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Lost Places in Irland: 8 verlassene Orte voller Geschichte und Mystik

Written by Cindy Jaecklin

Verlassene Burgen, überwucherte Klosterruinen, einsame Herrenhäuser und ganze Dörfer, die längst von der Natur zurückerobert wurden: Lost Places in Irland üben eine ganz besondere Faszination aus. Hinter bröckelnden Mauern und verwitterten Steinen verbergen sich Geschichten von mächtigen Clans, tragischen Schicksalen, Hungersnöten und vergangenen Zeiten, die bis heute nachwirken.

Anders als in vielen anderen Ländern sind Irlands Lost Places oft keine abgesperrten oder vergessenen Orte. Viele liegen eingebettet in spektakuläre Landschaften, entlang des Wild Atlantic Way oder inmitten sanfter grüner Hügel und lassen sich wunderbar in eine Rundreise integrieren. Manche sind weltberühmt, andere gelten noch als echte Geheimtipps. Gemeinsam haben sie jedoch eines: Sie erzählen Geschichten, die weit über das hinausgehen, was man auf den ersten Blick erkennt.

Lasst euch auf eine Reise zu den geheimnisvollsten Orten der Grünen Insel entführen – dorthin, wo Geschichte, Natur und Legenden auf einzigartige Weise miteinander verschmelzen.

1. Dunluce Castle, Co. Antrim

Dunluce Castle mit Meerblick

© Chris Hill, Tourism Ireland

Kaum ein Ort verkörpert die Faszination von Lost Places in Irland so eindrucksvoll wie Dunluce Castle. Hoch oben auf einer schmalen Basaltklippe an der nordirischen Küste trotzt die Burgruine seit Jahrhunderten Wind und Wetter. Umgeben vom tosenden Atlantik wirkt sie wie aus einer anderen Zeit. Kein Wunder, dass sie zu den meistfotografierten Burgen der Grünen Insel gehört.

Erbaut wurde Dunluce Castle vermutlich im 13. Jahrhundert von der Familie de Burgh. Später ging die Festung in den Besitz des mächtigen MacDonnell-Clans über, der sie zu einem der wichtigsten Herrschaftssitze Nordirlands ausbaute. Doch das Leben auf der Klippe war nicht ungefährlich. Einer berühmten Legende zufolge stürzte im 17. Jahrhundert während eines heftigen Sturms die gesamte Schlossküche ins Meer. Nur ein Küchenjunge soll das Unglück überlebt haben, weil er sich zufällig in einer Ecke des Raumes befand. Ob sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen hat, lässt sich heute nicht mehr nachweisen – zur mystischen Atmosphäre des Ortes trägt sie jedoch bis heute bei.

Nachdem die MacDonnells das Schloss verlassen hatten, verfiel Dunluce Castle langsam zur Ruine. Die Natur eroberte die alten Mauern zurück und machte den Ort zu einem der eindrucksvollsten Lost Places Irlands. Gleichzeitig blieb die Burg erstaunlich gut erhalten. Noch heute lassen sich Teile der Wohnräume, der Innenhöfe und der Verteidigungsanlagen erkunden. Von den Mauern aus eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf die zerklüftete Küste und den Atlantik.

  • Unser Tipp: Besucht Dunluce Castle möglichst am frühen Morgen oder in den Abendstunden. Dann ist das Licht besonders stimmungsvoll und die Burg wirkt noch geheimnisvoller.

2. Slievemore, Achill Island, Co. Mayo

slievemore

© Tourism Ireland

Mitten an den Hängen des Slievemore Mountain auf Achill Island liegt einer der bewegendsten Lost Places Irlands. Das Slievemore Deserted Village besteht aus den Überresten von fast 100 Steinhäusern, die sich wie eine Perlenkette über mehrere hundert Meter entlang des Berghangs ziehen. Wo heute nur noch Ruinen stehen, befand sich einst ein lebendiges Dorf mit Familien, Bauern und Fischern.

Die Geschichte des Dorfes reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Viele Bewohner lebten von einer Mischung aus Landwirtschaft und Fischfang – ein einfaches Leben, das stark von den rauen Bedingungen an der irischen Westküste geprägt war. Besonders während der Großen Hungersnot (1845–1852) verschlechterten sich die Lebensbedingungen dramatisch. Zahlreiche Familien wanderten aus oder zogen in küstennahe Dörfer, wo sie sich bessere Verdienstmöglichkeiten erhofften. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde Slievemore schließlich vollständig aufgegeben.

