Poisoned Glen: Naturwunder im Herzen Donegals - ☘ gruene-insel.de
Irlands Natur

Poisoned Glen: Naturwunder im Herzen Donegals

Poisoned Glen
Written by Nadja Uebach

Wenn am frühen Morgen der Nebel über die Hügel von Donegal kriecht und sich wie ein atmendes Wesen in die Senken legt, erwacht zwischen den schroffen Hängen des Mount Errigal und dem stillen Lough Dunlewy ein Ort, der auf der Grünen Insel einer meiner absoluten Herzensorte ist. Die Poisoned Glen, das „vergiftete Tal“, ist einer jener Plätze, an denen sich Zeit und Raum zu verflüchtigen scheinen, als wollten sie sich dem Rhythmus des Windes und dem Flüstern der Mythen anpassen. Das Licht, das durch die Wolken fällt, ist weich und schwer zugleich, und manchmal hat man das Gefühl, als würde die Luft nach Geschichten riechen.

Die Glen liegt am Fuß des majestätischen Mount Errigal, der mit seiner Spitze aus Quartzstein im Sonnenlicht glitzert, als wäre er von einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Von Dunlewy aus führt eine schmale Straße vorbei an der Ruine einer alten verlassenen Kirche, deren Turm wie ein einsamer Wächter über das Tal ragt. Schon hier spürt man den Zauber dieses Ortes, der seine Besucher mit einer ganz besonderen Atmosphäre begrüßt.

Was die Poisoned Glen so besonders macht, wie man sie am besten besucht und was es mit ihrem ominösen Namen auf sich hat, erfahrt Ihr in den nächsten Zeilen.

Poisoned Glen: Wanderung durch die Einsamkeit

Wer sich auf den Weg in die Poisoned Glen macht, spürt schnell, dass hier etwas Besonderes in der Luft liegt. Sobald man das Tal betritt, ist es, als würden Alltag und Zivilisation in weite Ferne rücken. Die Wanderung beginnt an einer kleinen Brücke, von der ein kaum erkennbarer Pfad durch weiches Gras, kleine Bäche und moorige Stellen führt. Aus diesem Grund sind hier wasser- und rutschfeste Schuhe zu jeder Jahreszeit eine gute Idee.

Der Weg ist nicht offiziell ausgeschildert, doch gerade das verleiht ihm jene Ursprünglichkeit, die Donegal so unverwechselbar macht. Man folgt im Grunde der natürlichen Linie des Tales, dessen Herz von glitzernden Wasseradern durchzogen ist. In der Ferne hört man das Rufen von Raben, das dumpfe Murmeln des Windes, das sich zwischen den Hügeln verfängt, und das Herz wird auf einmal ganz weit.

Je tiefer man in das Tal kommt, desto einsamer wird die Umgebung. Es kommt nicht oft vor, dass man hier auf andere Wanderer trifft, stattdessen gibt es nur einen selbst und die irische Natur. Während der Wanderung durch die Glen legt man keine beeindruckenden Höhenmeter oder steilen Anstiege zurück. Die Schönheit hier liegt in der Stille, der Weite und in der Gewissheit, dass man sich an einem Ort befindet, der älter ist als jedes menschliche Wort.

Besonders eindrucksvoll ist ein Felsblock am Eingang der Glen, den die Einheimischen „The Evil Eye of Balor“ nennen. Er liegt dort wie ein Wächter, halb im Gras versunken, halb vom Nebel verschluckt, und erinnert an die dunklen Mythen, die sich um diesen Ort ranken.

Poisoned Glen 06

© Brian Flanagan, Tourism Ireland

Die beste Zeit für einen Besuch

Die Poisoned Glen zeigt zu jeder Jahreszeit ein anderes Gesicht. Im Frühjahr erwacht das Tal in einem zarten Grün, das sich wie ein Schleier über die moorigen Flächen legt, und die Luft riecht nach neuem Leben. Im Sommer dagegen flirrt das Licht, und das Wasser in den kleinen Rinnsalen schimmert wie Glas. Doch am eindrucksvollsten ist das Tal im Herbst und Winter, wenn der Wind stärker wird und die Wolken über den Gipfel des Errigal jagen. Dann ist die Glen nicht mehr lieblich, sondern erhaben und fast unheimlich in ihrer Schönheit.

