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Powerscourt Gardens – Die grüne Perle in Wicklow

Powerscourt House und Gardens liegen gut erreichbar südlich von Dublin. Das Anwesen mit seinen prachtvollen Gärten zählt zu den großen Sehenswürdigkeiten des County Wicklow. Dabei zieht das herrschaftliche Anwesen in Enniskerry im Norden der Grafschaft nicht nur enthusiastische Gartenfreunde an. Bei Irland-Reisenden steht ein Besuch von Powerscourt Gardens, anerkanntermaßen zu den Schönsten der Grünen Insel zählend, allgemein hoch im Kurs. Zudem überzeugt das Anwesen neben seiner einzigartigen Architektur und der kunstvollen Gartengestaltung mit seiner 800-jährigen Geschichte. Das gibt es in den Powerscourt Gardens und House zu entdecken.

Die Geschichte des Anwesens

Die Powerscourt Gardens

Die Anfänge von Powerscourt liegen weit zurück im 13. Jahrhundert. Der Ritter Eustace Le Poer kam mit der anglo-normannischen Invasion nach Irland. Für seine Dienste erhielt der Normanne Le Poer von der Krone Ländereien nahe Enniskerry. Er baute am Standort des heutigen Hauses eine frühe Burg zur Sicherung des Landes. Über die Jahre wandelte sich sein Name vom Französischen Poer in das anglisierte Power. Power’s Court, der Hof von Power, war gegründet.

Im 18. Jahrhundert übertrug die englische Krone die Ländereien an die Familie Wingfield. Die Wingfields erhielten den Titel Viscount Powerscourt und bauten ab 1730 ein großes Wohnhaus im italienischen Stil. Gleichzeitig entstand um das prachtvolle Gebäude ein weitläufiger englischer Landschaftsgarten. Die frühen Powerscourt Gardens umfassten ausgedehnte Wiesen und von Bäumen gesäumte Pfade. Dieser für die Zeit typische Landschaftsgarten bettete sich nahtlos in die traumhafte Landschaft der Grafschaft Wicklow ein. Dabei spielte der Great Sugarloaf, der Zuckerhut förmige Berg, als dominantes Landschaftselement bereits eine große, gestalterische Rolle.

Ein besonderes Feature war eine künstlich angelegte Grotte, heute im Japanischen Garten zu sehen. Ebenso stammt der Mauergarten samt Teich aus dieser Zeit. Als Küchengarten und Fischteich genutzt, dienten diese zur Selbstversorgung der Hausbewohner. Heute ist der Mauergarten in einen förmlichen Rosen- und Staudengarten gewandelt. Seine bunte Farbenpracht erfreut in den Sommermonaten die Besucher im Powerscourt Garten.

Das Powerscourt House

Die Wingfields als neue Herren von Powerscourt bauten die zweckmäßige Burg aus dem Mittelalter zu einem formschönen Wohngebäude um. Der mit den Arbeiten betraute Architekt Richard Cassels gestaltete eine palladianische Villa im Zeitgeist der italienischen Renaissance. Mit klaren Formen und Strukturen, penibler Symmetrie und für den Stil typischen Kuppeln schuf Cassels das heutige Powerscourt House.

Ein Feuer im Jahr 1974 zerstörte das Haus in weiten Teilen. Das obere Geschoss und die Kuppel blieben jahrelang in ruinösem Zustand. Erst 1996 endete der Wiederaufbau des Powerscourt House.

Powerscourt House Wicklow Ireland

Das Powerscourt House ist eine italienische Villa aus dem 18. Jahrhundert (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Powerscourt Gardens

Der italienische Garten – stilvolle Gartenkunst

Nach einhundert Jahren entschied sich der damalige Viscount Powerscourt zu großen Veränderungen. Er beauftragte 1840 den Architekten Daniel Robertson mit Plänen für den Umbau der Powerscourt Gardens. Robertson entwarf einen italienischen Renaissance-Garten, passend zum palladianischen Wohnhaus. Hierbei entstand die kunstvoll gearbeitete Terrassierung am Gebäude. Ein Teich samt Wasserspeier, der Triton Pond, bildet den Abschlusspunkt der Terrassenanlage. Heute ist der Ausblick von den oberen Terrassen über den italienischen Garten die schönste Vista in Wicklow. Der Great Sugarloaf bildet, wie einhundert Jahre zuvor, im Hintergrund den würdigen Rahmen einer malerischen Kulisse.

Wertvolle Skulpturen säumen den italienischen Garten, darunter zwei geflügelte Pferde. Diese auffälligen Exponate fanden ihren Weg in das Familienwappen der Wingfields. Viele im Powerscourt Garten ausgestellte Skulpturen brachten die Wingfields über die Jahre von ihren Reisen in die ganze Welt mit.

Abschließend lohnt sich ein zweiter Blick auf den Architekten des italienischen Gartens, Daniel Robertson. Zwar beweist sein Werk in Powerscourt sein Talent, doch verbinden ihn amüsante Anekdoten mit seinem Schaffen. So litt Robertson an der Gicht, wodurch er schwerlich laufen und stehen konnte. Den Erzählungen nach beaufsichtigte er die Arbeiten aufgrund seiner Krankheit sitzend aus einer Schubkarre. Bewaffnet mit einer Flasche Brandy, zur Betäubung der Schmerzen, leitete er die Bauarbeiten in Powerscourt. Weiterhin brachte ihm sein Können nicht den Lohn, der seinem Lebenswandel angemessen war. Stets finanziell knapp ausgestattet, versteckte er sich vor nahenden Gläubigern in der gläsernen Kuppe des Wohnhauses.

