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Temple Bar – Dublins buntestes Viertel

Temple Bar Dublin
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Written by Ina Brecheis

Temple Bar, das ist holpriges, unregelmäßiges Kopfsteinpflaster, enge Gassen, kunterbunte Fassaden von kleinen Läden mit Kunst und Krempel. Temple Bar, das sind gemütliche Cafés und Restaurants, Museen, Ausstellungen, buntes, lautes Nachtleben. Und natürlich der wohl bekannteste Pub der Welt: The Temple Bar. Wir nehmen Sie mit durch die Straßen und Gassen von Dublins Kultviertel, tauchen ein in seine Geschichte und verraten Ihnen natürlich die versteckten Highlights, die Sie bei einem Besuch nicht verpassen sollten.

Die Geschichte von Temple Bar

Den Namen verdankt das Viertel, das sich zwischen der Liffey und der Verkehrsader Dame Street erstreckt, einem Engländer. Es war der britische Diplomat Sir William Temple, der sich hier unweit der Liffey im 17. Jahrhundert eine Residenz samt üppigem Garten bauen ließ. William Temple war zu seiner Zeit ein hohes Tier in der Stadt. Er war Probst des Trinity College und saß außerdem dem Gericht vor. Als man durch die Aufschüttung von Sandbänken (damals genannt “Barrs”), den Marschen der Liffey weiteres Land abtrotzte, war Temple’s Barr oder einfacher Temple Bar geboren.

Sir William Temple hat es selbst nicht mehr erlebt, wohl aber mag sein Urenkel zugegen gewesen sein, als in der Fishamble Street Georg Friedrich Händel am 13. April 1742 sein Oratorium The Messiahs uraufführte. Seither klingen alljährlich am gleichen Tag die getragenen Töne des Oratoriums durch die Straßen und Gassen von Temple Bar.

Zwei Jahrhunderte später verfiel das einstmals so prächtige Stadtviertel zusehends und nachts wagten sich nur wenige Dubliner durch die schlecht beleuchteten Gassen des Viertels. Vielleicht war das ein Glück, denn in anderen Teilen der Stadt wurde im 20. Jahrhundert viel abgerissen, Neues gebaut und auf diese Weise gingen so einige bauliche Schätze verloren.

In den 80er Jahren sollte das ganze Viertel gar abgerissen werden und einem Busbahnhof weichen. Aber in der Zwischenzeit hatte sich hier eine kreative, alternative Szene gebildet, die so lange auf die Barrikaden ging, bis die Abrisspläne fallen gelassen wurden. Zum Glück, denn so konnte das heute so beliebte Viertel bestehen bleiben.

Sehenswertes in Temple Bar

Dublins Kultviertel lädt mit seinen verworrene Gassen und den schier zahllosen Pubs, Café, Läden, Ausstellungen, Märkten und Restaurants den Besucher zum Entdecken und Stöbern ein. Und zu entdecken gibt es in diesem bunten Viertel vieles! Nehmen Sie sich also genügend Zeit, und lassen Sie sich einfach treiben. Denn, wer kein Ziel hat, der sieht mit offeneren Augen.

The Temple Bar

Natürlich gehört der berühmteste Pub der Welt, The  Temple Bar, zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Viertels. Mit seiner leuchtend roten Fassade ziert der Pub wohl so einige Urlaubsfotos von Menschen aus aller Welt. Seit 1840 heißt der Pub mit seinem urigen, verwinkelten Inneren, lebensfroher abendlicher Livemusik und irischen Getränken seine Besucher willkommen. Mittlerweile ist es eine solche Attraktion geworden, dass es schwierig ist, abends einen freien Barhocker zu ergattern. Außerdem sind die Pints dort sicher nicht die Günstigsten, deshalb unser Tipp: Ein schönes Fotomotiv, aber einen ruhigen, gemütlichen Pub-Abend sollte man sich anderswo machen.

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Temple Bar, Dublin (Irland); CC0 Creative Commons

Meeting House Square

Unweit des Pubs gelegen, ist der Meeting House Square. Dieser ist aus mehreren Gründen ein Ort, den zu besuchen, es auf alle Fälle lohnt. Zum einen ist der kleine Platz ein echtes Kulturzentrum. Rund um den Meeting House Square liegen die Gallery of Photography mit wechselnden Ausstellungen, die ihre Tore kostenlos für Besucher öffnet. Ebenso sehenswert ist das National Photographic Archive, das Sie auch kostenlos besuchen können. Ein absolutes Highlight ist das Irish Film Institute, das ein wenig versteckt durch eine kleine Passage zu erreichen ist. Hier gibt es kleine Kinosäle, in denen alternative Filme, abseits der Blockbuster laufen. Das Irish Film Institute ist zudem auch für den schmalen Geldbeutel geeignet. Ein kleines, feines Kino, dessen Atmosphäre verzaubert. Im Eingangsbereich können Sie außerdem einen kleinen Schatz aus nächster Nähe bewundern: einen waschechten Oscar!

