Zweifelsohne ist der Fußballsport eine der meistgespielten Ballsportarten der Welt. Während er in Ländern wie Deutschland, England oder Brasilien über die vergangenen 150 Jahre eine teils alles überlagernde Bedeutung erlangte, führt Fußball in Irland lediglich ein Schattendasein. Somit ist die Grüne Insel eines der ganz wenigen europäischen Länder, in denen er nicht zu den Hauptsportarten zählt. Dennoch gibt es sie, die Spieler, die Vereine und ihre Fans. Woche für Woche tragen sie ihre Spiele aus. Dabei besitzen die irschen Ligen, ihre Teams und Zuschauer eine ganz eigene Dynamik. Hier ist alles ein wenig kleiner, uriger und vor allem weniger professionalisiert und kommerzialisiert als man es aus den großen Ligen der Welt kennt. Deshalb kommen Fußballfreunde, die während eines Aufenthalts in Irland ein wenig Groundhopping betreiben wollen, ganz auf ihre Kosten. Warum der Fußball in Irland nur eine Randsportart ist, wie er sich seit der ersten Ligengründung in 1890 entwickelte und wie sein heutiges System aussieht, fassen wir für euch zusammen.
Inhaltsverzeichnis
Fußball in Irland: Football, Gaelic Football oder Soccer?
Wer einmal im Pub Iren sich über Football unterhalten hörte, wird schnell erkennen, dass sie meistens nicht über die in Deutschland bekannte Form des Fußball sprechen. Vielmehr tauschen sie sich über die jüngsten Entwicklungen und Ereignisse ihres Gaelic Football Clubs aus. Denn was in Deutschland, England oder Italien der Fußball ist, ist in Irland die ur-irische Sportart Gaelic Football. Hierin liegt der Hauptgrund, weswegen der weitverbreitete Fußball in Irland nie derart Fuß fasste.
Die Dominanz des überall im Land gespielten Gaelic Football ist hoch. Während es anderswo üblich ist, als junger Mensch dem örtlichen Fußballverein beizutreten, sind junge Iren seit Generationen in ihrem lokalen GAA Club aktiv. Dabei dienen die GAA Clubs genau wie die Amateurvereine in Deutschland nicht nur als Zentrum sportlicher Aktivitäten. Zudem haben sie eine hohe soziale Funktion.
Um jenen Gaelic Football, in der Regel einfach verkürzt Football genannt, von der anderen Fußballvariante abzugrenzen, greifen viele Iren auf die Bezeichnung Soccer zurück. Diese entlehnen sie aus den Vereinigten Staaten, wo sie ebenfalls verwendet wird um den Fußball vom American Football abzugrenzen.

Brandon Miele (Shamrock Rovers), Foto: Seaninryan, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Geschichte des Fußball in Irland
Die Anfänge des heutigen, organisierten Fußballs in Irland liegen im Jahr 1890. Damals gründete sich im Norden von Irland die Irish Football League. Somit befindt sich auf der Grünen Insel nach England und noch vor Schottland die älteste Fußballliga der Welt. Nach der irischen Unabhängigkeit in 1921 teilte sich der Fußball wie der Rest Irlands auf. Während die Irish Football League als nordirische Liga bis heute fortbesteht, gründete sich bereits kurz nach dem Unabhängigkeitskrieg im Süden die neue League of Ireland. Sie besteht ebenfalls bis zum heutigen Tage.
Den Ligen und Vereinen übergeordnet stehen im irischen Fußball zwei Verbände. Ähnlich dem Deutschen Fußballbund, bildete die Irish Football Association (IFA) ab 1880 den Dachverband für den Fußball in Irland. In 1921 gründete sich die Football Association of Ireland (FAI) als Verband für den Fußball im nun unabhängigen Süden von Irland. Beide Verbände stellen die jeweiligen Nationalmannschaften ihrer Länder.
Während die Trennung Irland auch eine Trennung der Ligen und der Nationalmannschaften bewirkte, existiert hieraus eine Besonderheit. So sind Spieler aus dem Norden Irlands frei zu entscheiden, ob sie für die nordirische oder für die irische Mannschaft spielen möchten. Ebenso können Vereine aus dem Norden am Spielbetrieb der League of Ireland teilnehmen. Beispielsweise traf der Derry FC diese Entscheidung. Jedoch andersherum können weder irische Spieler für die nordirische Nationalelf auflaufen, noch können Vereine aus der Republik Irland an der nordirischen Liga teilnehmen.
