Die Geschichte irischer Handwerkskunst - ☘ gruene-insel.de
Irland Geschichte

Die Geschichte irischer Handwerkskunst

Written by Monika Dockter

Irische Handwerkskunst oder Kunsthandwerk verbinden wir heute sehr oft mit den uralten Symbolen der Kelten. Vermutlich besitzt fast jeder Irland-Liebhaber ein Schmuckstück oder auch einen Gebrauchsgegenstand (wie beispielsweise eine handgetöpferte Tasse) mit einer Abbildung des Trinity Knot, des Tree of Life, der Triskele oder Ähnlichem. Es scheint also, als wäre die Geschichte der irischen Handwerkskunst sehr eng verwoben mit der Geschichte des ursprünglichen, keltisch geprägten Irland. Wie genau diese Zusammenhänge aussehen und wozu sich die irische Handwerkskunst bis heute entwickelt hat, das ergründen wir hier im Folgenden.

Irische Handwerkskunst von der Steinzeit bis zum frühen Mittelalter

Die älteste bekannte „urzeitliche“ Handwerkskunst in Irland ist die Megalithkunst. Dabei handelt es sich um Einritzungen bzw. Schnitzereien auf unbehauenem Stein, wie sie bis heute in Grabanlagen wie Newgrange zu sehen sind. Sie entstanden in der Jungsteinzeit (ab circa 4000 vor Christus) und bestehen aus bestimmten Mustern wie Spiralen, Zickzackmustern und kreisförmigen Ornamenten.

Eingangsstein Newgrange, keltische Symbole

Eingangsstein bei Newgrange © Brian Morrison, Tourism Ireland

Auch aus der folgenden Bronzezeit stammen etliche frühe Ausformungen von Kunsthandwerk. Darunter gibt es einige Holzschnitzereien, wie beispielsweise die Ralaghan-Figur. Man fand diese menschenähnliche Holzfigur aus der späten Bronzezeit in einem Moor im heutigen County Cavan. Sie ist aus Eibenholz gefertigt und etwas mehr als einen Meter lang. Der Grund, weshalb sie bis heute erhalten geblieben ist, liegt in ihrem Fundort – einem Moor, wo das Holz durch den Mangel an Sauerstoff konserviert wurde. Eine ganze Sammlung solcher uralter geschnitzter Moorfunde enthält heute das Nationalmuseum Dublin.

Noch bedeutsamer wurde in der Bronze- und der folgenden Eisenzeit jedoch die Metallverarbeitung, aus der sich die heutige Goldschmiedekunst entwickelte. Um etwa 600 vor Christus siedelten sich keltische Stämme auf der grünen Insel an und brachten sowohl die Bronze mit sich als auch das Handwerk, dieses Material zu verarbeiten. Aus Gold und Bronze wurden Schilde, Schmuck, Halsringe, Fibeln (Gewandnadeln bzw. Schließen) und dergleichen angefertigt. Schriftliche Aufzeichnungen gibt es darüber nicht, da die Kelten keine Schriftsprache kannten. Nur die im Laufe der Zeit geborgenen Artefakte erzählen heute davon. Oft wurden diese Gegenstände als Beigaben in Gräbern gefunden.

Hier nennen wir Euch einige Beispiele dafür.

Beispiele für die frühkeltische Metallkunst

Ein herausragendes Beispiel für diese sich entwickelnde Metallkunst ist die sogenannte Petrie Crown, eine bis heute erhaltene „gehörnte“ Kopfbedeckung. Sie besteht aus Bronzestücken, die mit Nieten verbunden und mit keltischen Symbolen wie Triskelen oder Spiralen sowie mit Perlen verziert sind. Ihre Herkunft wird auf 100 bis 200 Jahre nach Christus datiert.

fibel von tara irland

Die Fibel von Tara © Johnbod / CC BY-SA

Auch die Fibel von Tara gehört in diese Kategorie. Entstanden ist diese Gewandnadel vermutlich zwischen 650 und 750 nach Christus. Sie besteht aus vergoldetem Silber, Glas, Emaille und Bernstein und ist mit Tiermotiven sowie abstrakten Motiven verziert. Hier findest du nähere Informationen darüber, wie die Fibel gefunden wurde und zu ihrem Namen kam. Seit dem 19. Jahrhundert fertigte man unzählige Nachbildungen der Fibel von Tara, von denen selbst Queen Victoria eine erwarb.

