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Der Eyre Square in Galway

Written by Nadja Uebach

Wer vom Bahnhof aus die wenigen Schritte ins Stadtzentrum von Galway geht, steht unweigerlich vor ihm, dem Eyre Square. Autos und Busse umkreisen den Platz, Passanten queren ihn auf dem Weg zur Quay Street, Studenten sitzen auf den Rasenflächen, der Atlantikwind spielt mit Papierfetzen und Blättern. Ganz selbstverständlich scheint dieser Ort zum Takt dieser lebendigen und jungen Stadt zu gehören.

Hier am Kreuzungspunkt alter Handelswege und moderner Einkaufsstraßen liegt seit Jahrhunderten das grüne Herz Galways, ein Platz, an dem sich der Alltag der Stadt verdichtet. Touristen mit Stadtplänen, eilige Pendler, Straßenmusiker, Veranstaltungen und Märkte prägen das Bild. Doch auch die Vergangenheit ist an jeder Ecke spürbar. Der Eyre Square ist kein inszeniertes Denkmal und kein auf Hochglanz poliertes Aushängeschild. Er ist ein gelebter Raum, offen, lebendig und voller Kontraste. So wie Galway selbst.

Vom Marktfeld zum Volksplatz – die Geschichte des Eyre Square

Die Ursprünge des Eyre Square reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Schon damals diente die Fläche vor den damaligen Stadttoren Galways als Treffpunkt für Händler und Bauern, um sich auszutauschen und zu handeln. Es war eine unbebaute, offene Fläche, die von den Einheimischen schlicht „The Green“ genannt. Eine Bezeichnung, die sich auch noch heute im irischen Namen des Platzes findet. Denn An Fhaiche Mhór bedeutet übersetzt, das große Grün beziehungsweise die große Grünfläche.

Im Jahr 1710 überließ Edward Eyre, damaliger Bürgermeister der Stadt, das Gelände offiziell den Bürgern Galways. Ein großzügiges Geschenk, das der Stadt einen permanenten, öffentlichen Markt- und Versammlungsplatz sicherte. Um diese Geste zu würdigen, nannte man den Platz Eyre Square. Und obwohl sich der Name in den darauffolgenden Jahrhunderten einige Male geändert hat und heutzutage offiziell John F. Kennedy Memorial Garden heißt, ist er bis heute hauptsächlich unter dem Namen seines Stifters bekannt.

Lange nutzte man die von einem einfachen Holzzaun umschlossene Fläche als Marktplatz, Austragungsort für Viehmärkte, Warenhandel, Festumzüge und städtische Kundgebungen. Erst im 19. Jahrhundert begann man, die Fläche umzugestalten. Auf Initiative von General Meyrick wurde um 1801 eine steinerne Mauer errichtet, die dem Platz den zeitweiligen Namen „Meyrick Square“ einbrachte. Mitte des Jahrhunderts ergänzte man das Areal um formale Baumreihen, legte Kieswege an und stellte gusseiserne Sitzbänke auf. Ziel dieser Maßnahmen war es, aus dem einst reinen Nutzplatz einen Stadtpark nach georgianischem Vorbild zu schaffen, der Raum bot für Spaziergänge und Mußestunden der Stadtbewohner.

1965 schließlich veränderte sich der Charakter des Platzes grundlegend. Die gusseiserne Umzäunung wurde entfernt, die strenge Gliederung gelockert, neue Wege angelegt und die Bepflanzung freier gestaltet. Mit dieser Umgestaltung ging auch eine offizielle Neubenennung einher. Der Eyre Square wurde zum „John F. Kennedy Memorial Park“ erklärt – zu Ehren des US-Präsidenten, der zwei Jahre zuvor als erster amtierender Präsident der Vereinigten Staaten Irland besucht und in Galway eine öffentliche Rede gehalten hatte. Sein heutiges Aussehen erhielt der Square in den frühen 2000er Jahren im Rahmen einer millionenschweren Neugestaltung, die sogar mit einem nationalen Landschaftsdesign-Preis ausgezeichnet wurde.

