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Irish Whiskey Lexikon: Irischer Whiskey von A bis Z

Irish Whiskey Lexikon
Neil Saad
Written by Neil Saad

Blend / Blending

Ein Blend oder Blended Whiskey ist eine Mischung verschiedener Whiskeys zu einem neuen, eigenständigen Whiskey. Dabei achten die Destillerien penibel darauf, durch das richtige Mischungsverhältnis, unerwünschte Geschmacksunterschiede zu minimieren. Diese entstehen durch die Fasslagerung oder ergeben sich durch natürliche Abweichungen im Produktionsprozess. Durch die hohe Kunst des Blending schmeckt ein Jameson Blend, der jährlich in Millionen Flaschen abgefüllt wird, stets und überall gleich.

Bonding/ Whiskey Bonder

Bei Whiskey Bondern handelt es sich um Getränkehändler, die nicht selber Whiskey destillieren. Stattdessen erwerben sie fertigen Whiskey aus den Destillerien und veredeln diesen. Diese Tradition entstand dadurch, dass Weinhändler ihren leeren Weinfässern eine zusätzliche Verwendung zuführten. Sie lagerten den erworbenen Whiskey in den verschiedenen Weinfässern und gaben dem ursprünglichen Getränk dadurch eine neue Geschmacksnote. Ebenfalls produzierten sie eigenen Blends. Letztendlich füllten sie diese neuen Whiskeys ab und vermarkteten sie über ihren Handel unter eigenen Markenlabeln. Bekannte Marken sind Redbreast und die Spot Whiskeys.

Brennblase

siehe Pot Still und Column Still / Coffey Still / Continous Still

Brennerei

siehe Destillerie

Column Still / Coffey Still / Continous Still

Der Column Still ist ein Destillationsapparat, der die Welt des Whiskeys revolutionierte. Ursprünglich entstand Whiskey durch die langwierige Destillation in Pot Stills. Schließlich erfand Aeneas Coffey, ein ehemaliger Bediensteter der englischen Krone in Irland, 1831 den nach ihm benannten Coffey Still. Dadurch verbesserte er das bisherige Verfahren der Destillation in Pot Stills. Vor allem beschleunigte sich der Prozess enorm. Dadurch war es den Destillerien möglich, große Mengen Whiskey schneller herzustellen als zuvor. Whiskey, der aus Column Stills stammt, heißt Grain Whiskey.

Destillerie

Die Destillerie ist der Ursprung eines jeden Whiskeys. Dort entsteht in einen mehrteiligen Produktionsprozess aus Getreide, Wasser und Hefe das Wasser des Lebens. Neben dem Destillieren füllen viele Destillerien ihre Whiskeys selbst in Fässer zur Fasslagerung ab. Weiterhin liegt vielfach das Abfüllen in Glasflaschen sowie die Vermarktung des Whiskeys in Händen der Destillerie. Hingegen manche Destillerien produzieren vorrangig Whiskey. Sie überlassen Fasslagerung, Abfüllung und Vermarktung Dritten, sogenannten Bondern. Dies war vor allem im 19. Jahrhundert gängig.

Dreifache Destillation

Typisch irisch ist die dreifache Destillation. Während die meisten schottischen Whiskys zweifach destilliert werden, durchlaufen die irischen Whiskeys eine dritte Destillation. Freunde des irischen Whiskey sagen, dadurch erhält der Irish Whiskey seine milde Note. Kritiker sagen, der Whiskey verliert durch die dritte Destillation an Komplexität. Die Wahrheit liegt im Glas des Genießers.

Fasslagerung

Die Fasslagerung hat bei der Herstellung von Whiskey eine lange Tradition. Im 18. und 19. Jahrhundert war die Verfügbarkeit von leeren Weinfässern in Irland und dem Vereinigten Königreich hoch. Hierbei stammten diese aus den Weinnationen Frankreich, Spanien und Portugal und Weinhändler brachten die Fässer in die Marktstädte. Die Destillerien stellten früh fest, dass ihr Whiskey durch die Lagerung die Geschmacksnoten der zuvor eingelagerten Weine annahm. Die heutige Geschmacksvielfalt, von Sherry über Port, lässt sich auf diese Praxis zurückführen.

Viele Destillerien lagern ihren Whiskey hauptsächlich in einem Fass, füllen den Whiskey zum Ende der Lagerung jedoch in ein anderes Fass um. Dadurch erhält der Whiskey ein Mehr an Komplexität durch weitere Noten. Auch mehrmaliges Umlagern in verschiedene Fässer ist üblich. Diese ergänzende Lagerung heißt Finishing.

Zudem hat die Fasslagerung einen rechtlichen Aspekt. Ein Destillat darf erst die Bezeichnung „Whiskey“ oder „Whisky“ nach drei Jahren Fasslagerung tragen.

Finishing

siehe Fasslagerung

Grain Whiskey

Grain Whiskey ist die Basis von Blended Whiskeys. Dieser entsteht aus gemälzter Gerste sowie der Beimischung von ungemälzter Gerste oder anderer Getreidearten. Dabei sind günstige Getreidearten wie Mais oder Roggen gängig. Im Gegensatz zu seinen Brüdern, dem Malt Whiskey und dem Pure Pot Still Whiskey, entsteht Grain Whiskey nicht in klassischen Pot Stills. Er wird ausschließlich in Coffey Stills produziert.

