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Das Rothe House: Ein Blick in Kilkennys Vergangenheit

Rothe House Kilkenny
Written by Jessica Jirschik

Im lebendigen Kilkenny erhebt sich mit dem Rothe House ein eindrucksvolles Anwesen im Tudorstil, das bis heute faszinierende Einblicke in das Leben der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Rothe ermöglicht. Als einzig erhaltenes Kaufmannshaus dieser Epoche in Irland zählt das heutige Rothe House Museum in Kilkenny zu den wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt. In diesem Artikel erfahrt Ihr alles Wissenswerte über das Rothe House und begebt Euch auf eine Reise in die bewegte Vergangenheit Kilkennys.

Geschichte des Rothe House: Ein Blick in Kilkennys Vergangenheit

Das graue Steingebäude des Rothe House in Kilkenny wurde vermutlich im 12. Jahrhundert errichtet. Es besteht aus drei durch Innenhöfe miteinander verbundene Häuser. Highlight ist der restaurierte Garten aus dem 17. Jahrhundert mit der alten Zisterne sowie Kräuter- und Gemüsebeeten. Im Laufe der Geschichte hat das Rothe House nicht nur häufig den Besitzer, sondern auch die Art seiner Nutzung gewechselt.

13. Jahrhundert: Das Stadthaus des Abtes

Im frühen 13. Jahrhundert war das Rothe Haus eines der Grundstücke, mit denen William Marshall einen bleibenden Eindruck auf die Stadtentwicklung Kilkennys hinterließ. Der anglonormannische Ritter und Staatsmann schuf entlang der High Street Bürgerparzellen, die sogenannten burgage plots. Diese Grundstücke grenzten an die Stadtmauer sowie die heutige St. Kieran Street und den Fluss Nore. Die clevere Anordnung ermöglichte es den Bürgern, Wohn- und Geschäftsfläche auf einem Grundstück zu haben, was den regionalen Handel erleichterte und beflügelte.

Auch das Grundstück, auf welchem heute das Museum des Rothe House steht, gehörte zu diesen Parzellen. Damals war es im Besitz der Zisterziensermönchen der Duiske Abbey und diente als Stadthaus des Abtes.

Archäologische Ausgrabungen offenbarten Einblicke in das Lebensumfeld der damaligen Zeit. Unter anderem fand man eine über 700 Jahre alte Abfallgrube , die faszinierende Funde wie Schwanenknochen, französische Weinflaschen und eine Gürtelschnalle enthielt. Als es im 16. Jahrhundert zur Klosterauflösung kam, fiel das Haus des Abtes in den Besitz der Earls von Ormonde, die im beeindruckenden Kilkenny Castle residierten. Einer von ihnen war James Butler, der 3. Earl von Ormond, der Kilkenny Castle 1391  zum Hauptwohnsitz der Butler-Dynastie machte.

Rothe House

© Dylan Vaughan Photography, Fáilte Ireland

16. und 17. Jahrhundert: Die Kaufmannsfamilie Rothe

Eines der heutigen Häuser des Rothe House Komplexes stammen vom wohlhabenden Kaufmann John Rothe, der dies 1594 als Wohn- und Geschäftsgebäude für sich und seine Familie erreichten ließ. Als einer der politisch einflussreichsten Bürger der Stadt genoss der ehemalige Bürgermeister zwischen 1440 und 1544 ein hohes Ansehen und tiefgreifenden Einfluss in die Lokalpolitik. Vor dem Umzug lebte die Familie im Haus von Rothes Frau Rose Archer, nach dessen Vorbild er das neue Kaufmannshaus erbaute, das im Zuge eines Museumsbesuchs noch heute besichtigt werden kann. Die charakteristische Konstruktion von drei hintereinanderliegenden Häusern war typisch für die Verbindung zwischen Wohn- und Geschäftsräumen der damaligen Zeit.

Im Jahr 1604 ließ Rothe das zweite Haus erbauen, das mit einem Brunnenhaus verbunden war. Der dritte und letzte Nachfolger wurde 1610 errichtet und beherbergte die Küche, deren riesiger Kamin noch heute bestaunt werden kann. Die genaue Dokumentation geht auf eine steinerne Wappentafel zurück. Hinter dem dritten Haus befindet sich ein 1601 angelegter Garten für den Anbau von Obst des täglichen Bedarfs.

Politische Umbrüche und das Ende der Rothe-Familie im Rothe House

Als John Rothe 1620 starb, hinterließ er ein umfangreiches Testament, das Einblick in die Habseligkeiten seiner Familie gibt. Sein Leichnam wurde in der ehemaligen Marienkirche beigesetzt. Heute befindet sich an ihrer Stelle das Medieval Mile Museum. Rothe House hinterließ er seinem Sohn Peter, der das Geschäft seines Vaters fortführte.

