Als Ogham-Steine bezeichnet man eine ganz spezielle Art der zahllosen Steinsäulen, Steinkreise und Steinreihen, die die Kelten in Irland hinterlassen haben. Falls du schon einmal auf der grünen Insel warst, ist es dir bestimmt aufgefallen: Die grünen Hügel sind derart übersät von auffallenden, aufrecht stehenden Steinen, als hätte ein Riese seine Hände mit solchen Steinen gefüllt und sie einfach wahllos über der Insel fallengelassen.
Hier ein Steinkreis, dort ein paar Steine neben- und übereinander, und noch ein wenig weiter ein einzelner, säulenartiger Felsklotz, in den eine Reihe von merkwürdigen Zeichen eingeritzt ist. Und genau Letzteres, die Steine mit den eingeritzten Zeichen, sind die sogenannten Ogham-Steine.
Was es mit der Ogham-Schrift auf sich hat, zu welchem Zweck diese Zeichen eingeritzt wurden und an welchen Orten ihr besonders große oder gut erhaltene Ogham-Steine findet, verraten wir euch hier.
Die Ogham-Schrift beziehungsweise das Ogham-Alphabet
Die Ogham-Schrift (auch Ogam-Schrift) ist die älteste Schriftform, die man in Irland findet. Vermutlich stammt sie aus dem 4. – 6. Jahrhundert nach Christus. Untersuchungen der Ogham-Steine und Schriften datieren diese jedenfalls auf die genannte Zeit, in den folgenden Jahrhunderten scheint die Schrift bis auf wenige heute erhaltene Beispiele verschwunden beziehungsweise nicht mehr benutzt worden zu sein. Während es viele Vermutungen und Thesen über die Entstehung beziehungsweise Herkunft der Schrift gibt, lässt sich bis heute keine davon auch wissenschaftlich nachweisen.
Von nahem betrachtet besteht die Ogham-Schrift aus feinen, eingeritzten Linien und Strichen, die sich auf den Kanten von frei stehenden Steinen finden. Die Linien und Striche bilden ein Alphabet bestehend aus 20 Buchstaben. Jeder Einzelne von ihnen wird dadurch bestimmt, ob er sich links oder rechts von der Kante befindet, sich über die Kante zieht, ob es lange oder kurze Striche sind. Gelesen werden die Zeichen von unten nach oben. Ein Beispiel für diese Schrift sowie Genaueres über ihre Herkunft findet ihr in diesem Artikel.
Die Bedeutung und Funktion der Inschriften auf Ogham-Steinen
Die meisten der Ogham-Inschriften Irlands sind in „urtümlichem Irisch“ gehalten. Dies ist die Sprachstufe vor „Altirisch“, zeitlich vor etwa 600 vor Christus. Einige wenige Ogham-Steine tragen auch zweisprachige Inschriften in Irisch und Latein, beispielsweise in Wales.
„Übersetzt“ bestehen die Inschriften größtenteils aus Namen. Diese Namen sind dabei immer im Genitiv angegeben, um den Bezug des Steines zu einer Person anzugeben: Der Stein des …. Manchmal sind den Namen auch weitere Kommentare beigefügt, wie beispielsweise Abt, Bischof oder Priester.
Hier ein konkretes Beispiel der Übersetzung einer Ogham-Inschrift: (Der Stein von) Coílub, Sohn von Corb, Sohn (Abkömmling des Stammes) der Ciarraige“. Der hier erwähnte Stamm der Ciarraige findet sich übrigens im Namen der Grafschaft Kerry wieder.
Anhand der Eigenschaft dieser Inschriften, stets einen Besitzer des Steines anzugeben, schließt man auch auf die damalige Funktion der Ogham-Steine: sie zeigten entweder den Besitzer des Landes an, auf dem der Stein stand, oder aber eine Grabstelle. Wahrscheinlicher ist die Annahme, dass es sich hier um Grab- oder Gedenksteine handelt.
Die schönsten Ogham-Steine Irlands Teil 1
Insgesamt finden sich in Irland etwa 4o0 Ogham-Steine, und zwar vorwiegend im Süden und Westen der irischen Republik. In Nordirland findet man tatsächlich nur sechs von ihnen. Wie oben erwähnt gibt es vereinzelte Steine aber auch in Wales, Schottland, Cornwall, Devon und auf der Isle of Man.
