Irland Traditionen

Irische Silvesterbräuche und -traditionen

irische Silvesterbräuche
Ina Brecheis
Written by Ina Brecheis

Irische Silvesterbräuche und -traditionen waren lange Jahre sehr bedeutsam, denn sie bestimmten, ob das kommende Jahr von Glück oder Unglück geprägt sein würde. Heute muten diese Silvesterbräuche etwas kurios an und die Iren zelebrieren sie mit Humor und einem Augenzwinkern. Es mag aber auch etwas Aberglaube dabei sein, wenn der Neujahrskuchen an die Wand “geschlagen” wird oder eine irische Familie erleichtert aufatmet, wenn der erste Besucher des neuen Jahres ein dunkelhaariger Mann ist. Neugierig geworden? Hier haben wir Euch kuriose irische Silvesterbräuche zusammengestellt.

Das Unglück vertreiben

Traditionell feiern die Iren den Silvesterabend im Kreise der Familie mit einem üppigen Essen. Krönender Abschluss des gemeinsamen Festmahls ist traditionell ein Kuchen. Bevor dieser verspeist werden darf, kommt ihm eine besondere Aufgabe zu. Ein Familienmitglied stößt den Kuchen an Türen und Wände des Hauses oder der Wohnung. So geht die Familie sicher, dass es ihr im kommenden Jahr nicht an Essen mangeln wird. Neben dem Hunger wird auch das Unglück vertrieben, während gute Geister im Heim willkommen sind. Nach dem ausgedehnten Silvesteressen blieben die Iren in früherer Zeit zu Hause. So kamen sie den Elfen nicht in die Quere, die den Jahreswechsel für ihr Treiben nutzten. Im 19. Jahrhundert ging dieser Aberglaube mehr und mehr zurück. Nun läuteten auch die Iren das neue Jahr mit einem Besuch von Konzerten und Feiern ein.

Iren Silvester

Mit anderen zu feiern gehört heute in Irland zu Silvester dazu; Photo by Michael Fousert on Unsplash

Ein Mistelzweig unter dem Kissen

In Irland hat es zu Silvester Tradition, dass junge Mädchen die Nacht vom alten auf das neue Jahr nutzen, um ihrem Liebesglück auf die Sprünge zu helfen. Dazu stecken sie Efeu oder Mistelzweige vor dem Zubettgehen unter ihr Kopfkissen. Im Traum wollen sie einen Blick auf ihren zukünftigen Ehemann erhaschen.

Stechpalmenzweige

Feierlicher rot-grüner Weihnachtsschmuck – der Stechpalmenzweig

Der Neujahrsputz

In Irland wurden in früheren Jahren an Silvester Haus und Hof für das neue Jahr herausgeputzt. Die ganze Familie war gefragt, das Heim von oben bis unten zu schrubben und Ausbesserungen vorzunehmen. Frisch geputzt und hergerichtet konnte das neue Jahr beginnen. Es verhieß Glück für das kommende Jahr, wenn man das Vergangene ohne Altlasten beschloss.

Der dunkelhaariger Besucher

Viel Bedeutung wurde dem ersten Besucher des neuen Jahres beigemessen, der über die Türschwelle schritt. War es ein dunkelhaariger Mann, war der Familie im kommenden Jahr das Glück hold. Betrat hingegen eine rothaarige Frau als erste Person das Haus, verhieß das Not und Leid. Aus heutiger Sicht nicht gerade frauenfreundlich. Die findigen Iren halfen ihrem Glück auf die Sprünge, indem sie ein dunkelhaariges, männliches Familienmitglied kurz nach Mitternacht vor die Tür schickten, nur um dieses gleich darauf wieder herein zu bitten. Auch die Dorfjugend wusste aus dem Aberglauben geschickt Kapital zu schlagen und dunkelhaarige Jungen machten kurz nach Mitternacht im Dorf ihre Runde. Natürlich nicht, ohne eine kleine Aufmerksamkeit zu erwarten.

Die Nacht der großen Portion

Das Silvestermahl fällt heutzutage üppig aus und das ist nichts Besonderes mehr. In Irland war es jedoch ein wichtiger Brauch, um sicherzustellen, dass eine Familie im kommenden Jahr reichlich zu essen haben würde. Silvester wird deshalb heute noch die „Nacht der großen Portion“ genannt, „Oíche na Coda Móire“. In diese Tradition fügt sich auch, dass die Iren am Silvesterabend kein Essen an Bedürftige ausgaben, geschweige denn Geld. Das, so der Aberglaube, brächte Unglück und würde dazu führen, dass sie im kommenden Jahr von beidem nicht genug besitzen würden.

Ein Tischgedeck für die Verstorbenen

Ein älterer irischer Silvesterbrauch ist, den Angehörigen zu gedenken, die in dem vergangenen Jahr verstarben. Für sie ist am festlich gedeckten Esstisch ein Platz reserviert und ein Gedeck für sie bereitgestellt. Die Haus- oder Wohnungstür bleibt an diesem Abend unverschlossen. So bedeutet die Familie ihren Toten, dass sie weiterhin in der Familie willkommen sind und ihrer gedacht wird.

Festessen Silvester

Gedeckt wird auch für die Verstorbenen; Photo by Katrien Sterckx on Unsplash

Die glücksbringende Tür

Gäste am Silvesterabend waren angehalten, das Haus durch die Vordertür zu betreten und durch die Hintertür zu verlassen. Das brachte Glück für das gesamte nächste Jahr.

In diesem Sinne: Ein frohes Neues! Athbhliain faoi mhaise duit!

Über den Autor

Ina Brecheis

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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  • […] In Irland fliegen an Silvester die Neujahrskuchen an die Wand. Das vertreibt die bösen Geister und sorgt für gutes Essen im neuen Jahr. Aberglauben spielt auch heute noch eine große Rolle. Nachdem der Silvesterabend zusammen mit der Familie mit einem leckerem Essen gefeiert wurde, ist man froh, wenn am Neujahrsmorgen ein dunkelhaariger Mann an die Tür klopft. Außerdem blieb man früher zu Hause, weil man dann nicht den Elfen in die Quere kam, die in der Silvesternacht ihr Unwesen trieben. Auch Mistelzweige sind wichtig am Silverstertag. Sie werden unter das Kissen von jungen Mädchen gelegt, damit die Liebe Einzug hält. Es gibt noch viele andere Bräuche in Irland, die den Rahmen hier aber sprengen würden. Wer sich dafür intereissiert, der kann hier nachlesen: gruene-insel.de […]

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