Irland in der Neuzeit

Die spanische Armada in Irland – zerschollen an Irlands Küste

Spanische Armada in Irland
Neil Saad
Written by Neil Saad

Auf einer Tour entlang der Nord- und Westküste Irlands entdecken Irland-Reisende verschiedene Orte und Namen mit spanischem Bezug. Darunter ist Spanish Point in der Grafschaft Clare einer der Bekanntesten. Dieser zunächst merkwürdige Bezug reicht weit in das 16. Jahrhundert zurück. Damals befand sich das spanische Königreich sowohl auf dem Höhepunkt seiner Macht zur See als auch in ständiger Fehde mit England. Diese Fehde führte dazu, dass der spanische König letztlich die berühmte Armada, seine gewaltige Kriegsflotte, gegen die britische Insel aussandte. Die Unternehmung schlug fehl. Die mächtigen Schiffe Spaniens flohen um die irische Insel herum zurück nach Spanien. Jedoch erlitt die spanische Armada in Irland in einem Sturm massiven Schiffbruch. Nur knapp entging sie der vollständigen Vernichtung durch die Urgewalten der irischen Natur.

Geschichtlicher Hintergrund – die Fehde zwischen England und Spanien

Im 16. Jahrhundert befand sich die Welt in Teilung. Während sich in England ein fortschrittliches bürgerliches System entwickelte, welches weltweiten Handel förderte, bestand in Spanien das mittelalterliche Feudalsystem fort. Gleichzeitig waren Spanien und England neben Portugal die zu dieser Zeit vorherrschenden Mächte auf der Welt. Zudem hielt sich in Spanien der strenge katholische Glaube des Papstes. Währenddessen stand das protestantische England außerhalb der katholischen Kirche und folgte seinen eigenen Glaubensregeln. Diese beiden gegensätzlichen gesellschaftlichen und religiösen Systeme konkurrierten um die Vormachtstellung in der damaligen Welt.

Dieser Kampf wurde vor allem auf den Weltmeeren ausgetragen. Im 15. Jahrhundert erkundeten Schiffe auf der Suche nach neuen Handelsrouten die Meere. Sie entdeckten den amerikanischen Kontinent und umsegelten Afrika. Gleichzeitig bekämpften sich die Akteure, vor allem die genannten Spanien, Portugal und England, gegenseitig durch Überfälle und Plündereien.

In dieser Gemengelage spitzte sich die Situation Mitte des 16. Jahrhunderts zu. Schließlich beschloss der spanische König Philipp II. eine Invasion Englands. Hierdurch gedachte er, den spanischen Rivalen endgültig auszuschalten. Ihm gegenüber befand sich auf dem englischen Thron die englische Königin aus dem Hause Tudor, Elisabeth I.

Spanische Armada Irland

Noch heute erinnern viele Orte in Irland an das Desaster vor der irischen Küste (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die spanische Armada in Irland – mächtige Schiffe zur hohen See

Der Begriff Armada bedeutet übersetzt in etwa “bewaffnete Streitmacht”. Hierbei bezeichneten die Spanier im Mittelalter so allgemein ihre bewaffneten Kriegsgeräte. König Philipp II. übertrug den Begriff auf seine Kriegsflotte. Er nannte sie Armada invencible: Unbesiegbare Streitmacht. Tatsächlich wirkten die Schiffe der Armada furchteinflößend. Es handelte sich um große Schiffe mit wuchtigen, massiven Aufbauten. Eine Vielzahl an Kanonen bestückte die Flanken. Riesige Segel fingen den Seewind ein und sorgten für schnelle Fahrt der gewaltigen Kriegsschiffe.

Gleichzeitig war die viel gepriesene Wuchtigkeit der spanischen Marine ihr größter Nachteil. Durch ihr Gewicht und ihre Größe nahm der Tiefgang zu und die Beweglichkeit im Manöver ab. Dagegen setzte die englische Flotte auf Minimalismus und Pragmatismus. Ihre Schiffe waren kleiner und weniger wuchtig gebaut. Dadurch erreichten sie eine höhere Wendigkeit. Wie sich herausstellte, war dies der entscheidende Vorteil in der Verteidigung der britischen Insel gegen das spanische Seeheer. Hierin lag der entscheidende Grund, warum später die spanische Armada in Irland in Seenot geriet.

Spanische Armada Irland

Wandbild in Erinnerung an den Untergang der spanischen Armada vor der irischen Küste (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Angriff auf England!

Die spanische Invasion Englands stand unter keinem guten Stern. Der Großadmiral der spanischen Flotte, Alvaro de Bazán, verstarb während der Vorbereitungen. Ihm folgte der Herzog von Medina-Sidonia, Alonso Pérez de Guzmán. Allerdings war dieser weder Seemann noch mit den bisherigen Vorbereitungen der Invasion vertraut. Schlimmer noch: Der Mann, der sich selbst für eine Fehlbesetzung hielt, wurde auf dem offenen Meer leicht seekrank. Dementsprechend erbat er mehrfach seine Ablösung, welche ihm König Philipp II. jedoch verwehrte.

