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Irland im Mittelalter

Luke Ryan: Ein irischer Seeräuber

Written by Jessica Jirschik

Wenn man an wilde Seemänner und Überfälle auf irischem Boden denkt, hat man sofort die Wikinger im Kopf. Doch auch Piraterie spielte in Irland eine zeitlang eine tragende Rolle. Wir werfen heute einen Blick auf einen der gefürchtetsten Piraten Irlands: Luke Ryan.

Luke Ryan: Ein irischer Seeräuber

Die Piraterie in Irland hat eine faszinierende Geschichte. Im 17. und 18. Jahrhundert, einer Zeit, die von politischen Unruhen und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt war, erlebte Irland einen Anstieg piratischer Aktivitäten. Die Küsten Irlands boten mit ihren zahlreichen Buchten ideale Verstecke für Piratenschiffe. Wie so oft in der Geschichte war es die Not, anstelle von Gewaltbereitschaft, die viele Iren dazu zwang, ihren Lebensunterhalt als Freibeuter der Meere zu verdienen. Einer der bekanntesten irischen Piraten war Luke Ryan, der zu einem wichtigen Symbolen des Widerstands und der Unabhängigkeit wurde.

Piratenschiff segelt in den Sonnenuntergang

© pixabay.de

Luke Ryan gilt als eine der herausragendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der irischen Piraterie. Geboren in der Hochzeit der irischen Piraterie, im späten 17. Jahrhundert, wurde er zu einem gefürchteten Seeräuber, der die Gewässer rund um Irland und darüber hinaus unsicher machte. Ryan verkörperte das Bild des klassischen Piraten: mutig, strategisch und unerschrocken. Seine Taten und Abenteuer sind nicht nur Teil der irischen Folklore, sondern spiegeln auch die sozialen und politischen Umstände seiner Zeit wider. Als Anführer einer schlagkräftigen Crew und Meister der Seeschlachten erlangte er nicht nur Ruhm, sondern auch den Respekt und die Angst seiner Gegner.

Wer war Luke Ryan?

Pirate auf Schiff

© Sabina Kallari, Pexels.de

Luke Ryan wurde am 14. Februar 1750 in Rush in der Grafschaft Dublin geboren. Als Sohn eines einfachen Bauern besuchte er die Dorfschule in Hackettstown. Aufgrund der Armut der Familie begann Luke bereits im Alter von 12 Jahren die harte Arbeit in einer Werft in Skerries. Drei Jahre später ging er bei Edward King, einem Schiffbauer in Ringsend, in die Lehre. Dort knüpfte er wahrscheinlich erste Kontakte zu Schmugglern und lernte alles, was es für die Besatzung eines eigenen Schiffes zu wissen galt.

Während der großen Unruhen 1779 durch den Krieg Großbritanniens war Luke bereits Kapitän und Miteigentümer eines 120-Tonnen-Kutters, der Friendship. Zusammen mit Finanzier Jean Torris schmuggelte er Waren aus Dünkirchen. Im selben Jahr wurden die Behörden erstmals auf Lukes Schmuggler-Tätigkeiten aufmerksam und beschlagnahmten sein Schiff. Sie schleppten es nach Poolbeg in Dublin und verhafteten die an Bord befindlichen Personen. Luke war nicht unter ihnen und half sechs seiner Männer in der Nacht vom 11. auf den 12. April aus dem Black Dog Gaol in Dublin zu entkommen. Zusammen überwältigten sie die Wachen, brachten die Friendship wieder unter ihre Kontrolle und segelte nach Rush.

