Irische Musiker

Sharon Shannon – Das wahre Galway Girl

Um gleich mit einem weitverbreiteten Missverständnis aufzuräumen, nein, Sharon Shannon stammt nicht aus Galway. Die weltberühmte irische Akkordeon-Spielerin nennt den kleinen, beschaulichen Ort Corofin im nordöstlichen Teil der Grafschaft Clare ihr Zuhause. Mit Galway wird sie allerdings von vielen unweigerlich in Verbindung gebracht, denn mit dem weltweiten Hit “Galway Girl” wurde ihr Name in die Welt getragen. Wir stellen die trotz des Ruhmes bodenständig gebliebene irische Ausnahme-Musikerin vor.

Von der Farm auf die Bretter, die die Welt bedeuten

Sharon wird als zweitjüngstes Kind in eine äußerst musikalische Familie hineingeboren. Ihre beiden Eltern sind erfolgreiche irische Tänzer. Es verwundert daher kaum, dass Sharon Shannon sich an eine Kindheit erinnert, die von Musik und insbesondere von irischen Klängen durchzogen ist. Die sechsköpfige Familie lebt auf einer Farm in Corofin umgeben von zahlreichen Pferden und in einigem Abstand zu anderen Nachbarn. Das ist auch ganz gut so, denn alle vier Kinder beginnen alsbald, Instrumente zu erlernen und sich musikalisch auszuprobieren.

Sharon beginnt, wie könnte es in Irland anders sein, mit der Tin Whistle. Bald wendet sie sich aber dem Akkordeon und der Geige zu. Ihre Schwester Mary spielt das Banjo, Majella die Geige und ihr Bruder, Garry, die Flöte. Frank Custy, ein bekannter Geiger in der Region wird zum Lehrer der Geschwister. Später sagt er über Sharon: “From the moment I first heard her I knew she had the golden touch”. Seine wichtigste Lektion ist, das Musizieren zu genießen und nicht für einen der zahlreichen, lokalen Musikwettbewerbe bis zum Umfallen zu üben. Eine Lehre, die Sharon noch heute ausstrahlt, wenn sie zusammen mit anderen Musikern auf der Bühne improvisiert und experimentiert. Dort steht Sharon bereits mit 14 Jahren. Bei lokalen Veranstaltungen, bei denen sich die Nachbarschaft trifft, tanzt, musiziert und Scones und Sandwichs zusammen genießt, spielt die kleine Sharon auf ihrem Akkordeon.

Akkordeontasten statt Schreibmaschine

Sharon Shannons Mutter sieht die Begabung und die Freude ihrer Tochter beim Spielen des Akkordeons, wünscht sich für sie aber mehr finanzielle Sicherheit. Als Sharon sich am Cork University College für Irisch und Deutsch einschreibt, atmet sie erst einmal auf. Für Sharon aber ist das Studium am College nur vergeudete Zeit und rausgeschmissenes Geld. Sie weiß, was sie will: Musik machen. Lang hält es sie daher nicht in Cork, sehr zum Leidwesen ihrer Mutter. Es zieht sie in das kleine Doolin unweit der berühmten Cliffs of Moher. Diese kleine Küstenstadt ist damals wie heute ein Eldorado für junge, irische Musiker, die sich ausprobieren wollen. Als ihre Schwester Majella aber eine sechsmonatige Ausbildung zur Sekretärin in Limerick beginnt, geht Sharon mit. Der Kompromiss mit ihrer Mutter. Danach will sie vollends frei sein für die Musik.

Tagsüber lernt Sharon nun brav alles, was eine Sekretärin wissen muss. Jeden Abend in der Woche aber tritt sie in einem von Limericks unzähligen Pubs auf. Ein Angebot, mit einer Band auf Tour durch die USA zu gehen, lehnt sie wegen ihrer Ausbildung pflichtbewusst ab. Es wird das letzte Mal sein, dass sie sich für etwas anderes als die Musik entscheiden wird.

Sharon Shannon am Akkordeon

Vom Geheimtipp zum Star

Nach der Ausbildung hält sie nichts mehr von ihrem Weg ab. Sharon tourt durch Irland, spielt mit verschiedenen Bands auf Festivals überall auf der Grünen Insel, tritt in kleinen Pubs auf und macht sich langsam, aber stetig einen Namen. Auf ihren Touren kommt sie mit namhaften irischen Musikern in Berührung darunter mit Adam Clayton von U2.

Mit einigen unter ihnen veröffentlicht sie 1991 ihr erstes Album, “Sharon Shannon”. Nur ein Jahr später, 1992, nimmt Sharon Shannon mit fünf weiteren irischen Musikerinnen ein weiteres Album auf: A Woman’s Heart. Das schlägt ein und verkaufte sich innerhalb kürzester Zeit 750.000 Mal. Dieser einzigartige Erfolg macht die Medien auf Sharon Shannon aufmerksam und RTÉ widmet den Sängerinnen eine eigene Sendung. Dann geht es Schlag auf Schlag. Mit ihrer Band und anderen Musikern veröffentlicht Sharon im Laufe der Jahre folgende Alben:

Sharons Diskografie

  • Out the Gap 1995
  • Each Little Thing 1997
  • Spellbound 1998
  • Live in Galway 2001
  • Libertango 2004
  • Tunes 2005
  • Live at Dolands 2006
  • Renegade 2006
  • Saints and Scoundrels 2009
  • Collaborations 2010
  • Flying Circus 2012
  • In Galway 2015
  • Sacred Earth 2017

Was jedes einzelne Album von Sharon Shannon auszeichnet, ist die schiere Freude am Experimentieren mit anderen musikalischen Stilrichtungen. Afrikanische Trommelklänge finden sich in ihnen ebenso wie die melancholischen Klänge des argentinischen Tangos oder Inspirationen aus dem Country. Ihre Musik führt sie an viele Orte der Welt, nach Festland-Europa, Asien oder in die USA. Mit nunmehr 50 Jahren und über 30 Jahren im Musikbusiness kann sie auf Jahrzehnte einer erfolgreichen Musikkarriere zurückblicken. Ans Aufhören denkt sie dabei noch lange nicht.

SharonShannon Akkordeon

Sharon Shannon – das wahre Galway Girl

Bestimmt kennen Sie das berühmte Lied “Galway Girl”. Spätestens mit der Verfilmung des Bestsellers von Cecilia Ahern “PS: I love you” ist das Lied von dem schwarzhaarigen Mädchen mit den blauen Augen ein Hit und aus irischen Pub-Sessions wohl nicht mehr wegzudenken. Steve Earle schrieb das Lied und nahm es 2000 gemeinsam mit Sharon Shannon auf. Da war es allerdings lange nicht so erfolgreich wie in der acht Jahre später aufgenommene Version mit Sharon und dem irischen Künstler Mundy. Diese Version von Galway Girl war ganze fünf Wochen auf Platz 1 der irischen Charts.

Gerade tourt Sharon wieder durch Europa. Aktuelle Tourdaten findet Ihr auf ihrer offiziellen Homepage. Lasst Euch von irischer Lebensfreude anstecken und sorgt für den ein oder anderen Ohrwurm.

Über den Autor

Ina Brecheis

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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