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Glendalough in Wicklow – Tal der zwei Seen

Glendalough, County Wicklow, Irland
Neil Saad
Written by Neil Saad

Irland beherbergt eine unzählige Anzahl von traumhaften Tälern. Verlassene Ruinen zaubern zudem überall auf der Grünen Insel etwas Mystisches in die Landschaft. Nirgendwo ist die Kombination dieser beiden Elemente spürbarer als in Glendalough im County Wicklow. Mit dem Tal der zwei Seen, so die deutsche Übersetzung des Irischen Gleann Dá Loch, betritt der Besucher eine andere Welt aus einer vergessenen Zeit. Das Tal im Herzen der Wicklow Mountains erzählt seinen Gästen die Geschichten von einem Kloster und seinen Mönchen, von Heiligen und Monstern, von Bergleuten und von einer atemberaubenden Natur.

Spektakuläre Landschaft im Herzen der Wicklow Mountains

Die Wicklow Mountains auf der Ostseite von Irland sind das größte, zusammenhängende Gebirge der irischen Insel. Im Zentrum des Gebirges liegt Glendalough. Zwei Seen, der Upper Lake und der Lower Lake winden sich dort zwischen den steilen Berghängen. Ein Gebirgsfluss, der Glenealo River entspringt in den höheren Bergregionen im Westen des Tals. Die steinigen Hänge hinab speist er beide Seen mit seinem frischen Bergwasser. Im Süden, unmittelbar am unteren Ende des Upper Lakes strömt der Poulanass Wasserfall hinab in das Tal. Sein rauschendes Wasser ist schon aus der Ferne deutlich zu vernehmen.

Upper Lake, Glendalough, Wicklow

Der Upper Lake in Glendalough, Co. Wicklow (Irland) (Foto: Neil Saad)

St. Kevin von Glendalough

Für immer verwoben ist die Geschichte von Glendalough mit dem heiligen St. Kevin. Aus einer edlen Familie aus Dublin stammend, schlug Kevin zu Beginn des 6. Jahrhunderts eine religiöse Laufbahn ein. Nach einem Studium im Kloster ließ er sich im unbesiedelten Glendalough in Wicklow nieder. Dort lebte er ein Leben in Askese. An den steilen Hängen oberhalb des Upper Lakes lässt sich eine kleine Erdhöhle besichtigen: St. Kevin’s Bed. Hier soll Kevin allein gelebt haben.

Zurückgezogen in dem entlegenen Tal im Nirgendwo der Berge von Wicklow achtete Kevin die Natur und vor allem die Tierwelt. Aus diesem Grund wird St. Kevin meistens in Kombination mit Tieren dargestellt. Besonders eine Amsel ist zu seinem Symbol geworden. Es heißt, Kevin habe mit ausgestreckten Armen betend im Upper Lake gestanden, als sich eine Amsel auf seine Hand setzte. Um den Vogel nicht zu stören, blieb Kevin für Stunden bewegungslos stehen.

Wenig zimperlich ging er dagegen mit einem Monster um, welches der Legende nach im Lower Lake lebte. Um dort in Frieden zu beten vertrieb er das Monster kurzerhand in den Upper Lake. Der Lower Lake trägt seit dem den Irischen Namen Loch Na Péiste: See des Monsters.

Trotz seines entbehrungsreichen Lebensstils sammelten sich Menschen um ihn, die seinen Lehren folgten. St. Kevin gründete Mitte des 6. Jahrhunderts eine Abtei am Upper Lake. Der Grundstein für das weltberühmte Kloster war gelegt.

Glendalough, das Tal der zwei Seen

Glendalough, das Tal der zwei Seen

Eintritt in eine andere Welt

Nachdem St. Kevin früh die Basis für ein florierendes Kloster legte, entwickelte sich Glendalough nach seinem Tod zum bedeutendsten religiösen Zentrum von Irland. Was Besucher heute besichtigen, sind die Zeugen dieser Hochzeit des Klosters im frühen Hochmittelalter.

Eine Erkundung beginnt heute für die meisten Besucher am Visitor Center. Informationen zum Tal, dem Kloster und zu den zahlreichen Wandermöglichkeiten gibt es dort aus erster Hand. Führungen durch die Anlage sind hier buchbar. Nur wenige Schritte vom Visitor Center entfernt betreten die Besucher bereits die Klosteranlage. Der Zugang erfolgt durch das Gateway, einen imposanten Torbogen, der einst Teil der schützenden Mauer um die Anlage war. Die steinerne Treppe und der holprige Boden sind ursprünglich erhaltene Teile dieser Anlage.

