Reisebericht: Knockin' at Irelands Door

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Knockin' at Irelands Door
Autor: Michael Wald
Reisebeginn: Mai 2011
Reisedauer: 11 Tage
Start: Dublin
Tag 2: Skerries
Tag 3: Carrick-on-Shannon
Tag 4: Donegal
Tag 5: Donegal
Tag 6: Murrisk
Tag 7: Quin
Tag 8: Muckross
Tag 9: Muckross
Tag 10: Rathvilly
Tag 11: Skerries
Ziel: Dublin



Tag 1
Startort: Dublin
Zielort: Skerries
Dienstag, 17. Mai 2011

Gegen 12:00 Uhr sind Simone und ich mit der AerLingus in Dublin gelandet, fast zeitgleich mit Queen Elizabeth, also war der große Empfang am Flughafen wahrscheinlich nicht für uns gedacht.
Wir sind mit einem Mietwagen los und rund um die Insel gereist, haben die Queen aber weder beim Hertz-Car-Service noch in einer unserer Bed&Breakfast-Unterkünften zu sehen bekommen.
Das war aber auch der einzige Wermutstropfen während unseres gesamten Aufenthaltes. Dafür gab es jede Menge Highlights, sowohl im Hinblick auf die herrliche Landschaft als auch im Miteinander mit unseren liebenswürdigen Gastgebern (und damit meine ich rundheraus alle Iren).
Die erste Nacht haben wir im Woodview House bei Mrs. Mary Clinton in Skerries/Co. Dublin verbracht. Um Wiederholungen zu vermeiden kann man eines vorab sagen: alle unsere Unterkünfte waren erste Sahne. Räumlich und menschlich. Besser und freundlicher geht’s einfach nicht mehr, Hut ab.



Tag 2
Startort: Skerries
Zielort: Carrick-on Shannon
Mittwoch, 18. Mai 2011

Am folgenden Tag sind wir weiter gefahren nach Rooskey/Co. Roscommon ins Avondale House von Mrs. Carmel Davies. Ich möchte nicht in Schilderungen ausufern, was wir uns unterwegs so alles angesehen haben (das hab’ ich auch für die kommenden Tage nicht vor), sondern lieber ein paar spezielle Events schildern.
Zum Beispiel, wenn man auf der linken Straßenseite fährt und rechts im Auto sitzt. Die ersten zwei Stunden donnerte ich mit der Hand permanent an die Tür, wenn ich schalten wollte. Und wenn es manchmal leicht knirschte, dann waren das nicht meine Knochen sondern der Rückwärtsgang, der ausgesprochen empfindlich reagiert, wenn man ihn in voller Fahrt einlegen will. Aber dann hat’s geklappt und Simone hat auf ihrer Seite auch nicht mehr das Lenkrad vermisst.
Abends haben wir im „The Oarsman“ in Carrick-on-Shannon gegessen. Ich hab’ mein allererstes Smithwick’s Ale getrunken und mir war klar, dass es nicht mein letztes sein würde.


Tag 3
Startort: Carrick-on-Shannon
Zielort: Donegal
Donnerstag, 19. Mai 2011

Heute sind wir im Ardlenagh View House bei Mrs. Shona McNeize in Donegal angekommen. Hier übernachten wir zwei Mal. Und eine große Aufgabe wartet auf uns. Nein, nicht der Sprung von den Slieve Leagues in die Donegal Bay, sondern die Übermittlung einer hochwichtigen Nachricht nach Australien. Wie bei James Bond, nur spannender. Aber erst morgen, heute bereiten wir uns vor.



Tag 4
Startort: Donegal
Zielort: Donegal
Freitag, 20. Mai 2011

Wir stehen am Silver Beach bei Malin Beg. Es schüttet wie aus Eimern. Ich krame eine leere Spezialbierflasche, die uns Mr. Q. mitgegeben hat, aus meinem Rucksack und halte sie ins Licht. Darin befindet sich die bewusste Nachricht auf einem Blatt Papier. Sie ist für unsere Tochter Rebecca, die seit Januar rund um die Welt kutschiert. Im Moment ist sie in Australien und hat uns den Auftrag gegeben, von Irland aus eine Flaschenpost in die Südsee aufzugeben. Und das machen wir jetzt. Wir kraxeln über Felsbrocken, die da rumliegen, um so weit wie möglich vom Strand weg zu kommen. Die Post muss ja raus auf’s Meer und nicht zurück an die Küste. Simone filmt die Aktion, ich hebe die Flasche und schmeiße sie mit Karacho hoch in die Luft. Ich hab’ den Eindruck, sie fliegt direkt bis Australien. Aber dann platscht sie doch nach 40 Metern in die See. Die Sonne kommt wieder raus. Schwimm, Fläschchen, schwimm und bring unserer Becky die allerliebsten Grüße.



