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Wie heißt das Geschäft in Buncarragh, das Elizabeths Familie gehört?

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Leseprobe Kapitel 1 «Eine irische Familiengeschichte»

von Graham Norton – erschienen bei KINDLER

Kapitel 1, Teil 1

Jetzt

Zwei Weihnachtslichterketten hingen schlaff über der Hauptstraße. Sie schwangen verloren im strömenden Regen, manche Lichter rot, andere grün, die meisten schon kaputt.
Elizabeth Keane seufzte, als sie mit ihrem kleinen Mietwagen über die Brücke in die Stadt fuhr. Teilweise deshalb, weil der Nachtflug von New York nach Dublin sie erschöpft hatte, hauptsächlich aber wegen der Erinnerungen, die beim Anblick von Buncarragh an einem nassen Nachmittag in der ersten Januarwoche in ihr aufstiegen. Die schon vergessenen Geschenke, die letzten Quality-Street-Bonbons von der Sorte, die man nicht mochte und lustlos auf dem Boden der Dose herumschob, der längst verpuffte Neuigkeitswert der Fernsehfilme am Nachmittag.

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Jedes Haus war nur noch ein Wartezimmer für die bald wieder beginnende Schule. Sie fragte sich, ob sich in den zwanzig Jahren etwas verändert hatte, seit sie hier weggezogen war. Vermutlich nicht. Bestimmt tippten die Kinder alle auf ihren Telefonen herum, und obwohl es inzwischen Hunderte von Fernsehprogrammen gab, konnte sie die überhitzte Langeweile beinahe spüren, die aus den Reihenhäusern in den Nebenstraßen der Bridge Street strömte.
Sie war überrascht, wie kurz die Fahrt gedauert hatte. Als sie hier aufwuchs, war Dublin für sie eine weit entfernte Metropole gewesen. Doch jetzt, mit der funkelnagelneuen Schnellstraße, lag Buncarragh nur ein paar Ausfahrten nördlich von Kilkenny. War das Land geschrumpft, oder hatte Amerika ihre Wahrnehmung von Entfernungen verändert? Die frischen blauen Verkehrsschilder mit ihrer hellen reflektierenden Schrift und den Kilometerangaben schienen irgendwie nicht zu den Orten zu passen, auf die sie verwiesen. Verschlafene graue Marktflecken, die in der Vergangenheit verwurzelt blieben.
Würde dies das letzte Mal sein, dass sie diese Reise unternahm? Jetzt, wo es ihre Mutter nicht mehr gab, hatte sie keine echten Bindungen mehr an diesen Ort. Natürlich gab es ein paar Cousins und Cousinen und ihren Onkel und ihre Tante, aber sie hatten einander nie nahegestanden. Wenn das Haus erst verkauft war, welchen Grund hätte sie dann, wieder herzukommen?
