Folgt dem Echo längst verklungener Schritte. Wollt Ihr das Charles Fort entdecken, stoßt Ihr auf ein unauslöschliches Kapitel Militärgeschichte über dem Hafen von Kinsale. Erlebt die wilde Romantik zwischen den massiven Mauern der besterhaltenen sternförmigen Küstenfestung in ganz Europa!
Inhaltsverzeichnis
Die Geburtsstunde einer Festung: Warum Charles Fort gebaut wurde
Charles Fort wurde zwischen 1678 und 1681 zum Schutz des wichtigen Hafens in Kinsale erbaut. Herausragend war die strategisch günstige Lage direkt am Meer, hoch gelegen auf einer Klippe. Im 17 Jahrhundert war dieses Bauprojekt das Größte des Landes. Nach seiner Fertigstellung kontrollierte Charles Fort die Zufahrt nach Kinsale vom Meer aus
Die Entstehung von Charles Fort
Nachdem 1677 der Earl of Orrery mit der Verteidigung Munsters beauftragt wurde, beschloss er den Bau eines neuen Forts zur Kontrolle der Ostseite des Hafens von Kinsale. Charles Fort wurde an der Stelle der Ruinen einer früheren Festung Barry Óg Castle errichtet und nach König Charles II benannt. Mit seinen sternförmigen Elementen war es speziell darauf ausgelegt, Kanonenangriffen standzuhalten. Charles Fort war zu seiner Zeit eine der größten Militäranlagen Irlands.
Im 17 Jahrhundert half die Errichtung des ersten Leuchtturmes dabei, das Fort und den Felsen, auf dem es thronte, vom Meer aus sichtbar zu machen, ehe im 18. Und 19. Jahrhundert der Ausbau der Verteidigungsanlagen folgte.
Charles Fort und seine Architektur der Macht
Charles Fort ist ein herausragendes Beispiel für eine fünfeckige Bastionsanlage, von der jede ihren eigenen Namen bekommen hat: Kinsale (auch bekannt als „Teufelsbastion“), Charles, Cockpit, Flaggenmast und Nordbastion. Hervorzuheben ist die besonders massive Konstruktion der seewärts gerichteten Bastionen zur Verteidigung gegen Seeangriffe. Die landseitigen Bastionen dagegen waren weitgehend ungeschützt, was sich in der Geschichte von Charles Fort als fataler Fehler herausstellte.
Architekt von Charles Fort war niemand geringeres als William Robinson, der auch das Royal Hospital in Kilmainham konstruierte. Die Geometrie des Bastionärsystems war in der damaligen Zeit hochmodern und einzigartig, setzte der Architekt hier statt auf anfällige hohe Türme auf eine flache, sternförmige Struktur, um weniger Angriffsfläche für ein Kanonenfeuer zu bieten. Währenddessen ermöglichten es die fünf Bastionen, Angreifer im Kreuzfeuer zu halten und gaben eine gute Sicht auf das umliegende Gelände frei.
Was ist der Unterschied zwischen Charles Fort und James Fort?
Charles Fort wird häufig als „neues Fort“ bezeichnet, da es lange nach dem im Jahr 1602 erbauten James Fort gebaut wurde, welches sich auf der gegenüberliegenden Hafenseite befindet. Charles Fort sollte sicherstellen, dass der strategische wichtige Hafen von Kinsale, nach dem Sieg der Engländer 1601, kein zweites Mal Opfer einer ausländischen Invasion würde.
Heute liegt der größte Unterschied der beiden Forts in der Beschaffenheit. Während Charles Fort sehr gut erhalten ist, liegt James Fort weitgehend in Ruinen und ist mit Gras bewachsen, weshalb hier auch keine geführten Besichtigungstouren für Touristen angeboten werden.
Charles Fort: Belagerungen und Schlachten
Der Militäringenieur Thomas Phillips war beeindruckt von der Qualität und den massiven Mauern des Forts, sah jedoch auch seine Schwachstellen. Er wies auf die gefährlich erhöhte Lage und geringe Verteidigungsmöglichkeiten der Landseite hin und wurde 1690 in seinen Befürchtungen bestätigt: es kam zu einer Belagerung von Charles Fort.
Der Fall von Charles Fort
Ein Jahr zuvor kam König Jakob II. mit seinem Heer nach Kinsale, um den englischen Thron zurückzuerobern, den er 1688 verloren hatte. Grund war die Befürchtung des Parlaments eines erneuten blutigen Bürgerkriegs aufgrund seiner streng katholischen Ambitionen. Wilhelm von Oranien, Statthalter der Niederlande und überzeugter Protestant, wurde an Jakobs Stelle der neue König.