Heute führen schmale Wege zwischen den ehemaligen Wohnhäusern hindurch. Noch immer sind die Grundmauern, Türen und Fenster vieler Gebäude gut zu erkennen. Mit etwas Fantasie lässt sich erahnen, wie das Dorf einst ausgesehen haben muss. Anders als bei vielen Burgruinen stehen hier keine mächtigen Mauern oder Türme im Mittelpunkt, sondern die Spuren eines einfachen Alltags – genau das macht diesen Ort so eindrucksvoll.

Besonders an stillen Tagen liegt eine fast greifbare Ruhe über dem verlassenen Dorf. Im Hintergrund erhebt sich der Slievemore Mountain, während der Blick bis zur Keel Bay und dem Atlantik reicht. Die Kombination aus spektakulärer Landschaft und bewegender Geschichte macht das Slievemore Deserted Village zu einem der authentischsten Lost Places Irlands.

3. Duckett’s Grove, Co. Carlow

© Emma McArdle Photography, Tourism Ireland

Wer zum ersten Mal vor Duckett’s Grove steht, könnte meinen, direkt vor einem verwunschenen Schloss aus einem Fantasyfilm zu stehen. Türme, Spitzbögen, filigrane Fenster und mit Efeu bewachsene Mauern verleihen dem ehemaligen Herrenhaus eine ganz besondere Ausstrahlung. Trotz seines verfallenen Zustands zählt Duckett’s Grove zu den beeindruckendsten Lost Places Irlands.

Das Anwesen war einst der prächtige Familiensitz der wohlhabenden Familie Duckett, die über Jahrhunderte zu den bedeutendsten Grundbesitzern der Region gehörte. Im 19. Jahrhundert ließ William Duckett das Herrenhaus im neugotischen Stil umfassend ausbauen. Mit seinen zahlreichen Türmen und kunstvollen Verzierungen galt es damals als eines der eindrucksvollsten Herrenhäuser Irlands.

Nach dem Tod der letzten Familienmitglieder wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. Im Jahr 1933 zerstörte ein verheerender Brand große Teile des Gebäudes. Seitdem blieb das Herrenhaus unbewohnt und verfiel nach und nach. Während die Innenräume verloren gingen, blieben die imposanten Außenmauern erhalten und verleihen Duckett’s Grove bis heute seine unverwechselbare Silhouette.

Rund um die Ruine wurden die historischen Gartenanlagen in den vergangenen Jahren liebevoll restauriert. Zwischen Blumenbeeten, alten Bäumen und kleinen Spazierwegen eröffnet sich immer wieder ein neuer Blick auf das verwunschene Gebäude. Gerade dieser Kontrast zwischen gepflegten Gärten und der langsam von der Natur zurückeroberten Ruine macht den besonderen Reiz des Ortes aus.

Wie so viele historische Anwesen in Irland ranken sich auch um Duckett’s Grove zahlreiche Legenden. Besucher berichten immer wieder von ungewöhnlichen Geräuschen oder einer besonderen Atmosphäre nach Sonnenuntergang. Ob man an Geistergeschichten glaubt oder nicht, geheimnisvoll wirkt dieser Ort allemal.

4. Ballycarbery Castle, Co. Kerry

Ballycarbery Castle

JoachimKohlerBremen, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Nur wenige Kilometer von Cahersiveen und dem berühmten Ring of Kerry entfernt erhebt sich Ballycarbery Castle aus den grünen Wiesen der Iveragh Halbinsel. Obwohl die Burgruine vergleichsweise leicht zu erreichen ist, gehört sie noch immer zu den weniger bekannten Lost Places Irlands und begeistert vor allem Fotografen und Geschichtsliebhaber.

Die Burg wurde vermutlich im 16. Jahrhundert von den McCarthy Mór errichtet, einer der einflussreichsten gälischen Familien Irlands. Durch ihre strategische Lage bot sie einst einen weiten Blick über die Bucht und die umliegende Landschaft. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte Ballycarbery Castle mehrfach den Besitzer und wurde während kriegerischer Auseinandersetzungen schwer beschädigt. Danach verfiel die Anlage zunehmend und wurde schließlich aufgegeben.

