Kultur & Freizeit

Ein irisches Weihnachten

irisches Weihnachten
Written by Ina Brecheis

irisches Weihnachten

Cathal Foley, ist mit seinen 31 Jahren schon weit herumgekommen. Dublin, Brüssel, Hamburg, Ingolstadt, jetzt München. In München haben wir uns vor acht Jahren kennengelernt. Cathal kam als irischer Austauschstudent an die Ludwig-Maximilians-Universität und ich war stolz, ihm meine Heimatstadt zu zeigen.

Wir treffen uns am Marienplatz, genauer unter dem riesigen Weihnachtsbaum, der etwas schief vor dem Rathaus postiert ist. Als er, untypisch für einen Iren, pünktlich unter dem Weihnachtsbaum eintrifft, muss ich schmunzeln. Nein, verändert hat er sich in den acht Jahren kein bisschen. Wir setzen uns in ein Café hinter dem Alten Peter (für alle Nicht-Münchner: eine Kirche) und die nächsten Stunden verbringen wir damit, uns wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Neben uns türmen sich die Kaffeetassen.

Während das Radio kitschige Weihnachtslieder vor sich hin dudelt, kommen wir auch auf das Fest der Liebe zu sprechen. „Weißt du, Ina“, sagt er, „geistig bin ich eigentlich schon bei meiner Familie in Irland, nur mein Körper ist noch hier“. Weihnachten, so erfahre ich, ist für seine Familie ein wichtiges Fest, denn alle verstreuten Familienmitglieder kommen zusammen. Zumindest fast, denn seine Schwester, die in New York wohnt, schafft es dieses Jahr nicht nach Hause.

Weihnachten, so erzählt Cathal, beginnt in seiner Familie traditionell mit Stress. Am 24. Dezember klingelt um sechs Uhr der Wecker, denn die sechsköpfige Familie macht sich von Trim in das 50 Kilometer südlich gelegene Dublin auf. Dort geht dann jeder einzeln auf die Jagd nach Geschenken für die Familienmitglieder. Nach erfolgreicher Jagd beginnt der gemütliche Teil von Weihnachten.

Zu Hause angekommen gibt es Essen, aber eher etwas Einfaches, denn das große Gelage folgt erst am Christmas Day, tags darauf. Dann verpacken alle ihre Geschenke und das jüngste Familienmitglied zündet feierlich die Kerze an, die dann ins Fenster gestellt wird. „Das“, erklärt Cathal, „soll allen einsamen Wanderern zeigen, dass sie in diesem Haus willkommen sind“. Der Brauch spielt an Josef und Maria an, die verzweifelt nach einer Bleibe für die Nacht gesucht haben und dann auf den berühmten Stall ausweichen mussten.

Seit Cathal und seine Geschwister den Glauben an Santa Claus verloren haben, gibt es die Bescherung Christmas Eve und nicht am Morgen des Christmas Days. „So ist das entspannter“, sagt Cathal und schmunzelt. Die Familie sitzt beim Schein der Kerzen des Christbaumes beisammen und packt die Geschenke aus.

Der Christmas Day beginnt für Cathal nicht unbedingt entspannt. Ab spätestens acht Uhr morgens ist er in der Küche zugange, denn in seiner Familie hat er seit einigen Jahren die verantwortungsvolle Aufgabe des Truthahn-Beauftragten inne. Das heißt, er bereitet stundenlang das aufwendige Festessen vor. Einer seiner Brüder kümmert sich derweil um den Speck, in den der Truthahn gewickelt wird und sein Vater bereitet die Vorspeise, traditionell eine Suppe, vor. Seine Mutter überlässt die Küche gerne den Männern und genießt die Zeit für sich.

Gegen fünf Uhr kommen dann alle zusammen, um gemeinsam das üppige Weihnachtsmahl zu genießen. Nachdem sich alle durch die Vor- und Hauptspeise gearbeitet haben, gibt es zum Nachtisch einen Plumpudding, den der andere Bruder schon einige Wochen vor Weihnachten zubereitet hat. „Davon, schafft aber jeder nur einen kleinen Happen“, gibt Cathal zu, „denn der Pudding hat es in sich“.

„Nach dem Abendessen kommen die Brettspiele auf den Tisch, was nicht immer so friedlich und harmonisch abläuft“, sagt Cathal und lacht. „Da geht es auch schon mal zur Sache“. Die familiäre Harmonie wird dann in der Christmesse spätestens wieder hergestellt.

Nachdem Weihnachtsfest im Kreise der Familie, gehört der Abend des 26. Dezembers, der St. Stephen`s Day, den Freunden. Man trifft sich, wenig überraschend, im Pub. „Das ist echt schön“, sagt Cathal, „denn manche hat man ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen und alle kommen Weihnachten nach Hause zur Familie“.

In den Tagen um Weihnachten gibt es ein paar Dinge, die bei einem echten, irischen Weihnachten auf keinen Fall fehlen dürfen. Cathals absoluter Weihnachtshit ist natürlich A Fairytale of New York von den Pogues und was ebenso wenig fehlen darf, sind die Filme It´s a wonderful life und The Snowman. Die gehören in Irland zum weihnachtlichen Fernsehprogramm, wie hierzulande „Der kleine Lord“ oder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.

„Wann geht es für dich in die Heimat?“, frage ich Cathal. Er lächelt etwas schief und meint, dass das ganz vom Streik der Ryanair-Piloten abhängt. „Und was machst du, wenn es nicht klappt?“, frage ich. „Dann laufe ich nach Irland“, sagt er mit einem breiten Grinsen, „denn Weihnachten will ich zu Hause sein“.

Über den Autor

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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