Bedeutende Vereine im irischen Fußball
Der Fußball kam zweifelsfrei durch die Engländer nach Irland. Deshalb gründeten sich Ende des 19. Jahrhunderts frühe Vereine nach englischem Vorbild vor allem in den nördlichen Gebieten Irlands sowie in Dublin. Hier war der englische Einfluss seit jeher stärker als auf der restlichen Insel. Dagegen im ländlichen Irland behielten die traditionellen Sportarten Gaelic Football und Hurling ihre dominante Stellung. Die ersten irischen Vereine entstanden in Belfast, wo sich schließlich auch die Irish Football League gründete. Später stießen Vereine aus anderen nördlichen Inselregionen wie Derry hinzu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts traten Vereine aus Dublin der Liga bei.
Der berühmteste Club der ersten Jahrzehnte war der heute noch erfolgreiche Linfield FC. Dazu spielten über die Jahrzente weiterhin aktive Vereine wie der Glentoran FC, Derry City und Coleraine FC regelmäßig um die vorderen Tabellenplätze mit. Jedoch sind nicht alle Vereine aus den ersten Jahrzehnten heute noch aktiv. Während einige im Amateurbereich verschwanden, lösten sich Vereine wie Belfast Celtic auf oder fusionierten mit benachbarten Clubs.
Im südlichen Teil Irlands sind bis heute die Shamrock Rovers und der Shelbourne FC Vereine aus den ersten Jahrzehnten. Beide Dubliner Clubs spielten bis zur Gründung der League of Ireland in der Irish Football League. In der League of Ireland gehörten sie zu den acht Gründungsvereinen der Liga. Diese zog nach wenigen Jahren mehr und mehr Vereine aus dem Rest von Irlands Süden an. Heute noch aktive Clubs wie der Dundalk FC, die Sligo Rovers und Waterford FC traten dem jährlichen Wettkampf bei. Doch auch aus Dublin selbst stießen weitere Vereine hinzu. Hierbei sind heute noch St. Patrick’s Athletic und insbesondere die Shamrock Rovers erwähnenswert.

Bekanntester irischer Fußballer: Roy Keane (Vintagekits at English Wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)
Fußball in Irland: Das irische Ligensystem heute
Der Fußball in Irland gliedert sich ähnlich wie in anderen Ländern in den professionellen Sport und in den Amateurbereich. Sowohl die FAI als auch die IFA haben verschiedene Ligen, die Meister, Europapokalteilnehmer, Absteiger und Aufsteiger ausspielen. Dahinter existieren regionale Amateurligen. Dazu werden jährlich in Ausscheidungsspielen Pokalsieger ermittelt. Dagegen erwerben im organisierten Jugendfußball junge Spieler das nötige Können für den Seniorenbereich.
Höchste Spielklassen: Die League of Ireland und die Northern Ireland Football League
Die besten Fußballvereine Irlands messen sich in den höchsten Spielklassen, der League of Irland und der Northern Ireland Football League (NIFL). Dabei unterteilt sich in der Republik Irland der Profifußball in die Premier Division (1. Liga) und die First Division (2. Liga). Im Norden existiert die NIFL Premiership (1. Liga) und die NIFL Championship (2. Liga) sowie die NIFL Intermediate League (3. Liga). In den Ligen treten die Vereine in Hin- und Rückspielen gegeneinander an. Aufgrund der geringen Ligengröße kann es zu mehr als nur zwei Begegnungen im Jahr kommen. Am Ende ist der Tabellenführer Meister während dahinter platzierte Teams im Folgejahr in den Europapokalwettbewerben teilnehmen dürfen. Hingegen steigen regelmäßig die schwächsten Vereine ab sowie die besten der nachgelagerten Liga auf. Über Auf- und Abstieg kann zusätzlich durch Playoffspiele entschieden werden.
Während die nordirischen Fußballer den jährlichen Ligenbetrieb, analog zu den Ligen in England oder Deutschland im Spätsommer aufnehmen und den Winter durch spielen, zollt die League of Ireland den regnerischen Wintermonaten Tribut. Sie startet abweichend im zeitigen Frühjahr und endet im Herbst.
Fußball für Amateure in Irland
Unterhalb der beiden Ligen der League of Ireland und der NIFL existieren verschiedene Ligen auf regionaler Ebene. In diesen schlägt das Fußballerherz der irischen Amateure. Ähnlich zu den deutschen Regionalligen und Oberligen messen sich die Amateurfußballer in den örtlichen Clubs miteinander. Dabei besteht Garantie für die besten Amateure am Saisonende in den Profibereich aufzusteigen. Neben der sportlichen Qualifikation ist eine Lizenz notwendig. Jene berücksichtigt vor allem auch die Infrastruktur des Vereins und seine finanzielle Stabilität.