Vor sich auf der linken Seite, hinter dem Geländer der kleinen methodistischen Kirche, sah sie das Familiengeschäft: «Keane and Sons». Der Name hob sich in verschnörkeltem Stuck von der Fassade ab, die, solange sie denken konnte, in einer blassen Farbe gestrichen gewesen war, die an rohes Hähnchenfleisch erinnerte. Sie wurde langsamer, um in die Schaufenster zu spähen. Links der Tür stand ein Wäldchen aus künstlichen Weihnachtsbäumen, die Auslage rechts bestand aus ein paar Flachbildfernsehern und drei neuen schwarzen und chromglänzenden Buggys.
Sie fuhr mit dem Wagen gerade an der Tür vorbei, als diese sich öffnete und eine glamouröse Frau heraustrat, deren Aufzug gar nicht in die Umgebung passte. Scheiße. Es war Noelle, die Frau ihres Cousins Paul. Die beiden führten nun das Geschäft. Hatte sie sie gesehen? Elizabeth blickte in den Rückspiegel und sah einen langen, dünnen, winkenden Arm. Herr im Himmel, die musste ja die Augen eines Habichts haben. Elizabeth stöhnte. Sie hatte gehofft, es unbeachtet bis Convent Hill zu schaffen, doch jetzt war klar, dass sie anhalten musste. Dieser gesamte Teil ihrer Familie hielt sie ohnehin schon für eine hochnäsige Kuh. Sie legte den Rückwärtsgang ein und fuhr vor Noelle an den Straßenrand, die sich eine Plastiktüte von Keane and Sons über den Kopf hielt, um den Regen von ihrem leuchtend blonden Haar abzuhalten. Noelle trug hautenge Jeans und eine kurze gefütterte Jacke, die es allen ermöglichte, ihre schlanke Figur zu bewundern. Wie konnte es sein, dass diese Frau drei Babys hervorgebracht hatte? Elizabeth dachte an ihr eigenes locker sitzendes Sweatshirt, das einiges verzieh, und ihr kurz geschnittenes, dunkles Haar mit den grauen Strähnen, über das ihr Sohn Zach vergnügt sagte, das sei keine Frisur, sondern bloß geschnittene Haare. Sie drückte sinnlos auf ein paar Knöpfen herum, bis das Beifahrerfenster herunterfuhr. Sie lehnte sich hinüber, verdrängte wacker den Gedanken daran, wie schlimm sie mit ihrem ungeschminkten, übernächtigten Gesicht wohl aussah, und rief:
«Hi, Noelle! Schlimmer Tag, was?»
«Und ob. Sehr wahr. Ich dachte doch, dass du das bist! Die Haare sind mir als Erstes aufgefallen.» Noelle stieß ein kleines Kreischen aus, um anzuzeigen, wie sehr sie ihr eigenes Wahrnehmungsvermögen begeisterte. «Das war bestimmt keine schöne Fahrt. Wir wussten gar nicht, dass du kommst.» In ihrer Stimme schwang ein leiser Vorwurf.

