Die grüne Insel war seit jeher das Zuhause starker Rebellen. Auch der ein oder andere Adlige befand sich unter ihnen. So auch Hugh O’Neill: Der rebellische Hochkönig des neunjährigen Krieges zwischen Irland und der englischen Krone.
Inhaltsverzeichnis
Die Anfänge von Hugh O’Neill: Der rebellische Hochkönig
Hugh O’Neill wurde um das Jahr 1550 in Dungannon, in der Grafschaft Tyrone, geboren und stammte aus einer mächtigen irischen Familie. Bereits während O’Neills frühester Kindheit stand der irische Adel unter dem Druck der englischen Krone, was seinen Charakter deutlich geprägt haben dürfte. 1558 wurde sein Vater ermordet und Hugh wurde als Mündel der Krone in der Grafschaft Dublin aufgezogen. Mit Vollendung seines 17. Lebensjahres endete seine Vormundschaft und er kehrte nach Hause zurück, um den Titel seines Großvaters als Earl of Tyrone anzunehmen und erste Allianzen mit anderen irischen Clans zu schließen. 1593 baute er seine Machtposition aus, indem er mit der Regierung von Königin Elisabeth I. zusammenarbeitete. Im Anschluss löste er Turlough Luineach O’Neill als Häuptling der O’Neills ab.
Der neunjährige Krieg
1594 hatten die Iren das aggressive Vorgehen der englischen Krone unter Elizabeth I. lange genug ertragen. Die Spannungen zwischen den streng katholischen Iren und den protestantsichen Herrschern erreichten neue Ausmaße und drohte damit, sich in einer Explosion zu entladen. Was sie auch tat. Hugh O’Neill wurde zum wichtigsten Führer des irischen Widerstands gegen die englischen Eindringlinge. Er kämpfte für die Bewahrung der irischen Kultur und die Autonomie des Landes.
Schlacht von Clontibret (1595)
1595 begann eine der ersten bedeutenden Auseinandersetzungen des Neunjährigen Krieges, um die Kontrolle über die irischen Gebiete zu festigen. Dazu mobilisierte O’Neill seine Truppen gegen die englischen Streitkräfte unter dem Kommando von Sir Henry Bagenal. Rund 3000 Männer hatte Hugh auf heimischen Gelände unter sich, weshalb es ihm gelang, die feindlichen Truppen bei einem Hinterhalt zu überraschen. Dieser Sieg intensivierte O’Neills Einfluss im Norden und löste eine Welle des Widerstandes gegen die englische Krone aus.
Schlacht von Yellow Ford (1598)
Drei Jahre später fand die Schlacht von Yellow Ford statt. Der erfolgsgekrönte Hugh O’Neill war entschlossen, auch diese militärische Offensive zu gewinnen. Mittlerweile konnte er seine Streitmacht aus Kriegern und Verbündeten auf 6000 Mann verdoppeln, während die englischen Truppen unter Sir Henry Bagenal mit etwa 3.500 Soldaten unterlegen waren. Wieder nutzte O’Neill das vertraute Gelände seiner Heimat zu seinem Vorteil und wieder war es der Hinterhalt, der ihm den Sieg einbrachte. Spätestens von diesem Zeitpunkt an galt Hugh O’Neill als herausragender militärischer Führer. Zahlreiche weitere Clans schlossen sich seinem Widerstand an.
Hugh O’Neills militärische Fähigkeiten
Doch was war das Besondere an den Taktiken von Hugh O’Neill, das ihn von einem einfachen Rebellen zu einem erfolgreichen Anführer machte? Wir haben für Euch einen genaueren Blick auf seine Kampf-Strategien geworfen:
- Strategie vor Terror: O’Neill war ein heller Kopf, der mit seinem bemerkenswerten strategischen Denken vor dem Kampf das Terrain und seine Möglichkeiten sondierte. Er kannte lange vorher bereits die Stärken und Schwächen seiner Feinde und führte mit Vorliebe Überraschungsangriffe aus. Dafür nutzte er entscheidende Momente, während denen seine Truppen in einer überlegenen Position waren
- Diplomatie und Charisma: Nach dem Kampf ist vor dem Kampf und weil Krieg nicht nur auf dem Schlachtfeld ausgeführt wird, nutzte O’Neill sein Talent, wichtige Kontakte zu knüpfen und andere von seinen Ansichten zu überzeugen. Er schmiedete Allianzen mit anderen irischen Clans und brachte sogar ausländische Mächte auf seine Seite. Diese Fähigkeit, einen Funken in anderen zu entfachen, dürfte ihm auch auf dem Schlachtfeld bei seinen Truppen zu Gute gekommen sein.
- Kein Sturkopf: Starrsinnigkeit war O’Neill fremd. Er war anpassungsfähig und damit in der Lage, seine Taktikten an veränderte Situationen anpassen zu können. Damit gelang es ihm mehrfach, die englischen Truppen zu überlisten.
Hugh O’Neill muss ein mitreißender Zeitgenosse gewesen sein, der für mehr als die bloße Macht gekämpft hat. Wenn man sich seine Geschichte genauer ansieht, wird schnell klar, dass er für seine Werte und die Freiheit seines Landes gebrannt hat.

Tiefe Täler und Wälder im County Tyrone – perfekt für Überraschungsangriffe? © Rob Durston, Tourism Ireland
Der Wendepunkt im Leben des Rebellen Hugh O’Neill
Es dürfte klar sein, dass O’Neills Erfolge in den beiden Schlachten nicht zur Verbesserung seiner Beziehungen zur Krone beitrugen – im Gegenteil: es folgten drei Jahre ergebnisloser Verhandlungen zwischen beiden Seiten.
1598 kam es erneut zu großen Unruhen im Land und O’Neill suchte Unterstützung bei Papst Clemens VIII. Im September 1601 trafen 4000 spanische Soldaten in Kinsale ein, wurden jedoch von ihren Gegnern eingekesselt, die dieses mal im Vorteil waren. O’Neill, der sich natürlich nicht kampflos geschlagen gab, versuchte, die Belagerung zu durchbrechen, scheiterte jedoch bitter. Er leistete noch Jahre lang Widerstand, bis er nach dem Tod von Königin Elisabeth zur Kapitulation gezwungen wurde.
Ein Traum von Freiheit – Hugh O’Neills Vermächtnis
Noch im Exil versuchte O’Neill weiterhin alles, Verbündete für seine Sache zu gewinnen und gab seinen Traum von einem freien Irland bis zu seinem Tode nicht auf. Einen Wunsch, den – ganz im Geheimen – vielleicht noch heute der ein oder andere Ire sehnsüchtig träumt. Hugh O’Neill ist ein typisches Symbol der leidenschaftlichen Widerstandskraft der Iren, die Ihr heute bei einem Besuch in einem der zahlreichen Pubs nur erahnen könnt, wenn sie irische Balladen zum Besten geben.



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