Die Seeschlacht im Ärmelkanal

Letztlich liefen am 31. Juli 1588 die spanischen Schiffe aus. Die Armada invencible bestand aus 130 Schiffen und 27.000 Mann Besatzung. Durch den Atlantik führte ihr Weg in den Ärmelkanal. Ihr Ziel waren die damals von Spanien regierten Niederlande. Dort wartete die spanische Landarmee des Herzogs von Parma. Gemeinsam mit dieser Verstärkung sollte die Invasion Englands beginnen.

Jedoch wussten die Engländer von den Invasionsplänen. Sie erwarteten die spanischen Schiffe im Kanal. In den folgenden Tagen kam es zu einer Seeschlacht vor der englischen Küste. Jedoch erzielte keine der beiden Kriegsparteien einen Vorteil. Die Engländer hielten mit ihren wendigen Booten und weitreichenderen Geschützen die Spanier auf Distanz. Aber die Spanier erlitten kaum Schäden und Verluste. Dennoch kamen sie so weder den Niederlanden noch der englischen Küste näher. Schließlich lief die Armada im Hafen des französischen Calais ein. Dort griffen die Engländer überraschend an und die Spanier flüchteten ungeordnet aus dem Hafen. Nach dem Verlust ihrer schützenden Ordnung, waren die trägen spanischen Schiffe nun für die Engländer leichter zu bekämpfen. Die Verluste stiegen und nur ein aufkommender Sturm beendete die Seeschlacht. Der Sturm rettete somit die nun nicht mehr unbesiegbare Armada.

Flucht Richtung Irland

Allerdings war im Anschluss die Moral der Spanier zerstört. Zudem litten ihre Schiffe unter schweren Schäden, fehlender Munition und Verpflegung. Da die Engländer den Rückweg durch den Kanal versperrten, segelten die Spanier nördlich um die britische Insel herum. Schließlich kam im Westen die Grüne Insel in Sicht. Hier, im stürmischen Nordatlantik, geriet die angeschlagene Armada endgültig in Schwierigkeiten. Die teils manövrierunfähigen Schiffe waren für die hohen Wellen leichte Opfer.

Spanische Armada Irland Karte

Entlang der Nord- und Westküste sanken die Schiffe der spanischen Armada (Foto: Neil Saad)

Die spanische Armada in Irland

Von den knapp einhundert verbliebenen Schiffen zerschellten 24 an der wilden irischen Küste. Über dreitausend Seeleute retteten sich auf das Festland. Jedoch erwartete sie in Irland, seinerzeit unter englischer Besatzung, keine Schonung. Aus Angst davor, dass sich das spanische Heer in Irland sammelte, erging der Befehl, alle gestrandeten Spanier zu töten. Iren, die Spanier versteckten oder ihnen halfen, wurden mit dem Tode bedroht. So starben von den dreitausend Gestrandeten über eintausend in Gefangenschaft auf der Grünen Insel. Der Rest floh weiter nach Schottland. Die spanische Armada in Irland war ein weiteres Desaster für den spanischen König.

Auf den Spuren der spanischen Armada in Irland

Heute erinnern viele Orte in Irland an die gestrandeten und gesunkenen Schiffe. So liegt vor der Küste Donegals, in der Kinnagoe Bay, die gesunkene La Trinidad Valencera. Sie ist ein beliebtes Ziel für erfahrene Taucher. In der Grafschaft Sligo gingen in der Nähe von Sligo Town drei spanische Schiffe auf Grund. Fast zweitausend Seemänner ertranken. Lediglich wenige erreichten das rettende Land. Darunter befand sich Francisco de Cuellar. Er legte in der Folge eine abenteuerliche Reise durch den Nordwesten von Irland zurück. Tatsächlich schaffte er es nach etlichen Wirrungen zurück nach Spanien. Dort hielt er seine Erlebnisse fest. Sein Bericht ist eine unterhaltsame Geschichte, die gleichzeitig auch gut das Leben der Iren im 16. Jahrhundert beschreibt.

Weitere Schiffe erlebten entlang der Westküste Irlands ihr Desaster. Über Mayo und Galway, über die Blasket Islands vor der Dingle Halbinsel bis hinab nach Cork landeten, strandeten oder sanken Schiffe der spanischen Armada. Wo sich Spanier an Land retteten, erwartete sie seitens der englischen Soldaten und königstreuer Iren keine Gnade. Letztendlich schafften es lediglich 67 Schiffe, also die Hälfte der Streitmacht, geschlagen zurück nach Spanien. Die Invasion Englands war gescheitert und die Armada invencible auf lange Sicht geschwächt.

Noch heute werden an den Stränden im Westen Irlands nach stürmischem Wellengang Teile der Wracks angespült.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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