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Glenmalure – Das traumhafte Tal in den Wicklow Mountains

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Neil Saad
Written by Neil Saad

Die Wicklow Mountains, das große Gebirge in Irlands historischem Osten, zählt zu den schönsten Regionen auf der Grünen Insel. Endlose mit Heide überdeckte Moore erstrecken sich zwischen zahlreichen Berggipfeln. Wer diese Bilderbuchlandschaft erkundet, genießt besonders aus erhöhter Sichtposition den Ausblick. Allerdings sind die Wicklow Mountains nicht nur aus der Höhe betrachtet schön. Auch die Niederungen in Form von Tälern geizen nicht mit Reizen. Dabei ist Glenmalure eines der schönsten Täler, die das Gebirge bietet. Vollgepackt mit irischer Geschichte, einem riesigen Angebot an Wanderrouten und einer traumhaften Natur ist das Bergtal einen Abstecher wert.

Glenmalure: Das längste Tal an Irlands Ostküste

Glenmalure ist ein Nachbartal von Glendalough. Lediglich ein lang gezogener Bergrücken trennt die beiden Täler voneinander. Glenmalure erstreckt sich über zwanzig Kilometer von Nordwest nach Südost. Dadurch ist es das längste Tal an der irischen Ostküste. So lang das Tal sich streckt, so schmal ist es über den größten Teil der Strecke. Lediglich wenige hundert Meter Weidelandschaft trennen die flankierenden Berghänge voneinander. Die Berge ragen steil in den Himmel empor und sind vielerorts mit dicken Felsbrocken übersät.

Durch die Mitte dieser Weidelandschaft fließt der Avonbeg River und folgt der gesamten Länge des Tals. Der Avonbeg River entspringt in den Bergen am nordwestlichen Ende. Schließlich mündet er im Südosten, beim sogenannten Meeting of the Waters bei Avoca, in den Avonmore River.

Die einsame, zurückgezogene Lage des Tals sorgt seit Jahrhunderten für eine spärliche Besiedlung. Lediglich vereinzelte Farmgebäude und wenige Wohnhäuser verteilen sich über den Talboden. Dabei führt eine einzelne, schmale Straße hindurch. Verkehrsstaus sind hier Fehlanzeige. Eine Hochzeit der Besiedlung erlebte Glenmalure im 19. Jahrhundert. Damals kam der Bergbau in die Wicklow Mountains. Blei und andere Erze förderten Bergarbeiter hier ans Tageslicht. Aus dieser Zeit sind heute verschiedene Ruinen im Tal verblieben. Alte Wohnhäuser, Arbeitsstätten und sogar alte Minenschächte können Besucher besichtigen. Letztendlich siedeln seit Jahrhunderten Menschen in Glenmalure. Ihre Geschichte ist an vielen, verschiedenen Stellen heute noch sichtbar.

Glenmalure im Winter (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Heimat der Rebellen

Bereits früh im 12. Jahrhundert siedelte der Familienclan O’Byrne im Süden von Wicklow. Irgendwann entstand ihr Familiensitz in Ballinacor, einem kleinen Hügel am Südost-Ende von Glenmalure. Von dort überblickten sie die weite Ebene bis hin zur irischen See. Gleichzeitig befand sich das Tal mit seinen vielfachen Verstecken und Rückzugsmöglichkeiten in ihrem Rücken.

Diese O’Byrnes und ihre Männer waren es, die 1580 während der Desmond-Rebellion (1579 – 1583) in Glenmalure eine 3.000 Mann starke englische Truppe Soldaten besiegte. Dadurch fügten sie den Engländern die schwerste Niederlage auf irischem Boden zu. Anführer der O’Byrnes war das Clanoberhaupt Fiach MacHugh O’Byrne. Sein Name und die Schlacht von Glenmalure sind im bekannten Irish Folk-Song „Follow me up to Carlow“ verewigt. Zudem steht neben der Talstraße ein Gedenkstein, der an Fiach MacHugh O’Byrne erinnert.

Nicht weniger berühmt ist in den Wicklow Mountains der Name Michael Dwyer. Dabei spielte dieser in der irischen Rebellion von 1798 eine bedeutende Rolle. Nach der Niederschlagung des Aufstands zog sich Dwyer mit seinen Männern in Verstecke im unübersichtlichen Glenmalure zurück. Von dort startete er noch jahrelang Angriffe auf englische Truppen. Derart malträtierte er die englischen Soldaten, dass er als einer der meistgesuchten Männer in Irland galt. Zahlreiche Geschichten und Anekdoten, wie Dwyer immer wieder den Soldaten entkam, sind aus dieser Periode von ihm überliefert.

