Mitten im stillen Wasser eines verzweigten Sees erhebt sich eine Festung, die wie aus einer anderen Zeit wirkt – abgeschieden, geheimnisvoll und nur per Boot erreichbar. Cloughoughter Castle thront auf seiner kleinen Insel im Herzen Irlands und zieht Besucher mit seiner rauen Schönheit und bewegten Geschichte in den Bann. Wer sich ihr nähert, begibt sich nicht nur auf einen Ausflug über das Wasser, sondern auf eine Reise in eine Welt aus Legenden, Machtkämpfen und längst vergangenen Jahrhunderten.
Cloughoughter Castle: Hart umkämpf und doch verloren
Es war einmal eine irische Familie, die zwischen dem 13. und frühen 14. Jahrhundert auf einer künstlichen Insel im Lough Oughter lebte. Dort erbaute sie sich eine Burg, inmitten des Sees, der von zahlreichen Landzungen und Halbinseln umgeben war.
Was wie der Beginn einer Fantasy-Serie klingt, ist Realität, denn Cloughoughter Castleentstand genau auf diese Weise und ist bis heute nur mit dem Boot erreichbar. In besonders trockenen Sommern, wenn der Wasserstand des Sees sinkt, werden die Überreste eines alten Dammes sichtbar, über welchen die Familie vermutlich zum Festland gelangte.
Besondere Berühmtheit erlangte die Burg in den, zwischen 1632 und 1636 verfassten, Annalen der Vier Meister, in welchen mehrere historische Ereignisse dokumentiert sind, die sich in Clough Oughter ereignet haben sollen. So zum Beispiel die Eroberung der Burg im Jahr 1327 durch O’Rourke und deren Rücktausch für 20 Kühe.
Im Laufe der Jahrhunderte wechselte Cloughoughter Castle öfter den Besitzer, ehe sie im 17. Jahrhundert durch Artilleriebeschuss der Truppen Oliver Cromwells teilweise zerstört wurde.
Die Festung der irischen Rebellion
In den Jahren 1641 und 1642 diente Cloughoughter Castle als Gefängnis für Rebellen. Auch der hochwürdige William Bedell, fünfter Propst des Trinity College und anglikanischer Bischof von Kilmore, zählte zu den Gefangenen, sowie seine beiden Söhne und sein Stiefsohn. Kurz nach seiner Befreiung erlag der inzwischen 70-jährige Bedell seinen schweren Verletzungen durch die Entbehrungen der wochenlangen Gefangenschaft. Bei seiner Beerdigung im Februar 1642 wurde er von der Familie O’Reilly als Held der Rebellen gefeiert.
Auch der große gälische Feldherr Owen Roe O’Neill, Anführer der nationalen Armeen, starb 1649 auf der Insel. Eine Überlieferung berichtet von einem hinterhältigen Mord durch vergiftete Stiefel, in denen er sich zu Tode getanzt haben soll.
Wie sah Cloughoughter Castle aus?
Das Schloss hatte einen kreisrunden Grundriss, seine Überreste befinden sich noch heute auf einem erhöhten Erdplateau. Mit einer Höhe von 17 Metern und 2,13 Metern dicken Außenmauern bot es damals mit seiner strategisch hervorragenden Lage auf der Insel einen guten Schutz gegen Angreifer und war sicher nicht so leicht einzunehmen.
Die Ruine zeigt heute Spuren von fünf Stockwerken, die von Balken getragen wurden. Zwar fehlen, bis auf eine Trennwand im Keller, alle Innenwände, doch der geschwungene Bogen des Haupteingangs ist heute noch sichtbar. Das Bollwerk bestand aus einer etwa 1,82 Meter hohen und 0,76 Meter dicken Zinnenbrüstung sowie aufwendig dekorativen Fensterlaibungen und Verzierungen, die allesamt entfernt wurden. Ein großer Teil der südlichen, gebogenen Mauer ist eingestürzt.
2023 erhielt Cloughoughter Castle eine umfassende Sanierung, bei der starker Efeubewuchs von mehreren Treppen und Plattformen entfernt wurde.
Kann man Cloughoughter Castle besichtigen?
Ja, Ihr könnt die Ruinen von Cloughoughter Castle besichtigen, allerdings ist dafür die Anmietung eines Bootes erforderlich. Ihr findet die Überreste der Burg auf einer Insel im Lough Oughter, County Cavan. Das Caravan Adventure Center bietet den Verleih von Booten zur Erkundung des Sees an.
Bitte beachtet, dass die Mauern nur von außen besichtigt werden können. Das wunderschöne Bauwerk steht unter dem Schutz des National Monuments Act.
Fazit
Cloughoughter Castle ist mehr als nur eine Burgruine – sie ist ein stiller Zeuge einer bewegten Vergangenheit, eingebettet in die ruhige Weite des Lough Oughter. Wer nicht mit dem Boot zur Insel übersetzen möchte, kann die eindrucksvollen Mauern auch wunderbar vom Rann Point aus betrachten. Schon aus der Ferne entfaltet die Burg ihre ganz eigene, geheimnisvolle Wirkung.
Beim Anblick der einsamen Festung im Wasser stellt man sich unweigerlich die Frage, welche enorme Kraftanstrengung es im Mittelalter bedeutete, Steine, Holz und Baumaterial auf diese Insel zu transportieren und dort ein solch wehrhaftes Bauwerk zu errichten. Gerade diese Vorstellung macht den Reiz des Ortes aus: Cloughoughter ist nicht nur ein Relikt aus Stein, sondern ein Symbol für Mut, Macht und menschlichen Ehrgeiz – und damit ein faszinierendes Ziel für alle, die Irlands Geschichte hautnah spüren möchten.



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