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Glencolumbcille Folk Village – Eine Reise in die Vergangenheit

Glencolumbcille Folk Village Donegal
Written by Neil Saad

Die irische Geschichte fasziniert viele Menschen. Dabei sind nicht nur die Anekdoten um Rebellion oder christliche Erzählungen von Heiligen interessante Aspekte. Vielmehr ist es die Lebensweise der Menschen vergangener Zeiten in einer stark landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft, die großes Interesse auf sich zieht. Wie haben sich die Iren über die Jahrhunderte von dem, was die Grüne Insel ihnen bot ernährt? Wie sahen ihre Häuser aus und wie lebten sie letztlich als Gesellschaft zusammen? Hierzu gibt das Glencolumbcille Folk Village authentische Eindrücke. Dabei informiert das Freilichtmuseum im Südwesten der Grafschaft Donegal mit seiner Ausstellung und lebhaften Führungen über das Leben der Menschen in der Region über die letzten dreihundert Jahre. Eine wahre Reise in die Vergangenheit, wie sie authentischer kaum sein könnte.

Die Glencolumbcille Halbinsel: Abgeschiedene Heimat eines Freilichtmuseums

Die Grafschaft Donegal ist für ihre raue Schönheit bekannt. Wilde Landschaft und eine romantische Einsamkeit sind Attribute, für die das County im äußersten Nordwesten von Irland steht. Dabei gibt es selbst dort, wo der Atlantik seit ewigen Zeiten alles beherrscht, Regionen, die noch abgeschiedener sind, als der Rest. Die Glencolumbcille Halbinsel ist eine solche. Dennoch siedeln seit Jahrtausenden Menschen auf diesem einsamen Stück Land. Hierzu belegen Funde bis in die Steinzeit zurück diese lange Siedlungsgeschichte. Im Ort Glencolumbcille, einem winzigen Küstendorf im Westen der Halbinsel erwachen die letzten dreihundert Jahre dieser Siedlungsgeschichte zum Leben. Dort gründete 1967 ein lokaler Geistlicher das Glencolumbcille Folk Village.

Glencolumcille Fishermans Cottage

Lebendiger Einblick in die letzten Jahrhunderte (Foto: Neil Saad)

Father McDyer: Gründer des Glencolumbcille Folk Village

Die Gründung des Glencolumbcille Freilichtmuseum ging auf den örtlichen Priester James McDyer zurück. Hierbei kam dieser 1951 in das kleine Dorf am Zipfel von Donegal. Der in Glenties, im Norden der Grafschaft, geborene McDyer ging nach seiner Priesterweihe zunächst nach England. Anschließend kehrte er in seine Heimat zurück und war Priester auf Tory Island, der nördlichsten, bewohnten Insel Irlands. Nach wenigen Jahren versetzten die Kirchenoberhäupter ihn nach Glencolumbcille.

McDyer wuchs nach eigene Angaben damit auf, dass Menschen ihre Heimat von Donegal verließen. Harte Lebensbedingungen, Armut und wenig Aussicht auf Arbeit waren die Gründe für die massenhafte Flucht. An seiner neuen Wirkungsstätte beobachtete der Geistliche nichts anderes. Er machte es sich zur Aufgabe, dem Einhalt zu gebieten. Er initiierte Projekte, welche die lokale Infrastruktur stärkten, die Region als Touristenziel attraktiver machten, Arbeitgeber ansiedelte und letztlich Perspektiven für die Einheimischen schufen. Eines dieser Projekte war das Glencolumbcille Museum.

Dabei entstand dieses durch die Mithilfe der Bevölkerung, ihrer unermüdlichen Arbeitskraft und dank zahlreicher Spenden. Insbesondere die Spendenfreudigkeit macht das Museum derart authentisch. Die Artefakte sind von den Menschen vor Ort zusammengetragen und ausgestellt worden. Somit handelt es sich nicht um Imitationen, sondern echte, historische und lokale Fundstücke. Bis heute ist das Museum ein Kind der Bewohner von Glencolumbcille. Viele tragen weiterhin durch freiwillige Arbeit und Spenden zum Erhalt und zur Weiterentwicklung des Freilichtmuseums bei.

