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Mullet Peninsula im Nordwesten von Mayo – Das gibt es zu entdecken

Mullet Peninsula County Mayo Ireland
Written by Neil Saad

Der Westen von Irland und insbesondere der Nordwesten der Grafschaft Mayo gehören zu den entlegensten Regionen auf der Grünen Insel. Hier erstrecken sich kilometerweit Moore mit niedrigen Hügeln, kaum von Siedlungen unterbrochen, bis zum Atlantik. Dabei ist die Küste durch atemberaubende Klippen geprägt. Das einsame, melancholische Irland, hier finden Reisende es in der reinsten Form. Am äußersten Nordwestzipfel von Mayo liegt die Mullet Peninsula mit dem Ort Belmullet. Die Halbinsel ist einer der abgelegensten Orte Irlands am Wild Atlantic Way. Dennoch ist die Region tief in der irischen Geschichte und der Mythologie verankert. Was die Region mit dem D-Day im 2. Weltkrieg zu tun hatte und welche mystische Verbindung es zu Schwänen gibt, erklärt der Artikel.

Die Mullet Peninsula und der Nordwesten von Mayo

Im Nordwesten von Mayo befindet sich die historische Baronie Erris. Diese erstreckt sich von Newport im Süden über das Nephin-Gebirge bis zum Downpatrick Head an der Nordküste der Grafschaft. Hierbei befindet sich an der Westküste die Mullet Peninsula, eine Halbinsel, die über eine schmale Landzunge mit dem Festland verbunden ist. Die Landmasse erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung entlang der Küste. Während diese an der breitesten Stelle zwölf Kilometer breit ist, beträgt die Breite an der schmalsten Stelle lediglich zweihundert Meter.

Zwei Buchten befinden sich zwischen Halbinsel und Festland. Nördlich der Landverbindung liegt die Broadhaven Bay, südlich die Blacksod Bay. Während sich das Wasser des Atlantik in der südlichen Blacksod Bay an langgezogene Strände spült, ist die Broadhaven Bay im Norden schroff. Dort klatschen die Meereswellen rauschend an steile Klippen. Auch die Westseite der Halbinsel ist in Nord und Süd unterteilt. Hierbei befindet sich im Nordteil gleichfalls raue Küstenformationen. Währenddessen finden Besucher im Süden teils kilometerlange Strände.

Hauptort der Region ist Belmullet. Dabei liegt der Ort inmitten der schmalen Landverbindung zwischen Festland und Halbinsel. Der Ortskern ist mit Geschäften, Cafés und Pubs ausgestattet. Hier finden nicht nur Besucher die passende Unterkunft und Verpflegung. Hierher kommen zudem die Bewohner der Halbinsel für ihre Wocheneinkäufe und zum Austausch von Neuigkeiten. Die Dörfer auf der Insel selbst sind an einer Hand abzuzählen. Die meisten Häuser erstrecken sich entlang der Nord-West-Straße, die über die Länge der Halbinsel verläuft. Kleinere Siedlungen sind Binghamtown im Norden sowie Aghleam und Blacksod im Südteil.

Mullet Peninsula Broadhaven Bay County Mayo

Die Broadhaven Bay (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Geschichte einer abgelegenen Region

Trotz ihrer Abgeschiedenheit und der Lage inmitten des tosenden Atlantiks ist die Region bereits seit Jahrtausenden besiedelt. Bauliche Überreste von Kirchen zeigen die christliche Tradition auf der Mullet Peninsula. Hierunter ist die Ruine der St. Dairbhile’s Church aus dem 6. Jahrhundert die bemerkenswerteste. Heute steht lediglich ein Giebel des einstigen Gebäudes. Dennoch ist die Geschichte des Kirchenbaus interessant. Die ursprünglich aus Meath stammende Heilige St. Dairbhile entfloh einem aufdringlichen Verehrer auf die abgelegene Mullet Halbinsel. Jedoch fand ihr Verfolger sie dort. Als letzten Ausweg nahm sich Dairbhile selbst das Augenlicht um weniger attraktiv zu wirken. Dies wirkte und ihr Verehrer floh. Anschließend wusch sich Dairbhile ihre verstümmelten Augen in einer Quelle. Dadurch erlangte sie ihre Sehkraft zurück. Der St. Dairbhile’s Holy Well befindet sich im südwestlichsten Teil der Halbinsel. Er liegt nur wenige Kilometer von der Kirche entfernt, die Gläubige zu ihren Ehren errichteten.

