Das Dunsany Nature Reserve, im Nordosten Irlands gelegen, ist ein Ort, wo sich die Natur über einstige Viehweiden und andere Nutzflächen wieder ungehindert ausbreiten darf. Ein Naturschutzgebiet der besonderen Art sozusagen. Dunsany Estate, auf dem das Projekt angesiedelt ist, erklärt es zu einem Ort „where nature leads, and people listen“. Die Natur darf hier die Führungsrolle übernehmen, von der sich die Menschen leiten lassen. Ein außergewöhnliches Motto in einer Zeit, in der sich doch alles dem Menschen anpassen und ihm dienen soll und nicht umgekehrt! Mit welchen Maßnahmen und genauen Einzelprojekten diese Führung durch die Natur stattfinden darf, erfahrt ihr hier!
Die Vision des Dunsany Estate und Nature Reserve
Das Landgut Dunsany Estate liegt im County Meath im Nordosten Irlands und ist mit seinem Bau im 11. Jahrhundert eines der ältesten dauerhaft bewohnt Landgüter der Insel. Im Jahr 2014 fand das landwirtschaftliche Gut allerdings eine anders geartete, neue Bestimmung. Von seinen etwa 650 Hektar Landbesitz wurden 300 Hektar der Aktion Rewilding gewidmet, weitere 220 Hektar allein dem Wald. Die restliche Fläche des Guts dient weiterhin der Landwirtschaft und damit der Finanzierung des Nature-Reserve-Projektes.
Wie es dazu kam? Durch den heutigen Besitzer des Estate und seine Vision, auf seinem Privatbesitz der Natur wieder die Führungsrolle zu überlassen. Gemeinsam mit seinem Team aus Fachleuten verfolgt er das Ziel, eine Welt zu schaffen, in der unser Planet und die Menschheit gemeinsam gedeihen und erblühen. Einen Ort zu erschaffen, den Städte und Gemeinden, Business-Unternehmen und Einzelpersonen in und aus allen Stadien ihres Lebens besuchen, an dem sie die Kraft der ursprünglichen Natur aus erster Hand sehen und erfahren und daran lernen können. All das unter dem Motto, das schon das Logo des Estate verkündet: Rewild, Reconnect.
Was genau bedeutet eigentlich Rewilding?
Rewilding ist eine fortschrittliche Art und Weise, die Natur zu bewahren. Es geht darum, die Natur für sich selbst sorgen zu lassen, den natürlichen Prozessen, die Land und Meer formen, freien Lauf zu lassen. Auf diese Weise sollen zerstörte Ökosysteme und Landschaften „repariert“ und wiederhergestellt werden. Und so funktioniert das:
Dadurch, dass wir Menschen die Natur führen lassen. Wir unterstützen sie höchstens, indem wir die ursprünglichen Bedingungen wiederherstellen, zum Beispiel durch das Entfernen von künstlichen Deichen und Dämmen an einem Fluss. Oder indem wir dem Wald erlauben, sich selbst zu regenerieren und zudem die Wildbestände nicht für unsere eigenen Zwecke in Schach halten. Danach treten wir wieder in die Rolle des Beobachters zurück, statt korrigierend einzugreifen.
Es funktioniert durch die Wiedereinführung von spezifischen einheimischen Arten, die dank menschlichem Einwirken komplett oder weitestgehend aus ihrem angestammten Lebensraum verschwunden waren. Wir schaffen ihnen den Raum und die Bedingungen, dass sie wieder gedeihen können. „Biodiversität“ ist ein oft genanntes Stichwort, das sowohl in der Pflanzen- als auch in der Tierwelt gilt.
Dadurch, dass wir der Natur und ihren Prozessen freien Lauf lassen, „machen“ wir sie nicht nur selbst wilder und ursprünglicher, sondern tun auch uns selbst einen Gefallen. In der Verbindung des Menschen zu einer ursprünglichen Natur liegt ein Potential für mentale und physische Gesundheit, dessen sich die „zivilisierte“ Gesellschaft zunehmend bewusst wird.
Rewilding in Aktion im Dunsany Nature Reserve
All diese Maßnahmen und Prinzipien verfolgt auch das Dunsany Nature Reserve.
