Mittelalterliche Pilgerwege in Irland: Pilgerreise zu sich selbst - ☘ gruene-insel.de
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Mittelalterliche Pilgerwege in Irland: Pilgerreise zu sich selbst

Pilgerwege in Irland
Written by Neil Saad

Irlands geistliche Geschichte ist eine der bedeutendsten der Welt, verknüpft mit bemerkenswerten Menschen. Von der ersten Mission des heiligen St. Patrick zu den Einsiedlermönchen auf Skellig Michael bis zu den talentierten Schaffern des prachtvollen Book of Kells. So brachten die Jahrhunderte auch eine Vielzahl Heiliger hervor, deren Wirken heute noch nachhallt. Dabei werden die Heiligen regelmäßig mit bestimmten Orten auf der Grünen Insel assoziiert. Hierzu zählen Orte ihrer Mission, bedeutende Stätten ihres Glaubens oder ihnen gewidmete Kirchbauten. Hierunter sind einige bereits seit dem frühen Mittelalter Pilgerstätten. Zu ihnen wandern Gläubige, oftmals auf der Suche nach sich selbst, nach Erlösung oder zur Stärkung ihres Glaubens. Nur wenige dieser mehrtägigen Pilgerwege in Irland sind heute noch erhalten. Doch sie bilden das Herz des Pilgerns in Irland und ziehen an bestimmten Tagen noch immer jährlich Tausende Pilger an. Von der Spitze des Croagh Patricks bis in die Moore der Wicklow Mountains. Von den Ufern des Lough Derg zum Top of the Rock in Cork – Wir blicken auf die neun wichtigsten Pilgerreisen in Irland.

Pilgerreise in Irland: Nicht nur für Gläubige

Eine Pilgerreise, nicht nur in Irland, gehört zu den ältesten Formen des bewussten Unterwegsseins. Sie entspringt dem menschlichen Bedürfnis nach Sinn, Heilung und spiritueller Orientierung. Deshalb begaben sich in vielen Kulturen und Religionen Menschen seit jeher zu Fuß auf den Weg zu heiligen Orten. Hierbei wurden körperliche Anstrengung und Verzicht als Teil einer inneren Reise verstanden. Das Gehen selbst wird dabei zum Ritual, die Reise zu einer Zeit der Stille, der Reflexion und der bewussten Distanz zum Alltag.

In Irland ist die Tradition des Pilgerns tief in Landschaft und Geschichte verwurzelt. Bereits in vorchristlicher Zeit galten Berge, Quellen und Pfade als heilige Orte. Mit der Ankunft des Christentums im 5. Jahrhundert wurden diese alten Bräuche weitergeführt und neu gedeutet. Hierbei prägten Heilige wie Patrick, Brigid oder Kevin ein Netzwerk von Pilgerwegen, das alte Klöster, heilige Quellen und Einsiedlereien auf abgelegenen Inseln verband. Diese mittelalterlichen Pilgerwege führen noch heute zu den Stätten der bedeutendsten Heiligen von Irland.

St. Kevin's Way Wicklow

Der St. Kevin’s Way startet in Hollywood im Westen von Wicklow (Foto: Neil Saad/ @myemeraldblog)

Die neun wichtigsten Pilgerwege in Irland

Ein Netzwerk von neun wichtigen Pilgerwegen verteilt sich über Irland. Die beschilderten, gepflegen Pilgerpfade lassen sich ganzjährig auf eigene Faust bestreiten. Alternativ finden auf ihnen jährlich organisierte Pilgerwanderungen statt. Zu diesen treffen sich Gläubige für das gemeinsame spirituelle Erlebnis. Diese Pilgerungen enden mit einem Gottesdienst und werden regelmäßig von einem kleinen Rahmenprogramm begleitet.

Hinzu kommt eine moderne Initiative, die sich nicht nur um den Erhalt der Pilgerwege kümmert, sondern auch in der Osterwoche die jährliche Pilgrim’s Path Week organisiert. Während dieser finden Gruppenwanderungen entlang der wichtigsten Pilgerwege statt. Ein ähnliches Event, die Irish Pilgrim Journey, wiederholt sich jedes Jahr im Sommer.

Doch auch für Nicht-Gläubige sind die Pilgerwege höchstinterresant. Denn vor allem sind sie mehrtägige Fernwanderwege. Sie entführen Wanderer in traumhafte Landschaften und zu besonderen Orten ohne christliche Voreinnahme. Verteilt über alle vier Himmelsrichtungen der Grünen Insel eigenen sie sich gut, um über einen mehrtägigen Zeitraum verschiedene Regionen intensiv kennenzulernen.

Tóchar Phádraig: Uralter Pilgerweg zu Irlands heiligem Berg

Der Tóchar Phádraig zählt zu den ältesten und eindrucksvollsten Pilgerwegen Irlands. Die rund 35 km lange Route führt von der traditionsreichen Ballintubber Abbey bis zum heiligen Berg Croagh Patrick, einem der wichtigsten Wallfahrtsorte des Landes und eng mit dem Wirken des heiligen St. Patrick verbunden.