Ebenfalls als Beispiel keltischer Metallkunst gilt der Ardagh-Kelch. Er besteht aus Silber und vergoldeter Bronze, verziert mit den typischen keltischen Mustern. Er stammt vermutlich aus dem 8. Jahrhundert nach Christus und wurde für die christliche Kommunion (Abendmahl) benutzt. An diesem Verwendungszweck des Kelches bemerken wir auch den Übergang aus der keltischen Blütezeit in die frühe Phase der Christianisierung der grünen Insel – historisch gesehen im Frühmittelalter.

Irische Handwerkskunst vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit

Im Gegensatz zu manch anderem Land verlief die Christianisierung in Irland weitgehend friedlich. Beginnend mit St. Patrick im 5. Jahrhundert begannen die Missionare, den christlichen Glauben in die vorhandene keltische Stammeskultur zu integrieren. Bereits gelebte Bräuche (wie das Fest Samhain) wurden in einen christlichen Zusammenhang umgedeutet, ebenso die uralten keltischen Symbole. So erklärte zum Beispiel St. Patrick die Dreieinigkeit Gottes anhand des keltischen Trinity Knot, und mit der Zeit verschmolzen die Symbole aus der früheren Kultur mit denen des Christentums.

Natürlich musste sich dies auch in der Handwerkskunst bemerkbar machen – siehe oben der Ardagh-Kelch. Dieser gehört im Übrigen zu den neun bedeutendsten Kunstgegenständen des Landes. In dieselbe Kategorie fällt auch das Cross of Cong aus dem frühen 12. Jahrhundert. Das fast achtzig Zentimeter hohe Prozessionskreuz ist mit Gold, Silber, Emaille und Bergkristall verziert. Vermutlich war es dazu gedacht, ein Stück des wahren Kreuzes in sich zu tragen, und war Eigentum eines irischen Hochkönigs.

Kells Hochkreuz und Rundturm

© Fáilte Ireland

Unter das Thema „Kreuze und Handwerk“ fallen auch die bekannten irischen Hochkreuze bzw. keltischen Kreuze. Mit ihren filigranen Motiven sind sie ein Paradebeispiel mittelalterlicher irischer Steinmetzkunst. Die ältesten Hochkreuze zeigen eher abstrakte, ornamentale Motive, während diejenigen ab dem 10. Jahrhundert vorwiegend biblische Szenen darstellen.

Selbstverständlich beschränkte sich die irische Handwerkskunst im Laufe der Jahrhunderte jedoch nicht nur auf sakrale Kunst oder auf Schmuck- und Goldschmiedearbeiten für die reiche Oberschicht. Im Gegenteil: In Form von Gebrauchsgegenständen für den Alltag hatte sie im Leben jeder Bevölkerungsschicht ihre Bedeutung.

Handwerkskunst und Gebrauchsgegenstände

Äxte, Sicheln, Spaten, Zuggeschirre, Hufeisen, Wetzsteine, Mahlsteine, Spinnräder und dergleichen mehr wurden seit der Bronzezeit angefertigt und von jedermann genutzt. Ebenso Gefäße aus Ton und deutlich später auch aus Glas für jeden Haushalt. Auch Trockensteinmauern, die für Landwirtschaft und Viehhaltung unerlässlich waren, gehören dazu. Ebenso Kleidung, die den Unbilden der Witterung auf der Grünen Insel angemessen war. Und damit sind wir auch bei den heute noch für Irland typischen Handwerkskünsten angelangt.