Vom Schmuggler zu einem der berühmtesten irischen Piraten

Lukes Geschäftspartner Torris half ihm finanziell, die Friendship in eine Schaluppe umzubauen, die fortan unter dem Namen Black Prince fuhr. Grund war die gewaltsame Rückeroberung des zuvor beschlagnahmten Schiffes, auf welche der Tod gestanden hätte. Der Umbau der Friendship gab Luke Deckung. Zudem war er mit sechzehn fest installierten Drei- oder Vierpfund-Kanonen und über dreißig Schwenkkanonen nun bis an die Zähne bewaffnet. Aus Angst vor der britischen Krone bemühte Luke Ryan sich um einen amerikanischen Auftrag und hatte in dem amerikanischen Gesandten Benjamin Franklin bald einen mächtigen Verbündeten. Dieser wollte die Kaperei fördern, misstraute allerdings irischen Schmugglern. Mit einer List gelang es Luke dennoch, das Geschäft seines Lebens zu machen. Er brachte den Bostoner Schiffskapitän Stephen Marchant dazu, für ihn zu arbeiten. Doch während Ryan in den Augen des “neuen Kapitäns” angeblich ein untergeordneter Offizier fungierte, zog er im Hintergrund weiter die Strippen und konnte dabei auf die starke Loyalität seiner 72 Mann Besatzung zählen.

Auf seiner ersten Kreuzfahrt eroberte der Black Prince acht Handelsschiffe vor Land’s End. Zu seinem ersten Ruhm kam er durch verschiedene Lösegeldverfahren. Um der britischen Marinepräsenz im Ärmelkanal zu entgehen, konzentrierte Luke sich auf die Schifffahrtswege vor Cornwall, Wales und Südirland. Bereits auf seiner vierten Kreuzfahrt eroberte er sein Kapitänsamt zurück und segelte über die Irische See nach Westschottland. Dort bombardierte Lukes Mannschaft die Bewohner von Argryll, um an neuen Proviant zu kommen.

Da er sich angewöhnte, unter britischer Flagge zu segeln, gelangen ihm zahlreiche Überraschungsangriffe auf neutrale Schiffe und Handelsschiffe, die kaum Widerstand leisteten. Als Luke erkrankte, übergab er das Kommando über die Black Prince an seinen Cousin und langjährigen Schiffskameraden Edward Macatter (McCatter, alias Wilde).

Luke Ryans Einfluss auf die irische Piraterie

In der Welt der Piraterie war Ryan nicht allein. Er formte strategische Allianzen mit anderen Piraten, die ihm halfen, seine Macht und seinen Einfluss auszubauen. Gleichzeitig hatte er auch zahlreiche Rivalen, die um die Kontrolle der Gewässer und der Handelsrouten kämpften. Diese Beziehungen – sowohl freundschaftlich als auch feindlich – prägten maßgeblich seine Entscheidungen und Strategien und trugen zur Dynamik der Piratenwelt bei, in der Loyalitäten oft flüchtig waren und sich schnell ändern konnten.

Im März 1780 nahm Luke seine Kapernfahrten mit der 150 Tonnen schweren Fearnot wieder auf. Das von Franklin in Auftrag gegebene Schiff war mit 18 Kanonen sowie zwölf Drehkanonen bewaffnet. Die 96-köpfige Besatzung bestand überwiegend aus Iren. Ryans Plündererkommandos gingen auf abgelegene, schutzlose Orten auf den Hebriden und im Westen Schottlands los.

Den großen Erfolg seiner Beutefahrten verdankte Luke seiner tiefen Kenntnis der britischen und irischen Küsten. Er wusste genau, welche Routen unter der irischen Krone standen und wo er gefahrlos plündern konnte. Obwohl Luke und seine Mannschaft kleinere Dörfer überfielen, wurde er in seiner Heimat als Kind der katholischen unterdrückten Mehrheit gefeiert. Dies kann auch an seiner Höflichkeit gegenüber jenen seiner Opfer liegen, die sich sofort ergaben.

Doch mit wachsendem Interesse der Öffentlichkeit bis hin zu ganzen Beiträgen in britischen Zeitungen, geriet Lukes Mildtäter Franklin unter Druck, der ihm schließlich die Aufträge entzog. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ryan bereits 114 Schiffe gekapert.

