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St. Kevin’s Way in Wicklow: Pilgern von Hollywood nach Glendalough

Neil Saad
Written by Neil Saad

Das christliche Irland blickt auf eine Jahrhunderte alte Tradition als Land von Pilgern zurück. Die frühen Klosteranlagen auf der Grünen Insel waren Epizentren des geistigen und weltlichen Wissens. Sie lockten jährlich Gläubige auf Pilgerreisen. Ebenfalls waren heilige Orte wie der Croagh Patrick in der Grafschaft Mayo seit jeher Ziel der Pilger. Auf Pilgerpfaden zogen sie in Richtung der heiligen Stätten. Im County Wicklow ist Glendalough das Ziel einer solchen Pilgerschaft. Dabei führt der St. Kevin’s Way von der kleinen Ortschaft Hollywood im Westen der Wicklow Mountains zur alten Klostersiedlung Glendalough. Die dreißig Kilometer lange Strecke ist nicht nur eine spirituelle Erfahrung. Vielmehr erfüllt sie den Geist mit der natürlichen Schönheit der westlichen Wicklow Mountains.

Der Heilige St. Kevin

Der Heilige St. Kevin war der Gründer der Klosteranlagen von Glendalough. Er kam als Einsiedler in das mystische Tal der zwei Seen und lebte dort im Einklang mit der Natur. Zahlreiche Legenden und Anekdoten ranken sich um den Heiligen Kevin. So wird er als großer Tierfreund, der besonders den Vögeln zugetan war, beschrieben. Dagegen hielt er sich von Menschen weitestgehend fern.

Die heutige Strecke des St. Kevin’s Way beschreibt einen alten Pilgerpfad, die St. Kevin’s Road. Angeblich nutzte Kevin diese Route auf seiner ersten Wanderung in das von Bergen umgebene Glendalough. Dagegen gilt es als gesichert, dass mittelalterliche Pilger einen Pfad etablierten, der von Hollywood durch die Berge zur Klostersiedlung führte. Der heutige St. Kevin’s Way, entwickelt zu Beginn des aktuellen Jahrtausends, folgt in Teilen dieser historischen Strecke.

St. Kevin's Way Glendalough Wicklow

Der Upper Lake in Glendalough: Hier ließ sich der Heilige Kevin nieder (Foto: Neil Saad)

Hollywood im County Wicklow

Ausgangspunkt für eine Pilgerschaft auf dem St. Kevin’s Way ist das kleine Dorf Hollywood. Dieses befindet sich auf der Westseite der Wicklow Mountains. Dabei ist Hollywood nicht nur namensgleich mit dem berühmten Vorort von Los Angeles, sondern tatsächlich namensgebend. Irische Auswanderer aus Wicklow benannten den amerikanischen Ort nach ihrer alten Heimat.

Die Tradition verbindet Hollywood mit dem Heiligen Kevin. Deshalb führt die Strecke der Pilger auf den ersten Metern an verschiedenen, dem Heiligen gewidmeten, Stätten entlang. Dazu gehört eine alte Kirche, die St. Kevin’s Church aus dem 18. Jahrhundert. Ein großer Felsen oberhalb des Dorfes heißt in der örtlichen Folklore St. Kevin’s Chair. Angeblich heilt dieser Rückenleiden, wenn Kranke sich auf den Stein setzen. Weiter oberhalb befindet sich eine Statue des Heiligen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts.

Während der ersten Kilometer der Wanderung, welche sich entlang des Berges Slievecorragh erstrecken, genießen Pilger wunderschöne Ausblicke auf die umgebende Landschaft. Hierbei zählt die Aussicht auf das King’s River Valley zu den schönsten. Durch dieses Tal führt der weitere Weg des St. Kevin’s Way.

St. Kevin's Way Wicklow

Der St. Kevin’s Way startet in Hollywood im Westen von Wicklow

St. Kevin’s Way: Entlang dem King’s River

Der St. Kevin’s Way folgt hinter dem Slievecorragh für eine kurze Strecke der Hauptstraße zwischen Hollywood und Glendalough. Auf dieser ist Vorsicht geboten, da Autos regelmäßig flott unterwegs sind. Nach diesem kurzen Wegstück folgt der Pilgerpfad einer kleinen Nebenstraße entlang dem King’s River. Das traumhafte Tal vorne und spektakuläre Bergrücken zur Rechten machen diesen entspannten Abschnitt der Wanderung zum Genuss.

