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Irland im Mittelalter

Edward Bruce: Der letzte Hochkönig von Irland

Edward Bruce
Written by Monika Dockter

Edward Bruce, der letzte Hochkönig von Irland, regierte während der Jahre 1315 bis 1318 über die Grüne Insel. Tatsächlich war Edward jedoch Schotte, und zwar der jüngere Bruder von Robert Bruce, dem König Schottlands. Den kennt Ihr vermutlich aus dem Film über William Wallace, den schottischen Nationalhelden („Braveheart“), und er ist damit deutlich bekannter als sein ‚kleiner Bruder‘. Doch hier wollen wir euch einen kurzen Einblick in Edwards Leben geben, vor allem in seine Jahre als Hochkönig Irlands.

Herkunft und frühe Jahre von Edward Bruce

Wie gesagt entstammte Edward Bruce, Earl of Carrick, der schottischen Adelsfamilie Bruce, die sowohl im Süden Schottlands als auch in Nordengland viel Land besaß. Als Ende des 13. Jahrhunderts der schottische König starb, beanspruchte Edwards Großvater, ebenfalls ein Robert Bruce, den Thron. Vergeblich allerdings, denn ein anderer wurde Schottlands König. So standen sowohl Edwards Vater als auch er selbst auf englischer Seite, als es 1296 zum Krieg gegen Schottland kam.

Erst als sich im Februar 1306 sein Bruder Robert Bruce selbst zum König Schottlands erhob, indem er seinen englandtreuen Vorgänger ermordete, wechselte Edward die Seiten. Wie seine restlichen Brüder unterstützte auch er im Kampf den neuen schottischen König, eine offene Rebellion gegen den englischen König Eduard I.

Doch nur wenige Monate später wurde Roberts Heer von englischen Truppen geschlagen, er selbst floh vermutlich auf die Hebriden oder nach Irland und all‘ seine Brüder fielen im Kampf. Einzig Edward blieb übrig.

Edward Bruce als erfolgreicher Militärführer

Die Schlachten zwischen dem englischen und dem schottischen Heer tobten allerdings auch ohne Roberts Führung weiter; und nach dem Tod Eduard I. kehrte  Robert Bruce selbst ins Land zurück. Im Norden Schottlands kämpfte er erfolgreich weiter gegen die englische Oberherrschaft.

An seiner Seite kämpfte stets auch Edward, eroberte in den Jahren 1307 und 1308 mehrere schottische Burgen und Gebiete aus der Hand der Engländer. Im Jahr 1313, während die Kämpfe gegen England weiter andauerten, wurde Edward durch seinen Bruder zum 1. Earl of Carrick erhoben. Als solcher schlug er weiterhin zahlreiche Schlachten für Robert, unternahm beispielsweise im Jahr 1314 einen Raub- und Plünderungszug durch Northumberland im Norden Englands.

Während dieser Zeit verhandelte Edward bereits mit den Kleinkönigen von Ulster (Irland), um auch den Iren im Kampf gegen die Engländer beizustehen. Er versuchte die unterschiedlichen Herrscher und Könige gemeinsam um sich versammeln, um mit vereinten Kräften gegen den englischen Feind zu kämpfen. Nicht zuletzt war es aber auch seine Motivation, dort – wie sein großer Bruder in Schottland – sein eigenes Königreich zu begründen. So landete Edward Bruce im Mai 1315 samt seiner eigenen Streitmacht von etwa 6.000 Kämpfern in Carrickfergus im Norden Irlands.

Carrickfergus Castle

Das Carrickfergus Castle © Tourism Northern Ireland

Edward Bruce wird Hochkönig Irlands

Angeführt von O’Neill, dem König von Ulster, schlossen sich tatsächlich viele gälische Anführer und Kleinkönige seinem Heer an. Sie ernannten Edward Bruce zu ihrem irischen Hochkönig.

Der neue Hochkönig erhoffte sich, mit ihrer Hilfe und Kampfeskraft Dublin sowie andere englische Bollwerke in Irland aus der Hand der Engländer zu befreien. Von einem befreiten, gälischen Irland würde dann auch Schottland profitieren, da zahlreiche englische Angriffe auf Schottland von der nahen irischen Insel ausgingen.

Zu Edwards großem Nachteil fiel jedoch die sogenannte „Bruce-Invasion“ Irlands in die Zeit einer großen europäischen Hungersnot, unter der auch Irland stark zu leiden hatte. Manche Quellen sprechen in dem Zusammenhang sogar von Kannibalismus auf der grünen Insel. Jedenfalls wurde das irisch-schottische Heer mit seiner niedrigeren Zahl an Kriegern dadurch deutlich geschwächt.

Trotz allem aber schlug das Heer des irischen Hochkönigs bereits Ende Juni 1315 in der Schlacht von Dundalk eine anglo-irische Armee. Ebenso besiegte Edward Bruce bei Connor (im heutigen County Antrim) das feindliche Heer unter dem englischen Earl of Ulster.