Kapitel 1, Teil 2

«Ich wusste es selber nicht», log Elizabeth. «Zach ist zu Freunden gefahren, da dachte ich, komme ich doch her und räume das Haus aus, bevor das Semester wieder anfängt.» Das war ebenfalls eine Lüge. Ihr Sohn war zu Besuch bei seinem Vater an der Westküste. Sie fragte sich, warum sie nicht einfach die Wahrheit gesagt hatte. Vermied sie damit ihre eigene Betretenheit oder die von Noelle?
«Du hättest uns Bescheid sagen sollen. Wir hätten die Heizung für dich angestellt. Aber du kommst zum Abendessen, oder?»

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«Das ist sehr nett von dir, aber nein. Ich habe auf dem Weg aus Dublin raus ein bisschen was gegessen, und alles, was ich wirklich will, ist schlafen. Ich komme morgen vorbei. Du solltest reingehen, Noelle, du wirst pitschnass.» «Na gut, wenn du meinst, aber falls du dort bist und deine Meinung änderst, komm einfach rüber. Wir essen immer noch Reste von Weihnachten! Wir haben deine Mutter dieses Jahr natürlich vermisst.» Noelle zog ihre knallroten Mundwinkel nach unten, um ein Bedauern zu signalisieren, wie man es einem Kleinkind zeigt, das sich das Knie gestoßen hat. «Willkommen zu Hause jedenfalls!»
Elizabeth zwang sich zu einem Lächeln und winkte. Selbstgerechte Schlampe. Kapierte Noelle nicht, dass sie Elizabeth unmöglich noch mehr Schuldgefühle einflößen konnte, als sie schon hatte? Das schreckliche Gezerre zwischen ihren Pflichten als einziges Kind einer sterbenden Frau und denen einer alleinerziehenden Mutter, die Tausende von Meilen entfernt lebte, war endlich vorüber. Sie musste zugeben, dass sie froh darüber war. Elizabeth legte den ersten Gang ein und fuhr weiter.
Die Straße verbreiterte sich zu etwas, das als The Green bezeichnet wurde, obwohl es sich lediglich um einen schmalen gepflasterten Streifen mitten in der Straße handelte, auf dem eine Parkbank und zwei Mülleimer standen. Kurz dahinter schaltete die einzige Ampel der Gemeinde auf Rot. Elizabeth starrte auf die nasse, leergefegte Straße hinaus, ihre Scheibenwischer schwangen ermattet hin und her, und eine eigenartige Wut blubberte in ihr hoch. Sie schlug mit der Hand heftig auf das Lenkrad. Sie war keine fünf Minuten in Buncarragh, und schon stürzten all die Gefühle wieder auf sie ein, vor denen sie davongelaufen war. Es war völlig egal, wie eifrig sie lernte und wen sie zu ihren Geburtstagspartys einlud, man würde ihr in dieser Stadt immer das Gefühl geben, minderwertig zu sein. Arme Liz Keane. Die ohne Daddy aufwuchs. Es war überraschend, wie oft in einer Klosterschule das Wort «Vater» gesagt wurde, und jedes Mal, wenn das geschah, hatte sie gespürt, dass alle sie ansahen.
Nun, da sie selbst eine alleinerziehende Mutter war – noch schlimmer, Zachs Vater weigerte sich, von der Bildfläche zu verschwinden –, begriff sie, wie stark ihre Mutter gewesen sein musste, um all die Seitenblicke zu ertragen, das Geläster, wenn sie in den Siebzigern ihren Kinderwagen die Straße entlangschob, die Gespräche, die abrupt aufhörten, wenn sie kam. Sie fragte sich manchmal, ob die Demütigung durch ihr eigenes Eheleben eine Art von Strafe dafür war, dass sie als Mädchen so hart über ihre Mutter geurteilt hatte. Oh, wie sie ihre Mutter dafür gehasst hatte, dass sie keinen Mann hatte! Was war das für eine Frau, die es nicht schaffte, sich einen Mann zu angeln? Sie beobachtete die Eltern ihrer Freundinnen. Diese Frauen waren nicht so hübsch wie ihre Mutter, sie hatten ungekämmte Haare und trugen manchmal nicht mal einen Hauch von Lippenstift, und trotzdem hatten sie alle jemanden aufgetrieben, der «Ja, ich will» gesagt hatte, jemanden, der ihre Töchter an der Hand hielt, wenn sie mit ihrer zahlreichen Brut aus der Messe kamen. Die Erinnerung daran, wie sie und ihre Mutter mit klackernden Schuhen den Gehweg entlanggegangen waren, während aus den Fenstern der vorbeifahrenden Autos heraus verschwitzte kleine Gesichter neugierig zu ihnen herüberschauten, verursachte ihr immer noch einen einsamen Schmerz. Dieses Gefühl, irgendwie nicht vollständig zu sein. Kein Daddy, keine Geschwister, kein richtiges Familiengefühl.

Kapitel 1, Teil 3

Weihnachten. Kein Wunder, dass Elizabeth es so hasste. Zu wissen, dass alle anderen von ausgelassenen Familien umgeben waren, die sich auf zusammengewürfelten Stühlen um einen Tisch zwängten, während ihre Mutter und sie in der Sonntagsstille auf ihren Tellern herumkratzten.

