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Spaziergänge durch Galway City

Daniela Kluetsch
Written by Daniela Kluetsch

Galway, die Perle der Atlantikküste und das Tor Connemaras. Keine Stadt Irlands könnte so zentral in der Mitte der Westküste liegen wie das bunte Hafenstädtchen. Beinahe spiegelverkehrt liegt Galway auf derselben Höhe wie Dublin, nur an der gegenüberliegenden Küste, und ist von der Hauptstadt in nur zwei Stunden Autofahrt zu erreichen. Drei Nationalstraßen verbinden den Küstenort sternförmig mit dem Rest der Republik; im Norden die N17, die N6 im Osten und die N18 Richtung Süden. Es gibt außerdem einen Bahnhof mit zwei Zug- und mehreren Busverbindungen. Das macht Galway zu einem attraktiven und leicht erreichbaren Reiseziel im Westen der Republik. Kaum verwunderlich, dass sich das einstige Fischerdorf von der ersten Besiedlung im Mittelalter bis heute zur bevölkerungsreichsten Stadt des Westens Irlands entwickelt hat. Wir stellen Ihnen Spaziergänge durch Galway City vor, auf denen Sie die Stadt entspannt zu Fuß erkunden und entdecken können.

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Region an der Westküste, die heutige Grafschaft Galway, wurden bereits 800 v. Chr. von den Kelten besiedelt. Die Stadt Galway selber wurde – der Vermutung nach – mit der Ankunft des Christentums gegründet, was die Ruinen eines Klosters und einiger Grabsteine am Rande der Stadt belegen. Im Jahr 800 n. Chr. wurde dieses erste Lager von Wikingern geplündert und fortan an von den Anglonormannen zu einem handelsträchtigen Fischerdorf ausgebaut. Im 15. Jahrhundert gewannen die Spanier und Portugiesen durch ihre Besetzung und ihren Handel an Einfluss, wovon das heutige „Latin Quarter“ in Galway immer noch zeugt. Bis heute hat außerdem die keltische Sprache, das irische Gälisch, in der Küstenregion überlebt. Man bezeichnet Regionen wie in und rings um Galway, in denen Gälisch zur offiziellen Sprache gehört, auch als „Gaeltacht“.

Galway heute

Seit der 90er Jahre hat sich Galway nicht nur zu einem bevölkerungsreichen Städtchen etabliert, sondern auch zu einer jungen, modernen Stadt. Das mag unter anderem an den zwei Universitäten und dem Zuwachs an Sprachschulen liegen, die besonders junge Leute anziehen. Außerdem ist Irland seit 2016 das einzige englischsprachige Land der EU, was wiederum für jungen Erwachsene aus Europa neue Berufsperspektiven bietet. Bis heute hat sich darüber hinaus die Musik- und Kulturszene in Galway bemerkenswert entwickelt. Jedes Jahr finden verschiedene Festivals (wie z.B. das Galway Arts Festival) statt, welche Touristen aus der ganzen Welt anziehen. Galway ist nicht nur das Tor Connemaras, sondern auch Startpunkt für die Weiterreise zu weiteren attraktiven Zielen an der Westküste wie den Burren oder den Aran Inseln.

Spaziergänge durch Galway City

Galway hat genau die richtige Größe, um das Städtchen bequem an einem halben bis ganzen Tag zu Fuß zu erkunden. Das Zentrum – rund um die lebendige Quay Street – ist zudem Fußgängerzone, was ganz nebenher zum Flanieren und Shoppen einlädt. Zu Fuß unterwegs, bieten sich dem Reisenden eine abwechslungsreiche Auswahl an Wegen. Da wären zum einen die Gassen durch das lebendige Städtchen als solches mit seinen bunten Shops, Cafés und Galerien. Wer die Natur vorzieht und Wasser mag, hat die Wahl zwischen Meer und / oder Fluss. Vom Spanish Arch im Hafen aus startet der „River Walk“ sowie der Küstenweg „Sli na Slainte“.

Der River Walk: Vom Lough Corrib bis zur Galway Bay

Der Name Galways leitet sich ursprünglich von dem 15 Kilometer langen Fluss „Corrib“ hab, der mitten durch die Stadt fließt und der den gleichnamigen See mit dem Meer verbindet. Eine schöne Möglichkeit dem Trubel der Stadt zu entfliehen, ist ein Spaziergang auf dem River Walk. Einsteigen kann man im Grunde an mehreren Stellen, je nach dem was man vorher oder nachher unternehmen möchte. Empfehlenswert ist ein Einstieg am Hafen oder an der Mündung zum Lough Corrib. Vom Hafen aus spaziert man in unmittelbarer Nähe zum Fluss auf einem gut ausgebauten Weg auf der rechten Seite Richtung See im Norden.

Auf der rechten Seite liegt das Stadtzentrum, von dem man ebenfalls auf den Weg einsteigen oder – andersherum – vom River Walk einen Abstecher ins Zentrum einlegen kann. Aber wenn man einmal auf dem Weg ist, möchte man so schnell nicht zurück ins quirlige Zentrum, so wunderbar ruhig ist es hier. Der Anblick des bewegten Flusses und dessen Plätschern tragen maßgeblich zu dieser Ruhe bei. Von hier aus hat man außerdem eine anderen Perspektive auf die Stadt. Während man im Ortskern von den bunten Shops und Cafés verzaubert wird, betrachtet man hier deren Rückseite. Es ist wie ein Blick hinter die Fassade der Stadt. Immer wieder entdeckt man Glückscents auf dem Grund des Corrib.

