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Barryscourt Castle: Geschichtsträchtiges Ausflugsziel im Osten von Cork

Barryscourt Castle East Cork
Written by Neil Saad

Zu den zahlreichen Ausflugszielen im Umland von Cork City gehört eine kleine, aber äußerst feine Auswahl an historischen Burganlagen. Darunter ist das Blarney Castle das Bekannteste. Weniger bekannt, doch seit 2025 aufwendig restauriert und für Besucher geöffnet, ist das Barryscourt Castle im Osten von Cork. Die alte Festung liegt auf halber Strecke zwischen Cork City und Midleton, unweit von Fota Island. Ein perfektes Ausflugsziel mit viel Geschichte, in die Besucher bei einem Rundgang lebhaft eintauchen. Eine Geschichte aus Familie, Bündnissen, Kriegen – und krachenden Kanonenkugeln, die noch heute sichtbare Spuren in den dicken Gemäuern hinterließen.

Das Barryscourt Castle im Osten von Cork

Zwischen den Ausläufern von Cork City und den rollenden Hügeln von East Cork befand sich einst das strategisch bedeutende Barryscourt Castle. Spätestens seit dem späten 14. Jahrhundert diente es als Sitz der regional mächtigen Familie Barry. Erst nach Jahrhunderten verließen sie es und es verfiel. Neu restauriert ist das Barryscourt Castle heute ein Ausflugsziel im Osten von Cork und ein Fenster in die Geschichte der Region.

Die Barrys und die Geschichte ihrer mittelalterlichen Festung

Das Barryscourt Castle hat über die Jahrhunderte viel erlebt. Die Konstante in seiner Geschichte waren dabei seine Besitzer: die Familie Barry. Die anglo-normannische Familie kam im 12. Jahrhundert nach Irland. Sie übernahmen Land im östlichen Teil der heutigen Grafschaft Cork. Mit der Unterstützung von Verbündeten verdrängten sie rivalisierende Familien und etablierten einen Führungsanspruch über große Teile der Region. Dabei gliederte sich die Familie in verschiedene Zweige, die jeder für sich bestimmte Ländereien besaß. Oberhäupter der Familie waren die Barrymores, die “Großen Barrys”. Jene besaßen das Land, auf denen noch heute die imposanten Überreste ihrer großen Festung, dem Barryscourt Castle, bestehen.

Der Bau des Barryscourt Castle wird dem späten 14. Jahrhundert zugeschrieben. Hierbei entstand eine für die Zeit typische Turmfeste, einem Stil als Irish Towerhouse bekannt. Dieses mächtige Turmbauwerk umgaben kleinere Gebäude, während das gesamte Areal durch eine gewaltige Mauer geschützt wurde. Derart gewappnet, überstanden die Barrys und ihre Burg die Jahrhunderte. Jedoch nicht immer ohne Leid und Schaden. Denn Feinde besaßen die Barrymore im Inneren wie im Äußeren. So verloren sie Mitte des 16. Jahrhunderts ihren Besitz an den kleineren Familienzweig der Barryroe, der “Roten Barrys”. Hierbei ermordeten die Barryroe schlicht den Erben der Barrymore. Sie übernahmen das Barryscourt Castle und die Barrymore-Linie starb in der Folge aus.

Barryscourt Castle

Mächtige Mauern (Foto: Philip Halling / Barryscourt Castle, Carrigtwohill)

Das Barryscourt Castle unter Beschuss

Der Sieg der Barryroes wirkte nur kurz. Während der Desmond-Rebellion von 1569 bis 1579 stellten sich die Barrys auf Seiten der Revoluzer. Ihr Ziel war der Erhalt ihrer Macht und das Zurückdrängen des englischen Einflusses im Südwesten Irlands. Eine Ironie der Geschichte, angesichts der Herkunft der Barrys als Teil der von England ausgehenden anglo-normannischen Invasion Irlands im 12. Jahrhundert. Doch über die Jahrhunderte war die Familie in den irischen Sitten derart integriert, dass sie nicht länger als Invasoren galten. Jedoch ging die Rebellion in Cork verloren und die Barrys brannten das Barryscourt Castle nieder, bevor die heranrückende Armee Englands es besetzen konnte. Später wechselten sie die Seiten, unterstützen die englischen Machtbestrebungen und kehrten – nach einer Strafzahlung an die englische Krone – nach Barryscourt zurück.

Eine weitere turbulente Episode fand während des irischen Konföderiertenkrieges in 1645 statt. Erneut geriet die Festung ins Zentrum von Kampfhandlungen. Dieses mal mit bleibenden Folgen. Denn der Kanonenbeschuss zerstörte Teile der gewaltigen, aber alten Anlage. Die Löcher im Mauerwerk, verursacht durch die Kanonenkugeln, sind heute noch sichtbar.

Zu jener Zeit war das Barryscourt Castle bereits veraltet und seit Anfang des 17. Jahrhunderts nicht mehr Hauptsitz der Familie Barry in Cork. Spätestens nach dem zerstörerischen Angriff während des Krieges, verließen sie es nach und nach gänzlich. Der Verfall setzte ein. Er sollte sich fast 300 Jahre fortsetzen.

Das Barryscourt Castle in Cork besichtigen

In 1987 entstand eine Stiftung, die sich den Erhalt des einstigen Familiensitzes der Barrys verschrieb. Hieraus entwickelte sich über die folgenden Jahrzehnte ein Restaurationsprojekt. Staatlich unterstützt und geführt erwachte das Barryscourt Castle im Osten von Cork zu neuer Pracht. Dabei bekam die alte Feste nicht nur ein neues Dach. Auch das Innere wurde historisch akurat wiederhergestellt. Mitte der 90er Jahre öffnete das Barryscourt Castle erstmals für Besucher von Cork.

In 2016 schloss die Anlage wieder. Weitere Arbeiten waren nötig, Modernisierungen und Sicherheitsmaßnahmen sollten das Besuchererlebnis verbessern und die Burganlage für künftige Generationen erhalten. Nach langen Arbeiten waren ab dem Sommer 2025 Besucher wieder bekommen. Dabei wurden zudem der historische Obstgarten und der Formgarten neu angelegt.

Besucher können das Barryscourt Castle im Osten von Cork saisonal besuchen. Genaue Öffnungszeiten finden sich auf der Webseite des Betreibers. Dabei können die Außenanlagen und die unteren Etagen der Turmfeste besichtigt werden.  In die oberen Etagen bringt die Besucher eine geführte Tour.

Das Barryscourt Castle ist ein ideales Ausflugsziel für einen Tagesausflug von Cork City. Ein Besuch lässt sich mit einem Abstecher nach Fota Island mit dem Fota Wildlife Park und dem Fota House & Gardens verbinden. Auch Midleton mit der Midleton Distillery, Heimat von Jameson Irish Whiskey, liegt in unmittelbarer Nähe. Die Burg ist Teil des Ring of Cork, der Rundtour durch den Osten der Grafschaft. Es

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Über den Autor

Neil Saad

Bereits seit 2009 bereiste ich Irland mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Im Herbst 2021 zog ich schließlich auf die Grüne Insel und lebe seit dem im Kingdom of Kerry. Besonders das Wandern in Irland hat es mir hier angetan und so erkunde ich zu Fuß die irischen Gebirge und Wanderwege. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, das Land immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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