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Niemand, und ganz bestimmt nicht ihre eigene Mutter, hatte sich je mit ihr hingesetzt und die Geschichte ihres Vaters in allen Einzelheiten erzählt, doch mit den Jahren hatte sie deren Grundtenor herausbekommen.
Ihre Mutter, Patricia, hatte ihre Großmutter gepflegt, bis diese gestorben war. Zu diesem Zeitpunkt hielten die meisten Leute für sie den Zug in puncto Männer für abgefahren. Sie war eine alte Jungfer, Schwester und Tante, mehr nicht. Aber dann war aus heiterem Himmel das Gerücht aufgekommen, sie treffe sich mit einem Mann, und beinahe bevor die Menschen die Möglichkeit gehabt hatten, diese Tatsache zu verdauen, war von Hochzeit die Rede. Nach verdächtig kurzer Zeit jedoch war sie plötzlich mit dem Baby Elizabeth im Arm zurückgekehrt. Keine Spur von einem Ehemann. Die Gerüchteküche kochte über. Der Mann hatte sie geschlagen, die Schwiegermutter hatte sie aus dem Haus getrieben, es hatte nie eine Hochzeit gegeben. Dass sie den Nachnamen Keane behalten hatte, machte das Geheimnis und den Skandal noch größer. Niemand kannte die Wahrheit. Als Elizabeth älter wurde, hatte sie versucht, mit ihrer Mutter darüber zu sprechen, was mit ihrem Vater passiert war, und hatte stets dieselbe vorgefertigte Antwort erhalten: «Er ist sehr jung gestorben, aber er war ein wunderbarer Mann, ein liebenswerter Mann.» Wenn Elizabeth hartnäckig blieb, versicherte ihre Mutter ihr, dass er Einzelkind gewesen sei und es keine Familie mehr gab. Sie stellte sich ihren Stammbaum als ein paar nackte Zweige vor, und auf einem von ihnen hockte ein uralter Geier.
Die Beerdigung war erst drei Monate her, aber schon kam ihr der Anblick von Convent Hill seltsam fremd vor. Die Größe der Häuser wuchs mit der Steigung der Straße, bis sie Nummer 62 erreichte. Die Straßenbeleuchtung ging gerade ackernd an, als sie vor dem Haus anhielt, in dem sie aufgewachsen war. Viele freie Parkplätze. Die Leute sind bestimmt noch im Urlaub, dachte sie. Sie spürte den Regen angenehm auf ihrem Gesicht, als sie aus dem Wagen stieg und an dem Haus hinaufblickte, das noch immer imposant wirkte. Es war drei Stockwerke hoch und hatte eine symmetrische Fassade. Ein Bankmanager hatte es erbaut, aber ihr Großvater hatte es gekauft, als sein Laden zu florieren begonnen hatte. Sie erinnerte sich, wie ihre Mutter ihr erzählt hatte, dass Onkel Jerry und besonders seine Frau Tante Gillian es sich nach Grannys Tod unter den Nagel reißen wollten. Aber das Testament ihrer Großmutter war unmissverständlich gewesen: Jerry bekam den Laden, und Patricia bekam das Haus.
Der Regen rann die dunklen Glasfenster hinab und tropfte von den Fensterbänken. Elizabeth hatte Mühe, sich daran zu erinnern, dass sie hier jemals glücklich gewesen war, aber sie wusste, dass sie es gewesen war. Am schwarzen Geländer, welches das Haus von der Straße abgrenzte, hatten Ballons geschwebt, und kleine Mädchen in bonbonfarbenen Kleidern waren von Müttern in schweren Wintermänteln an der Haustür abgegeben worden. Eine ihrer ersten Erinnerungen überhaupt war, wie ihre Mutter sie an der Hand genommen und über die Straße geführt hatte, damit sie zusammen die Lichter ihres eigenen Weihnachtsbaums durch das Esszimmerfenster bewundern konnten. So lange her. Es kam Elizabeth beinahe so vor, als wären es die Erinnerungen einer anderen Person. Ihr Leben spielte sich so weit entfernt von diesem Haus ab, von diesen Menschen, von der Stadt Buncarragh.

Kapitel 1, Teil 4

Jetzt suchte sie in ihrer vollgestopften Handtasche nach den Schlüsseln für Convent Hill. Um die abgetretenen Steinstufen herum bemerkte sie einen grünen Rand aus Unkraut. Sie hoffte, dass das Schloss nicht allzu verklemmt war, aber der Schlüssel ließ sich leicht drehen. Vermutlich Tante Gillian, die herumgeschnüffelt hatte, um nachzuschauen, ob es da etwas gab, was sie haben wollte.