Die St. Deirbhiles Kirche & die heilige Quelle

Die Ruinen der St. Deirbhiles Kirche befinden sich in der Nähe des kleinen Örtchens Falmore. Geweiht ist die kleine Kirche der irischen Heiligen Deirbhile von Inishkea. Einer Legende nach suchte die Heilige auf der Mullet Peninsula Zuflucht vor einem Verehrer, der sie ob ihrer wunderschönen Augen vergötterte. Um ihn loszuwerden, riss sie sich kurzerhand ihre Augen aus den Augenhöhlen, worauf der Verehrer entsetzt und enttäuscht von dannen zog. An dem Ort, an dem ihre Augen aber zu Boden fielen, entsprang eine sprudelnde Quelle. Sobald die Heilige aber ihre leeren Augenhöhlen mit dem Quellwasser benetzte, war ihr Augenlicht durch ein Wunder wieder hergestellt. 

Deshalb suchen viele Menschen noch heute die Quelle der Heiligen Deirbhile auf, wenn sie Augenbeschwerden haben. Die Quelle liegt nur unweit von den Ruinen der Kirche entfernt. Wenn man dort steht und auf die einsame Weite des Atlantiks blickt, kann man verstehen, weshalb sie sich hier von der Welt zurückziehen wollte. Ein schöner, einsamer Ort.

Deirbhiles Twist

Nur wenige Autominuten von der Kirche der Heiligen Deirbhile entfernt, gibt es Deirbhile’s Twist zu bestaunen. Ein Steinkreis bestehend aus großen Granitblöcken erhebt sich majestätisch gegen den Hintergrund der Welles des Meeres. Aber wer glaubt, er stünde vor einem altehrwürdigen Relikt aus der Bronzezeit, liegt falsch. Deirbhile’s Twist ist ein Kunstprojekt unserer Zeit. Die Granitblöcke allerdings waren bereits vor Ort. Sie sind Teil des North Mayo Sculpture Trails. Hierbei handelt es sich um ein Kunstprojekt aus dem Jahr 1993. Anlass des Projekts war die Feierlichkeit zu “Mayo 5.000” – Tausende Jahre Kulturgeschichte im irischen County Mayo. Seit dem entstanden entlang der Nordküste Mayos verschiedene Skulpturen mit lokalen und historischem Bezug. Hiervon befinden sich vier Kunstwerke auf der Mullet Peninsula. Auch denn der Steinkreis somit auf keine mystische Vergangenheit zurückblicken kann, nimmt er sich doch vor diesem Ambiente absolut beeindruckend aus.

Deirble's Twist

©Failte Ireland Courtesy Alison Crummy

Mullet Peninsula: Klippen, Strände und Seen

Ein Ausflug auf die Mullet Halbinsel ist ein Ausflug in die Natur. Die Nordküste ist geprägt durch atemberaubende Klippen. Hierbei ist der Erris Head der nördlichste Punkt. Er ist umrahmt von Klippen denen ein drei Kilometer langer Cliff Walk folgt. Etwas weiter südlich die Westseite der Mullet Peninsula hinab befindet sich Dún na mBó. Dabei bezeichnet der Name ein altes Ringfort, welches sich auf den Klippen befand. Von hier gibt es einen schönen Ausblick auf Eagle Island, eine kleine Insel samt Leuchtturm inmitten des Atlantiks. In unmittelbarer Nähe ist ein sogenanntes „Blowhole“ zu sehen. Dies ist eine scharfe Einbuchtung in die Klippen, aus der bei Flut und stürmischer See Wasser senkrecht nach oben gedrückt wird, so dass sich eine regelrechte Fontäne ergibt. Heute ist das Blowhole von Dún na mBó von einer künstlerischen Skulptur umgeben. Diese gehört, wie Deirbhile’s Twist ebenfalls zum North Mayo Sculpture Trail.

Jedoch nicht nur spektakuläre Klippen prägen die Küstenlinie. Traumhafte, langgezogene Strände und Buchten laden zu Pausen und Spaziergängen ein. Darunter sind der Cross Beach und Elly Bay Beach die beiden lohnenswertesten Ziele für Strandfreunde. Vom Cross Beach aus genießt man eine tolle Aussicht des Atlantiks und die kleinen Insel Inishglora. Im Rücken des Strandes liegt der Cross Lough, Der See ist trotz seiner Nähe zum Atlantik ein Süßwassersee und ein Paradies für Vögel. Dagegen ist der Elly Bay Beach der schönste Sandstrand. Dazu liegt er an der schmalsten Stelle der Halbinsel. Lediglich ein kurzer Gang durch die Dünen genügt um von der Atlantikseite zur Blacksod Bay zu laufen.

