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Kelten Irland / Frühgeschichte Irland

Wer waren die irischen Hochkönige?

Written by Jessica Jirschik

Sie herrschten auf grünen Hügeln, umgeben von Nebel umwobenen Heidelandschaften zu einer Zeit, in der Druiden und Feen mehr waren als bloße Legenden. Doch wer waren die irischen Hochkönige? Folgt uns auf eine Reise durch die Zeit zu den fast vergessenen Herrschern der Alten Zeit.

Irischer Hochkönig als Ehrentitel

Wusstet Ihr, dass ein Hochkönig nicht immer, oder sogar sehr selten, einem alten Adelsgeschlecht entstammte? Viel mehr handelte es sich hierbei um einen Titel, der wegen großen Leistungen verliehen wurde, meist sogar erst nach dem Tod der betroffenen Person. Der Titel war fast so heiß umkämpft wie die Macht über Irland, die übrigens keiner der irischen Hochkönige jemals hatte. Einzigst Brian Boru schaffte es, dem Titel irischer Hochkönig gerecht zu werden, indem er von 1005 bis 1014 über Irland herrschte.

Die Entstehung des irischen Hochkönigtums

Bei den irischen Hochkönigen handelte es sich allesamt um Provinzherrscher der insgesamt 97 Stämme. Diese unterstanden einem König (), der wiederum mehrere Oberkönige (ruirí) und vier bis fünf Regionalkönige hatte. Neben dem Stammesoberhaupt gab es in jedem Stamm ausgewählte Mitglieder, die Waffen tragen durften – ein Privileg, das nicht jedem gewährt wurde. In Friedenszeiten herrschte eher eine Oligarchie und die führende Kraft ging von einer kleinen Gruppe Ausgewählter aus. Nur in Kriegszeiten war die Stellung des Stammesoberhauptes mit der eines absoluten Herrschers vergleichbar.

wird heute üblicherweise mit dem Wort König übersetzt, ist aber eigentlich nur die Bezeichnung für einen Waffenträger, der vom Stamm gewählt wurde, ähnlich einem Häuptling. Diesem hatte jedes Stammesmitglied zu gehorchen. Mit der Zeit der Bündnisse zwischen mehreren Stämmen, nahm auch die Macht der Ri bedeutend zu, war ihre Anhängerschaft und Verantwortung doch während dieser Zeit größer. Eine Art „Großkönig“ herrschte nun über mehrere Stämme. Um 1000 herum existierten zwischen 100 und 200 Kleinkönigreiche dieser alten irischen Stämme, der bekannteste und doch umstrittenste in der Frage, ob es ihn jemals gegeben hat, ist der Stamm der Tuatha Dé Danann.

Wer waren die irischen Hochkönige?

Zwar gibt es eine lange Liste der Hochkönige von Irland, jedoch handelt es sich dabei eher um mythologische Namen, die erst zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert n. Chr. niedergeschrieben wurden. Erst ab dem 9. Jahrhundert wurde der Begriff des Hochkönigtums auf der grünen Insel wirklich prominent als die Dynastie Uí Néill nach der Eroberung des Hill of Tara den Titel „König aller Iren“ für sich beanspruchen wollte. Es entstand das unabhängige Königreich Meath, was übersetzt so viel wie “Mitte” bedeutet.

Hill of Tara

Hill of Tara heute © Macmillan Media, Tourism Ireland

Die Hochzeit der Hochkönige begann mit der Machtübernahme von Brian Boru, der als einziger Hochkönig jemals wirkliche Machtansprüche auf irische Gebiete hatte. Als Sieger über die Wikinger übernahm Brian die Krone seines verstorbenen Bruders als neuer König von Munster und kämpfte erbittert gegen jeden, der ihm diese hätte streitig machen können, ehe er sich durch eine taktische Heirat mit den Wikingern gutstellte. Der Stamm der ehemaligen Hochkönige Uí Néill zettelte zusammen mit dem König von Leinster und einigen Wikingern einen Widerstand an, der zur blutigen Schlacht von Clontarf führte, bei der sowohl Brian Boru als auch sein Sohn Murchad mac Briain fielen. Die einstige Macht bekamen die Uí Néill dadurch aber nicht zurück, denn trotz des Todes ihres Anführers, blieben Brians Truppen ungeschlagen. Die Folge der Schlacht: alles blieb beim Alten, auch die Wikinger blieben und Brian Boru ging durch die Erzählungen seiner treuen Anhänger in die Geschichte ein.

Dennoch war diese Schlacht das Anfang vom Ende der irischen Hochkönige. Die dauernden Auseinandersetzungen veranlassten den selbsternannten neuen Hochkönig von 1166, Diarmait Mac Murchada, den englischen König Heinrich II. um Hilfe zu bitten. Das war der Beginn der militärischen Macht der Engländer über Irland und das Ende des Irischen Hochkönigtums.