Galway Spaziergänge; River Walk

Viele Wünsche am Grund des Corrib © landlinien

Einen schönen ersten Stopp kann man bei der O’Briens Bridge einlegen und den „Wasserfall“ auf der gegenüberliegenden Seite beobachten. Von hier aus ist es übrigens auch nicht weit bis zum Farmers Market neben der St. Nicholas Kirche, der jeden Samstag und Sonntag stattfindet. Die nächste Etappe bis zur Salmon Weir Bridge ist noch etwas beschaulicher und ruhiger. An der Brücke angekommen, kann man erahnen wie weit das Land hinter der Stadt verläuft.

Der Fluss wird mit einem Mal breiter und mündet in den 176 km² großen Lough Corrib. Hier lohnt ein zweiter Stopp, noch etwas weiter am Flussufer entlang bis zu einem der Bänke. Zurück zum Hafen kann man den Weg auf der gegenüberliegenden Seite wählen, wobei dieser nicht so beschaulich ist wie der Hinweg. Hier kann man leider nur mit Abstand zum Fluss und mehr durch die vorwiegend Arbeits- und Wohnviertel laufen. Dafür kommt man an der Galway Cathedral vorbei, welche öffentlich zugänglich und bekannt für ihre Konzerte ist.

Der Küstenweg „Sli na Slainte“ – am Meer entlang bis nach Salthill

Wer noch weiter aus der Stadt raus möchte, wird den Küstenweg „Sli na Slainte“ lieben. In direkter Nähe zum Meer, läuft man auf dem vor erst vier Jahren ausgebauten Fußgängerweg jeweils 5 Kilometer für eine Strecke. Die ersten 5 Kilometer bis nach Salthill sind bequem in einer 1-2 Stunden machbar, je nach Tempo und Pausen. Und an diesen sollten man nicht sparen: Parkbänke mit Aussicht und Cafés mit Meerblick laden zum entspannten Verweilen ein. Bei gutem Wetter und klarer Sicht kann man sogar die Burren auf der gegenüberliegenden Bucht erkennen, und – bei sehr gutem Wetter – die Aran Inseln. Wer es sportlicher mag und etwas mehr Zeit (und Mut!) mitbringt, der kann neben dem Weg ebenfalls baden gehen. Kleinere Buchten oder der am Ende des Küstenweges gelegene Silver Strand, laden zum Planschen im kühlem Nass ein.

Hartgesottene bevorzugen das „Schwimmbad“. Etwa auf Höhe des 4. Kilometers ab dem Startpunkt, ragt ein Kai samt Springturm aus dem Wasser. Auch wenn die Anlage etwas in die Jahre gekommen ist, tummeln sich hier – nicht nur an sonnigen Tagen – die Einheimischen, um ihr tägliche Runde im Atlantik zu drehen. Galways Küstenweg „Sli na Slainte“ ist einer von 200 Spazierwegen der Irish Heart Foundation. Unter dem Motto „Täglich eine halbe Stunde Bewegung“ möchte die Organisation mit ihren ausgebauten Wegen zu mehr Bewegung motivieren. Der Zugang zum Meer und zu mehr Gesundheit könnte kaum einfacher und schöner sein wie hier in Galway. Kein Wunder, dass man neben Spaziergängern und Joggern, auch Radfahrer und Skater trifft, denn Platz gibt es – wie in ganz Irland – auf dem Weg genug.

Spaziergang Galway, Salthill

Ein sonniger Spaziergang nach Salthill © landlinien

Vom Eyre Square durch die Stadt

Der Eyre Square formt damals wie heute das Zentrum der Hafenstadt. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Bahnhof, als auch zahlreiche Hostels und Pubs. Es ist ein lebendiger Ort, der sich ideal als Ausgangspunkt zur Erkundung der Westküste eignet. Von dort aus kann man bequem im Zick Zack durch die Fußgängerzone bis zum Hafen laufen. Auf dem Weg bis dorthin, gibt es einiges zu erkunden, wie beispielsweise das „Latin Quarter“. Seine Wurzeln gehen auf die Besetzung der Spanier und Portugiesen im 15. Jahrhundert zurück. Heute zeugt davon vor allem das bunte und kulturelle Treiben in den Gassen. Galerien, Buchläden, aufgefallene Kleidung, Musikgeschäfte, kleine Restaurants und gemütliche Cafés laden zum Erkunden und Verweilen ein. Ein weiteres Highlight ist außerdem der Farmers Market neben der St. Nicholas Kirche mit Produkten aus der Region. Je nach Tempo – und Shoppinglaune – kann so auch schnell mal ein halber Tag vergehen.

Galway Stadtspaziergang

Galways beschauliche Straßen © landlinien

Über den Autor

Daniela Kluetsch

Daniela Kluetsch

In meiner Kindheit habe ich nahezu jeden Sommer in Irland verbracht. Seither fühle ich mich eng mit der Grünen Insel verbunden und entdecke sich immer wieder neu. Heute liebe ich es dort in der rauen Natur zu wandern, im Atlantik zu surfen oder einfach nur über Märkte zu schlendern und in gemütlichen Cafés zu entspannen. Wenn ich über Irland schreibe, spricht die Liebe zu einem einzigartig ursprünglichen Land aus meinem Herzen.

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