Kultur & Freizeit

Die Operation Shamrock 1946

Heute vor 73 Jahren endeten die Schrecken des 2. Weltkriegs mit der offiziellen Kapitulation des Deutschen Reiches. Wenngleich der Krieg in Europa nicht länger tobte, war das Leben danach, in den zerstörten Städten hart, sehr hart. Gerade die unzähligen Kriegswaisen, die alleine in Schutt und Trümmern lebten und nur mit Mühe und Not etwas Essbares auftreiben konnten, mussten besonders darunter leiden. In diesen schweren Tagen entschloss sich die irische Regierung zu einem einzigartigen Akt der Menschlichkeit, der Operation Shamrock.

Operation Shamrock

Von Bundesarchiv, Bild 183-19000-1661 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Ein Ende mit Schrecken – 1945

Im Mai 1945 kapitulierte das Deutsche Reich bedingungslos. Hitler hatte einige Tage zuvor im Führerbunker in Berlin Selbstmord begangen. Das „tausendjährige“ Reich hatte lediglich zwölf Jahre bestanden und mehr als 50 Millionen Menschen in den Tod gerissen. Viele europäische Städte lagen in Schutt und Asche. Millionen Menschen waren obdach- und heimatlos geworden. Zu essen gab es nichts mehr und die Bevölkerung sah sich gezwungen, aufs Land zu gehen, um dort zu „hamstern“; von den Bauern etwas zu erbetteln oder auf den Feldern zu klauen. Von dieser unmenschlichen Situation besonders betroffen, waren die unzähligen kranken und unterernährten Kinder, die als Waise oder mit dem verbliebenen Elternteil ein elendes Dasein fristeten.

Die Operation Shamrock wird geboren

Die Iren hatten am eigenen Leib den Hunger einige Jahre zuvor schmerzlich zu spüren bekommen. Die Erfahrungen und Erlebnisse der schlimmen Hungersnot von 1845 bis 1852 hatten sich tief in das kollektive Gedächtnis der irischen Bevölkerung eingegraben. Das war wohl auch ein Grund, weshalb die irische Kinderärztin, Dr. Kathleen Murphy, beschloss, ihren Beitrag zu leisten, um zumindest einigen deutschen Kindern zu ermöglichen, aus ihrer desolaten Situation im Nachkriegsdeutschland zu entkommen.

Kathleen berief am 16. Oktober 1946 ein Treffen in Dublin ein und versuchte, die irische Regierung und die Alliierten von ihrem Vorhaben zu überzeugen, deutschen Kindern zu helfen. Nach anfänglichem Zögern erklärten diese sich bereit und die „Save the German Children Society“ wurde ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel der Organisation war es, mithilfe des Roten Kreuzes knapp 400 deutsche Kinder zwischen drei und zehn Jahren vornehmlich aus dem katholischen Nordrhein-Westfalen für einige Jahre nach Irland zu holen. Die Kinder hatten entweder beide Eltern im Krieg verloren, waren durch die Kriegswirren von ihnen getrennt worden oder sind gezielt von ihren Familien nach Irland geschickt worden. Dort sollten sie bei irischen Pflegefamilien untergebracht werden und dem Notleiden in ihrem vom Krieg zerstörten Heimatland entgehen. Der Name dieser einzigartigen Hilfsmaßnahme: Operation Shamrock, zu Deutsch: Operation Kleeblatt.

Die ersten deutschen Kinder erreichen Irland

Kurze Zeit später trafen die ersten Transporte mit vom Krieg traumatisierten deutschen Kindern in Irland ein. Sie gingen in Dún Laoghaire, einer kleinen Hafenstadt etwa zehn Kilometer südlich von Dublin gelegen, an Land. Von dort brachte das irische Rote Kreuz die Kinder nach Glencree. Glencree war eine ehemalige Kaserne, direkt vor den Toren Dublins gelegen, die man in ein provisorisches Krankenhaus umfunktioniert hatte. Dort wurden die deutschen Kinder medizinisch versorgt und wieder aufgepäppelt.

War die Gesundheit der Kinder wieder einigermaßen hergestellt, wurden sie auf die irischen Pflegefamilien verteilt, die sich bereit erklärt hatten, die Kinder bei sich aufzunehmen. Viele der deutschen Kinder fanden in ihren irischen Familien wieder Halt und Zuwendung und konnten so die schrecklichen Erfahrungen der Kriegsjahre allmählich hinter sich lassen. Bis 1949 waren die meisten der deutschen Kinder wieder in Deutschland. Einige aber, etwa 50, blieben in Irland. Die Bundesrepublik Deutschland stiftete Irland in den 50er Jahren zum Dank für diese humanitäre Aktion den Nornenbrunnen im Dubliner St. Stephen`s Green Park.

67 Jahre nach der Operation Shamrock

2013 fand auf Initiative des Glencree Centre for Peace and Reconciliation, dem Irischen Roten Kreuz und der Deutschen Botschaft in Dublin eine Gedenkfeier der Operation Shamrock statt. Geladen waren die deutschen Kinder von einst, heute ältere Herrschaften in ihren 70ern und 80ern sowie die Familien der Pflegeeltern, die sie damals aufgenommen hatten.

Wie Irland deutschen Kindern außerdem half

Die Operation Shamrock war nicht die einzige Hilfe, die Irland dem vom Krieg zerstörten Deutschland zuteilwerden ließ. An die breite Öffentlichkeit gelang folgende, fast vergessene Geschichte, durch ein geheimnisvolles Buch, das Tony O`Herlihy im Nachlass seiner verstorbenen Frau Mary fand.

In dem kleinen Buch, das die Größe einer Pralinenschachtel hat, finden sich zahlreiche kleine Gedichte und Kinderzeichnungen, die davon erzählen, wie irischen Lebensmittelspenden unterernährten deutschen Kindern in der Schulspeisung zugeteilt werden. Tony wandte sich mit dem Buch an die Deutsche Botschaft in Dublin und machte die ehemaligen Schülerinnen in Deutschland ausfindig, die das Dankeschön-Buch gemalt hatten. Irland hatte Schulspeisungen im Nachkriegsdeutschland veranlasst, die durch Lebensmittelspenden der Iren zustande kamen. Tausende deutsche Kinder bewahrte diese Tat vor dem Hungertod.

Irlands damaliger Taoiseach Éamon de Valera hatte am 23. Mai 1945 diese Hilfslieferung an Nahrungsmitteln nach Deutschland mit den folgenden Worten veranlasst:

„Our people are ready to provide those necessities of life. It will involve a reduction in our ration of some commodities, but the sacrifice involved will, I am sure, be readily accepted by our people to help fellow-beings in dire distress.”

„Die irische Bevölkerung ist bereit, das Lebensnotwendige zur Verfügung zu stellen. Es wird bedeuten, dass wir unsere eigenen Rationen bei einigen Waren beschränken müssen, aber dieses Opfer wird, da bin ich mir sicher, von allen Iren getragen werden, um unseren Mitmenschen zu helfen, die in größter Not sind.“

Über den Autor

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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