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Elizabeth überlegte gerade, worauf ihre Tante es wohl abgesehen haben könnte, als sie die Abwesenheit zweier Rosenbüsche in Kübeln bemerkte, die auf beiden Seiten der flachen Eingangsterrasse Wache gestanden hatten. Dieses verflixte Weibsbild. Mit einem leisen ärgerlichen Ächzen stieß sie die Tür auf und tastete nach dem Lichtschalter für die Diele. Vor ihr lag ein unsortierter Haufen Post auf dem Boden, und jemand hatte noch mehr Post auf den schmalen Dielentisch gelegt. Alles sah so aus wie immer: Der gold-grün gemusterte Läufer, der die Treppe hinaufführte; Schneewittchen persönlich war über diese Treppe vom Ball geflüchtet, aus Jumbojets waren Popstars über diesen Teppich auf den Asphalt heruntergestiegen und hatten ihren bewundernden Fans zugewinkt. Die gerahmten chinesischen Drucke hingen noch immer rechts und links der Wohnzimmertür, der enge Flur führte noch immer an der Treppe vorbei nach hinten in die Küche, in die sie jeden Tag bei der Heimkehr von der Schule als Erstes gegangen war. So vertraut, als sähe man sein eigenes Gesicht in einem Spiegel, und trotzdem hatte sich etwas verändert. In den tröstlichen Duft nach Möbelpolitur und Kohlenfeuer mischte sich der fremde Geruch von Feuchtigkeit und Vernachlässigung. Niemand wohnte hier mehr, und diese Erkenntnis traf Elizabeth mit weit größerer Wucht, als sie erwartet hatte. Sie hatte das Gefühl, als sei ihr etwas gestohlen worden.
Nachdem sie den Wagen ausgeladen hatte, setzte sich Elizabeth mit einer Schüssel Tomatensuppe an den Küchentisch. Sie fühlte sich eigenartig befangen, als sie den Löffel an den Mund führte, aber natürlich war niemand hier, der sie beobachten konnte. Niemand würde hereinkommen. Ihr fiel auf, dass sie in diesem Haus vermutlich niemals zuvor allein gewesen war. Babysitter, Nachbarn, Schulfreunde und natürlich ihre Mutter – immer war ein zweiter Herzschlag da gewesen. Sie legte den Löffel ab und blickte sich in der Küche um. Jede Oberfläche war vollgestellt mit uraltem Geschirr, das nun mit Staub und Schmutz bedeckt war. Hinter jeder Schranktür aus Kiefernholz standen weitere Teller und Töpfe und Pfannen. Chutney-Gläser und Dosen mit Kapuzinererbsen, die vermutlich älter waren als sie selbst. Unmengen von Zeug, und das hier war bloß ein Raum von vielen. Eine schwere Welle der Erschöpfung schwappte über sie, und sie fühlte sich angesichts der enormen Aufgabe, die vor ihr lag, bereits geschlagen. Sie sah auf die Uhr. Erst acht. Es war ihr egal. Sie würde einfach ins Bett gehen und hoffen, voller Motivation wieder aufzuwachen. Sie griff nach ihrem kleinen Handgepäckkoffer und stieg die Treppe hinauf.
Oben auf dem Treppenabsatz zögerte sie. Wo sollte sie schlafen: in ihrem alten Kinderzimmer oder im Zimmer ihrer Mutter? Die Aussicht auf ihr schmales Kinderbett war nicht besonders einladend, und irgendwie hatte sie das Gefühl, wenn sie dort schliefe, würde es das Zimmer ihrer Mutter noch leerer machen. Zu Hause in New York hatte sie Schuldgefühle gehabt, weil sie ihre Mutter nicht stärker vermisste, aber in diesem Haus fühlte sich ihre Abwesenheit an wie ein körperlicher Schmerz. Sie öffnete die Tür zum Schlafzimmer ihrer Mutter. Das Deckenlicht war viel zu hell, also machte sie stattdessen eine der Nachttischlampen an. Abgesehen von der verwaisten Gehhilfe und dem hässlichen Toilettenstuhl, den ihre Mutter vor ihrem Tod benötigt hatte, war der Raum so, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Sie setzte sich auf die schimmernde grüne Tagesdecke, die das Bett bedeckte. Sie legte sich zurück und sank in die emotionale Leere, die der Zeitunterschied, der Jetlag und der willkommene Schlaf ihr boten.

Kapitel 1, Teil 5

Das warme Licht der Lampe schien noch immer durch den pfirsichfarbenen Lampenschirm, als sie erwachte. Beim Blick zum Fenster konnte sie kein Anzeichen von Tageslicht erkennen. Sie sah auf die Uhr. Sechs, aber welches Sechs? Hatte sie ihre Armbanduhr umgestellt? Sie konnte sich nicht erinnern. Sie schob die Hand in die Tasche ihrer Jeans und zog das Telefon heraus.