Heute ragen die mächtigen Mauern, Fensteröffnungen und Teile der Ecktürme eindrucksvoll in den Himmel. Obwohl das Betreten der Ruine aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt ist, lässt sich Ballycarbery Castle hervorragend von außen bewundern. Besonders im Abendlicht, wenn die Sonne die alten Steinmauern in warme Farben taucht, entsteht eine fast märchenhafte Stimmung.

5. Clifden Castle, Co. Galway

Clifden Castle

© Failte Ireland

Versteckt zwischen grünen Hügeln und mit Blick auf die zerklüftete Küste Connemaras liegen die Überreste von Clifden Castle. Anders als viele mittelalterliche Burgen entstand dieses Schloss erst Anfang des 19. Jahrhunderts und war der prächtige Wohnsitz von John D’Arcy, dem Gründer der Stadt Clifden.

Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten musste die Familie das Anwesen jedoch verkaufen. In den folgenden Jahrzehnten wechselten die Besitzer mehrfach, bis das Schloss schließlich aufgegeben wurde. Wind, Regen und die salzhaltige Luft der Atlantikküste hinterließen ihre Spuren, sodass heute nur noch die eindrucksvollen Außenmauern erhalten sind.

Der Weg zur Ruine führt über einen etwa zwei Kilometer langen Fußweg durch Weideland und entlang der Küste. Schon der Spaziergang ist Teil des Erlebnisses. Mit jedem Schritt scheint die Hektik des Alltags ein Stück weiter in den Hintergrund zu rücken, bis sich schließlich die Silhouette des verlassenen Schlosses vor der rauen Landschaft Connemaras erhebt.

Gerade diese abgeschiedene Lage macht Clifden Castle zu einem ganz besonderen Lost Place. Hier gibt es kein Besucherzentrum, keine Souvenirgeschäfte und keine Menschenmassen – nur die Ruine, die Natur und das Gefühl, einen fast vergessenen Ort entdeckt zu haben.

  • Unser Tipp: Tragt festes Schuhwerk, da der Weg über Wiesen und unebenes Gelände führt. Verbindet den Besuch anschließend mit einer Fahrt über die berühmte Sky Road, die zu den schönsten Panoramastraßen Irlands zählt und spektakuläre Ausblicke auf die Küste Connemaras bietet

6. The Hell Fire Club, Co. Dublin

© Fáilte Ireland

Nur wenige Kilometer südlich von Dublin befindet sich einer der geheimnisvollsten Lost Places Irlands. Auf dem Gipfel des Montpellier Hill stehen die Ruinen des Hell Fire Club, eines ehemaligen Jagdhauses aus dem 18. Jahrhundert, um das sich bis heute unzählige Legenden ranken.

Der Name geht auf einen exklusiven Club wohlhabender Adliger zurück, die sich hier zu rauschenden Festen getroffen haben sollen. Schon bald entstanden Geschichten über Glücksspiel, okkulte Rituale und sogar Besuche des Teufels persönlich. Ob diese Erzählungen der Wahrheit entsprechen oder im Laufe der Jahre immer weiter ausgeschmückt wurden, lässt sich heute nicht mehr sagen. Sicher ist jedoch, dass der Hell Fire Club als einer der bekanntesten Spukorte Irlands gilt.

Mindestens ebenso beeindruckend wie die Legenden ist die Lage des Gebäudes. Vom Montpellier Hill bietet sich ein fantastischer Blick über Dublin, die Dublin Bay und die Wicklow Mountains. Der Aufstieg dauert je nach Route etwa 20 bis 30 Minuten und führt durch einen schönen Wald, der den geheimnisvollen Charakter des Ortes noch verstärkt.

7. Allihies Copper Mines, Co. Cork

© Chris Hill

An der wilden Beara Peninsula erzählen die Allihies Copper Mines von einem Kapitel der irischen Industriegeschichte, das heute fast vergessen ist. Im 19. Jahrhundert gehörte Allihies zu den bedeutendsten Kupferabbaugebieten Europas. Tausende Menschen arbeiteten in den Minen, und rund um den Ort entstand eine lebendige Bergbaugemeinde.

Mit dem Rückgang des Kupferabbaus verlor die Region jedoch zunehmend an Bedeutung. Die Minen wurden geschlossen, viele Bewohner wanderten aus und die Gebäude verfielen. Heute erinnern Fördertürme, Maschinenhäuser und alte Stollen an die einst geschäftige Vergangenheit.