Eyre Square

© Chaosheng Zhang, Fáilte Ireland

Die Denkmäler des Platzes: Geschichte zum Anfassen

Ein Spaziergang über den Platz gleicht einer kleinen Zeitreise. Das bronzene Denkmal für John F. Kennedy erinnert an den historischen Besuch des US-Präsidenten im Jahr 1963. Unübersehbar ragen zudem die metallenen Segel eines Schiffes aus rostigem Stahl auf dem Platz in die Höhe. Ein Kunstwerk von Eamonn O’Doherty, das Galways reiche maritime Vergangenheit verkörpert. Die Stadt war einst ein bedeutender Hafen, der Handel bis nach Spanien, Frankreich und in die Neue Welt trieb. Die Skulptur ist bewusst rau gehalten, verwittert und rostig – wie ein Schiffswrack, das vom Atlantik gezeichnet wurde.

An der nördlichen Seite des Platzes stößt der Besucher auf ein besonders kurioses Relikt, die sogenannte Browne Door. Sie ist alles, was vom einst imposanten Browne-Gebäude, dem Stadthaus einer der einflussreichsten Familien der Stadt übrig blieb. Dieses Haus stand im 17. Jahrhundert südlich des Eyre Square in der Abbeygate Street. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es im Zuge städtebaulicher Veränderungen abgerissen. Die kunstvoll verzierte Tür blieb jedoch erhalten, wurde versetzt und dient heute als steinernes Portal in die Vergangenheit der Stadt.

Eyre Square heute – ein Ort für viele Zwecke

Heute dient der Eyre Square in Galways beinahe als eine Art Wohnzimmer der Stadt. Ein Aufenthaltsort für Pendler, Studenten, Musiker, Touristen und Familien. An sonnigen Tagen breiten sich Studenten der nahen University of Galway auf den Rasenflächen aus, lesen und plaudern. Irgendwo wird Musik gespielt und Kinder tollen auf dem Rasen, während ihre Eltern im Schatten der Bäume verweilen.

Zugleich ist der Eyre Square ein Knotenpunkt: Der zentrale Busbahnhof liegt direkt vor Ort und die Williamsgate Street führt vom Square direkt in die Fußgängerzone der Stadt. Auch wer Tagesausflüge nach Connemara oder zu den Cliffs of Moher unternimmt, startet meist hier.

Besonders in den Sommermonaten verwandelt sich der Platz regelmäßig in eine Bühne: Märkte, Straßenkunst und Kundgebungen. Beim alljährlichen Galway International Arts Festival wird der Square sogar zum Zentrum des Geschehens, wenn Theateraufführungen, Lichtinstallationen und Darbietungen das Erscheinungsbild prägen.

Doch auch im Winter ist Eyre Square viel mehr als ein kleiner Stadtpark. Denn in der dunklen Jahreszeit findet hier der Galway Christmas Market statt, der zu den schönsten Weihnachtsmärkten in Irland gehört. Die urigen Buden, Lichterketten und feinen Düfte tauchen den historischen Platz in eine ganz besondere Atmosphäre.

© Gareth McCormack, Fáilte Ireland

Eyre Square in Galway: Ein Ort des Wandels und der Beständigkeit

Trotz aller Modernisierungen, Neubepflanzungen und Skulpturen hat der Eyre Square etwas von seiner ursprünglichen Funktion behalten, ein Raum für das Volk zu sein. Egal, ob man sich hier verabredet, um gemeinsam einen Stadtbummel zu beginnen, ob man von hier zu einer Busreise ins Umland aufbricht oder einfach auf einer Bank sitzt und dem Treiben der lebendigen Stadt zusieht, der Platz ist für alle da.

Er ist kein Prachtboulevard, kein imposanter Stadtpark, wie man sie aus anderen Städten kennt. Eyre Square ist vielmehr das authentische Gesicht einer Stadt, die stolz auf ihre Geschichte ist und dabei immer in Bewegung bleibt.

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Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit 2008 auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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