Nationale Pokalwettberbe
Neben dem Ligenbetrieb treten die Vereine im Fußball in Irland in verschiedenen Pokalwettbewerben gegeineinander an. Irlands Pokalsieger ermittelt ein Ausscheidungsturnier zwischen allen Teams der League of Ireland sowie Vereinen aus dem Amateurbereich. Letztere können sich über vorgelagerte, regionale Pokalwettbewerbe qualifizieren. Die siegreiche Mannschaft qualifiziert sich für den Europapokal im nächsten Jahr und für den President’s Cup. Diesen ermitteln der Meister der Premier Division und der Pokalsieger in einem direkten Duell. In Nordirland ist der Irish Cup der wichtigste Pokalwettbewerb. Hieran nehmen Vereine der ersten und zweiten Liga teil. Der Pokalsieger darf im Folgejahr im Europapokal antreten. Daneben streiten im NFIL Cup die Vereine aller drei Ligen um die sportliche Krone.
Fußball in Irland: Jugendwettbewerbe
Der Fußball für Jugendliche in Irland ist ähnlich dem Amateurfußball organisiert. In regionalen Ligen messen sich junge Spieler allwöchentlich. Zudem gibt es innerhalb der League of Ireland Ligen für die besten Jugendmannschaften, unterteilt nach Altersklassen. Ein vergleichbares System etablierte die NFIL im Norden.
Die irische Fußballnationalmannschaft
Auf internationaler Bühne ist der Fußball in Irland durch die Nationalmannschaft repräsentiert. Hierbei stellen die irische FAI und die nordirische IFA jeweils getrennte Teams. Jedoch spielte beide in den letzten 100 Jahren bei bedeutenden Turnieren selten eine bedeutende Rolle. Für die Mehrheit der Turniere qualifizierte man sich nicht. Irlands größter Erfolg war die Viertelfinalteilnahme bei der Fußballweltmeisterschaft in Italien im Jahr 1990. Nordirland stieß 1958 in Schweden bis in das Viertelfinal vor. Bei Europameisterschaften erzielten die beiden Verbände ihren größten Triumph 2016 in Frankreich. Jeweils im Achtelfinale beendeten die Mannschaften ihre Turnierreise.
Fußballfans in Irland
Fußballfans finden sich in Irland zahlreich. Zwar folgt die Mehrheit der Iren traditionell ihrem lokalen GAA Club und selbst die Rugbyausscheidungen sind populärer als Spiele der irischen Nationalmannschaft. Dennoch besteht ein großes Fußballinteresse auf der Grünen Insel, vor allem am Nationalteam. Dagegen begeistern sich wenige für die lokalen Fußballvereine. Trotzdem flimmern in vielen Pubs allwöchentlich Spiele auf den Großbildschirmen. Hier verfolgen die Iren Spiele der englischen Premier League und der Europapokalwettbewerbe. Denn fußballbegeisterte Iren haben häufig einen Lieblingsverein im benachbarten England. Dabei folgen viele dem Liverpool FC, welcher historische starke irische Verbindungen besitzt. So arbeiteten viele irische Auswanderer im Hafen und den Fabriken der Stadt. Ähnlich verhält es sich mit Manchester United. Darin sehen viele einen weiteren Grund für den mangelnden Erfolg irischer Vereine.
Das fehlende Interesse innerhalb Irlands sorgt für geringe Zuschauerzahlen, wenige Werbeeinnahmen und kaum mediale Beachtung. Deshalb spielen die besten Spieler Irlands meist nur in jungen Jahren für einen irischen Verein. Anschließend folgen sie der besseren Bezahlung in die großen Ligen Europas, vor allem nach England. So bleibt das sportliche Niveau der irischen Ligen niedrig und trägt nicht zur Attraktivitätssteigerung des heimischen Fußballsports bei. Gleichzeitig machen diese Probleme den Fußball in Irland zu einer andersartigen Erfahrung. Fernab von großen Stadien und dem überbordenden Kommerz des heutigen Profifußballs, findet sich in Irland noch eine urige Variante. Deshalb wirkt der Fußball in Irland für Fans von außerhalb oftmals wie ein Blick in die Vergangenheit anderer Länder.
Die Fans von Celtic Glasgow und dem Hibernian FC
Ebenfalls eine große Fangemeinde sowie viele Sympathien besitzen die schottischen Vereine Celtic Glasgow und Hibernian FC. Bei Clubs gründeten irische Auswanderer in den Städten Glasgow und Edinburgh. Insbesondere die Fans von Celtic identifizieren sich stark mit ihrem irischen Erbe. Dies drückt sich durch Symbolik und Gesänge aus sowie durch die starke Rivalität zu den unionistisch geprägten Anhängern des Stadtrivalen Glasgow Rangers.




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