125 Ogham-Steine stehen heute im County Cork und 155 im County Kerry. Manche dieser Steine sind gegenwärtig in einer Ausstellung gesammelt, so zum Beispiel im University College Cork. Mit 28 Ogham-Steinen ist dies die größte Einzelsammlung an Ogham-Steinen in Irland. Sie bilden einen überdachten Steinkorridor auf dem Collegegelände. Ursprünglich standen die Steine zwar weit verstreut im offenen Gelände im Süden der Insel, werden durch diese Sammlung aber nun besser geschützt.
Eine kleinere Sammlung aus zwei der berühmten Steine bilden die Ogham-Steine von Ardmore. Man findet sie im County Waterford in den Ruinen einer Kirche – St. Declan’s Cathedral in Ardmore. Beide Steinsäulen stammen aus dem fünften Jahrhundert und sind deutlich über einen Meter hoch. Dabei ist es kein Zufall, dass man diese Steine sehr häufig nahe einer frühkirchlichen Ruine findet – was wiederum auf ihre Funktion als Grab- und Gedenksteine schließen lässt.
Eine Sammlung von acht Ogham-Steinen findet sich auch nahe der bekannten Gap of Dunloe im County Kerry. Sie wurden in der Nähe gefunden (einer davon in einer zerstörten Kirche, die übrigen in der Ausgrabung einer unterirdischen Anlage aus Steinen) und im 20. Jahrhundert in einer Einfriedung gesammelt. Der höchste Stein ist mehr als zwei Meter hoch, der kleinste nur etwa achtzig Zentimeter.
Die schönsten Ogham-Steine Irlands Teil 2
Tatsächlich besitzt die Grafschaft Kerry eine beachtliche Anzahl von Ogham-Steinen. Etwa 60 davon finden sich auf der flächenmäßig doch recht kleinen Halbinsel Dingle. Besonders sehenswert ist hier die Sammlung von Ballintaggart nahe Dingle-Stadt. Sie umfasst sieben kreisförmig angeordnete Steine und ein Exemplar in der Mitte.
Weitere Orte zur Besichtigung in Kerry sind außerdem in Ratass, Aghadoe und Derrynane Beg, um nur einige Orte zu nennen. Hier findest du weitere Orte und allgemein Wissenswertes über die berühmten Steine.
Der größte Ogham-Stein Irlands und damit weltweit steht auf der Beara-Halbinsel im County Cork. Er ist mehr als fünf Meter hoch und erinnert mit seiner schlanken Form an eine Nadel, die von einem kleinen Hügel aus die Coulagh-Bay überwacht. Der Stein selbst steht dort bereits seit der Bronzezeit und ist damit etwa 1000 Jahre älter als die Inschrift darauf.
Zu guter Letzt zeigt auch das Nationalmuseum in Dublin Ogham-Steine, und zwar in einer Ausstellung über Irland im frühen Mittelalter. Der hier ausgestellte Ogham-Stein ist eines der seltenen Exemplare, die zweisprachig beschriftet sind, nämlich zusätzlich in lateinischer Sprache. Außerdem hast du hier im Museum die Möglichkeit, selbst die Ogham-Schrift auszuprobieren und deinen eigenen „Ogham-Stein“ zu beschriften. Die Anleitung dazu findest du sogar online und zum Ausdrucken auf der Website des Museums.
Die Ogham-Schrift heute
Tatsächlich gilt die Ogham-Schrift bis heute als beeindruckender Bestandteil des keltischen Erbes und der irischen Kultur. Deshalb findet sie heute auch (wieder) mehr Beachtung. So verwendet beispielsweise die irische Schulstiftung Edmund Rice Schools Trust in ihrem Logo die entsprechenden Ogham-Zeichen für ihren Namen.
Auch auf Souvenirs wie Tragetaschen, Schmuck, Kleidungsstücken und weiteren Gebrauchsgegenständen finden die Ogham-Zeichen Verwendung als Symbol für die Liebe zur irischen Geschichte und Kultur.
In diesem Zusammenhang lohnt es sich also, sich selbst einmal vor Ort einen dieser berühmten Steine anzusehen und damit den Menschen nachzuspüren, die die Grüne Insel einst bewohnten…




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