Irlands Natur

Küste von Limerick: Historische Idylle an der Shannon-Mündung

Written by Nadja Uebach

Das samtige Grün bedeckt die sanften Kurven der endlos erscheinenden Uferlandschaft. Während der Blick über die weichen Farbtöne der Shannon-Mündung schweift, ertönt der Gesang der Wasservögel, der die Titelmelodie der Küste von Limerick zu sein scheint. Die Grafschaft rund um die gleichnamige Stadt wird oft missachtet, wenn es um die irische Küste geht – jedoch zu Unrecht. Denn die Landschaft des dortigen Ufers schafft es, ganz ohne dramatische Klippen und Kilometer lange Sandstrände zu begeistern. Mit einem ruhigen Charme, einer romantischen Idylle und nicht zuletzt einer fast spürbaren Geschichte, bekommt man hier eine komplett andere Facette der Küste Irlands zu Gesicht!

Welche Orte sich entlang der Countyküste am meisten lohnen, verraten wir Euch jetzt!

Glin Castle & Coast

Küste Limerick Glin

Glin Heritage Trail, Glin, Co Limerick, Irland © Brian Ruane, Limerick City and County Council

Etwa vier Kilometer nachdem man die Countygrenze zwischen Kerry und Limerick in Küstennähe überschritten hat; macht die Coast Road ihrem Namen alle Ehre und führt direkt am Wasser entlang. Noch bevor man die kleine Ortschaft Glin an der Mündung des Glencorby Flusses erreicht hat, lohnt sich ein Zwischenstopp am historischen Glin Castle.

Bereits im 13. Jahrhundert ließ sich die Familie der Fitzgeralds/Fitzmaurices in der Gegend rund um die Küste von Limerick nieder. Etwa einhundert Jahre später ernannte der amtierende Lord drei seiner unehelichen Kinder zu Rittern. Einer von ihnen erhielt den Titel ‚Knight of Glin‘ und die neue erbaute Burg als seinen Hauptwohnsitz. Dort strotzten die Ritter viele Epochen lang mehreren Angriffen und unzähligen politischen sowie wirtschaftlichen Veränderungen. Nach einer kurzzeitigen Übernahme durch die Engländer fiel das Anwesen schließlich erneut in die Hände der Fitzgerald Familie, in dessen Besitz es sich auch heute noch befindet. Mittlerweile begeistert das Glin Castle vor der Kulisse der Shannon-Mündung mit seinem märchenhaften Charme und den verwunschenen Gärten.

Die weitläufigen Ländereien der Burg erkundet man am besten auf einem von drei Wanderwegen. Während man auf dem vier Kilometer lange Knight’s Trail die Wälder entdeckt, geht es auf der Wanderung mit dem passenden Namen ‚The Path‘ an der gesamten Küste des Anwesens entlang. Besonders gemütlich wird es auf dem Rundweg ‚Knockaranna‘, der an den nahegelegenen Pier führt und die dortige Landzunge umrundet. Ausgangspunkt aller drei Wanderwege ist ein kleiner Parkplatz gegenüber der Kirche in Glin, an der Zufahrtsstraße zum Castle.

Küste von Limerick: Kilteery Pier

Die Coastroad schlängelt sich weiter durch das Ufergebiet der Shannon-Mündung; bis sich in Kilteery eine schmale Straße in Richtung des gleichnamigen Piers abzweigt. Wer es gemütlich angehen lässt, der folgt den sanften Kurven, bis sie schließlich in der kleinen, jedoch gut ausgebauten Anlegestelle enden. Dort sind jede Menge Bänke vorhanden, die zum Verweilen einladen. An warmen Tagen ist der Pier der perfekte Ort für ein ausgiebiges Picknick. Dabei sorgt die ruhige und idyllische Umgebung ganz von selbst für Entspannung.

Wer etwas aktiver werden möchte, lässt das Auto am Seitenstreifen der Coastroad stehen und geht die knapp siebenhundert Meter an den Pier zu Fuß. Nach einer kurzen Pause, um die Seele baumeln zu lassen, führt ein Trampelpfad von der Anlegestelle an der wilden Küste entlang. Wer sich ruhig verhält, bekommt hier vielleicht einen kleinen Eindruck in die vielfältige Fauna der Region.