Das konnte der Abgesetzte nicht auf sich sitzen lassen. Von Kinsale aus marschierte er mit seinen Soldaten gen Norden, wo er im Jahr 1690 in der berühmten Schlacht am Boyne auf Wilhelms Truppen traf. Doch wieder musste Jakob sich geschlagen geben. Gedemütigt floh er aus Irland, doch der Krieg tobte weiter.
Unterdessen rückten Wilhelms Truppen nach Süden vor, um Kinsale unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Truppen auf Charles Fort hielten noch immer geschlossen zu Jakob und verteidigten die Festung mit allen Mitteln während der 13-tägigen Belagerung Wilhelms. Dieser war aufgrund der erhöhten Lage des Forts im Vorteil und nahm die Mauern der Festung fünf Tage unter Beschuss, bis es ihm gelang, eine Bresche in die Festung zu schlagen. Den Verteidigern von Charles Fort blieb nichts anderes übrig als zu kapitulieren.
Der Fall von Charles Fort markierte einen Wendepunkt in Kinsale – die Festung galt längst nicht mehr als uneinnehmbar und so verlor der Hafen seine Bedeutung. An seine Stelle trat der Hafen von Cork.
Die Anlage von Charles Fort blieb bis 1921, ehe die Truppen nach der Gründung des Irischen Freistaates endlich abrückten. Doch das nützte der Festung wenig: sie wurde von den Gegnern des Anglo-Irischen Vertrages 1922 niedergebrannt.
Ihre Überreste sind seit 1973 Nationaldenkmal, das vom Office of Public Works (OPW) instandgehalten wird.
Praktische Tipps für Euren Besuch in Charles Fort
Besucher werden als Erstes bei ihrer Ankunft von der Weitläufigkeit und Atmosphäre der Anlage überrascht. Ein dichtes Geflecht von Gebäuden zieht sich entlang der Schutzmauern den Hang hinunter Richtung Meer. Viele davon können besichtigt werden. Ein Traum für kleine und große Entdecker.
Fast 100.000 Besucher kommen jedes Jahr nach Kinsale, um den unvergleichlichen Blick über das angrenzende Gebiet von Charles Fort aus zu genießen.
- Tipp: Zieht Euch festes Schuhwerk an, denn mit einer Fläche von insgesamt 12 Hektar innerhalb der Mauern sowie weiteren 8 Hektar außerhalb, habt Ihr einiges zu Laufen. Hinzukommt der traumhafte Wanderweg „Charles Fort Walk“, der zur Landzunge von Preghane führt.
Der Scilly Walk: Der schönste Weg zur Festung
Ihr erreicht Charles Fort auch zu Fuß über den Scilly Walk. Der malerische Küstenweg verbindet das Zentrum von Kinsale mit dem beschaulichen Vorort Summercove. Lasst Euch von den Panoramen dieses Weges den Atem rauben!
Ihr beginnt die Wanderung am Jachthafen von Kinsale, von wo aus Ihr etwa 45 Minuten direkt am Wasser entlang geht. Der gut befestigte Weg führt vorbei an blühenden Gärten und kleinen Buchten, mit Blick auf den Hafen.
Wenn Ihr eine kleine Stärkung braucht, bietet sich das idyllische Dorf Sommercove an, das gnädiger Weise kurz vor dem steilen Anstieg zum Charles Fort liegt. Hier könnt Ihr im urigen Pub „The Spaniard“ speisen oder im „The Bulman“ Rast direkt am Wasser machen.
Wie lange dauert ein Besuch im Charles Fort?
Für einen ausgiebigen Besuch mit einer Tour des Charles Fort solltet Ihr mindestens 2 Stunden Zeit einplanen. Das Gelände ist weitläufig und viele der Behausungen sind einsehbar.
Ist das Fort barrierefrei?
Charles Fort ist nur teilweise barrierefrei. Für einen Rollstuhl kann der Anstieg und das unebene Gelände zu einer Herausforderung werden.
Gibt es Führungen?
Ja, das OPW bietet regelmäßig geführte Touren an, die meist im Eintrittspreis enthalten sind.
Fazit
Wer gut erhaltene Festungen und geschichtsträchtige Bauten liebt, sollte sich unbedingt aufmachen, das Charles Fort zu entdecken. Die malerische Umgebung von Kinsale lädt zum lustwandeln ein und bietet atemberaubende Blicke, besonders bei Sonnenuntergang.




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