Während Grain Whiskey ursprünglich einen Ruf als billigen Whiskey trug, gewannen in den jüngeren Jahren Single Grain Whiskeys an Bedeutung. Dies sind Grain Whiskeys, die aus den Coffey Stills einer einzigen Destillerie stammen. Durch längere Fasslagerung und Finishes erhalten die einfachen Grain Whiskeys mehr Geschmack.

Irish Pure Pot Still Whiskey

Der klassische, irische Whiskey ist der Irish Pure Pot Still Whiskey. Zur Blütezeit der irischen Whiskey-Industrie im 18. und 19. Jahrhundert beherrschten die irischen Destillerien den Weltmarkt für Whiskey. Im Gegensatz zu den schottischen Malt-Destillerien verwendeten sie neben gemälzter Gerste einen festgelegten Anteil ungemälzter Gerste. Von beiden Arten müssen für einen Pure Pot Still Whiskey jeweils mindestens dreißig Prozent enthalten sein. Historisch hängt die Verwendung ungemälzter Gerste mit der Besteuerung von gemälzter Gerste durch die englische Krone im Jahr 1785 zusammen. Um Steuern zu vermeiden, verwendeten irische Destillerien zusätzlich ungemälzte Gerste. Je mehr davon den besteuerten Gerstenanteil ersetzte, desto größer war der Spareffekt.

Stammt dieser Pure Pot Still Whiskey aus einer einzigen Destillerie, heißt er Single Pot Still Whiskey. Der heute bekannteste Irish Single Pot Still Whiskey ist der Redbreast aus der Midleton Destillery. Im Zuge des Whiskey Revival erscheinen immer mehr traditionelle Pure Pot Still Whiskeys.

Irish Whiskey

Damit ein Whiskey sich Irish Whiskey nennen darf, muss er Bedingungen erfüllen. Zur Verwendung darf nur Getreide und Wasser kommen. Er muss aus einer Destillerie von der irischen Insel stammen. Die Gärung muss unter Verwendung von Hefe stattfinden. Der Irish Whiskey muss mit einem Alkoholgehalt von weniger als 94,8 % destilliert sein. Der Geschmack der verwendeten Zutaten muss erkennbar bleiben.

Zudem ist eine Fasslagerung in einem Holzfass von mindestens drei Jahren notwendig. Dabei darf die Fassgröße nicht mehr als 700 Liter betragen. Die Fasslagerung muss auf der irischen Insel stattfinden. Der Alkoholgehalt des fertigen Whiskeys muss mindestens vierzig Prozent betragen. Das Hinzufügen von weiteren Zutaten in den Whiskey ist nicht gestattet.

Malt Whisky

Malt Whiskey ist der Bruder des Pot Still Whiskey. Der entscheidende Unterschied in der Herstellung ist die Verwendung von ausschließlich gemälzter Gerste. Währenddessen kommt in den Pot Still Whiskey zusätzlich ein Anteil ungemälzter Gerste.

Stammt ein Malt Whiskey aus einer einzigen Destillerie heißt er Single Malt Whiskey. Für Single Malt Whiskeys sind vor allem die schottischen Destillerien berühmt. Jedoch gibt es ebenfalls gute irische Single Malt Whiskeys wie beispielsweise aus der Bushmills Distillery.

Pot Still

Der Pot Still ist das Herz einer Destillerie. In ihm findet die Destillation statt. Die Pot Stills sind meistens aus Kupfer gebaut. Sie bestehen aus dem Pot (Brennblase), in dem die Maische erhitzt wird sowie dem Schwanenhals, in dem sich der entstehende Dampf ansammelt. Über die angeschlossene Kühlschlange strömt dieser in den Kondensator. Dort kühlt der Dampf abschließend zum flüssigen Destillat ab.

Single Grain Whiskey

siehe Grain Whiskey

Single Malt Whisky / Single Malt Whiskey

siehe Malt Whisky / Malt Whiskey

Single Pot Still Whiskey

siehe Irish Pot Still Whiskey

Uisce Beatha

siehe Whiskey / Whisky

Whiskey / Whisky

Warum Whiskey mal mit einem E und mal ohne dieses geschrieben wird, ist nicht vollständig überliefert. Der Begriff leitet sich vom irischen Uisce Beatha ab. Dieser war ursprünglich die Übernahme des lateinischen Aquavitae ins Irische. Whisky wiederum ist die Übernahme von Uisce Beatha ins Englische. Sowohl in Schottland als auch in Irland bürgerte sich Whisky ein. Irgendwann, vermutlich im 18. Jahrhundert, fügten die Iren ihrem Whiskey das E hinzu. Eine rechtlich verbindliche Regelung gibt es hierfür nicht. Jeder darf seinen Whiskey schreiben, wie er mag. Traditionell hat sich die Trennung zwischen schottischen Whisky und irischem Whiskey jedoch etabliert.

 

 

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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