Mullet Peninsula

Foto: Yvonne Treptow-Saad

Inseln im wilden Atlantik

Inmitten des wilden Atlantiks verteilen sich verschiedene Inseln entlang der Westküste der der Mullet Halbinsel. Die kleine Felseninsel Eagle Island ist die nördlichste davon.. Inishglora, die beiden Inseln Inishkea North und Inishkea South befinden sich weiter südlich. Schließlich ist die Insel Duvillaun vor der Südspitze die südlichste Insel. Während auf Eagle Island ein Leuchtturm einziges Bauwerk ist, waren die anderen Eilande bewohnt. Hierbei geht die Besiedlung bis auf frühchristliche Mönche zurück, deren Kirchen- und Siedlungsruinen noch heute zu besichtigen sind. Fähren von der Südküste bringen Interessierte heutzutage zu den Inseln. Ansonsten sind diese unbewohnt und lediglich Fischer nutzen die Anlaufstellen der Inishkea-Inseln für ihre Zwecke.

Jene Inishkea-Inseln waren über eine lange Zeit eine Welt für sich. Nicht nur galten ihre Bewohner bis in das 19. Jahrhundert hinein als Piraten. Vielmehr erhielt sich, trotz der Überbleibsel christlicher Besiedlung, ein heidnischer Glaube. Dieser beinhaltete unter anderem die Anbetung eines Götzenbildes, dem Naomhóg oder Neevogue.

Eagle Island County Mayo

Eagle Island mit Leuchtturm in den Wellen des Atlantik (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Inishglora und die Kinder von Lir

Die Insel Inishglora ist tief in der irischen Mythologie verankert. Sie ist Schauplatz der Geschichte um die Kinder von Lir. In die Buchten der Insel zogen sich die in Schwäne verwandelten Kinder des Gottes Lir zurück. Jedoch fand sie der Heilige Brendan und verwandelte sie per Taufe zurück in ihre ursprüngliche Form. Da sie jedoch über 900 Jahre als Schwäne lebten, verfielen sie nach der Rückverwandlung unmittelbar zu Staub. Ihre Reste verblieben auf Inishglora.

Leuchttürme der Mullet Peninsula

Für die Sicherheit der Seefahrer im Atlantik sorgen drei Leuchttürme, die sich um die Mullet Peninsula verteilen. Hierbei überwacht einer im Nordosten der Halbinsel die Zufahrt in die Broadhaven Bay. Der Leuchtturm auf Eagle Island zeigt den Weg um die Nordspitze der Küstenlinie herum. Schließlich weist das Blacksod Lighthouse im Südosten den richtigen Weg in die Blacksod Bay. Während der Leuchtturm auf Eagle Island vor allem aus der Ferne zu bestaunen ist, können die anderen beiden aus der Nähe betrachtet werden. Hierbei erzählt insbesondere das Blacksod Lighthouse von seiner ganz speziellen Bedeutung in der Geschichte der Welt.

Broadhaven Lighthouse County Mayo

Broadhaven Lighthouse an der Nordseite der Halbinsel (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Das Blacksod Lighthouse: Grünes Licht für den D-Day

Während des 2. Weltkrieges nahm das noch junge Irland eine neutrale Rolle ein. Dennoch arbeiteten die Iren mit dem Vereinigten Königreich auf meteorologischen Ebene zusammen. Beide Länder tauschten Wetterdaten aus. Durch seine exponierte Lage am Westrand Europas ist Irland bis heute wichtig für die Beobachtung der Wetterlage auf dem Atlantik. Dabei befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Wetterstation im Blacksod Leuchtturm. Hierbei sendete diese am 4. Juli 1944 den Wetterbericht aus, der die alliierten Streitkräfte veranlasste, die für den nächsten Tag geplante Invasion der Normandie um einen Tag zu verschieben. Anschließend ging die Invasion als Operation Overlord oder kurz D-Day, in die Geschichtsbücher ein.

Gegen ein geringes Entgelt kann man das Blacksod Lighthouse auch besichtigen. Hier auf der Website gibt es Tickets und weitere Infos.

Über den Autor

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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