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Das Dublin Writers Museum

Dublin Writers Museum
Monika Dockter
Written by Monika Dockter

Das Dublin Writers Museum lohnt einen Besuch. Während man dort von Raum zu Raum schlendert, sind Raum und Zeit schnell vergessen. Der Besucher taucht ein in das Leben und Wirken von Irlands berühmtesten Schriftstellern. Was Sie im Dublin Writers Museum erwartet, verrate ich Ihnen hier.

Dublin Writers Museum

By landhere ,under CC BY-SA 2.0, Disclaimer, no changes were made

Dublin – Die Stadt der Dichter und Schriftsteller

„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“

In der einen oder anderen Form kennt wohl jeder dieses Zitat von Oscar Wilde, einem der bekanntesten Schriftsteller Dublins. Auch Graf Dracula, der Stammvater aller Vampire, erschaffen von Abraham Bram Stoker, ist vermutlich jedem ein Begriff. Neben den beiden Genannten hat Dublins Vergangenheit allerdings noch weit mehr berühmte Schriftsteller zu bieten: James Joyce mit seinem berühmten Werk Ulysess zum Beispiel, des weiteren Jonathan Swift (Gullivers Reisen), William Butler Yeats, George Bernard Shaw, Samuel Beckett, Seamus Heaney – darunter etliche Literatur-Nobelpreisträger. Kein Wunder also, dass Dublin 2010 zur vierten UNESCO City of Literature ernannt wurde. Über ganz Dublin verteilt feiern Gedenktafeln, Statuen (die man mit Hilfe einer bestimmten App sogar zum Sprechen bringt!), Galerien und Museen Dublins ruhmvolles literarisches Erbe.

Eine dieser Attraktionen ist das Dublin Writers Museum. Im Jahr 1991 eröffnet präsentieren seine Ausstellungen sowohl das Leben als auch das literarische Schaffen irischer Schriftsteller über einen Zeitraum von 300 Jahren bis etwa 1970. Zeitgenössische Literatur ist folglich nicht im Ausstellungsprogramm enthalten. Das Museum ist zentral gelegen und sowohl zu Fuß als auch mit dem Bus gut zu erreichen. Im Eintrittspreis enthalten ist ein Audio-Guide (auch in deutscher Sprache), mit dem man unter anderem in den Genuss etlicher Passagen aus den Werken der ausgestellten Schriftsteller kommt.

Das Dublin Writers Museum besuchen

Was genau erwartet nun den Besucher hinter der georgianischen Backsteinfassade mit ihrem schmiedeeisernen Torbogen und dem goldenen Schriftzug Dublin Writers Museum? Es sind Texttafeln mit Porträts beziehungsweise Fotos und Ausstellungsstücke wie Briefe, Manuskripte, Erstausgaben bekannter Werke und persönliche Gegenstände. Allesamt sind sie dazu geeignet, das Werk ihrer Schöpfer nicht nur zu dokumentieren, sondern vor den Augen der Besucher zum Leben zu erwecken. „Schriftstellerspezifische“ Gebrauchsgegenstände wie Austin Clarkes Schreibtisch, verschiedene Füllhalter und eine Schreibmaschine nehmen den Besucher mit hinein in den Schaffensprozess, Gegenstände wie Samuel Becketts Telefon, Lady Gregorys Opernglas und Mary Lavins Teddybär sogar in das Leben hinter der schriftstellerischen Bühne. Kurz gesagt: Ein Besuch im Dublin Writers Museum bedeutet, Literatur hautnah und hörbar zu erleben.

Der erste Ausstellungsraum widmet sich den Wurzeln irischer Poesie und Erzählkunst, dem „Aufstieg“ von Männern wie Swift und Sheridan zu Schriftstellern von internationaler Bedeutung und Autoren wie Thomas Moore, die Irland zum Subjekt und Handlungsort ihrer Werke erkoren. Auch Geist und Humor von Schriftstellergenies wie Oscar Wilde (der übrigens während seiner Collegezeit ein vielversprechender Boxer war) und Bernard Shaw kommen hier nicht zu kurz. Und wenn es etwas gibt, das auch den weniger literaturbegeisterten Gast zum Träumen bringt, ist das möglicherweise eine Erstausgabe von „Dracula“.