Der erste Blick nach dem Betreten der Anlage fällt auf die Kathedrale. Sie ist die größte Ruine von Glendalough. Die Mauern der Kathedrale sind gut erhalten, sodass die Dimension und die Anmut dieses einst prächtigen Gebäudes, regelrecht spürbar werden. Insgesamt besteht die Klosteranlage aus sieben Kirchen. Hiervon befinden sich fünf in der ehemals geschützten Anlage nahe des Visitor Centers am Lower Lake und zwei sind am Upper Lake zu besichtigen. Von der St. Kieran’s Church, der St. Mary’s Church, der Trinity Church und der St. Saviour’s Church am Lower Lake sind noch Mauerreste gut erhalten. Die St. Kevin’s Church, auch St. Kevin’s Kitchen genannt, konnte dagegen als gesamtes Gebäude erhalten und restauriert werden. Die Refeert Church am Upper Lake ist wiederum in ihren Mauerresten erhalten. Die siebte Kirche von Glendalough, Temple na Skellig, liegt am Südufer des Upper Lakes und ist nur per Boot zu erreichen. Auch sie ist nur in Ruinen erhalten.

St. Kevin's Church, Glendalough, Irland

St. Kevin’s Church, Glendalough, Co. Wicklow (Irland) (Foto: Neil Saad)

Der Rundturm, das Markenzeichen von Glendalough

Die irischen Rundtürme sind weltberühmt und der Rundturm von Glendalough ist einer der bekanntesten unter ihnen. Mit 33 Metern Höhe ist er das höchste Gebäude weit und breit. Dadurch ist der Rundturm schon aus weiter Ferne sichtbar. Pilger, die auf ihrem Weg zum Kloster waren, nutzten den Turm als Landmarke zur Navigation. Sein wichtigster Nutzen lag aber darin, die Wertgegenstände des Klosters vor Plünderern zu schützen. Dazu befindet sich die einzige Zugangstür des Turmes drei Meter über dem Boden. Bei einem Überfall zogen die Mönche die Leiter ein und Angreifer hatten so ein schweres Leben beim Versuch, in den Turm zu gelangen.

Bergarbeiter in Glendalough

Im Laufe der Jahrhunderte hatte das Tal nicht nur eine geistliche und spirituelle Funktion. Die Berge um das Tal waren einst reich an Bleivorkommen. In Glendalough und in den Nachbartälern Glenmalure und Glendasan entstanden deshalb Ende des 18. Jahrhunderts Minen, in denen das Metall gewonnen wurde. In körperlich anstrengender Knochenarbeit schufteten in der Hochzeit bis zu 2.000 Menschen in den Minen und den Arbeitsstätten. Ende des 19. Jahrhunderts neigte sich der Abbau dem Ende entgegen. In den 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte die Bleigewinnung nochmal ein kurzes Revival. Das Material wurde zur Herstellung von Munition für die englische Armee in den Weltkriegen benötigt.

Am westlichen Ende des Upper Lakes sind heute die Ruinen des Dorfes der Bergarbeiter zu besichtigen. An den Berghängen oberhalb der Siedlungsreste sind die Auswirkungen der Minenarbeiten ebenfalls noch deutlich im Gestein erkennbar. Während es heute gefährlich ist, die Minen zu erkunden, führten die Stollen früher durch den Berg bis auf die andere Seite nach Glendasan.

Wandern in Glendalough

Die Berglandschaft um Glendalough ist ein Paradies für Wanderer und Frischluftfreunde. Das Tal der zwei Seen ist eines der beliebtesten Ziele für Wanderer. Viele Wanderer folgen dem Wicklow Way, dem mehrtägigen Fernwanderweg durch die Wicklow Mountains. Im Tal hat dieser eines seiner Etappenziele. Ebenfalls kommen Pilger in die alte Klosteranlage. Sie folgen dem St. Kevin’s Way, einem 30 Kilometer langen Pilgerpfad durch die Wicklow Mountains, der im Westen der Wicklow Mountains beginnt und im Kloster endet.

Für Tagestouren ist Glendalough besonders geeignet. Eine Vielzahl an ausgeschilderten Wanderrouten führt durch das Tal und über die umliegenden Berge. Die Routen sind von verschiedener Länge und Schwierigkeit, so dass für jedes Fitnesslevel und für jeden Anspruch eine passende Route dabei ist. Auch für Wanderungen mit Kindern ist das Tal der zwei Seen darum ideal.

Wandern in Glendalough

Wandern in Glendalough, County Wicklow (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Ein irischer Hotspot für Tagesausflüge und Rundreisen

Glendalough ist eines der meistbesuchten Ausflugsziele auf der Grünen Insel. Durch seine Lage nahe der Hauptstadt Dublin ist es ein perfektes Ziel für einen Tagesausflug. Als Zwischenstopp auf der Reise in den Süden oder Südwesten von Irland lohnt sich die Heimat von Kevin ebenfalls. Entsprechend lebhaft geht in Sommermonaten zwischen den alten Ruinen und auf den kurzen Fußwegen zwischen den beiden Seen zu. Die mystische Stille des Tals und die beeindruckende Landschaft wirken darum am besten in den frühen und späten Tagesstunden oder in den Herbst- und Wintermonaten. Die Mystik des Ortes kommt dann besonders rüber. Jedem wird dann deutlich, warum Kevin sich dazu entschloss, ein einsames Leben an diesem Ort zu führen.

Sie möchten Glendalough entdecken? Wir helfen Ihnen gerne bei der Planung Ihrer Reise.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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