Um über Dwyer und andere Rebellen Herr zu werden, bauten die englischen Besatzer eine Straße durch die unwegbaren Wicklow Mountains. Entlang dieser entstanden Baracken zur Unterbringung und Versorgung der Soldaten. Dabei handelt es sich um die Military Road, die heute als Panoramastraße durch das Gebirge führt. Eine dieser Baracken bauten die Engländer im Glenmalure. Die Ruinen am Avonbeg River sind erhalten. Von dort ist ein mächtiger Felsen an den Berghängen nördlich erkennbar. Auf diesem saß bevorzugt Michael Dwyer, beobachtete die Baracken und beschoss die machtlosen Soldaten. Ihm zu Ehren steht sein Name auf der Rückseite des O’Byrne-Steins an der Talstraße.

Irlands historischer Osten Glenmalure Rebellion 1798

Gedenkstein an die Rebellion von 1798 in Glenmalure (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Das Tal der Wasserfälle

Irland-Urlauber, die durch Glenmalure reisen, können entlang der steilen Berghänge mehrere traumhafte Wasserfälle bestaunen. Darunter ist der spektakulärste der Carrawaystick Waterfall. Dieser ist von der Straße, auch aus dem Auto, gut sichtbar. Jedoch ist es zudem möglich, bis an den Fuß des Carrawaystick Waterfall zu gehen und das aufspritzende Wasser im Gesicht zu fühlen.

Ein weiterer traumhafter Wasserfall ist der Glenmalure Waterfall in der Ballinafunshoge Recreation Area. Hierbei handelt es sich um eine kleine Einbuchtung im Berghang samt Parkplatz. Im hinteren Ende der Einbuchtung fällt Wasser in Kaskaden die Felsen hinab. Umrahmt von hohen Bäumen entstand hier eine romantische, zurückgezogene Nische, die das Plätschern des Wassers untermalt. Deshalb ist der Wasserfall bei Campern sehr beliebt.

Während die ersten beiden Wasserfälle von der Straße aus sichtbar sind, erfordern die weiteren zwei Wasserfälle jeweils einen Fußmarsch. Dabei führt die Wanderung zum Ess Waterfall entlang des Table Tracks, eines alten Pfads, der das Tal am Südwestende verlässt. Dieser diente vor der Entstehung von Straßen als Ausgang und Verbindung mit dem Westen von Wicklow. Von diesem ist der große Ess Waterfall auf der anderen Talseite zu betrachten.

Der letzte, größere Wasserfall des Tals ist der Fraughan Rock Glen Waterfall. Das Fraughan Rock Glen ist ein großes Nebental, welches sich während der Eiszeit südlich aus dem Haupttal schob. In das Nebental führen von der Straße aus gut ausgebaute Waldwege.

Glenmalure Fraughan Rock Glen

Wasserfall im Fraughan Rock Glen, Glenmalure (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Wandern in Glenmalure

Viele Wanderer erreichen Glenmalure während einer Wanderung auf dem Wicklow Way. Dabei ist das Tal das nächste Etappenziel nach Glendalough. Zudem befindet sich nur ein kurzes Stück hinter Glenmalure der Half Way Point. Diese Markierung zeigt Wanderern die Hälfte des Wicklow Ways an. Entlang des Wicklow Way lassen sich von Glenmalure aus verschiedene, kurze und längere, individuelle Wandertouren zusammenstellen. Hierbei folgen diese vor allem gut ausgebauten Forstwegen. Hierbei bieten sich zwischen den Bäumen immer wieder wunderschöne Aussichten auf das Tal

Dazu existiert seit kurzer Zeit der neu angelegte Miner’s Way. Der Miner’s Way ist ein ausgeschilderter Wanderweg. Er verbindet Glenmalure mit den beiden Tälern Glendalough und Glendasan. Die drei Täler teilen die gemeinsame Geschichte als ehemalige Bergbauregionen. Entlang des Weges erfahren Wanderer an verschiedenen Stationen mehr über die Landschaft, die Menschen und das Bergbauerbe der Region.

Besonders beliebt ist Glenmalure bei Bergwanderern als Startpunkt für Wanderungen auf Lugnaquilla, den höchsten Berg der Wicklow Mountains und im gesamten Osten von Irland. Verschiedene Routen führen hinauf auf das hohe Bergmassiv im Süden des Tals. Jedoch sind diese zum Einen körperlich fordernd und zum anderen erfordern sie bei schlechten Witterungsverhältnissen gute Navigationsfähigkeiten. In jedem Falle ist eine Wanderung auf Lugnaquilla eine der schönsten Bergwanderungen für Wanderprofis in Irland.

Zudem gibt es zahlreiche weitere Wandermöglichkeiten. Entlang des Table Tracks führen unterschiedliche Routen in die umliegenden Berge. Hier können Wanderer nach Belieben individuelle Strecken zusammenstellen. Anschließend wartet auf müde Wanderer ein erfrischendes oder wärmendes Getränk im einzigen Pub des Tals.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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