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Jerpoint Abbey – Das beeindruckende Kloster in Kilkenny

Jerpoint Abbey Kilkenny Irlands historischer Osten
Neil Saad
Written by Neil Saad

Irland, die Insel der Heiligen und Geistlichen ist seit Jahrhunderten reich mit Klöstern gesegnet. Waren diese einst bedeutende Orte des Wissens und der Lehre, sind ihre Ruinen heute mystische Plätze. Irland-Reisende geraten schnell in den Bann der faszinierenden, alten Gemäuer. Dabei lagen viele Klöster, wie die Anlagen von Glendalough oder Monasterboice, zurückgezogen in abgelegenen Winkeln der Grünen Insel. So in der Grafschaft Kilkenny im Südosten von Irland. Dort ragen mitten aus der weiten, grünen Landschaft die Klosterruinen der Jerpoint Abbey hervor. Wo der Fluss Nore gewunden seine Bahn durch die Grafschaft zieht, erwartet Irland-Reisende die Jerpoint Abbey. Eine der am besten erhaltenen Klosteranlagen von Irland. Die Geschichte der Abtei führt weit zurück ins 12. Jahrhundert. Ein Besuch der alten Mauern, zwischen denen einst Mönche ihrem Tagewerk nachgingen, lohnt für Irland-Reisende in jedem Falle.

Jerpoint Abbey und die Zisterzienser in Irland

Gründer der Jerpoint Abbey in der Grafschaft Kilkenny waren die Zisterzienser. Dabei handelt es sich um einen christlichen Orden, der sich Ende des 11. Jahrhunderts in Frankreich von den Benediktinern abspaltete. Der Grund: Die Benediktiner hatten in den Augen der neuen Zisterzienser die Lehren eines enthaltsamen Lebens des Heiligen Benedikt vernachlässigt. Diese fordern ein selbstbestimmtes, asketisches Leben durch der eigenen Hände Arbeit. Damit fanden die Zisterzienser viele Anhänger. Aus diesem Grunde breitete sich der neue Orden im 12. Jahrhundert über ganz Europa aus. Klöster entstanden, in denen die Mönche nach den strengen Regeln ihres Ordens lebten. Schließlich kamen die ersten Mönche nach Irland.

Ihr erstes Kloster gründeten die Mönche 1142 in Mellifont in der heutigen Grafschaft Louth. Weitere Klöster der Zisterzienser entstanden entlang der Ostküste. Darunter waren die Baltinglass Abbey in der Grafschaft Wicklow sowie die Tintern Abbey und die Dunbrody Abbey im County Wexford. Hierbei ist die Jerpoint Abbey in der Grafschaft Kilkenny ein Beispiel für eine gut erhaltene Anlage.

Jerpoint Abbey

Jerpoint Abbey, Co. Kilkenny; Creating Agency: Tourism Ireland

Die Gründung der Jerpoint Abbey

Die Jerpoint Abbey befindet sich in der Nähe des kleinen Orts Thomastown im County Kilkenny. Es heißt, an Ort und Stelle der Abtei stand zuvor ein altes Benediktiner-Kloster, das Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut wurde. Seinerzeit herrschte der Klein-König Donal Mac Gilla Patraic (englisch: Fitzpatrick). Sein Königreich Osraighe (englisch: Ossory) entsprach der heutigen Grafschaft Kilkenny und Teilen der benachbarten Grafschaft Laois. Mac Gilla Patraic war es, der 1180 erste Mönche in Jerpoint ansiedelte. Dadurch legte er den Grundstein für die spätere Entwicklung der Abtei.

Der Name Jerpoint leitet sich von einer nahe gelegenen Brücke über den Fluss Eoir (englisch: Arrigle), einen Seitenarm des Nore ab. Die Brücke über den Eoir, in Latein Jeripons genannt, befand sich im kleinen Ort Newtown Jerpoint. Brücke und Ort waren zur damaligen Zeit von zentraler Bedeutung für die Überquerung des Flusses. Somit entstand die Jerpoint Abbey in strategisch kluger Lage.

Seit ihrer Gründung stieg die Bedeutung der Jerpoint Abbey über die Jahre und Jahrzehnte an. Dabei schufen die Zisterzienser trotz der Nähe zu Newtown Jerpoint eine abgeschlossene Siedlung mit allem, was sie für ihren zurückgezogenen Lebensstil benötigten. Gleichzeitig florierte der Ort und wuchs. Ein Grund dafür waren die Pilger, die die Abtei besuchten.

Ruhe in Frieden: Der Heilige Nikolaus in Jerpoint

Der Legende nach brachten Kreuzritter einst die Überreste des Heiligen Nikolaus von Myra nach Newtown Jerpoint. Die Kirche des Orts, die St. Nicolas Church, widmeten die Gläubigen dem berühmten Heiligen. Hierbei soll eine Grabplatte, deren kunstvolle Verzierungen einen Bischof zeigen, dessen Ruhestätte markieren. Neben dem Bischof sind zwei Ritter dargestellt. Bei denen, so die Legende, handele es sich um die Kreuzritter, die den Heiligen nach Irland brachten. Während der Wahrheitsgehalt hinter dieser Geschichte nicht zu klären ist, lohnt für Irland-Reisende ein Besuch der Ruinen der St. Nicolas Church. Die Kirche liegt wenige hundert Meter von der Jerpoint Abbey entfernt im heutigen Jerpoint Park.