Tag 5
Startort: Donegal
Zielort: Murrisk
Samstag, 21. Mai 2011

Und weiter geht es ins Bertra House zu Mrs. Margaret Gill, Murrisk/Co. Mayo.
Dem gemeinen deutschen Autofahrer in Deutschland treiben die Lastwagen den Frustschweiß auf die Stirn. Vor allem, wenn sie vor ihm herzockeln. Dazu die dauernden Geschwindigkeitsbeschränkungen, wieder mal nur 70 km/h erlaubt, ach was soll’s, Gas geben, links raus und vorbei, na also, geht doch!
Dem gemeinen deutschen Autofahrer in Irland treiben die Lastwagen den Angstschweiß auf die Stirn. Vor allem, wenn sie hinter ihm (her) sind. Hier sind auf handtuchbreiten Straßen meistens 80 km/h erlaubt, oft sogar locker 100. Die einzigen, die dieses Tempo packen, sind die Trucks mit ihren Stuntmen am Steuer. Wenn man einen von ihnen im Rückspiegel am Horizont erspäht, dann sollte man sich schleunigst um eine passende Stopmöglichkeit kümmern. Denn in den nächsten zehn Sekunden sind sie gerade noch zehn Zentimeter von der Stoßstange entfernt. Also früh bremsen, links ran und wusch, schon ist er vorbei und hupt freundlich, na also, geht doch!
Ich habe mir mehr Lastwagenfahrerfreunde in Irland gemacht, als ich in Deutschland Feinde von ihrer Sorte habe. Was tut man nicht alles für die Völkerverständigung (oder eher, für’s eigene Leben)!




Tag 6
Startort: Murrisk
Zielort: Quin
Sonntag, 22. Mai 2011

Die nächste Übernachtung verbringen wir bei Mrs. Loreto Hannon auf der Ardsollus Farm in Quin/Co. Clare.
Wir mögen britische Traditionen. In Schottland und England konnten wir sie schon mehrmals genießen, in Irland war es nun zum ersten Mal. Und wir hoffen, wir bekommen dieses Vergnügen noch öfter.
Die Menschen stehen an erster Stelle. Sollte ich jemals die Ehre erlangen, mit einer der Realität entsprechenden Klischeevorstellung bedacht zu werden, so wünsche ich, sie wäre die ihnen zugeschriebene. Vor allem, weil sie so oft so treffend ist. Zurückhaltung, Höflichkeit und Toleranz regieren den Alltag. Aufdringlichkeit hingegen genießt die Wertschätzung einer mittelalterlichen Tortur ersten Grades. Man krümmt sich vor Schmerzen schon beim Gedanken daran. Respekt vor dem Gegenüber, ob fremd oder bekannt. Erfrischendes Understatement. Ist ein Bekenntnis, von einer Sache sehr viel zu verstehen ganz unvermeidbar geworden, so wäre als Einleitungssatz, von sehr viel mehr jedoch sehr viel weniger zu wissen, ein letzter Ausweg. Möglich, dass nach gelungener Flucht ein kaum wahrnehmbares Schmunzeln aufblitzt. Mit Selbstironie gewürzter Humor. Trotz einer Distanz offenherzig, mitteilsam und unvergleichlich hilfsbereit. Liberal und nachsichtig, wenn man als Fremder nicht sofort auf Draht ist. Außerdem trinken sie gerne einen und wenn, dann nicht zu wenig. Eine sympathische Parallele. Great.
Wer mit ähnlichen Weltanschauungen gesegnet nach diesen Richtlinien kommunizieren kann und will, für den werden Unterhaltungen mit Iren, Engländern, Walisern und Schotten zu einem echten Genuss. Er wird zwar keine offenen Türen einrennen, aber der Türspalt wird ganz langsam etwas breiter.
Großbritannien ist urgemütlich. Beruhigend traditionell. Holzverkleidete Pubs mit bunten Fenstern, urige Schilder mit Namen wie „Red Dragon“, „Royal Oak“ oder „Blind Beggar“. Rote Telefonzellen und schwarze Taxis, in die man hereinspaziert anstatt hineinfällt. Bed&Breakfast in verwinkelten Häusern mit steilen Treppen und einem Frühstück ganz nach meinem Geschmack. Cottages, Castles und Destillerien mit Single Malts, die einen träumen lassen. Landschaften, die Hektik verscheuchen und Ruhe vermitteln. Nur Waschbecken und Duschen können leicht bis mittelschwer irritieren.
Die Standard-Waschbeckenhöhe ist ca. 50 cm über dem Fußboden (na ja, etwas höher schon). Bei einer Körpergröße von gut 1,90 m, der ich mich erfreuen darf, hängt es knapp oberhalb der Kniescheiben. Mit je einem erfrischenden und einem verbrühenden Wasserhahn an den Seiten, wechselweise mal rechts oder links, um den Säuberungswilligen zu überraschen. Wir empfehlen, beide gleichzeitig aufzudrehen, vorher den Waschbeckenstöpsel einzudrücken und mit beidhändig-rhythmischen Quirlbewegungen eine angenehme Mischung von kaltem und heißem Wasser ins Leben zu rufen. Long live the Mischbatterie.
Mit den Duschen ist es nicht einfacher. Oft gilt es schon im Zimmer eine Reihe von Schaltern umzulegen oder an Strippen zu ziehen, um die ersten Schritte für’s Duschvergnügen zu starten. In der Kabine selbst hängt eine weitere Apparatur, die bei korrekter Bedienung ans ersehnte Ziel führt. Die Vorbereitungen im Rechenzentrum der NASA für einen Raketenstart dürften im direkten Vergleich dazu eher simpel erscheinen. Bitte nicht erst unter die Dusche stellen und dann das Wasser laufen lassen. Draußen bleiben und Temperatur testen. Dann erst rein. Ist einfach besser für Körper und Geist.
Dass mein Gesicht im Spiegel über’m Waschbecken nie zu sehen war, ist wiederum von Vorteil. Vor allem morgens.