Damit festigte er seine Stellung im Norden Irlands. Carrickfergus Castle jedoch, den Hauptsitz des englischen Königs im heutigen Nordirland, eroberte er erst etwa ein Jahr später, im August 1316. Vermutlich stand ihm dabei auch das Heer seines Bruders Robert zur Seite.

Der Angriff auf Dublin

Im Februar 1317 rückte Edward, wieder mit der Unterstützung des schottischen Königs Robert, gegen Dublin vor. Neben Carrickfergus Castle war nämlich auch Dublin ein unverzichtbarer Ort für die englische Verwaltung Irlands.

Bei Castleknock, in Sichtweite der Stadtmauern, schlugen die Brüder Bruce und ihr Heer ihr Lager auf. Bei diesem Anblick gerieten die Einwohner von Dublin in Panik. Sie brannten ihre eigenen Häuser in den Vororten nieder, und versuchten, die Stadtmauer zu verstärken. Zu diesem Zweck rissen sie sogar die Mauern eines dominikanischen Klosters nördlich der Liffey Bridge nieder und zerstörten die Brücke selbst.

Tatsächlich unternahmen Edward und Robert Bruce aber keinen Versuch, die Stadt zu erobern oder zu belagern. Ein Grund dafür könnte darin gelegen haben, dass sie wegen der obengenannten Hungersnot selbst über zu wenig Vorräte für eine lange Belagerung besaßen. So wandten sie Dublin bald wieder den Rücken zu und marschierten stattdessen weiter in Richtung Westen. Doch Hunger und Krankheit in diesem kalten Winter zwangen die Heerführer dazu, ihren Feldzug ganz zu beenden und sich wieder nach Norden zurückzuziehen.

Das Ende des irischen Hochkönigs Edward Bruce

Nach dieser Niederlage kehrte Edwards Bruder samt seinem Heer nach Schottland zurück und auch um Hochkönig Edward selbst herrschte eine Zeitlang Ruhe. Erst im Oktober 1318 startete er einen neuen Feldzug.

Dabei erhielt er jedoch kaum mehr Unterstützung von irischer Seite. Seine vormaligen Mitstreiter waren des Kampfes gegen die englische Übermacht müde. Auch die Plünderungen ihres Landes, mit denen Edward seine Feldzüge jeweils begleitete, wollten sie nicht länger ertragen.

Mit seinem derart dezimierten Heer stand Edward schließlich, wieder in der Nähe von Dundalk, einem übermächtigen englischen Heer gegenüber. Seine Anhänger rieten ihm, auf die Unterstützung durch Roberts Krieger zu warten, die bereits von Carrickfergus Castle aus unterwegs waren, doch Edward hörte nicht auf seine Ratgeber. Getrieben von dem Ehrgeiz, seine Königsherrschaft zu behaupten und seine Macht zu vergrößern, eröffnete er die Schlacht auch ohne Unterstützung.

So wurde seine Armee von den Engländern in die Flucht geschlagen, Hochkönig Edward selbst wurde am 14. Oktober getötet, seiner Leiche der Kopf abgeschlagen und dem englischen König Eduard II. als Zeichen des Sieges präsentiert.

Die Bruce-Invasion in Irland war zu Ende, als die Engländer im Dezember 1318 auch Carrickfergus Castle wieder für sich erobern konnten. Für weitere Jahre war die englische Herrschaft über die grüne Insel gesichert.

Edward Bruce Grab Irland

Edward Bruces letzte Ruhestätte auf dem Hill of Faughart The grave of Edward Bruce at the Hill of Faughart by Eric Jones, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Spuren von Hochkönig Edward im heutigen Irland

In der nordöstlichsten Provinz der irischen Republik, dem County Louth, findet man bis heute das Grab des einstigen irischen Hochkönigs. Es liegt auf dem Faughart Cemetery in dem gleichnamigen Ort. Weit bekannter ist der Faughart Hill allerdings als Ort für religiöse Pilger, liegt hier doch angeblich der Geburtsort der Heiligen Saint Brigid.

Auch Carrickfergus Castle ist bis heute erhalten. Die Stadt Carrickfergus liegt in Nordirland, am Ufer des Lough Belfast. Die Burg wurde im Jahr 1177 im normannischen Stil erbaut und liegt auf einer Felsspitze, umgeben von Ringmauern. Einst war sie auch zu drei Vierteln von Wasser umgeben, eventuell einer der Gründe, weshalb Hochkönig Edward so lange brauchte, um sie einzunehmen.

Falls ihr also gerne einen der Orte besuchen wollt, an dem Edward Bruce als Hochkönig von Irland einst wirkte, seid ihr bei einer Besichtigung von Carrickfergus Castle genau am richtigen Ort.

 

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Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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