Auch der Platz selbst verwandelt sich an einigen Tagen in ein pulsierendes Zentrum. Jeden Samstag gibt es hier einen Wochenmarkt, auf dem allerlei Leckereien verführen: Obst, Gemüse, Brot, Käse, Fisch, Fleisch … Hier kann man an dem ein oder anderen Stand ein leckeres Mittagessen oder eine Nascherei für zwischendurch erstehen. Es gibt da einen Stand, der Blueberry Scones verkauft, die zum Niederknien sind (ganz persönliche Meinung der Autorin :-).

Wenn Sie von der Essex Street auf den Meeting House Square gelangen, achten Sie unbedingt auf das unten abgebildete Straßenschild. Wenn Sie mehr über die irische Musiklegende Rory Gallagher erfahren möchten, legen wir Ihnen diesen Artikel ans Herz.

Rory Gallagher Corner

Die Rory Gallagher Corner in Dublin City

Wall of Fame

Gleich hinter dem Meeting House Square ist die Wall of Fame gelegen. Hier würdigen die Dubliner den irischen Musiklegenden. In der Wand sind übergroße Bilder von Hozier, Luke Kelly, Phil Lynott, Rory Gallagher, Sinead O’Connor, Shane MacGowan und Bob Geldof eingelassen – nur um einige zu nennen. Hinter der  Wall of Fame verbirgt sich die Irish Rock ‘N’ Roll Museum Experience. Das Museum führt durch Aufnahmestudios, stellt private Stücke bekannter Musiklegenden aus und gibt Einblicke in das Leben großer Musiker.

Wall of Fame Dublin

fabiolah [CC BY 3.0]

Merchant’s Arch & Half Penny Bridge

Eine kleine, beinahe unscheinbare Passage führt in Verlängerung der Crown Alley in Richtung der Liffey, direkt auf die Half Penny Bridge zu: Merchant’s Arch. Hier gibt es bereits seit Jahrhunderten rechts und links kleine Läden, die zum Stöbern einladen. Der Rundbogen selbst stammt aus einer Zeit der stolzen Handwerks-Gilden. Die geschickte Hände der Händler waren es auch, die den Rundbogen schufen. Er führt direkt zur Half Penny Bridge. Diese hat ihren Namen von der Maut in Höhe von einem halben Penny, den Fußgänger blechen mussten, wollten sie die Brücke überqueren. Seit 1919 darf man die Brücke ganz ohne Kosten überqueren. Die Ha’penny Bridge gehört wohl zu den meist fotografierten Wahrzeichen Dublins.

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Halfpenny Bridge, Dublin (Irland)

Temple Bar – Restaurants und Cafés

In Temple Bar gibt es nichts, was es nicht gibt. In den zahlreichen Bars, Restaurants und Café ist für jeden Geschmack etwas dabei. Hier haben wir eine kleine Auswahl zusammengestellt:

  • Chameleon: Asiatische gehobene Küche;
  • Queen of Tarts: Leckeres Süßes und Salziges;
  • Porterhouse: Bier, Stout, Cider, Ales … hier gibt es alles;
  • Gallagher’s Boxty House: Traditionell irische Küche;
  • The Wild Duck: Essen, Musik, Theater … hier kommt alles zusammen; Sycamore Street 17/20
  • Bad Bobs: Gehobene Bar in edlem Ambieten; Essex Street 35-37
  • Joy of Cha: Tee, Kaffee und was Leckeres dazu; Essex Street 11
  • The Pieman Café: Hier gibt es … genau: leckere Pies in allen Variationen; C

Nachtleben

Am Abend verwandelt sich Temple Bar in einen kulturellen Schmelztigel. Menschen aus aller Welt und Dubliner kommen hier zusammen, um die Abendstunden in einem der Pubs mit Livemusik, den Bars und Restaurants zu genießen. Die Straßen sind erfüllt von der Musik zahlreicher Straßenmusiker. Straßenkünstler zeigen ihr Können den Nachtschwärmern, die sich durch das Viertel treiben lassen. Für einen abendlichen Pub-Crawl mit irischer Livemusik bieten sich das Auld Dubliner in der Fleet Street an. Gleich daneben liegt das Oliver St. John Gogartys, wo Sie zu den bekannten irischen Gassenhauern schunkeln, tanzen und mitsingen können.

 

Über den Autor

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Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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