Irland Kultur

Irischer Tanz

irischer tanz
Ina Brecheis
Written by Ina Brecheis

Der irischer Tanz erfreut sich spätestens seit dem Auftritt von Michael Flatley´s Riverdance beim Eurovision Song Contest 1994 weltweiter Berühmtheit. Die pulsierende Lebensfreude irischen Tanzes findet sowohl vom Süden Argentiniens bis in den hohen Norden Skandinaviens zahlreiche Begeisterte, die sich selbst in irischen (Stepp-)Tanzschuhe versuchen wollen. Der irische Tanz blickt auf eine jahrtausendealte Tradition zurück und ist eng mit der Geschichte Irlands verwoben. Hier verraten wir Ihnen, wie er zu dem wurde, was er heute ist.

Die Geschichte des irischen Tanzes

Der Tanz der Druiden

Die wohl ersten Tänzer im heutigen Irland waren die Druiden. Zum Anlass religiöser Rituale huldigten sie mit Kreistänzen der Sonne und der Eiche als Baum des Lebens. Als die Kelten in Irland siedelten, brachten sie ihre Volkstänze mit. Auf den sogenannten „Feis“, den Festen keltischer Gemeinschaften, wurde auch gemeinsam getanzt. Nach der Bekehrung zum christlichen Glauben blieben die Tänze der Kelten auf der Grünen Insel weiterhin lebendig.

Der Carol

Auch die Normannen brachten bei der Eroberung Irlands im 12. Jahrhundert ihre eigenen Bräuche und ihre Kultur mit. Verbreitet war bei den Eroberern ein Tanz, der „Carol“ hieß. Bei diesem Tanz steht ein Sänger in der Mitte eines Kreises aus Tänzern. Diese wiederholen die Strophen, die der Sänger in der Mitte ihnen vorgab und tanzten dazu. In den eroberten irischen Dörfern fand dieser Tanz schnell Anhänger.

Die Grundsteine des irischen Tanzes

In den folgenden Jahrhunderten wandelte sich der irische Tanz und es etablierten sich drei verschiedene Tanzarten, die von Dudelsack und Harfe begleitet wurden: der Irish Hey, Rinnce Fada (Long Dance) und der Trenchmore. Der Irish Hey beschreibt einen Rund- und Figurentanz, während sich beim Rince Fada zwei Reihen gegenüberstehen. Der Trenchmore basiert auf freien Formationen, die aus irischen Dorftänzen hervorgegangen sind.

Mit der Zeit wurden die Tanzformationen zunehmend komplexer: Paare bestehend aus Männern und Frauen, die mal miteinander, mal getrennt tanzten, Männer- und Frauenreihen, die sich zu verschiedenen Formen zusammenfanden. Während des 16. Jahrhunderts fanden irische Tänze aus den ärmlichen Dörfern ihren Weg in die herrschaftlichen Hallen der vielzähligen Schlösser und Burgen Irlands. Von dort fanden sie sogar auch Eingang in den königlichen Hof in England.

Irish Dancing Masters

Im 18. Jahrhundert kamen die „Dancing Masters“, zu Deutsch Tanzmeister, auf. Meist waren es Männer, die von Dorf zu Dorf zogen und gegen eine kleine Gebühr der irischen Landbevölkerung verschiedene einfache Gruppentänze näherbrachten. Dem besten Tänzer eines Ortes, dem „Soloist“, war eine gesonderte Sequenz eines Liedes vorbehalten, die ihm eine Plattform bot, um seine Kunst zur Schau zu stellen. Oft gab man ihnen auch eine eigene kleine Bühne, meist eine aus den Angeln gehobene Türe. Die Soloists genossen in Irland ein sehr hohes Ansehen und wurden als lokale Berühmtheiten gefeiert.