Foynes Wood Park, Foynes

Küste Limerick

Foynes, Co. Limerick, Irland © Stephen Duffy, Fáilte Ireland/Tourism Ireland

Der Küstenabschnitt rund um die kleine Ortschaft Foynes ist mit ihren Wäldern und der vorgelagerten Foynes Island das Panoramabild des einzigen Wild Atlantic Way Discovery Points in der Grafschaft Limerick. Am Ortsrand weißt ein Schild der Küstenstraße mit der vertrauten weißen Welle auf blauem Hintergrund auf den Foynes Island Viewpoint direkt am Hafen der Gemeinde hin. Hier erlebt man ein Aufeinandertreffen moderner Industrie auf die grüne, Jahrhunderte alte Seele des Landes. Während sich auf der einen Seite die Landungsbrücken mit ihren Kränen, Schiffen und dem geschäftigen Treiben erstrecken; ist es als würden die einsamen, wilden Ufer der Foynes Island einen Blick in die Vergangenheit gewähren.

Obwohl sich die Insel in Privatbesitz befindet und nicht besucht werden kann, muss man auf einen Spaziergang im Wald nicht verzichten. Auf der Westseite des Discovery Points erstreckt sich der Foynes Wood Park an der Küste. Vom Viewpoint aus geht es an der Straße entlang, zu einem kleinen Tor in den Wald. Dort führt ein Pfad durch das satte Grün bis hinunter ans Ufer. Bei schönem Wetter eignet sich der Wald perfekt für ein ausgiebiges Picknick!

  • Extra-Tipp: Auf der Ostseite von Foynes bietet das zerklüftete und moorige Ufergebiet der Shannon-Mündung rund um die Aughinish Natur Trails unzählige Möglichkeiten Wasservögel, Libellen und seltene Schmetterlingsarten zu beobachten.

Beagh Castle Headland, Ballysteen

Wenige Kilometer östlich von Foynes lohnt es sich, die N69 in Richtung Ballysteen zu verlassen. Von der kleinen Ortschaft aus führt eine schmale Straße an die Küste. Dort thront die Ruinen des Beagh Castles an einem beschaulichen Pier.

Das Tower House der Burganlage wurde bereits im 13. Jahrhundert von den in Glin ansässigen Fitzgeralds auf den Ruinen eines ehemaligen Stützpunkt der Wikinger in Irland erbaut. Fortan wurde es von den Knights of Glin als Verteidigungsposten genutzt. Mehrere Jahrhunderte später errichtete man neben der Burg eine Station der Küstenwache, die mittlerweile jedoch nicht mehr genutzt wird und ebenfalls eine Ruine ist. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts diente der angeschlossene Pier als Anlegestelle der Dampfschiffe, die auf dem Shannon entlang der Küste von Limerick als Paketschiffe unterwegs waren. Pläne die ehemaligen Cottages der Burgbewohner zu Ferienhäusern umzubauen hat man bisher nicht realisiert. Stattdessen ist die Burg und ihre Umgebung der ideale Ort, um der Zivilisation eine Weile zu entkommen.

Direkt am Pier wartet ein kleiner Parkplatz, von wo aus sich die Ruinen und das umliegende Ufer mit seinen Wäldern und abgelegenen Buchten perfekt erkunden lässt. Da sich das Castle in Privatbesitz befindet und die dazugehörigen Ruinen nicht gesichert sind, sollte unbedingt auf Hinweisschilder und Absperrungen geachtet werden!

Küste von Limerick: Ringmoylan Pier & Coast

Etwa dreieinhalb Kilometer nördlich von der überschaubaren Ortschaft Pallaskenry endet die schmale Straße in dem idyllischen Ringmoylan Pier. Der Steg selbst wurde vor wenigen Jahren kernsaniert. Nun bietet er nicht nur mehrere Parkplätze, sondern zudem einige Rastbänke und Tische, die zum Verweilen einladen. Besonders abends herrscht hier am Ufer der Shannon-Mündung eine bezaubernd ruhige Atmosphäre.

Das eigentliche Highlight ist jedoch der Uferweg, der an dem Pier seinen Ursprung hat. Direkt neben den Picknicktischen führt ein unbefestigter Weg an der Küste entlang. Je nach Wasserstand erhält man unterwegs einen spannenden Einblick in die Fauna des Watts. Doch selbst bei Flut bietet der Spaziergang zahlreiche Gelegenheiten, den ansässigen Wasservögeln zu begegnen. Nachdem man die erste Bucht hinter sich gelassen hat; öffnet sich der Pfad einem versteckten und dennoch malerischen Kieselstrand, an dem die Seele fast von alleine zu Baumeln beginnt.

  • Extra-Tipp: Das restliche Ufergebiet vor der Stadt Limerick bietet besonders um die Mündung des Maigue in den Shannon viele weitere Spazierwege und Möglichkeiten, die dortige Vogelvielfalt zu bestaunen.

 

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit 2008 auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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