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Irlands Natur

Rewilding-Projekte in Irland: Ein Land im Wandel

Written by Monika Dockter

Über Rewilding-Projekte in Irland zu sprechen, bedeutet vor allem eines: darüber zu sprechen, auf welche Weise wieder mehr echte, ursprüngliche Natur auf der grünen Insel einziehen kann. Denn Irland, einst das Land der forest people, ist ökologisch betrachtet heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Einen Großteil seiner artenreichen Wälder und des ebensolchen Graslandes sowie der größeren Säugetiere hat Irland im Lauf der Jahrhunderte durch menschlichen Eingriff schlicht verloren. Folglich zielen diese Rewilding-Projekte in Irland darauf ab, diese Vielfalt wieder herzustellen, damit das Ökosystem zurück in sein natürliches Gleichgewicht zu bringen und dem Klimawandel entgegen zu wirken.

Wie werden Rewilding-Projekte praktiziert?

Um dieses oben genannte Ziel zu erreichen, praktizieren sämtliche Rewilding-Projekte (europaweit, nicht nur die in Irland) vergleichbare konkrete, innovative Maßnahmen. Insgesamt lassen sich diese Maßnahmen auf einen groben Nenner bringen: der Mensch tritt ein Stück zurück und lässt stattdessen die Natur führen. Unterstützung der Natur sozusagen anstelle von Korrektur und rigoroser Nutzung ausschließlich zu unseren eigenen Zwecken.

Beispielsweise verzichtet man weitgehend darauf, die Wildbestände in Wald und Feld in Schach zu halten. Darüber hinaus führt man spezifische einheimische Arten wie beispielsweise die irische Wildbiene wieder ein, indem man ihren natürlichen  Lebensraum wiedererstehen lässt.

Dasselbe gilt auch in der Pflanzenwelt: Weideland wird teilweise durch natürlich wachsendes, artenreiches Grasland ersetzt. Wald wird nicht länger bewirtschaftet, sondern weitgehend sich selbst überlassen, sodass er sich auf natürliche Art ausbreitet und regeneriert. Durch die Neupflanzung von einheimischen Bäumen wird zudem die Waldfläche beständig vergrößert. Biodiversität ist hier das Schlagwort, das sowohl in der Tier- als auch in der Pflanzenwelt gilt.

Zu diesen praktischen Maßnahmen gehört es auch, durch Kurse, Seminare und Bildungsangebote das Bewusstsein der Mitbürger zu schärfen. Ihr Interesse zu wecken, sie zu eigenen kleinen Rewilding-Aktionen anzuregen. So schafft Rewilding die Vision einer besseren, vielfältigeren, lebendigeren Zukunft für Mensch und Natur gemeinsam. Denn in der Verbindung des Menschen zu einer ursprünglichen Natur liegt ein Potential für mentale und physische Gesundheit, dessen sich die „zivilisierte“ Gesellschaft zunehmend bewusst wird.

Rewilding-Projekt: Green Sod Ireland

In den folgenden Abschnitten stellen wir euch einige konkrete und lokale irische Projekte vor, die sich dem Rewilding verschrieben haben.

Green Sod Ireland ist eine landesweite Stiftung, die 2007 zum Zweck des Rewilding gegründet wurde. Sie basiert auf freiwilligen Spenden, nämlich Spenden von Land. Diese Landstücke werden nach ihrer Spende nicht mehr landwirtschaftlich genutzt, sondern bewusst sich selbst überlassen, damit die Natur wieder vollständig Besitz von ihnen ergreift. Alles unter der Aufsicht des Trust, der den Rewildingprozess im Blick behält, unterstützt und steuert.

Auf diese Weise „verwaltet“ der Trust Green Sod Ireland ein weites Mosaik von Wald- und Grasland, verteilt über die ganze Insel. Dazu kommen Mischwälder mit Anteilen von Heide und Sandgebieten sowie verschiedene Feuchtgebiete.

In Meenletterbale im County Donegal beispielsweise besitzt der Trust ein Gebiet von etwa drei Hektar Torfmoor, dem er mit geeigneten Maßnahmen wieder zu seinem ursprünglichen Zustand zurückverhelfen will. Mittlerweile wurden nämlich achtzig Prozent der Torfmoore Irlands trockengelegt, nur noch zwanzig Prozent sind naturbelassen. Zu dem Zweck, sie wiederherzustellen ist es natürlich enorm wichtig, zu verstehen, welche Rolle Torfmoore für unsere Erde spielen. Deshalb gehen diese Projekte immer auch mit Unterweisung und Schulung für jedes Alter einher.

Rewilding-Projekt Irish Trees

Ebenfalls landesweit arbeitet das Projekt Irish Trees. Es ist das größte private Rewilding-Projekt in Irland. Seine Mission? Ganz einfach, Bäume pflanzen.

Aber nicht wahllos irgendwelche Bäume, sondern einheimische Arten, um wilde, lebendige und biodiverse Gebiete zu schaffen, die niemals für wirtschaftliche Zwecke genutzt werden dürfen. Zu diesen einheimischen Arten gehören unter anderem Eichen, die zu den nachhaltigsten Bäumen überhaupt gehören, da sie bis zu 500 Jahre alt werden können.

Noch etliche Jahre älter wird die ebenfalls einheimische Silken Thomas Eibe. Nicht wegzudenken aus Irland ist auch der Weißdorn, die häufigste irische Heckenpflanze, während in feuchteren Gebieten eher Birken, Weiden und Erlen gedeihen. So pflanzt Irish Trees etwa zwölf verschiedene einheimische Arten, um damit das Ökosystem ganzer Landstriche zu verbessern. Denn gemeinsam mit den einheimischen Bäumen entwickeln sich vollständige neue Biotope aus Insekten, Vögeln, Pilzen und Säugetieren.