Nach einer langen Phase des Verfalls wurde der Tóchar Phádraig in den 1980er-Jahren wiederentdeckt und neu markiert. Heute führt er durch ruhige Moor- und Weidelandschaften, vorbei an heiligen Quellen und frühchristlichen Stätten. Für moderne Pilger verbindet der Weg Naturerlebnis, Geschichte und Spiritualität – mit dem eindrucksvollen Croagh Patrick als Ziel und Höhepunkt.

Tóchar Phádraig PIlgerweg zum Croagh Patrick

Startpunkt des Pilgerwegs zum Croagh Patrick an der Ballintubber Abbey (Foto: Neil Saad/@myemeraldblog)

Pilgertradition in Donegal: Der Pilgerpfad am Lough Derg

Lough Derg in County Donegal zählt zu den ältesten christlichen Pilgerorten Europas. Seit über 1.500 Jahren pilgern Gläubige zur Holy Island und ihrer Klostersiedlung, umspült von den Gewässern des Sees. Jene war schon früh ein Zentrum intensiver Bußpraxis und zog im Mittelalter Pilger aus ganz Europa zu einer traditionellen dreitägige Wallfahrt an, die jährlich von Ende Mai bis August stattfindet.

Ergänzend dazu wurde der alte Lough Derg Pilgrim Path am Ufer des Sees wiederbelebt. Der rund 12 Kilometer lange Rundweg folgt historischen Pfaden und führt durch stille Landschaften zu alten Gebetsstätten. Lough Derg vereint asketische Tradition, Landschaft und lebendige Spiritualität in einzigartiger Weise.

Rundturm von Holy Island ohne Dach vor grauem Himmel

Zentrum von Holy Island im Lough Derg (Foto: ©Cathy Wheatley)

Pilgerwege in Irland: Der St. Brigid’s Way in Kildare

Zu Ehren der Heiligen Brigid von Kildare entstand der nach ihr benannte St. Brigid’s Way. Jener führt Pilger über 9 Etappen vom St. Brigid’s Well in Faughart im County Louth nach Kildare. Der Pilgerpfad folgt einer Route entlang verschieder Stationen, die Schritt für Schritt das Leben und Wirken der Nationalheiligen näherbringen. Zudem umgibt die Pilger die reichhaltige Landschaft der Ostküste Irlands, ergänzt mit verschiedenen weiteren Monumenten wie den Hill of Slane oder den Hill of Tara. All dies macht den St. Brigid’s Way nicht nur zu einem der vielschichtigsten Pilgerwege in Irland sondern zu einem kulturellen Ausflug durch die Geschichte und vorchristliche Mythologie Irlands.

Pilgern auf dem St. Kevin’s Way durch die Wicklow Mountains nach Glendalough

Der St. Kevin’s Way ist ein historischer Pilgerweg durch die Wicklow Mountains, der die rund 30 km von Hollywood bis zum alten Kloster von Glendalough verbindet. Er folgt der Route, die der Heilige Kevin im 6. Jahrhundert gegangen sein soll, als er in das abgelegene Tal zog, um dort als Einsiedler zu leben und später ein bedeutendes Kloster zu gründen.

Der Weg führt über abwechslungsreiche Heidelandschaften, Moore und Berge, ehe er dem Lauf des Glendasan River hinab ins Tal folgt. Teile der alten Pilgerstraße mit ihren historischen Steinplatten sind noch erkennbar, und entlang der Route können Wandernde die einmalige Landschaft und die spirituelle Ruhe genießen, die den Heiligen Kevin einst hierher verschlug.

Miner's Way Glendasan

Teil des St. Kevin’s Way: Altes Minengebäude im Glendasan. (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Der St. Declan’s Way: Der längste der Pilgerwege in Irland

Mit 115 Kilometern ist der St. Declan’s Way der längste der mittelalterlichen Pilgerwege in Irland. Er verbindet die alten religiösen Zentren von Ardmore in County Waterford und Cashel in County Tipperary miteinander. Dabei folgt er der Route, die der Heilige Declan im 5. Jahrhundert zurückgelegt haben soll, als er von seinem Kloster in Ardmore aufbrach, um St. Patrick in Cashel zu treffen. In der Folge pilgerten über 1.500 Jahre lang Gläubige die Strecke entlang zu des Heiligen Kloster und heiliger Quelle.

Jedoch geriet der Pilgerpfad über die Zeiten in Vergessenheit. Erst spät wurde er als beschilderte und ausgebaute Pilgerroute wiederbelebt. Heute führt die geschichtsträchtie Route durch abwechslungsreiche Landschaften. Vorbei an historischen Stätten wie den Rock of Cashel, durch grüne Tälern und über die Höhen der Knockmealdown Mountains nach Ardmore an der Küste von Waterford.

