Irland in der Neuzeit

Das Whiskey Fire Dublin 1875

Whiskey Fire Dublin Betrunkene
Neil Saad
Written by Neil Saad

Das 19. Jahrhundert war das große Zeitalter des Irish Whiskey. Whiskey, auf Irisch Uisce Beatha genannt, war weltweit beliebt. Zahllose Destillerien im Land brannten das flüssige Gold der Iren. Insbesondere die Destillerien in der Hauptstadt Dublin waren von Bedeutung. Sie machten den Kern der irischen Whiskey-Industrie aus und besetzten mit ihren riesigen Anlagen ganze Stadtteile. Im Jahr 1875 geriet im Zentrum der Destillerien ein Lagerhaus in Brand. Daraus entstand eine der größten Brandkatastrophen in der Geschichte der irischen Hauptstadt. Dieses Great Whiskey Fire Dublin, der große Whiskey-Brand in Dublin, ist heute eine historische Anekdote. Dabei erzählt diese von den unkonventionellen Methoden bei der Brandbekämpfung und den kuriosen Todesfällen, die das Whiskey-Feuer in Dublin forderte.

Dublin – Welthauptstadt des Irish Whiskey

Im 19. Jahrhundert befand sich die irische Whiskey-Industrie auf ihrem Höhepunkt. Weltweit, insbesondere in Nordamerika, Großbritanien und in den Kolonien des British Empire, galt Irish Whiskey als ein Premium-Produkt. Dabei konnte der heute favorisierte Scotch, der Whiskey der Schotten, dem irischen Pure Pot Still Whiskey in jenen Tagen nicht das Wasser reichen. Das Zentrum der irischen Whiskey-Produktion lag in Dublin. Dort bildeten sich seit dem späten 18. Jahrhundert im Stadtviertel The Liberties die größten Destillerien der Welt. Aus dieser Epoche stammen noch heute bekannte Namen wie John Jameson, John Powers, George Roe und William Jameson. Aber auch Familien wie die Teelings, heute Gründer der ersten, neuen Destillerie in Dublin, mischten damals bereits mit.

In The Liberties, einem historischen Stadtviertel im Südwesten der Innenstadt von Dublin, entstand das Herz  der Brennereien. Dort war die Dichte an Destillerien und Lagerhäusern, aber auch an Zulieferern wie Müllern oder Fass-Herstellern, am höchsten. Große Destillerien wie die Thomas Street Distillery von George Roe hatten einen immensen Flächenbedarf. Mit ihren zahlreichen Arbeitsgebäuden und Lagerhäusern bildeten sie regelrecht eigenständige Stadtteile. Daneben existierten in The Liberties weitere große Industrien. Dabei steht der Name Arthur Guinness allen voran. Seine Brauerei am St. James Gate, damals bereits marktführend, deckte ebenfalls ein großes Arreal ab. Dazu beschäftigte sowohl die Guinness Brauerei als auch die Whiskey Destillerien viele Menschen in The Liberties.

Vielerorts lebten diese Menschen auf engem Raum. Armut war stark verbreitet, die Hygiene mangelhaft. In diesem Szenario aus engen Gassen, starker Bebauung und einer hohen Bevölkerungsdichte, bestand stets die Gefahr einer Brandkatastrophe. Das Great Whiskey Fire Dublin hat das eindrucksvoll bewiesen.

Whiskey Fire Dublin

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Geschichte des Whiskey Fire Dublin

In der Nacht des 18. Juni 1875 brach das Great Whiskey Fire Dublin, der große Whiskey-Brand in Dublin aus. Hierbei fing ein Lagerhaus des Whiskey-Bonders Malone Feuer. Darin lagerten geschätzte fünftausend Fässer Whiskey. Als diese schließlich in Brand gerieten, vereinte sich die Macht des unbarmherzigen Feuers mit der Kraft des hochprozentigen Irish Whiskeys. Schnell breitete sich der Brand auf die Nachbarschaft aus. Dabei floss der brennende Whiskey in Strömen durch die mit Kopfstein gepflasterten Straßen Dublins. Dadurch breitete sich der Brand mit hoher Geschwindigkeit aus. Das große Whiskey-Feuer in Dublin nahm seinen Anfang.

Als die Menschen in The Liberties die lodernden Flammen bemerkten, riefen sie die Feuerwehr Dublins. Diese rückte umgehend an. Allerdings stand sie dem brennenden Whiskey, der ihnen entgegenfloß, machtlos gegenüber. Löschversuche mit Wasser brachten keinen Erfolg. Im Gegenteil. Der lodernde Whiskey trieb auf dem Wasser und nahm durch dieses mehr Geschwindigkeit auf. Auch die Aufnahme des Pflasters und das Ausstreuen von Sand stoppte die feurige Flüssigkeit nicht. Mittlerweile bedrohte das Feuer sowohl ein Krankenhaus als auch das angrenzende Nonnenkloster. Jedoch wechselte der Wind seine Richtung, kurz bevor die Flammen die Gebäude erreichten. Die Nonnen sprachen anschließend Dankesgebete gen Himmel für dieses Wunder.

Die rettende Idee kam dem Hauptmann der Feuerwehr, einem gewissen James Robert Ingram. Dieser orderte an, den Pferdemist, der täglich auf Dublins Straßen anfiel, in The Liberties zu transportieren. Somit kam der Dung, der zuvor säuberlich von den Straßen gefegt worden war, zurück auf eben jene. Ingram ließ daraus regelrechte Dämme aus Pferdemist bauen. Tatsächlich stoppten diese den brennenden Strom, die Feuer erloschen.

Kuriose Anekdoten

Der Warnruf eines Schweins

Das Great Dublin Whiskey Fire war eine große Katastrophe und zerstörte nicht nur wertvollen Whiskey. Vielmehr standen viele Bewohner des Stadtviertels vor dem verkohlten Ruinen ihrer Existenz. Bei Ausbruch des Feuers verließen die meisten frühzeitig ihre Bleibe und flohen in sichere Bereiche. Mit ihnen flohen ihre Nutztiere, die zwischen den Gebäuden lebten. Darunter befanden sich vor allem Schweine, die laut quiekend vor den Flammen davon rannten. Es heißt, dass die Bewohner den Ausbruch des Feuers durch das Quieken eines angsterfüllten Schweins entdeckten. Dieses “Flaming Pig” ist heute Namensgeber eines Irish Whiskeys.

Das flüssige Gold

Nicht alle Bewohner Dublins versetzte der große Whiskey-Brand in Dublin in Angst und Schrecken. Eine größere Gruppe sammelte sich an den Rändern der Feuersbrunst. Dabei war es kein Gaffertum, welches sie anlockte. Vielmehr lockte sie die beliebte Spirituose, die kostenfrei durch die Gassen Dublins floss. Berichten zufolge versuchten zahlreiche Personen, das nicht nun nicht nur flüssige, sondern auch fließende Gold aufzufangen. Dazu nutzten sie ihre Hände, Hüte und sogar ihre Schuhe. Wiederum andere brachten direkt Töpfe und Pfannen mit.

Keine Feuertoten

Traurigerweise führte dieses, auf den ersten Blick amüsante Verhalten zu den einzigen Todesopfern des Great Whiskey Fire Dublin. Denn wie durch ein Wunder starb niemand an Verbrennungen oder der starken Rauchentwicklung. Allerdings starben insgesamt 13 Menschen an Verbrennungen und Vergiftung, nachdem sie den heißen Whiskey von den schmutzigen Straßen Dublins tranken.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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