Die Ruinen liegen eingebettet in eine spektakuläre Küstenlandschaft und bieten faszinierende Fotomotive. Gleichzeitig vermittelt der Ort eindrucksvoll, wie eng Wohlstand und Niedergang in der Geschichte vieler irischer Gemeinden miteinander verbunden waren.

  • Unser Tipp: Ein Besuch des nahegelegenen Allihies Copper Mine Museum ergänzt die Erkundung der Ruinen perfekt. Dort erfahrt ihr mehr über die Geschichte des Bergbaus und das Leben der Minenarbeiter.

8. Kilcrea Friary, Co. Cork

© Eileen Coffey, Fáilte Ireland

Versteckt in der sanften Hügellandschaft westlich von Cork City liegt Kilcrea Friary, eine der stimmungsvollsten Klosterruinen Irlands. Das Franziskanerkloster wurde im Jahr 1465 von Cormac Láidir MacCarthy gegründet und entwickelte sich schnell zu einem bedeutenden religiösen Zentrum im Süden der Insel. Über viele Jahrzehnte lebten hier Mönche, bis die Reformation und die Auflösung der Klöster schließlich auch Kilcrea erreichten.

Obwohl die Anlage seit Jahrhunderten verlassen ist, gehört sie zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Klosterruinen Irlands. Noch heute lassen sich der hohe Kirchturm, Teile des Kreuzgangs sowie zahlreiche steinerne Details bewundern. Besonders beeindruckend ist der historische Friedhof, auf dem sich kunstvoll verzierte Grabsteine aus verschiedenen Jahrhunderten befinden.

Eine besondere Bedeutung besitzt Kilcrea Friary auch deshalb, weil sich hier das Grab seines Gründers befindet. Cormac Láidir MacCarthy ließ sich im Chor der Kirche beisetzen – ein Ort, der bis heute Besucher anzieht und an die bewegte Geschichte der Region erinnert.

Anders als viele bekannte Sehenswürdigkeiten bleibt es in Kilcrea meist angenehm ruhig. Oft begegnet man hier nur wenigen anderen Besuchern und kann die besondere Atmosphäre ganz in Ruhe genießen. Zwischen den alten Steinmauern, dem moosbewachsenen Gemäuer und den uralten Bäumen entsteht schnell das Gefühl, an einem Ort zu sein, an dem die Zeit stehen geblieben ist.

Irlands Lost Places erzählen Geschichten, die man nicht vergisst

Verlassene Burgen, einsame Klöster, aufgegebene Dörfer und ehemalige Bergwerke: Lost Places in Irland sind weit mehr als nur beeindruckende Fotomotive. Jeder dieser Orte erzählt von Menschen, die hier gelebt, gearbeitet, gebetet oder gekämpft haben. Manche wurden durch Kriege zerstört, andere durch wirtschaftliche Veränderungen oder Auswanderung verlassen. Zurück geblieben sind steinerne Zeitzeugen, die bis heute einen faszinierenden Einblick in Irlands bewegte Geschichte geben.

Gerade ihre oft abgeschiedene Lage macht den besonderen Reiz dieser Orte aus. Zwischen rauen Klippen, grünen Hügeln und stillen Tälern entsteht eine Atmosphäre, die man nur schwer in Worte fassen kann. Wer Irland abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten erleben möchte, findet in diesen Lost Places eine spannende Mischung aus Geschichte, Mystik und spektakulärer Landschaft.

Nehmt euch Zeit für diese besonderen Orte, begegnet ihnen mit Respekt und lasst die Geschichten auf euch wirken. Oft sind es gerade diese stillen Plätze, an die man sich nach einer Reise durch Irland am längsten erinnert.

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Über den Autor

Cindy Jaecklin

Irland bedeutet für mich ein Stück Heimat. In meinem Lieblingsland fühle ich mich zwischen der herzlichen Art der Iren und ihrer lebensfrohen Natur zu Hause. Dabei entdecke ich auf meinen Reisen immer wieder unbekannte, traumhafte Orte, denn hinter jeder Kurve wartet eine neue fantastische Aussicht!
Wenn ich über Irland schreibe, möchte ich die Fröhlichkeit der Iren einfangen und mit genauso viel Begeisterung über ihre Heimat erzählen, wie sie es tun.

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