St. Finbarr’s Pilgrim Path: Pilgerpfad in West Cork

Pilger beginnen ihre spirituelle Reise auf dem St. Finbarr’s Pilgrim Path am Top of the Rock in Drimoleague im Westen von County Cork. Von dort führt der Pilgerweg über rund 35 km über die Berge und Täler uralter Landschaften. Ziel der Pilgerreise ist das Tal Gougane Barra. Hier lebte der heilige Finbarr im 6. Jahrhundert als Einsiedler. Diese außergewöhnliche Route wurde jahrhundertelang von Einheimischen begangen, geriet jedoch in Verfall.

Seit 2008 ist sie wieder vollständig geöffnet und durchgängig markiert worden. Die Strecke erfordert in der Regel zwei Tage und belohnt Pilger nicht nur geistig, sondern auch mit spektakulären Ausblicken über Bantry Bay und die West Cork-Küste.

Gougane Barra Nationalpark, Irlands Nationalparks

Gougane Barra Nationalpark, Co. (Irland), Fotograf: Chris Hill | Creating Agency: Tourism Ireland

Pilgerwege im Südwesten von Irland: Cnoc na dTobar in Cahersiveen

Der Cnoc na dTobar ist ein markanter Berg im etwa fünf km von Cahersiveen und dem Ring of Kerry entfernt., Dabei zählt er zu den bedeutenden heiligen Bergen Irlands. Bereits zu vorchristlichen Tagen war die Bergspitze ein Pilgerziel. Dabei fanden dort einst heidnische Versammlungen statt, etwa das Erntedankfest Lughnasa, begleitet von Feuer, Musik und Tanz.

Im Jahr 1885 ließ der örtliche Pfarrer Canon Brosnan entlang des alten Pfades 14 Kreuzwegstationen errichten. Heute folgt dieser Pilgerweg dieser Route von der heiligen Quelle des St. Fursey am Bergfuß bis zur beeindruckenden keltischen Kreuzformation auf dem Gipfel, wo sich ein atemberaubender Panoramablick zu den Skellig Islands, Süd-Kerr und die Dingle Bay eröffnet. Mit neun Kilometern ist der Cnoc na dTobar einer der kürzesten Pilgerwege in Irland. Allerdings gilt es auf kurzer Strecke die zahlreichen Höhenmeter entlang eines Trampelpfades zu bewältigen.

Pilgerstraße auf der Dingle-Halbinsel: Die Cosán na Naomh

Cosán na Naomh übersetzt sich als Heiligenstraße. Sie ist ein historischer Pilgerweg auf der Dingle‑Halbinsel im County Kerry von 18 km Länge. Sie beginnt am Strand von Ventry, westlich von Dingle Town und führt durch den Westteil der Halbinsel bis zum Fuß des majestätischen Mount Brandon. Hierbei reicht die Tradition des Pilgerweges weit in die Vergangenheit zurück. Schon vor der Christianisierung führten Menschen in dieser Landschaft rituelle Reisen durch, die später von der Kirche als christliche Pilgerroute aufgenommen wurden. Die Cosán na Naomh verläuft entlang fuchsiengesäumter Nebenstraßen durch eine hügelige Weidelandschaft. Unterwegs landen bedeutende historische Stätten wie das frühchristliche Gallarus Oratory sowie eine romanische Kirche und heilige Quellen zum Verweilen und Innehalten ein. Die Route endet heute in Ballybrack am Fuß von Mount Brandon. Von dort stiegen einst Pilger zur weiteren Buße und Gebet zum Gipfelkreuz auf.

Gallarus Oratory

Gallarus Oratory, Co. Kerry, Irland © Chris Hill Tourism Ireland

Der Dysert Pilgrim Path im County Clare

Mit lediglich acht Kilometern ist der Dysert Pilgrim Path izwischen Corofin und der Rath Church im County Clare der kürzeste der bedeutenden Pilgerwege in Irland. Nahe dem Burren gelegen, ist die mittelalterliche Ruine der St. Blathmac’s Church Ausgangspunkt der Pilgerreise. Vom Kirchenparkplatz aus führt der Pfad über alte Wege und moderne Nebenstraßen durch stille ländliche Landschaften und bedeutende historische Orte. Orte wie dem Rath Blathmaic, einem eisenzeitlichen Erdwerk, und der uralten Poll Ban Road, einer historischen Verbindung zwischen Ennis und den prähistorischen Siedlungen des Burren. Dazu liegen christliche Stätten wie heilige Quellen und mittelalterliche Friedhöfe auf der Route. Der Weg endet nahe der St. Tola’s Church mit ihren beeindruckenden keltischen Hochkreuz.

 

 

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Über den Autor

Neil Saad

Bereits seit 2009 bereiste ich Irland mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Im Herbst 2021 zog ich schließlich auf die Grüne Insel und lebe seit dem im Kingdom of Kerry. Besonders das Wandern in Irland hat es mir hier angetan und so erkunde ich zu Fuß die irischen Gebirge und Wanderwege. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, das Land immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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