Laster und Sünde in der Jerpoint Abbey

Das Leben der Zisterzienser ist ein karges Leben in Zurückgezogenheit und Armut und erfüllt von der täglichen Arbeit und dem Gebet. Verständlich, dass diese Lebensweise, bei aller Gläubigkeit, nicht leicht fällt. Derart gut entwickelte sich die Abtei, dass die Oberen des Ordens in Frankreich den Lebensstil der Mönche in Jerpoint als zu ausschweifend kritisierten. Bei einem Kontrollbesuch im Jahr 1217 rebellierten die Mönche gegen diese Kritik an ihrem zu profanen Lebensstil und griffen die Abgesandten der Ordensleitung an. Aufgrund dieses Ausfalls setzte der Orden den amtierenden Abt ab und einen strengeren an dessen Platz.

1228 fand ein weiterer Kontrollbesuch statt. Erneut war die Ordensleitung über die Zustände in Irland nicht erfreut. Die Mönche haben sich zu weit von den Lehren entfernt, äßen und tränken zu viel, sorgten sich zu sehr um persönlichen Besitz und führten zu viel Kontakt zur Außenwelt. So die neue Kritik der Delegation in ihrem Bericht an die Ordensleitung.

Jerpoint Abbey: Untergang und Zerfall

Zur Zeit der Gründung der Jerpoint Abbey geschahen in Irland Dinge mit weitreichender Konsequenz. Das Leben der gälischen Iren veränderte sich durch die Ankunft der Anglo-Normannen ab 1165. Dabei übernahmen nach der anglo-normannischen Invasion die Neuankömmlinge die Kontrolle über das Gebiet von Osraighe. Zu den neuen Herren über das Königreich gehörte ab 1192 der berühmte William Marshal. Jedoch änderte sich für die Zisterzienser wenig. Ungeachtet der neuen Machtverhältnisse wuchs ihr Kloster in den nächsten Jahrhunderten weiter.

Dagegen setzte die Auflösung der Klöster durch den englischen König Henry VIII den christlichen Siedlungen in Irland ein Ende. Wie alle Kirchen und Klöster wurde die Jerpoint Abbey im Zuge der Reformation der englischen Kirche aufgelöst. Die Anlage zerfiel und mit ihr schwand die Bedeutung von Newtown Jerpoint. Die Mauern zerfielen, die Bewohner des Orts verließen ihre Heimat.

Jerpoint Abbey Kilkenny

Kunstvolle Verzierungen schmücken die Grabstätte eines verstorbenen Abts in der Jerpoint Abbey. (Foto: Neil Saad)

Jerpoint Abbey: ein Meisterwerk der Architektur

Während der Ort Newtown Jerpoint heute nicht mehr erkennbar ist und lediglich die Ruine der St. Nicholas Church auf seine einstige Existenz verweist, sind die Überreste der Abtei gut erhalten. Architektonisch ist die Jerpoint Abbey eindrucksvoll. Über die Jahrhunderte erweiterten die Zisterzienser die Anlagen und schufen ein prachtvolles Kloster. Hierbei stand die Kirche im Mittelpunkt. Umliegend befanden sich Unterkünfte und Arbeitsstätten sowie ein Garten. Das Kloster war selbst versorgend.

Auffällig ist der breit gebaute Turm mit den markanten Wehranlagen. Der Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert. Daneben ist der offenen Mittelteil das Herz der Ruinen. Hier sind anhand der alten Mauerreste die räumliche Aufteilung des Klosters erkennbar. Zudem fallen die gut erhaltenen Torbögen ins Auge.

Allerdings machen nicht nur die erhaltenen Baustrukturen den Besuch von Jerpoint Abbey lohnenswert. Im Detail bieten die alten Steine viel mehr. Säulen, Platten und Grabstätten sind verziert mit teilweise hervorragend erhaltenen Gravuren. Die Fülle dieser kleinen, Jahrhunderte alten Kunstwerke, ist einmalig.

Zwischen den vielen Verzierungen befindet sich die Darstellung eines Bischofs, ähnlich der Abbildung auf der Grabplatte in der St. Nicholas Church. Während Historiker sagen, es handele sich um den Heiligen St. Patrick, erkennen andere erneut den Heiligen Nikolaus. Darin sehen sie einen zweiten Beleg dafür, dass der Heilige seine letzte Ruhe in der Abgeschiedenheit an den Ufern des Nore gefunden hat.

jerpoint abbey

Photo © Humphrey Bolton (cc-by-sa/2.0)

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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