Das Textilhandwerk beispielsweise: Hierzu gehört alles, was mit der Verarbeitung der auf der Insel gewonnenen Wolle zu tun hat. Webereien für hochwertige Woll-, Leinen- und Tweedstoffe. Eine der ältesten irischen Wollspinnereien, gelegen in den Wicklow Mountains, verarbeitet diese Materialien seit Jahrhunderten zu hochwertigen bunten Wolldecken, Schals und ähnlichen Produkten. Hauptsächlich im rauen County Donegal werden die robusten und dennoch eleganten Tweedstoffe gewebt. Alles entstanden aus der Notwendigkeit, sich gegen die unfreundliche Witterung zu schützen.

Ähnlich verhält es sich mit Strickwaren. Aranpullover bestehen aus roher, wasserabweisender Wolle und wurden ursprünglich für die Fischer der sturmumtosten westlichen Aran-Inseln gefertigt. Ihre kunstvollen Muster haben jeweils eine spezielle Bedeutung. Das Flecht- bzw. Korbmuster beispielsweise soll an den Fang der Fischer erinnern. Es steht für geflochtene Körbe, bepackt mit dem Fang des Tages, und segnet symbolisch den Träger des Pullovers mit Überfluss und einem erfolgreichen Leben.

Gebrauchsgegenstände aus Keramik und Glas

© Belleek Pottery Visitor Centre Experience

Auch das irische Keramik- und Glashandwerk blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück. Keramik- bzw. Tongefäße – also Gefäße aus dem Alltag des Verstorbenen – waren beliebte Grabbeigaben. Die Kelten verzierten ihre Keramikgefäße für Lebensmittel mit eingeritzten und geschnitzten Mustern von spiritueller Bedeutung – etwas, das heute im Kunsthandwerk sehr gerne wieder aufgegriffen wird.

Das Glashandwerk besteht grundsätzlich aus zwei Komponenten: der (meist keltisch inspirierten) Glasmalerei, die im 20. Jahrhundert wieder sehr beliebt wurde, und der Glasherstellung an sich. Seit 1783 wird in Waterford feines Kristallglas hergestellt. Heute sind auch mundgeblasene Vasen und Skulpturen mit irischen und farbenfrohen Motiven beliebt.

Der Bau von Trockensteinmauern

Zugegeben: Trockensteinmauern sind nicht unbedingt das Erste, woran man bei dem Begriff „Irische Handwerkskunst“ denkt. Ein Handwerk ist dieser Bau dennoch im wahrsten Sinne des Wortes – und sehr tief im irischen Boden sowie in der landwirtschaftlichen Kultur verwurzelt. Aus diesem Grund werden wir diesem traditionellen Handwerk demnächst einen eigenen Beitrag widmen.

Irische Handwerkskunst von der Grünen Insel zu euch nach Hause

Irische Handwerkskunst ist weit mehr als nur ein schönes Souvenir – sie erzählt Geschichten von jahrtausendealter Tradition, kulturellem Erbe und der engen Verbindung der Menschen mit ihrer Insel. Ob kunstvoll gestrickte Aranpullover, handgefertigte Keramik oder Schmuck mit keltischen Symbolen: In jedem Stück steckt ein Stück Irland.

Wenn Ihr Euch ein Stück dieser besonderen Handwerkskunst nach Hause holen möchtet, entdeckt in unserem Shop liebevoll ausgewählte irische Produkte – von traditionellem Schmuck über hochwertige Wollwaren bis hin zu besonderen Geschenkideen von der Grünen Insel.

Unsere Mietwagen-Angebote

Mit unseren Irland Mietwagen reist du flexibel und sorgenfrei – ohne versteckte Kosten und mit echtem Rundum-Sorglos-Paket:

- Keine Selbstbeteiligung

- unbegrenzte Kilometer

- kostenloser Zweitfahrer

- Buchung ab 21 Jahren

→ Starte jetzt dein Irland-Abenteuer!

Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

Kommentar hinterlassen

Persönliche
Reise-Beratung?

Ihre Irland Experten seit 25 Jahren