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Irlands historischer Osten: Roadtrip von Wicklow nach Wexford

Irlands historischer Osten Vinegar Hill Enniscorthy
Neil Saad
Written by Neil Saad

Irlands historischer Osten ist eine Region voller Legenden und Historie. Entlang der Ostküste reihen sich von Ort zu Ort die Jahrtausende irischer Geschichte aneinander. Dabei ist der Nordteil der Ostküste geprägt durch die steinzeitlichen Hügelgräber des Bru na Boinne und die historischen Stätten entlang des Boyne Valley. Daneben spiegelt sich die irische Geschichte im Südteil der Ostküste wider. Die südöstlichen Grafschaften Wicklow und Wexford sind vollgepackt mit spannenden Orten, an denen die wechselhafte Geschichte der Grünen Insel lebendig wird. Deshalb ist ein Roadtrip von Wicklow Town nach Wexford Town der ideale Rahmen, um diesen Teil von Irlands historischen Osten kennenzulernen.

Irlands historischer Osten: Start in Wicklow Town

Wicklow Town (Irisch: Chill Mhantáin) ist der Verwaltungssitz des gleichnamigen County Wicklow. Die Küstenstadt liegt im Südteil der Grafschaft. Neben einem lebhaften Zentrum ist Wicklow bekannt für das Wicklow Head Lighthouse und das historische Wicklow Gaol. Führungen durch das alte Stadtgefängnis hinterlassen bei den Besuchern ein kühles Schaudern.

Zunächst waren es die Wikinger, die Wicklow im 9. Jahrhundert als dauerhaften Hafen gründeten. Schließlich bauten die Normannen nach der anglo-normannischen Invasion im 12. Jahrhundert die Stadt aus. Die Burgruinen des Black Castle an der Küste nahe des Hafens ist ein früher Zeuge dieser Zeit.

Glenmalure und das Glen of Imaal

Von Wicklow Town aus lohnt sich auf der Weiterreise ein Abstecher in die Wicklow Mountains. Im Herzen des Gebirges liegen das Tal Glenmalure und das Glen of Imaal. Dabei trennt eine hohe Bergkette die beiden versteckten Täler voneinander. Neben ihrer landschaftlichen Schönheit blicken beide auf eine rebellische Tradition zurück.

In Glenmalure lebte der Clan O’Byrne. Dieser beherrschte auch nach der anglo-normannischen Invasion weiter über das unwegsame Gebirge südlich von Dublin. So stand Irlands historischer Osten größtenteils unter dem englischen Einfluss. Trotz ihrer militärischen Stärke bekamen die englischen Eroberer jedoch keinen Fuß auf die mit Heide überwachsenen Berge von Wicklow gesetzt.

Insbesondere im 16. Jahrhundert, unter der Herrschaft von Clan-Chef Fiach McHugh O’Byrne, waren die Wicklow Mountains eine Trutzburg für die Iren. Deshalb entsandten die Engländer 1580 eine Armee über die Berge. Allerdings erwarteten die Iren unter O’Byrne die Soldaten auf den steilen Hängen des Glenmalure. Sie vernichteten die vom langen Marsch ermattete englische Armee. Im Tal erinnert ein Gedenkstein an diesen legendären Sieg der Iren.

Jedoch blieben die Engländer in Irland und als sich zweihundert Jahre später die Iren in der Rebellion von 1798 neuerlich erhoben, spielten Glenmalure und das Glen of Imaal eine bedeutende Rolle. Erneut dienten die unwegsamen Täler als Rückzugsort für die Iren. Insbesondere ihr Anführer Michael Dwyer aus dem Glen of Imaal verstand es, den englischen Soldaten steten Widerstand zu leisten. Zahlreiche Geschichten und Legenden ranken um den irischen Helden. Heute erinnern viele Orte in den Tälern an ihn und seine Taten. Dazu ist mit dem Michael Dwyer Cottage im Glen of Imaal ein Museum eingerichtet.

Irlands historischer Osten Glenmalure Rebellion 1798

Gedenkstein an die Rebellion von 1798 in Glenmalure (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Sitz der Könige: Ferns Castle

Nächster Halt auf dem Roadtrip durch Irlands Osten ist Ferns in der Grafschaft Wexford. Ferns liegt in der geografischen Mitte des County Wexford und ist einer der historischen bedeutsamsten Orte in Irland. Bereits im 6. Jahrhundert gegründet, war Ferns einst Sitz der Könige der Provinz Leinster. Einer dieser Könige war im 12. Jahrhundert Diarmait McMurrough. Er war es, der im Kampf um den Titel des irischen Hochkönigs Unterstützung vom englischen König anforderte. Als Preis bot er seine Tochter Aoife an. Darauf entsandte der englische König Richard de Clare, genannt „Strongbow“, samt Armee dauerhaft nach Irland. Nach einigem Schlachtengetöse starb schließlich Diarmait McMurrough und sein neuer Schwiegersohn erbte dessen Ländereien.