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Sechs Uhr morgens. Da sie wusste, dass sie vermutlich nicht wieder einschlafen würde, tapste sie über den Treppenabsatz, um sich die Zähne zu putzen und auf die Toilette zu gehen. Wo auch immer sie hinsah, standen «Sachen». Sinnlose Sachen bedeckten jede Abstellfläche. Als sie beim Zähneputzen den Kopf wandte, sah sie eine Flasche mit Keine-Tränen-Shampoo und ein Schaumbad von Matey dem Seemann. Beides hatte hier vermutlich gestanden, seit sie ein kleines Mädchen gewesen war. Sie öffnete die Spiegeltür des Badschränkchens über dem Waschbecken. Jedes verschriebene Medikament der letzten vierzig Jahre schien dort zwischen die Einlegeböden gequetscht worden zu sein.
Im Schlafzimmer war das Gerümpel nicht auf den ersten Blick zu erkennen, aber Elizabeth wusste, was sie in dem großen Schrank aus Palisanderholz und der dazu passenden Kommode erwartete. Warum hatte sie sich entschieden, das hier selbst zu machen? Gab es auch nur einen einzigen Gegenstand in diesem Haus, den sie haben wollte oder in den letzten zwanzig Jahren vermisst hatte? Sie hätte einfach eine Entrümpelungsfirma bestellen oder Noelle und Tante Gillian freie Hand für die Plünderung geben sollen.
Vorsichtig öffnete sie die Tür des Kleiderschranks. Das Erste, was ihr entgegenblickte, war das Spiegelbild ihrer selbst in Lebensgröße. Lieber Himmel, sie sah scheußlich aus. Sie sah ihr Gesicht an, von dem gewisse Freundinnen sagten, es wäre auf jungenhafte Weise attraktiv. Seltsam, dass diese Frauen üblicherweise stupsnasige Schönheiten mit vollen Lippen waren. Sie fragte sich, wie sie wohl mit ihrem kantigen Kinn und der länglichen, geraden Nase zurechtgekommen wären. Selbst in diesem Licht sah ihre normalerweise gesunde Gesichtsfarbe blass und abgespannt aus. Ihre leuchtenden haselnussbraunen Augen blickten sie aus geschwollenen Lidern und schweren Tränensäcken an. O Gott, war dieser Fleck schon die ganze Reise über auf ihrem Oberteil gewesen, oder war das bloß die Suppe von gestern Abend? Ihr Haar bildete einen eigenartigen Kamm über der gesamten linken Kopfseite. Sie strich ihn glatt, doch das war zwecklos. Als sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Innere des Schranks richtete, brachte sie ein kleines Grinsen zustande. Ja, er war zum Bersten vollgestopft, aber die Hand über die Stange mit Mänteln und Kleidern gleiten zu lassen war wie ein Besuch im Museum ihrer Erinnerungen. Der blaue Tweed dieses Mantels, den ihre Mutter getragen hatte, wenn sie stocksteif am Schultor auf sie wartete, die schmal geschnittenen Kleider, die für ein ganzes Leben voller Taufen und Hochzeiten gekauft worden waren, einschließlich des marineblauen Strick-Zweiteilers, den sie getragen hatte, als Elizabeth in Ann Arbor Elliot geheiratet hatte. Ihre arme Mutter. Der wärmste März, an den man sich in Michigan erinnern konnte. Ihr verschwitztes rotes Gesicht blickte einem von jedem Hochzeitsfoto entgegen. Elliots Mutter neben ihr sah aus, als sei sie aus Marmor gehauen. Elizabeth schauderte bei der Erinnerung an diesen Tag. Wie beide Mütter mit besorgten und argwöhnischen Gesichtern auf sie zugekommen waren. «Keinen Champagner für dich?»
Sie blickte zu dem Einlegeboden über der Kleiderstange hinauf. Auf einer Seite stapelten sich gefaltete Pullover und Strickjacken, in der anderen Hälfte schien ein zusammengerolltes, vergilbendes Federbett zu liegen. Das könnte vielleicht nützlich werden, falls die Heizung nicht ansprang, dachte Elizabeth und zog daran. Es quoll heraus und landete als weicher Haufen vor ihren Füßen. Jetzt, da die Decke weg war, sah sie die Kiste aus dunklem Holz, die ganz nach hinten geschoben worden war. Sie konnte sich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben, und fasste hinein, um sie herauszuziehen. Sie fühlte sich nicht sehr schwer an, was sie etwas enttäuschte. Sie setzte die Kiste auf dem Boden ab und kniete sich davor. Als sie den Staub vom Deckel gewischt hatte, wurde das dunkel glänzende Holz darunter sichtbar. Walnuss? Die Ecken waren durch kleine Messing-Intarsien geschützt. Sie hoffte, dass sie nicht abgeschlossen war. Nein, der Deckel ließ sich leicht aufklappen. Der erste Blick hinein war ein wenig niederschmetternd: ein winziger gelber, gestrickter Babyschuh und darunter ein kleiner Stapel Briefe, die mit einem uralten cremefarbenen Band verschnürt waren. Elizabeth zog den ersten Brief heraus und begann zu lesen.