Die umherziehenden Lehrmeister waren an ihrer bunten Kleidung erkennbar und an einem Stab, den sie bei sich trugen. Die Tanzmeister lehrten nur in ihrem Bezirk und keiner drang in das Territorium eines anderen Tanzlehrers ein. Bei Jahrmärkten trugen die Dance Masters öffentliche Wettbewerbe aus. Dort gaben sie vor der versammelten Dorfbevölkerung ihr Bestes und die Wettbewerbe endeten erst, nachdem einer der Kontrahenten vor Erschöpfung im wahrsten Sinne des Wortes aus den Schuhen fiel. Diese Wettbewerbe sind die Vorlage für die unzähligen modernen Tanzwettbewerbe, die in jeder Grafschaft in Irland alljährlich stattfinden.

Der Céili

Ursprünglich beschrieb das Wort Céili ein informelles Zusammentreffen zwischen Nachbarn und Bekannten, um gemeinsam zu musizieren, sich Geschichten zu erzählen und zusammen zu tanzen. Insbesondere die junge Landbevölkerung traf sich nach getaner Arbeit an Straßenkreuzungen, um gemeinsam den sommerlichen Sonntagnachmittag zu verbringen. Eine Geige begleitete das Event, bei dem so manches Paar zusammenfand.

Die Irish Dancing Commission

1893 wurde die Gaelic League gegründet. Ziel dieser Organisation war es, die irische Kultur und all ihre Facetten zu fördern. Erstmals wurden für den Irish Dance förmliche Wettbewerbe und Regeln aufgestellt, deren Einhaltung durch die 1930 eingesetzte Irish Dancing Commission übersehen wurden. Diese existiert bis heute und jedes Jahr trägt sie internationale Weltmeisterschaften des irischen Tanzes aus. Diese finden nunmehr seit 1970 statt und führen Tänzer aus Neuseeland, Amerika, Europa zusammen.

Riverdance

Weltweite Berühmtheit erlangte der irische Tanz durch Riverdance. Beim Eurovision Song Contest, der am 30. April 1994 in Dublin ausgetragen wurde, traten Michael Flatley und Jean Butler mit einer Gruppe irischer Tänzer auf. Flatleys mitreißender Charme, die elfenhafte Eleganz von Jean Butler und das rhythmische Trommeln der Steppschuhe rissen das Publikum von den Stühlen – auch vor dem heimischen Bildschirm. Die folgenden Shows von Riverdance waren restlos ausverkauft und bereiteten den Boden für Tanzshows wie „Lord of the Dance“ oder „Feet of Flames“, die beide Michael Flatley produzierte.

Die Tanzgewandung

Die Tanzkostüme der Tänzer erinnern heute wie gestern an bäuerliche Tracht der irischen Landbevölkerung. Die Tänzerinnen trugen Kleider mit einem Umhang, der über die Hüften fiel. Die Männer trugen einen schlichten Kilt, eine Jacke und lässig über ihrer Schulter einen Mantel.

Über die Zeit änderten sich die Kostüme. Die männlichen irischen Stepptänzer von heute tragen keinen Kilt mehr, sondern meist eine schwarze Hose mit Hemd und Weste. Die Kleider der Tänzerinnen sind reich und bunt bestickt, wenn es sich um Solotänzerinnen handelt. Sonst fallen die Kleider einfarbig und schlicht aus. Der Mantel ist fast vollständig weggefallen. Zum Kleid werden schwarze Strumpfhosen getragen.

Für den Stepptanz werden die sogenannten Hard Shoes oder Heavy Shoes getragen. Diese haben an den Keilen und am Absatz besonderes Material, meist Kunststoff oder Fiberglas. Manchmal, gerade bei Showtänzern kommen auch Metallapplikationen zum Einsatz. Beim traditionell irischen Tanz sind diese aber verpönt.

Die Softshoes ähneln Ballet-Schläppchen und sind aus weichem Leder gefertigt. Sie kommen bei Anfängern des irischen Tanzes zum Einsatz, bevor der Tänzer reif für die Hard Shoes ist. Außerdem werden sie für die geräuschlosen Tänze, die sogenannten Soft-Shoe-Dances verwendet.

Über den Autor

Ina Brecheis

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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