Das Wicklow Gap

Schließlich kreuzt die Route zunächst den King’s River und anschließend die Hauptstraße. An diesem Punkt liegt die Hälfte der Strecke hinter dem Pilger. Durch ein bewaldetes Stück führt der St. Kevin’s Way weiter in Richtung Glendalough. Er kreuzt nochmals die Hauptstraße eher er das Wicklow Gap erreicht. Das Wicklow Gap ist die erhöhte Stelle zwischen den Bergen Tonelagee im Norden und Tomaneena im Süden. Gleichzeitig ist dies die höchste Stelle der Wanderung.

Am Wicklow Gap lohnt sich eine kurze Rast. Hier gruben Archäologen 1972 im Moor flache Steinplatten aus, welche sie als die ursprüngliche Kevin’s Road identifizierten. Die Historiker gehen davon aus, dass die Platten einen durchgehenden Pfad von Hollywood bis Glendalough bildeten. Das Alter der drei Meter breiten Straße ließ sich nicht zuverlässig bestimmen. Dagegen belegen Funde eine Nutzung bis ins 18. Jahrhundert.

Neben dem Wicklow Gap, an den Füßen des Berges Tomaneena liegt der See Lough Nahanagan. Dieser ist umzäunt, da er Teil des Wasserkraftwerks ist, welches sich auf der Bergspitze befindet. Hierbei handelt es sich um ein Pumpenkraftwerk. In Zeiten hoher Verfügbarkeit von Strom pumpt das Kraftwerk Wasser aus dem See hinauf in ein Wasserreservoir auf der Bergspitze. Bei Bedarf fließt dieses wieder hinab in den unteren See. Dabei treibt der Wasserstrom Turbinen an, die neuen Strom generieren.

St. Kevin's Way Wicklow Gap

Der St. Kevin’s Way nahe des Wicklow Gap (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Glendasan: Das Erbe der Minenarbeiter

Vom Wicklow Gap aus fällt der Blick des Pilgers bergab in das Tal Glendasan. Dieses Nachbartal von Glendalough stellt den letzten Streckenabschnitt des St. Kevin’s Way dar. Die Route führt talwärts über einen steinigen Pfad. Sie folgt dem Glendasan River, welcher aus dem Lough Nahanagan in Richtung Glendalough strömt. Durch das abfallende Gelände bildet der Fluss teils spektakuläre Stromschnellen und kleine Wasserfälle.

Weiterhin ist Glendasan, ebenso wie die Täler Glendalough und Glenmalure, ein ehemaliges Bergbaugebiet. Alte Minen zeugen von der alten Tradition der Bergarbeit. Zudem verbleiben Ruinen von Arbeits- und Wohnhäusern im Tal. Der St. Kevin’s Way führt an diesen Relikten der Zeit vorbei. An den Berghängen zur Rechten und zur Linken fallen überall die alten Minenschächte auf. Dabei sind diese gekennzeichnet durch die weiße Erde, welche von der chemischen Bleigewinnung herrührt.

St. Kevin's Way Glendasan Ruinen

Teil des St. Kevin’s Way: Altes Minengebäude im Glendasan. (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Ziel des St. Kevin’s Way: Glendalough

Schließlich erreicht der St. Kevin’s Way Glendalough. In der Klostersiedlung des Heiligen Kevin endet die Pilgerschaft. Ein gemütlicher Rundgang zwischen den Kirchenruinen und ein Blick auf den berühmten Rundturm sind die geistige Belohnung für die körperlichen Mühen der Pilgerreise. Wer noch die Kraft besitzt, für den empfiehlt sich die kurze Wanderung zum Upper Lake. In der mystischen Stille des Bergtals, begreift man, warum der Heilige Kevin seine Reise aus Hollywood hier beendete.

Glendalough Kloster, Freiwilligendienst in Irland

Die Klosterruinen von Glendalough

Auf dem St. Kevin’s Way unterwegs

Der St. Kevin’s Way hat mit dreißig Kilometern eine machbare Tagesdistanz. Dabei überwindet er moderate Steigungen und folgt vor allem Nebenstraßen und wenigen, unebenen Abschnitten über offenes Terrain. Die Wegstrecke ist durchgängig ausgeschildert. Schwarze Wegweiser mit einem gelben Pilgersymbol geben die Richtung vor. Mit gutem Schuhwerk und der richtigen Kleidung ausgestattet, verbringen Pilger einen fordernden, aber entspannenden Tag auf dem St. Kevin’s Way. Eine Teilung der Strecke in zwei Tagesetappen ist schwierig. Zwischen dem Startpunkt in Hollywood und dem Ziel in Glendalough liegt nur offene, unbesiedelte Berglandschaft. Jedoch ist Campen am Wegesrand gestattet.

Neugierig auf eine Pilgerwanderung auf dem St. Kevin’s Way geworden? Entdecken Sie mit uns die Grafschaft Wicklow und Irlands historischen Osten.

 

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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