Tag 7
Startort: Quin
Zielort: Muckross
Montag, 23. Mai 2011

Heute Abend sind wir im Forest Haven House der Joy Family in Muckross/Co. Kerry eingetroffen.
In einem Pub in Killarney haben Simone und ich ein typisch irisches Nationalgericht gegessen (Fish&Chips zählt dabei nicht). Irish Stew, ein Eintopf aus Lammfleisch, Möhren und Kartoffeln. Superlecker. Überhaupt gibt es an der irischen Küche nichts auszusetzen und die Fischgerichte sind echt zu empfehlen. Wir sind nicht ein einziges Mal reingefallen. Mit rund 40 € für zwei Essen und vier Bier (trinkt Smithwick’s Ale, liebe Freunde) lagen wir immer gut im Rennen.



Tag 8
Startort: Muckross
Zielort: Muckross
Dienstag, 24. Mai 2011

Zum Ring of Kerry muss man ja nichts weiter erzählen. Die Südseite ist attraktiver als der Norden und ein Abstecher zum Valentia Island ist sehr zu empfehlen.
Bevor ich’s vergesse: das Städtchen Dingle und die anschließenden Stunden auf dem Slea Head Drive weiter nördlich haben uns besser gefallen.
Noch ein Satz zum Wetter: es ist wirklich so wechselhaft, wie man allgemein hört. Ein sturmgrauer Himmel darf nicht entmutigen und weiße Schäfchenwolken bei strahlender Sonne sollten nicht direkt euphorisch machen. Von einer Minute zur anderen kann sich alles ändern. Wir hatten Schwein gehabt, unter’m Strich war es zu 80% trocken und zu 20% feucht. Wenn es morgens regnete, wurde das Frühstück von unseren Gastgebern immer so eröffnet: „Oh, you can believe, it will clearing up!“ Und sie hatten immer recht, oft bis zu fünf Mal am Tag.





Tag 9
Startort: Muckross
Zielort: Rathvilly
Mittwoch, 25. Mai 2011

Bevor wir in Mrs. Mina Corrigan’s Baile Recead bei Rathvilly/Co. Carlow eingetroffen sind, haben wir eine Führung durch den Rock of Cashel, früher eine Festung und Bischofssitz, gemacht. Ich sage das nur deshalb, weil uns berichtet wurde, dass die Queen vor wenigen Tagen auch dort gewesen sei. Haben wir die gute Lisbeth schon wieder verpasst, eine Audienz können wir uns also definitiv abschminken.
Etwas anderes war aber schlimmer: ich war der festen Meinung, dass das Champions League-Endspiel zwischen ManUnited und Barca heute Abend über die Mattscheibe flimmern würde. Und da in sämtlichen Pubs etwa zwei bis fünf Fernseher hängen, die ununterbrochen über Rugby, Curling und Fußball berichten (God save Sky 2), war ich vor dem Abendessen in Baltinglass bester Laune. Bis mich der junge Mann hinter’m Tresen, übrigens ein glühender Anhänger von Manchester United, mit der Feststellung schockte, dass das Finale erst am Samstag stattfindet. „Aber die sind doch immer mittwochs, die europäischen Endspiele, oder?“ „Ja, aber in diesem Jahr wurde es auf Samstag terminiert, I don’t know why.“
Simone war übrigens überhaupt nicht enttäuscht. Weiß der Teufel, warum.






Tag 10
Startort: Rathvilly
Zielort: Skerries
Donnerstag, 26. Mai 2011

Heute sind wir durchgestartet zu unserer ersten und letzten Unterkunft nach Skerries, weil wir den Tag in Dublin verbringen wollen. Ich muss die Stadt mit Liverpool vergleichen, wo ich vor ein paar Wochen mit unserem Sohn Christian zum Fußball gucken war. Irgendwie singing and swinging. Uns so ähnlich fühlen wir uns beide auch. Irland tut einfach gut.

Tag 11
Startort: Skerries
Zielort: Dublin
Freitag, 27. Mai 2011

Auf geht’s wieder nach Hause.
Dear Ireland, thousand thanks for wonderful days.

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