Powerscourt House and Gardens

Italienischer Garten in Powerscourt House & Gardens

Der Mauergarten: Vom Küchengarten zur Farbenpracht

Der erwähnte Mauergarten ist eines der überlebenden Relikte aus den Anfangsjahren der Powerscourt Gardens. Einst als Küchengarten von praktischem Nutzen ist er heute ein förmlicher Rosen- und Staudengarten. Die Rosenbeete sind in strengen Mustern arrangiert. Skulpturen aus der Sammlung der Wingfields zieren die Beete.

Den Mittelweg und die Mauern säumen farbenfrohe Staudenpflanzungen. Hier blüht es die meiste Zeit des Jahres mit dem bunten Höhepunkt im Sommer. Während die strengen Formmuster ganzjährig Struktur bieten, lockern die wechselnden Blütenfarben die Gestaltung auf. Der Mauergarten ist der bunteste Teil im Powerscourt Garten.

Powerscourt Mauergarten

Bunte Farbenpracht im alten Mauergarten von Powerscourt (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Pepper Pot Tower und die Baumsammlung im Tower Valley

Die Wingfields ruhten nach der aufwendigen Erschaffung des italienischen Gartens nicht aus. Sie erweiterten die Powerscourt Gardens immer mehr. Im Osten des Anwesens legte die Familie einen Wald aus vielen verschiedenen Baumgattungen an. Besonders fremde Bäume aus fernen Ländern fanden in der Grafschaft Wicklow ein neues Zuhause. Vom milden Golfstromklima beeinflusst, wuchsen auch exotische Pflanzen im irischen Boden gut. Über 250 verschiedene Bäume sind heute auf dem Anwesen verzeichnet. Darunter befinden sich eine seltene, hängende Form der Stechpalme, hochgewachsene Mammutbäume und das Prachtexemplar einer Esskastanie.

Inmitten der Bäume ragt ein steinerner Turm zwischen den grünen Baumkronen hervor. Der Pepper Pot Tower ist einem Wachturm nachempfunden. Verschiedene Kanonen schmücken den Turm und verstärken den martialischen Eindruck. Seinen Namen erhielt der Turm dank einer Anekdote. Viscount Powerscourt erklärte den Anwesenden seine Baupläne für den Turm am Esstisch unter Verwendung eines Pfefferstreuers. So der Name.

Powerscourt Pepper Pot Tower

Wie im Märchen: der Pepper Pot Tower zwischen den hohen Baumkronen von Powerscourt

Der Japanische Garten – ein Idyll inmitten von Powerscourt

Die Wingfields bekamen von Gärten nicht genug. Ergebnis ist, dass die Powersourt Gardens in ihrer Gestaltung eine beispiellose Vielfalt aufzeigen. Dabei hebt sich der Japanische Garten von der Förmlichkeit des Italienischen Gartens und der waldartigen Gestaltung des Tower Valleys ab. Ein Mix aus asiatischen und orientalischen Pflanzen macht diesen Gartenteil aus. Typische Elemente japanischer Gartenkunst, wie ein Pavillion und eine auffällige Brücke, sorgen für den fernöstlichen Schliff. Den Garten gestaltete der Viscount zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Somit ist er der jüngste Teil im Powerscourt Garten.

Teil des Japanischen Gartens ist die künstliche Grotte aus der Anfangszeit der Wingfields. Leise plätschert in der Grotte Wasser die moosbedeckten Steine herab. Die versteckte Grotte des 1. Viscount ist eine eigene Welt.

Powerscourt Japanischer Garten

Der jüngste Teil der Gärten: der Japanische Garten (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Tolle Tore und tote Tiere

Neben dem Faible für prächtige Skulpturen hatten die Wingfields eine Vorliebe für kunstvoll gestaltete Tore. Mehrere Durchgänge in den Powerscourt Gardens sind mit wunderschönen Toren ausgestattet. Diese wurden großteils nicht für den Powerscourt Garten gebaut. Sie waren vielmehr Mitbringsel der Wingfields. Unter den Toren befindet sich ein Tor aus der Kathedrale von Bamberg. Dieses ist über zweihundert Jahre alt.

Ein kurioser Gartenteil ist der Friedhof der Kuscheltiere. Die Wingfields bestatteten ihre Haustiere im Garten. Mit der Zeit entstand ein regelrechter Friedhof. Es heißt, der Haustierfriedhof sei der Größte innerhalb eines privaten Gartens in Irland.

Powerscourt Gardens Tore

Kunstvoll gefertigte Tore sind ein Markenzeichen von Powerscourt (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Der Powerscourt Waterfall

Nicht direkt im Anwesen gelegen, sondern etwa 6 Kilometer von Powerscourt House entfernt, liegt der berühmte Powerscourt Waterfall. Aus mehr als 120 Metern Höhe bahnt sich das Wasser seinen Weg in die Tiefe. Ein wunderschönes Schauspiel – gerade nach starlen Regenfällen. Auf der offiziellen Seite des Powerscourt Waterfalls findet Ihr aktuelle Infos zu Öffnungszeiten und Ticketpreisen.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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