Castle House, Muirinish,
West Cork
30. November 1973
Liebe einsame Lady aus Leinster,
ich bin mir nicht sicher, wie ich anfangen soll ...

Roman - Eine irische Familiengeschichte

Eine irische Familiengeschichte,
Graham Norton
aus dem Englischen von Silke Jellinghaus

  • Roman
  • 352 Seiten
  • Sprache: deutsch
  • Ein Muss für Irland-Fans

Die ausgewanderte Irin Elizabeth Keane auf Spurensuche in die Vergangenheit ihrer Familie.

22 € • Verfügbar ab 26. März

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• Teilnahmeschluss ist der 24.05.2019

• Der Gewinn enthält nicht die An- und Abreise!
Flüge nach Irland sind aber sehr günstig von vielen Flughäfen buchbar, dazu gibt es die Möglichkeit mit Zug und Fähre anzureisen.

DER HAUPT- GEWINN

Cork City entdecken
für zwei
Irland Cork
einige Highlights in Cork City:
  • The English Market
  • Glenview Gardens & Hobbit House
  • St. Mary´s Church
  • Cork City Gaol
  • Elizabeth Fort
Ideen für Tagesausflüge:
  • Blackrock Castle
  • Blarney Stone & Castle
  • Cobh
mehr über diese Reise ansehen
Graham Norton
Portrait © Sophia Spring / Hodder & Stoughton 2016
Cover © Kindler

Graham Norton ist Großbritanniens bekanntester Talkmaster.

Eine internationale Fangemeinde verehrt und feiert ihn für seinen freundlichen, manchmal auch bissigen Humor. Geboren ist er in Dublin, aufgewachsen in West Cork. «Ein irischer Dorfpolizist», sein erster Roman, war ein großer Kritikererfolg, schoss sofort in die britischen Top Ten, war Irlands erfolgreichster Roman des Jahres 2016, ausgezeichnet mit dem Irish Book Award, und wird nun verfilmt. «Eine irische Familiengeschichte» ist sein zweiter Roman. „Möglicherweise war es Verschwendung, dass der Mann die ganzen Jahre im Fernsehen war“, schrieb denn auch Bestsellerautor John Boyne in der „Irish Times“.


«Eine fesselnde und bewegende Geschichte, meisterhaft erzählt, die Sie in ihren Bann zieht und Sie bis zur letzten Seite im Griff behält.»
– Daily Express

«Es ist ein trauriges und zugleich schönes Buch, voll von Zärtlichkeit und Mitgefühl, wo die Enthüllungen der Vergangenheit die Sichtweise auf die Gegenwart auf den Kopf stellen.»
– Sunday Express

«Eine fesselnde, nachdenkliche Geschichte über die Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung.»
– Observer

«Ich habe vor 2 Jahren von "Ein irischer Dorfpolizist" geschwärmt. "Eine irische Familiengeschichte" ist noch besser. Eine kraftvolle, sehr traurige Geschichte, schön geschrieben, zwei Zeitrahmen meisterhaft aufeinander abgestimmt sind. Hervorragend. Ist mit Sicherheit eines meiner Lieblingsbücher 2018.»
– John Boyne (irischer Schriftsteller)

Typisch Irisch.

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