Weil Peter Rothe mit der englischen Krone sympathisierte, wurde die Familie während der Eroberung Irlands durch Oliver Cromwell vertrieben und der Bischof von Ossory, David Rothe, übernahm das Familienerbe. Nach Peters Tod in Galway kehrte seine Schwester mit ihrer Familie ins Rothe House zurück, wurde aber in den 1690er Jahren abermals von protestantischen Wilhelmiten vertrieben. Wieder fiel der Besitz an die Earls von Ormonde.

18. bis 21. Jahrhundert: Vom Unterricht bis zum Osteraufstand

Das Rothe House erlebte im 18. Jahrhundert eine neue Blütezeit als Schule unter der Leitung von George Buchanan. Zu den berühmtesten Schülern dieser Institution zählten die Brüder Michael und John Banim, die später als bedeutende Schriftsteller in die irische Literaturgeschichte eingingen. Es gibt keine Quellen, die genau belegen, wie lange das Gebäude als Schule genutzt wurde, gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es jedenfalls stark verfallen. Es erlebte erst wieder einen Aufschwung als der Kaufmann Timothy O’Hanrahan es erwarb. Einen der Räume des zweiten Hauses vermietete er an die Gaelic League, die dort Irischunterricht gab und Tanzveranstaltungen mit traditioneller irischer Musik organisierte. Einer der Lehrer war Thomas MacDonagh, späterer einer der Anführer des Osteraufstandes. Im dritten Hof befand sich zudem eine Schmiede, in welcher der Schlüssel erschaffen wurde, mit dem es Éamon de Valera gelang, aus dem Gefängnis zu fliehen.

1961 ging der Besitz des Rothe Hous an die Kilkenny Archaeological Society (KAS) und den Fleischer Mr. Brennan über, die ein Jahr später das heutige Museum daraus machten, welches die Geschichte der Stadt und das Leben der Kaufmanns-Familie Rothe anschaulich darstellt. Großzügige Spender sowie Fördermittel ermöglichten eine umfassende Restaurierung aller drei Gebäude.

Rothe House Museum and Gardens

Ausnahmslos alle Ausstellungsstücke des heutigen Museums sind Spenden der Mitglieder. Darunter zählen ehemaliges Mobiliar der Familie Rothe, Geschirr und Kleidung bis hin zu Mahlsteinen. Das erste Haus beherbergt seit 2021 einen Geschenkeladen und die beeindruckende “Long Hall”, wo sich drei Kamine aus original Kilkenny Marmor befinden. Eine gewundene Treppe führt hinauf zum Dachstuhl aus irischer Eiche. Im zweiten Haus findet Ihr die Rezeption und Teile der ersten in Kilkenny erbauten Flugmaschine. Das dritte Haus beherbergt Vitrinen voller Artefakte, die bis in die Steinzeit zurückreichen sowie die sogenannte Tudorküche. Im Garten finden gelegentlich Vorträge und Theateraufführungen statt.

Ein Besuch im Rothe House Museum

Je nach Lust und Laune könnt Ihr das Museum entweder auf eigene Faust oder mittels einer geführten Tour erkunden. Wir empfehlen Letzteres – die erfahrenen Guides können Euch wie niemand sonst tiefe Einblicke in das damalige Leben der Kaufmanns-Familie geben. Im Folgenden findet Ihr die Ticketpreise, welche Ihr auch auf der öffentlichen Website des Rothe House Museums einsehen könnt:

  • Erwachsene: 9,50 €
  • Ermäßigte: 8,50 €
  • Kinder ab 7 Jahren: 5,00 €
  • Familien: 25,27 €

Die Ticketpreise für eine geführte Tour sind etwas teurer, dafür erhaltet Ihr viele spannende Einblicke in die Geschichte des Anwesens. Informiert Euch vorab auf der Website und bucht am besten Online, um Wartezeiten an der Rezeption zu vermeiden. Die Öffnungszeiten sind das ganze Jahr von 10 bis 18 Uhr. 17 Uhr findet der letzte Einlass statt.

Fazit: Geschichte hautnah erleben im Rothe House Kilkenny

Das Rothe House begeistert mit seinen drei historischen Gebäuden und den miteinander verbundenen Innenhöfen als eindrucksvolles Museum mitten in Kilkenny. Ein Besuch ermöglicht eine anschauliche Reise in vergangene Jahrhunderte, während die liebevoll angelegten Gärten mit ihren Enten zum Verweilen einladen und sowohl für Erwachsene als auch für Kinder ein echtes Highlight sind.

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Über den Autor

Jessica Jirschik

Wenn es wahr ist, dass wir schon einmal gelebt haben, dann war mein Zuhause definitiv Irland. Seit meiner Jugend zog mich ein undefinierbarer Sog auf die Grüne Insel, doch erst 2017 konnte ich meinen Traum, einer Irlandrundreise wahrmachen. Seitdem ist der Sog nur noch stärker geworden. Wenn es regnet, denke ich an Irland. Im Pub kann es für mich nur Guinness sein. Laute Musik, Geschichten und Gesseligkeit gehören für mich zum Glücklichsein. Im Herzen bin ich eine waschechte Irin.

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