsbeamten, und Edward Gilbert aus Schottland. Die junge Familie lebte in Boyle im County Roscommon, ehe sie 1823 nach Indien zog. Schon nach kurzer Zeit in Indien starb Elizas (Eliza war der Rufname des Mädchens) Vater an Cholera, und ihre Mutter heiratete ein zweites Mal. Elizas Stiefvater kam mit dem verwöhnten, ungestümen kleinen Mädchen nur schwer zurecht und schickte es zu seinem Großvater nach Schottland, wo Eliza nun die Schule besuchte.

Auch hier fiel sie durch ihre übermütige Art auf. Während eines Gottesdienstes beispielsweise steckte sie Blumen in die Perücke eines alten Herrn, oder rannte nackt durch die Straßen. Um trotz allem eine Dame aus dem ungezogenen Kind zu machen, steckte ihre Familie sie im Alter von zehn Jahren in ein englisches Internat. Mit 16 Jahren beendete die nach wie vor temperamentvolle Eliza die Schule und heiratete einen Leutnant namens Thomas James.

Aus Eliza wird Lola Montez

Das junge Paar lebte zunächst in Irland, danach in Indien, trennte sich jedoch schon nach fünf Jahren Ehe wieder. Eliza ging zurück nach England. Hier lernte sie (passend zu ihrem südländischen Äußeren) die spanische Sprache, begann zu tanzen und reiste nach Spanien, um sich weiterhin darin zu üben. 1843 kehrte sie nach London zurück, doch nicht länger als „Mrs. Eliza James“, sondern unter dem spanischen Namen Maria de los Dolores Porrys y Montez, kurz Lola Montez.

Tatsächlich gab sie sich als spanische Tänzerin aus Sevilla aus – und feierte erste Erfolge. Doch die irische Spanierin wurde entlarvt, und floh – um einer Verhaftung als Hochstaplerin zu entgehen – auf den Kontinent. Sie zog durch mehrere europäische Hauptstädte, tanzte und eroberte die Herzen der Männer gleich reihenweise. Unter ihren Affären befanden sich bekannte Persönlichkeiten wie der Musiker Franz Liszt, der Schriftsteller Alexandre Dumas sowie dessen Sohn und der Pariser Zeitungsredakteur Alexandre Dujarier. Letzterer wurde 1845 in einem Duell erschossen, das er um Lolas Willen gefordert hatte. Nach längerem Aufenthalt (und mäßigen tänzerischen Erfolgen) in Paris kam Lola schließlich im Jahr 1846 nach München.

Lola und Ludwig – der König und seine Mätresse

In München angekommen suchte sie ein Engagement als Tänzerin. Da jedoch niemand bereit war, sie auftreten zu lassen, sprach sie beim bayrischen König vor. Am 7. Oktober 1846 begegnete Ludwig I. von Bayern zum ersten Mal der „spanischen Tänzerin“. Der sechzigjährige König war hingerissen. Einem Gerücht zufolge fragte er Lola bereits bei dieser ersten Begegnung (in der Öffentlichkeit), ob ihre Brust echt sei. Zum Beweis dafür schob sie ihr Kleid soweit zurück, dass er sich persönlich davon überzeugen konnte.

Nur drei Tage später, am 10. Oktober, gab Lola Montez ein Gastspiel am Münchner Hof-und Nationaltheater, und wiederum kurz darauf galt die Fünfundzwanzigjährige offiziell als Geliebte des Königs. Obwohl sämtliche Minister des bayrischen Kabinetts dagegen waren, gelang es Ludwig I., Lola Montez im Königreich einzubürgern. Außerdem erhob er sie 1847 zur „Gräfin von Landsfeld“.

Joseph Karl Stieler [Public domain], via Wikimedia Commons

Lolas liberaler und gegen die mächtigen Jesuiten gerichteter Einfluss auf den König war nicht zum Besten. Außerdem machte ihre skandalöse Lebensweise (sie empfing neben dem König auch andere Männer und zeigte sich beispielsweise rauchend auf Münchens Straßen) sie beim Volk sehr unbeliebt.