Kapitulation und Verurteilung

Nach verschiedenen franzözischen Aufträgen und weiteren Beutezügen segelte Luke als Kapitän der 400-Tonnen-schweren Calonne im Ärmelkanal. Mit 32 Kanonen und über 200 irischen Matrosen galt es als das beste Kaperschiff britischer Gewässer. Seine berüchtigten Erfolge brachten ihm die Wahl zum Bürger von Dünkirchen (Oktober 1780) und die Einbürgerung als französischer Untertan (Februar 1781) ein.

Ryans Erfolg endete erst am 17. April 1781 an Bord der Calonne als bei schlechtem Licht zwei britische Fregatten angriffen. 74 Kanonen zwangen ihn zur Kapitulation. Luke Ryan wurde im Edinburgh Castle eingesperrt und streng bewacht, ehe er nach London ins New Gaol gebracht wurde. Am 31. Oktober wurde er wegen Piraterie und Hochverrat angeklagt. Nachdem die Jury in einstimmig als schuldig befand, wurde Ryan zum Tod durch den Strang verurteilt. Seinem Kumpanen Macatter drohte dasselbe Schicksal.

irische Bucht

© Luke Myers

Beide Männer trugen ihr Schicksal mit stoischer Gelassenheit, während sie ihre Mitgefangenen von ihrem Freibeuter-Verdienst kleideten und – soweit es die Gefangenschaft zuließ – von dem Geld in Saus und Braus lebten. Gerüchten Zufolge sollte sich Marie Antoinette am Abend vor der Hinrichtung für die beiden Piraten eingesetzt haben. Es folgten Aufschübe und Verhandlungen bis die Piraten am 24. März 1783 unerwartet begnadigt wurden.

Ryan wurde ins King’s Bench-Gefängnis in Southwark verlegt, da gegen ihn ein Gerichtsurteil wegen unbezahlter Schulden vorlag. Schließlich beschlagnahmte und verkaufte die französische Regierung Torris’ Vermögen, sodass Ryan am 9. Februar 1784 freigelassen werden konnte. Berichten zufolge heiratete er und ließ sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Hampshire, England, nieder. Letztendlich starb der irische Freibeuter dennoch im Gefängnis, nachdem er am 25. Februar 1789 in Hampshire verhaftet worden war. Er hatte einem Arzt, der seine Kinder impfte nicht bezahlt.

Luke Ryan – Irlands Pirat zwischen Freiheit, Abenteuer und Widerstand

Luke Ryan hat im Laufe der Jahre in verschiedenen Formen der Popkultur Eingang gefunden. In der Literatur wird er häufig als archetypischer Pirat dargestellt – mutig, abenteuerlustig und zugleich moralisch ambivalent. Romane und Erzählungen, die sich mit der irischen Piraterie befassen, nutzen Ryans Figur, um die komplexen Themen von Freiheit, Widerstand und Identität zu beleuchten. Seine Abenteuer und der Einfluss, den er auf seine Zeitgenossen hatte, sind nicht nur faszinierende Geschichten, sondern auch Ausdruck eines tief verwurzelten Kampfgeists, der bis heute in der irischen Identität weiterlebt.

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Über den Autor

Jessica Jirschik

Wenn es wahr ist, dass wir schon einmal gelebt haben, dann war mein Zuhause definitiv Irland. Seit meiner Jugend zog mich ein undefinierbarer Sog auf die Grüne Insel, doch erst 2017 konnte ich meinen Traum, einer Irlandrundreise wahrmachen. Seitdem ist der Sog nur noch stärker geworden. Wenn es regnet, denke ich an Irland. Im Pub kann es für mich nur Guinness sein. Laute Musik, Geschichten und Gesseligkeit gehören für mich zum Glücklichsein. Im Herzen bin ich eine waschechte Irin.

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