Am Beispiel des Dunsany Nature Reserve in der Umgebung von Dublin lässt sich die Arbeit von Irish Trees sehr gut nachvollziehen. Hier ((link zum entsprechenden Artikel bitte einfügen, sobald dieser veröffentlicht ist)) findest du einen ausführlichen Artikel darüber.

Rewild Wicklow und Lough Grainey Nature Sanctuary

Neben diesen landesweiten Projekten gibt es zahlreiche eher lokal gelagerte Rewilding Projekte.

 Rewild Wicklow hat sich der Mission verschrieben, Wicklow wieder so „wild“ werden zu lassen, wie es einst gewesen ist. Mithilfe der allgemeinen Methoden des Rewilding hat die Organisation mehrere einzelne Projekte am Start, verteilt über ganz Wicklow.

Da gibt es die Wälder, Hecken und das Grasland von Knockree im wunderschönen Glencree Valley. Oder das East Coast Nature Reserve, ein riesiges Feuchtgebiet als Teil der Murrogh Wetlands. Einst intensiv als Farmland bewirtschaftet, beherbergt es heute die unterschiedlichsten Habitats vom Flachmoor bis zu Birkenwäldern. Sie alle können auf unterschiedlichen Trails, auch zur Vogelbeobachtung, erkundet werden. Oder Peatland Restauration, ein Projekt zur Bewahrung und Restaurierung des Torfmoores in den weithin bekannten Wicklow Mountains.

Lough Grainey Nature Sanctuary ist ein Rewilding Projekt im östlichen County Clare. Im Jahr 2021 kaufte die Organisation die ersten Hektar Land im Lough Grainey Valley, um es in seiner ganzen Diversität zu erhalten und zu fördern.

Das Gebiet umfasst beispielsweise die Überreste eines uralten Eichenhaines, ebenso ein Stück Flusslauf mit einer reichen Uferwaldvegetation und damit Lebensraum für viele Tiere. Ebenso Grasland mit einem Reichtum an Wildblumen und Wildtieren, die es zu bewahren und fördern gilt. So will die Organisation künftig noch weiteres Land dazukaufen, um ihre Vision von Diversität und natürlichen Lebensräumen umzusetzen.

Drehorte P.S. Ich liebe Dich, Sally Gap

Die “wilden” Wicklows © Tourism Ireland

We are the ark – hier wird Rewilding persönlich

Ein Rewilding Projekt der besonderen Art hat die irische Gartendesignerin Mary Reynolds ins Leben gerufen: We are the ark. Wobei der Begriff ark nicht nur symbolisch für die Arche Noah steht, sondern für Folgendes. ARK = Acts of Restaurative Kindness.

Wir weben einen Flickenteppich aus sicheren Zufluchtsorten für die Natur auf der ganzen Welt, in unseren Gärten, Schulen, öffentlichen Räumen und darüber hinaus, so lautet das Motto von we are the ark.

Aufgewachsen auf einer Farm im County Wexford war Mary Reynolds schon in früher Kindheit von der Natur fasziniert und studierte später Landschaftsdesign. Durch die Gestaltung eines Gartens auf der Chelsea Flower Show wurde sie weltbekannt. Seitdem gestaltet sie in ganz Irland und Großbritannien Gärten nach oben genanntem Motto: Der Garten als ein Stück Land, das der Natur zurückgegeben wird. Beispiele für ihre Rewilding-Gärten findet ihr unter anderem in Galway im Brigit’s Garden oder im The Tree Of Life Garden am Díseart Visitor Centre im County Kerry.

Brigits Garden Irland

Brigits Garden

Ihre Organisation we are the ark gründete Mary Reynolds im Jahr 2018. Ihr Ziel dabei war es, „Umweltaktivismus international zu fördern, indem Gärten der Natur zurückgegeben werden, um die Artenvielfalt zu erhöhen.“

Und das Geniale an ihrem Rewilding-Projekt ist: Jeder, der auch nur über das kleinste Stückchen Grün verfügt, kann daran teilnehmen, ob nun in Irland, Deutschland oder im Hochland Südamerikas! Wie genau, das liest du auf der Webseite von we are the ark oder in Mary Reynolds gleichnamigen und wunderschön gestalteten Buch.

Eine Zukunft für die wilde Seite Irlands

Rewilding zeigt eindrucksvoll, dass Naturschutz weit mehr bedeutet als das Bewahren dessen, was noch vorhanden ist. Es geht darum, verlorene Lebensräume zurückzubringen, natürliche Prozesse wieder zuzulassen und der Natur den Raum zu geben, sich aus eigener Kraft zu regenerieren. Die vorgestellten Projekte beweisen, dass bereits kleine Maßnahmen einen großen Unterschied machen können – ganz gleich, ob auf mehreren hundert Hektar Land oder im eigenen Garten.

Wer durch Irland reist, begegnet nicht nur spektakulären Landschaften, sondern vielerorts auch Menschen, die sich mit Leidenschaft für deren Zukunft einsetzen. Dank ihres Engagements wachsen neue Wälder, Moore werden wiedervernässt, seltene Tier- und Pflanzenarten kehren zurück und ehemals intensiv genutzte Flächen entwickeln sich Schritt für Schritt zu wertvollen Lebensräumen.

Vielleicht ist genau das die schönste Botschaft des Rewilding: Die grüne Insel bewahrt nicht nur ihre einzigartige Natur, sondern arbeitet aktiv daran, sie für kommende Generationen noch vielfältiger, lebendiger und wilder werden zu lassen. Wer Irland besucht, kann diese Entwicklung an vielen Orten bereits heute erleben – und sie durch bewusstes Reisen oder sogar eigene kleine Rewilding-Projekte zu Hause unterstützen.

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Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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