In den allgemeinen Unruhen der beginnenden Märzrevolution 1848 gipfelte die Situation schließlich darin, dass die Münchner Universität kurzzeitig geschlossen und Lola Montez des Landes verwiesen wurde. Zudem sah der vormals so populäre König sich dazu veranlasst, freiwillig abzudanken.

Lolas Leben in der Schweiz und Rückkehr nach London

Ihre Flucht aus Bayern führte Lola Montez in die Schweiz. Den Kontakt zum bayrischen König hielt sie aufrecht, offenbar in der Hoffnung, ihn wiederzusehen. Möglicherweise auch deshalb, weil er ihr Einkommen sicherte. Lola lebte nach wie vor von seinem Geld – und zwar nicht gerade in bescheidenen Verhältnissen. Doch das Verhältnis der beiden kühlte ab und 1949 kehrte Lola nach London zurück. Sie heiratete einen jungen britischen Offizier, und Ludwig I. brach die Beziehung zu ihr endgültig ab.

Indessen stellte sich heraus, dass ihre neue Eheschließung ungültig war: Lola hatte sich niemals von ihrem ersten Ehemann scheiden lassen. Wiederum musste Lola aus England fliehen um einer Anklage, diesmal wegen Bigamie, zu entgehen. Über verschiedene Zwischenstationen gelangte sie in die USA.

Lola Montez 1845

Jules Laure (1806-1861) [Public domain], via Wikimedia Commons

Lola Montez am Broadway und in Australien

Von 1851 – 1853 trat Lola Montez am Broadway auf und tourte mit ihrem Stück „Lola Montez in Bavaria“ durch den amerikanischen Osten. Schließlich führte ihr zunehmender Ruhm Lola nach Kalifornien, wo sie 1853 zum dritten Mal heiratete. Ihren zweiten Ehemann hatte sie bereits auf dem Weg nach Amerika „verloren“ und auch diese dritte Ehe hielt nicht lange.

Lola lebte in Kalifornien, bis sie 1955 zu einer Tournee durch Australien aufbrach. Sie spielte und tanzte hauptsächlich vor Goldgräbern, und verursachte auch dort etliche Skandale durch ihr frivoles Auftreten und ihr ungezügeltes Temperament. Zum Beispiel attackierte sie den Verfasser einer schlechten Rezension ihres Auftritts mit einer Peitsche. 1957 schließlich kehrte sie nach Amerika zurück, um wieder an ihre hiesige Theaterkarriere anzuknüpfen.

Das Ende einer Karriere

Der Versuch misslang, dennoch blieb Lola in New York. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt, indem sie Lesungen hielt und einen Schönheitsratgeber verfasste. Außerdem engagierte sie sich für „Gefallene Mädchen“ und bekannte sich plötzlich öffentlich zum christlichen Glauben.

Drei Jahre nach ihrer Rückkehr erkrankte Lola Montez. Die Rede war von einem Schlaganfall und den Auswirkungen der Syphillis, auf jeden Fall verfiel der Körper der 39-Jährigen zusehends. An Weihnachten 1860 litt Lola zusätzlich an einer Lungenentzündung und starb am 17. Januar 1861 in New York. Die „spanische Tänzerin“ war tot – was von ihr blieb, sind neben ihren eigenen Memoiren zahlreiche Stücke für Ballett und Theater, Bücher und Filme.

Bereits 1918 wurde ihr Leben verfilmt, 1922 folgte eine deutsche Verfilmung mit dem Titel „Lola Montez, die Tänzerin des Königs“. Aus den Jahren 1956 und 1971 stammen zwei romanhafte Biographien, und 2013 erhielt eine dänische Band die Goldene Schallplatte für ihren Song „Lola Montez“.

 

Falls Sie sich in Irland auf die Spuren der legendären Tänzerin machen wollen, bietet sich ein Besuch des Schlosses ihrer Vorfahren an: Castle Oliver im County Limerick. In der Stadt Sligo findet sich zudem ein Nachtclub, der nach ihr benannt ist.

Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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