Die beste Tageszeit ist der frühe Morgen oder der späte Nachmittag, wenn das Licht schräg einfällt und die Farben sich verändern, als wäre man inmitten eines langsam atmenden Gemäldes unterwegs. Besonders nach Regen, wenn sich die Wolken heben und die Sonne kurz hindurchbricht, leuchtet die Landschaft in einem fast übernatürlichen Glanz.

Wer mit dem Auto anreist, findet am Straßenrand in unmittelbarer Nähe zum Beginn der Wanderung Platz zum Parken oder auf dem Parkplatz der alten Kirche, die nur wenige hundert Meter entfernt ist.

Poisoned Glen: Gift oder Übersetzungsfehler?

Poison Glen

© Chris Hill, Tourism Ireland

Der Name „Poisoned Glen“ (das „vergiftete Tal“) klingt ominös und fast unpassend für einen Ort von solcher Schönheit. Doch wie so oft in Irland, verbirgt sich hinter jedem Wort eine Geschichte, und manchmal auch ein Missverständnis.

Viele sind davon überzeugt, dass der Name ursprünglich gar nichts mit Gift zu tun hatte. Das irische Wort „neamh“ bedeutet „himmlisch“, während die irische Bezeichnung für Gift „neimhe“ lautet. Da sich die beiden Wörter so sehr ähneln, könnte es sich hier um einen einfachen Irrtum handeln und aus dem einstigen himmlischen Tal wurde die giftige Glen.

Doch es gibt auch jene, die lieber an die alte Legende glauben, nach der die Poisoned Glen tatsächlich ein Ort des Unheils war. In der irischen Mythologie spielte Balor of the Evil Eye, der Anführer der Fomori, eine große Rolle. Er war ein Riese mit einem einzigen, furchtbaren Auge, das Tod und Zerstörung brachte, wo immer es sich öffnete. Balor soll auf der nahegelegenen Insel Tory Island seine Festung gehabt haben. Als er sein Volk gegen die Tuathe Dé Danann in einen erbitterten Kampf führte, wurde es von seinem Enkel Lugh besiegt. Sein schreckliches Auge fiel aus seiner Höhle und blieb am Eingang der Glen liegen, von wo es das gesamte Tal vergiftete.

Es heißt, der Fels am Eingang des Tales, wäre das versteinerte Überbleibsel jenes verfluchten Blickes. Und wer dort steht, mit dem Wind im Gesicht und von der Einsamkeit eingehüllt, hat den Eindruck, dass diese Geschichte bis heute durch den Boden der Glen vibriert.

Poisoned Glen: Ein Ort zwischen Himmel und Erde

Wer sich die Zeit nimmt, dieses stille Tal zu durchwandern, der wird nicht mit den schönsten Ausblicken Irlands oder atemberaubenden Erlebnissen empfangen. Im Gegenteil, hier, wo die Straße endet und die Geschichten beginnen, wartet eine stille, fast andächtige Erfahrung, die es nur an Orten gibt, an denen Natur, Geschichte und Mythos verschmelzen. Die Poisoned Glen ist ein Gedicht aus Stein und Wind, ein Ort der Zwischentöne, des Schweigens und der Erinnerung.

Vielleicht war ihr Name tatsächlich ein Übersetzungsfehler, vielleicht aber auch eine unbewusste Wahrheit oder der Schauplatz einer Legende. Fest steht, wer einmal hier im Nebel des frühen Morgens steht und das Echo seiner eigenen Schritte hört, spürt, dass dieses Tal etwas in sich trägt, das nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint. Eine Schönheit, so stark, dass sie fast schmerzt, und ein Geheimnis, das sich nie ganz entschlüsseln lässt.

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Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit 2008 auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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