Mit Richard de Clare hatten die Engländer erstmals einen Fuß in der Tür zu Irland. Irlands historischer Osten geriet zum Einfallstor für die Engländer. Der Rest ist Geschichte. Die Nachfolger von „Strongbow“ Richard de Clare erbauten im 13. Jahrhundert das Ferns Castle. Die gut erhaltene Ruine des ehemaligen Adelssitzes liegt inmitten des Ortskerns von Ferns. Sie ist ein attraktives Ziel auf dem Roadtrip entlang der irischen Ostküste.

Irlands historischer Osten Ferns Castle

Ferns Castle, Co. Wexford, Irland © Chris Hill, Tourism Ireland

Vinegar Hill: Die Rebellion von 1798 in Enniscorthy

Nur wenige Kilometer von Ferns entfernt liegt die Stadt Enniscorthy. Hierbei handelt es sich um die zweitgrößte Stadt der Grafschaft Wexford. Während der Rebellion von 1798 spielte Enniscorthy eine tragende Rolle. Viele irische Rebellen stammten aus der Stadt und dem Umland. Dabei war der Vinegar Hill ein Hügel vor den Toren der Stadt, Schauplatz einer der entscheidenden Schlachten zwischen Rebellen und Engländern. Während sich auf dem Vinegar Hill die Rebellen sammelten, planten die Engländer einen Angriff auf das Lager. In einer vernichtenden Schlacht unterlagen die Iren und die bis dahin erfolgreiche Rebellion kippte ins Gegenteil. Eine Gedenktafel am Fuße des Vinegar Hill erinnert an dieses Ereignis.

Irlands historischer Osten ist an vielen Orten durch die anglo-normannische Invasion geprägt. Wie auch in Ferns, dem vorherige Halt auf dem Roadtrip von Wicklow nach Wexford, war Enniscorthy ein anglo-normannischer Stützpunkt. Das Enniscorthy Castle aus dem 13. Jahrhundert stammt aus der Zeit der ersten Siedlungen. Das äußerst gut erhaltene Schloss ist ein beliebter Anziehungspunkt für Besucher der Stadt.

Irish National Heritage Park

Auf dem Weg zum letzten Haltepunkt auf dem Roadtrip von Wicklow nach Wexford liegt der Irish National Heritage Park. Irlands historischer Osten blickt auf eine lange Zeitreihe, menschlicher Besiedlung zurück. Das Freilichtmuseum in Ferrycarrig bei Wexford Town führt durch diese Geschichte. Dabei sind verschiedene Gebäudeformen seit der Bronzezeit authentisch nachgebaut. Während einer Besichtigung lernen Besucher Wissenswertes über die Lebensweise von Iren, Wikingern und Normannen. Für Geschichtsinteressierte darf ein Halt im Irish National Heritage Park nicht fehlen.

Irlands historischer Osten: Am Ziel in Wexford Town

Irlands historischer Osten hat viele Hafenstädte. Dabei gehen diese hauptsächlich auf die Begründung durch Wikinger zurück, die eine befestigten Küstenort zum Überwintern benötigten. Neben Wicklow Town gehört Wexford Town zu diesen einstigen Wikingerstädten. Der Hafen ist heute durch den größeren Fährhafen von Rosslare weitestgehend abgelöst. Nichtsdestotrotz ist der Hafen von Wexford Town einer der Schönsten.

Wexford Town war 1798 ein Zentrum der irischen Rebellion. Die Rebellen hatten während des erfolgreichen Beginns der Revolution die gesamte Stadt erobert. Nachdem sich das Blatt wendete, verloren sie diese wieder. An vielen Orten in Wexford Town erinnern Statuen und Gedenksteine an die Taten der Rebellen von 1798.

Irlands historischer Osten Wexford Rebellion 1798

Symbolische Statue eines irischen Rebellen von 1798 in Wexford Town (Foto: Neil Saad)

Der Südosten von Irland ist reich an historischen Stätten. Ein Roadtrip entlang der Ostküste erweckt diese Geschichte zum Leben. Entdecken Sie Irlands historischem Osten auf Ihrer nächsten Irland-Rundreise.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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