Hügel statt Thröne – die Regierungszentren der irischen Hochkönige

Weil die sogenannten Hochkönige von Irland allesamt Häuptlinge einfacher Stämme waren, regierten sie nicht von prunkvollen Schlössern aus, sondern von Hügeln, von denen aus man weite Sicht auf die umliegenden Gebiete hatte, um einem drohenden Angriff möglichst früh begegnen zu können. Der bekannteste Sitz der irischen Hochkönige ist und bleibt der Hill of Tara, doch bei fast 100 irischen Stämmen ist es selbstredend, dass es darüber hinaus noch andere wichtige Zentren der irischen selbst ernannten Herrscher gab, die Ihr noch heute besichtigen könnt. Folgende sind die bekanntesten:
  • Hill of Uisneach: Dieser sagenumwobene Hügel war der Mittelpunkt der spirituellen Macht Irlands. Hier entfachte der oberste Druide Mide laut einer Legende das erste heilige Feuer. Einer der ersten dokumentierten Stämme des mythischen Hochkönigtums, die Firbolg, stellten hier den Cat Stone auf, der das Zusammentreffen der fünf irischen Provinzen markierte. Zudem befindet sich hier das Grab der Königin Eriu.
  • Rock of Cashel: Dieser historische Komplex in der Grafschaft Tipperary ist auch als St. Patrick’s Rock bekannt. Er diente nicht nur als Resistenz der Hochkönige aus der Gegend Munster, wie Aengus, sondern als politischer Mittelpunkt. Zudem soll Sankt Patrick auf dem Rock of Cashel im 5. Jahrhundert einen König von Munster getauft haben. Die beeindruckenden Kirchenruinen wie die Cormac’s Chapel zeugen noch heute von der großen Bedeutung der Verbindung des Hochkönigtums mit dem christlichen Glauben.
  • Brú na Bóinne: Diese beeindruckende Stätte aus den drei megalithischen Hügelgräbern Newgrange, Knowth und Dowth wird nicht selten mit dem magischen Volk der Tuatha Dé Danann in Verbindung gebracht und ist die Begräbnisstätte der Mächtigen und Einflussreichen der damaligen Zeit. So ist es nicht verwunderlich, dass man munkelt, dass auch einige der einstigen Hochkönige oder gar Gottheiten hier begraben liegen.
  • Hügel der Kathedrale von Armagh: Heute eher bekannt als St. Patricks Cathedral. Der Hügel der Kathedrale von Armagh gilt nicht nur als Standort der ersten Kirche des Heiligen Patrick, sondern als letzte Ruhestätte des berühmtesten irischen Hochkönigs Brian Boru.

Irlandfans können es bezeugen – kaum ein anderes Land ist so voll von zurückgebliebener, noch heute erlebbarer Geschichte. Macht Euch doch selbst einmal auf die Spuren der alten irischen Hochkönige und seid gespannt, was Ihr dabei auf den ehemaligen Herrschaftsgebieten entdeckt.

Hill of Uisneach © Nomos Productions, Fáilte Ireland

Die großen Dynastien der irischen Hochkönige

Die drei großen Dynastien, aus denen laut der Legende die ersten irischen Hochkönige hervorgegangen sein sollen, werden zwar rein mythologisch eingeordnet, sollten aber der Vollständigkeit halber unbedingt genannt werden. Wir berufen uns dabei auf die Quelle der Annalen der vier Meister.

  1. Tuatha Dé Danann: Das für seine magischen Fähigkeiten bekannte Volk beherrschte es meisterlich, sich durch Nebel und Illusionen vor seinen Feinden zu verstecken und wird noch heute für seine Heilkunst verehrt. Der erste Hochkönig Nuada der Silberhand war ein gerechter Herrscher, der seine Hand im Kampf verlor und daraufhin seine Herrschaft abtreten musste. Laut der Legende verhalf ihm ein Handwerker zu einer Silberhand, mit der er auf den Thron zurückkehren konnte.
  2. Firbolg: Das legendäre Volk aus der irischen Mythologie besiedelte Irland nach den Tuatha Dé Danann. Das Volk von den griechischen Halbinsel kam nach Irland und unterteilte die Insel in fünf Königreiche. Die Firbolg sind berüchtigt für ihre kriegerische Natur, hatten aber auch herausragende landwirtschaftliche Fähigkeiten. Der erste irische Hochkönig aus dem Geschlecht der Firbolg war, laut der Annalen, Eochaid (auch Eochaid Fir Bolg). Als weiser und gerechter Herrscher regierte er ein von Konflikten geprägtes Land mit Wohlstand und Stabilität.
  3. Milesier: Die Söhne von Mil waren das letzte große Volk, das nach Irland kam. Sie gelten noch heute als Vorfahren der heutigen Inselbewohner. Sie kamen aus Spanien, angeführt von Mil Espaine, der als ihr erster großer Herrscher und Hochkönig gilt. Mit ihrer Ankunft auf der Insel übernahmen die Milesier die Herrschaft über die Insel vom Göttervolk der Tuatha Dé Danann.

Was Legende ist und was Wahrheit, können wir heute kaum mehr mit Sicherheit sagen. Wenn man allerdings heute durch die taufeuchten grünen Wiesen Irlands streift und beinahe an jeder Ecke über Dolmen und Steinkreise stolpert, fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, dass in grauer Vorzeit Götter selbst unser Lieblingsland beherrscht haben.

Fazit

Die Liste der irischen Hochkönige ist lang. Noch mehr allerdings die zahlreichen Legenden und Sagen um ihre Taten – eine glorreicher als die andere. Bei der Frage, wer waren die irischen Hochkönige geht es also viel weniger um faktische Korrektheit als die Magie der Reise, auf die man sich begibt, wenn man versucht, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Wir wünschen Euch gutes Gelingen dabei!

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Über den Autor

Jessica Jirschik

Wenn es wahr ist, dass wir schon einmal gelebt haben, dann war mein Zuhause definitiv Irland. Seit meiner Jugend zog mich ein undefinierbarer Sog auf die Grüne Insel, doch erst 2017 konnte ich meinen Traum, einer Irlandrundreise wahrmachen. Seitdem ist der Sog nur noch stärker geworden. Wenn es regnet, denke ich an Irland. Im Pub kann es für mich nur Guinness sein. Laute Musik, Geschichten und Gesseligkeit gehören für mich zum Glücklichsein. Im Herzen bin ich eine waschechte Irin.

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