Der Großteil des Waldlandes besteht aus viel Laubwald mit Eichen, Ulmen, Birken und Redwoods. Er wird weitestgehend sich selbst überlassen. Das bedeutet: keine Baumfällungen und korrigierenden Rückschnitte, keine oder nur die allernötigste Entfernung von Totholz. Gerade das Totholz ist ein unverzichtbarer Lebensraum für verschiedene Insekten und Pilze, die sich dadurch fortlaufend vermehren. Fortlaufend werden außerdem neue Bäume gepflanzt, finanziert auch durch Spenden, Baumpatenschaften und Ähnliches. Dasselbe gilt für Hecken und Wildgräser und -blumen, die hier ungehindert wachsen dürfen, ebenfalls wichtige Lebensräume für verschiedene Spezies.
Auch Flüsse und sich ausbreitendes Sumpfland gehören zu diesen Lebensräumen.
Auf diese Weise sind seit der Entstehung des Naturschutzgebietes die unterschiedlichsten Arten von Insekten, Vögeln und Säugetieren in das Gebiet zurückgekehrt. Das heißt, Tiere, die dort seit teilweise bereits einhundert Jahren nicht mehr beobachtet worden waren, haben sich wieder angesiedelt und vermehrt. Unter den Vögeln sind das zum Beispiel Gabelweihen, Schleier- und Waldohreulen, Spechte, Sperber, Reiher und Ähnliche.
Auch eine ganze Reihe unterschiedlichster Säugetiere bewohnt das Schutzgebiet mittlerweile. Rotwild, Füchse, Otter, Dachse, Baummarder und Wiesel fühlen sich hier zuhause. Zudem unterhält das Dunsany Nature Reserve Bienenstöcke für die einheimischen irischen Schwarzbienen, die sich dank der Wildblumen und –gräser weiter ausbreiten.
Forschung und Weiterbildung im Dunsany Nature Reserve
Dunsany Estate arbeitet mit verschiedenen anderen Naturschutzorganisationen zusammen, um Flora und Fauna noch besser zu verstehen und fördern zu können. Ebenso unterstützt es Tierschutzorganisationen und hat in diesem Rahmen bereits Igel, Füchse, Fasane und andere Wildvögel im Schutzgebiet ausgewildert.
Ein nicht unwesentlicher Teil der Arbeit des Nature Reserve besteht darin, noch mehr Menschen mit dieser Leidenschaft für die ursprüngliche Natur anzustecken. Sie zu mehr Nachhaltigkeit und Achtung für unsere Umwelt und die Natur zu ermutigen und möglicherweise auch, ihr eigenes „Rewilding Projekt“ zu starten, und sei es auch noch so bescheiden.
Um diesen Zweck zu erreichen, bietet Dunsany Estate nicht nur Führungen durch das Naturschutzgebiet, sondern auch viele unterschiedliche Schulungen und Projekte. Es gibt Tree Planting Days, Citizen Science Days und Conservation Days, damit der Begriff Rewilding auch einer größeren Öffentlichkeit begreifbar wird. Zur Vertiefung dieses Wissens gibt es motivierende Vorträge aus unterschiedlichen Bereichen wie Nachhaltigkeit, Leiterschaft etc, jeweils mit renommierten Fachleuten auf diesem Gebiet. …
Selbst die Führungen sind sehr speziell: da gibt es eine Morgen- und eine Abenddämmerungs-Safari sowie eine zweistündige Walking Tour, um möglichst viel zu entdecken. Für die bloße Wellness besteht auch die Möglichkeit zum Waldbaden und zu einer Barfuß-Tour.
„Wir glauben, dass jedermann die Chance haben sollte, dem Tempo des modernen Lebens zu entfliehen und sich selbst in Erfahrungen zu verlieren, die ihn wiederherstellen, erden und wieder mit der Natur verbinden“, so Dunsany Estate auf seiner Webseite.
Hört es sich nicht lohnend an, auch zu denjenigen zu gehören, die diese Erfahrung machen? Und falls euch eine Reise nach Irland derzeit unmöglich ist, denkt doch einmal darüber nach, selbst eine Kleinigkeit zum Erhalt und zum Wohl unserer Natur beizutragen.
Take Action, Make an Impact, Leave a Legacy, um noch einmal die Dunsany Estate und Nature Park zu zitieren…




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