Die Ausstellung im zweiten Raum befasst sich mit den irischen Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts mit seinen umfassenden politischen Veränderungen in Irland (Osteraufstand, Kampf um die Unabhängigkeit, Entstehung der Republik Irland) und der Welt. Große Namen wie James Joyce, W.B.Yeats, Brendan Behan und der des Nobelpreisträgers Samuel Beckett sind hier anzusiedeln, die in ihren Werken die Geschichte jener Zeit verarbeiten. Aber nicht ausschließlich: zum Beispiel findet sich unter den Ausstellungsstücken auch ein handgeschriebener Brief Behans, in dem er auf äußerst humorvolle Weise seine Reise nach Hollywood skizziert. Oder kennen Sie seinen Ausspruch: „Wasser ist nicht zum Trinken da, sonst hätte Gott nicht so viel davon gesalzen“? In gewisser Weise amüsant sind auch Information wie diejenige, dass James Joyce unter Astraphobia litt, der Furcht vor Gewittern, die mitunter seine Tätigkeit beeinflusste…

Zwischen Büsten, Büchern und Portraits

Die Gallery of Writers im ersten Stock, gestaltet im üppigen Stil eines Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert, enthält vor allem Gemälde und Büsten der ausgestellten Schriftsteller, aber auch Gegenstände wie James Joyces´ Piano und Truhen mit wechselnden Exponaten. Glücklich der Besucher, der in solch prächtigem Ambiente und umgeben von Irlands kreativsten Köpfen aus der Vergangenheit, im Hier und Jetzt einer der Lesungen oder sonstigen Vorträge lauschen darf, die in diesem Raum veranstaltet werden!

Ähnlich beeindruckend ist die Bibliothek Gorham Library. Diese enthält die Büchersammlung des Museums mit ihren zahlreichen Erstausgaben und Drucken seltener Werke. Wer es schafft, seinen Blick von den Büchern zu lösen und nach oben zu sehen, wird mit dem Anblick einer Stapleton Ceiling belohnt. Diese elegante ornamentale Stuckdecke stammt aus der Hand des Dubliner Bürgers M. Stapleton.

Der letzte spezifische Ausstellungsraum widmet sich der Kinderliteratur und ist bevölkert von zahlreichen Figuren aus den unterschiedlichsten Geschichten. Die entscheidende Rolle dabei spielt vermutlich die Welt von Dracula. Allerdings sei hier erwähnt, dass sich der Besuch des gesamten Museums für Kinder aufgrund der zahlreichen Schriftstücke eher trocken und etwas langweilig gestaltet.

Dublin Writers Museum

By Pi3.124 (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Für die Bücherwürme unter den Besuchern

Neben einem Cafe gibt es – last, not least – natürlich auch einen Bookshop. Unterwegs zu diesem Laden im Anbau des Gebäudes befindet sich der Besucher stets unter dem wachsamen Blick der alten Dichter und Denker. Ihre Porträts zieren die Wände. Im eigentlichen Laden dann sind nicht nur die im Museum dokumentierten Werke erhältlich, sondern auch solche weiterer Autoren aus der irischen Literaturszene und themenbezogenen Souvenirs. Für all jene, die während ihres Museumsbesuchs noch nicht genügend Bücherduft geatmet haben, bietet sich hier die Gelegenheit, die Nase selbst zwischen die Seiten zu stecken und mit eigener Hand die Seiten umzublättern. Oder was hielten Sie davon, ein Lesezeichen mit nach Hause zu nehmen, auf dem folgendes Zitat des Dracula-Vaters Bram Stoker, stehen könnte (ob es dieses Lesezeichen tatsächlich zu kaufen gibt, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich würde es mir wünschen!):

„There are darknesses in life and there are lights, and you are one of the lights, the light of all lights.“

Haben Sie Lust, Dublin, die Stadt an der Liffey kennenzulernen? Wir helfen Ihnen gerne dabei, Ihren Irland-Urlaub zu planen.

Über den Autor

Monika Dockter

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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