Glencolumbcille Folk Village Donegal

Das Freilichtmuseum in Glencolumcille (Foto: Neil Saad)

Die Cottages des Glencolumbcille Folk Village

Das Glencolumbcille Folk Village ist als ein kleines Dorf, einem sogenannten Clachan, aufgebaut. Hierbei besteht das Clachan aus insgesamt sechs Cottages. Die einzelnen Gebäude sind der traditionellen Bauweise, irischer Cottages nachempfunden. Massive Steinmauern, weißgewaschene Wände und ein reetgedecktes Dach sind ihre augenscheinlichsten Merkmale. Dazu sind die kleinen Fenster, ein großer, offener Kamin und die typischen, teilbaren Türen weitere authentische Elemente. Jedes Cottage ist einem eigenen Jahrhundert oder einem Thema gewidmet. Folgende Cottages bilden das Clachan:

  1. Das 1700’s Cottage
  2. Das 1800’s Cottage
  3. Das 1900’s Cottage
  4. Das Schulgebäude
  5. Das Pub und der Shop
  6. Das Cottage des Fischers

In den Cottages des 18., 19. und 20. Jahrhunderts erhalten Besucher einen historischen Einblick in das Zuhause der Menschen zur jeweiligen Zeit. Hierbei verdeutlichen insbesondere die ausgestellten Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände die Lebensweisen früherer Zeiten. Sie zeigen anschaulich auf, wie damals gekocht wurde oder wie die Menschen schliefen. Aber auch wie viele handwerkliche Fähigkeiten im Alltag notwendig waren.

Glencolumcille Schoolhouse

Klassenzimmer im Schoolhouse (Foto: Neil Saad)

Leben und Arbeiten über die Jahrhunderte

Dagegen zeigt das Schulgebäude den Lernalltag der Kinder im 19. Jahrhundert. Sowohl die Enge des Klassenraums, die harten Holzbänke als auch der Geruch von Kreide in der Luft lassen die Atmosphäre einstiger Schultage aufleben. Wie viele Kinder über die Jahrhunderte auf diese Weise Lesen und Schreiben lernten?

Einen weiteren, beeindruckenden Einblick erhalten Besucher im Cottage eines Fischers. Dabei ist dieser vor allem durch die Arbeitsmaterialien eines Fischers aus dem frühen 20. Jahrhundert nachempfunden. Netze, Reusen und vieles mehr sind neben den Alltagsgegenständen in der Unterkunft arrangiert. In einer Küstenregion wie Glencolumbcille war die Fischerei eine überlebenswichtige Arbeit. Dementsprechend geprägt sind die Menschen bis heute durch diese Tradition.

Zentraler Anlaufpunkt eines jeden Dorfes war und ist bis heute das lokale Public House. Hier kommen die Einwohner zusammen, unterhalten sich, tauschen Informationen aus und besiegeln Geschäfte mit einem Pint Bier. Jedoch bevor das moderne Irland flächenweise mit Supermärkten übersät wurde, war das Pub nicht ausschließlich eine Bar. Viel mehr was es ein Publaden. Eine Mischung aus Kneipe und Lebensmittelgeschäft. Oftmals kam sogar noch eine weitere, handwerkliche Profession hinzu. Deshalb zeigt das Glencolumbcille Folk Village ein traditionelles Pub samt Tante-Emma-Laden und einer Schuhmacherwerkstatt.

Glencolumcille Shop Pub

Halb Shop, halb Pub (Foto: Neil Saad)

Das Freilichtmuseum und den Südwesten von Donegal entdecken

Abseits der Cottages führt ein kleiner Rundweg weiter durch die irische Vergangenheit. Entlang der kurzen Strecke befinden sich Nachempfindungen, wichtiger irischer Bauten, die Reisende überall auf der Grünen Insel antreffen. Dazu gehören ein Kalkofen, eine Sauna sowie ein kleiner Rundturm. Außerdem bietet sich vom höchsten Punkt des Rundweges ein schöner Ausblick auf das Folk Village.

Daneben bietet das Museum während der Sommermonate regelmäßige Workshops an. Hierin können Teilnehmer mehr über traditionelle Handwerke wie das Weben oder Töpfern lernen. Vorführungen und Mitmach-Aktionen laden hierzu ein. Im Anschluss an einen spannenden Aufenthalt im Museum warten ein Shop und ein kleines Café auf Besucher.

Das Glencolumbcille Freilichtmuseum ist eines der vielen Freilichtmuseen in Irland. Dabei lohnt sich der Besuch des Museums nicht nur wegen der authentischen Ausstellung. Vielmehr ist die ganze Region eine Reise wert. Attraktionen wie die Klippen von Slieve League, der malerische Hafenort Killybegs oder die Stadt Donegal befinden sich ganz in der Nähe. Zudem sind die weiteren Highlights der Grafschaft Donegal wie der Glenveagh Nationalpark, das Fanad Head Lighthouse oder Maulin Head, der nördlichste Punkt des irischen Festlands, nicht weit entfernt. Vor einen Besuch des Museums empfiehlt sich ein Blick auf die Webseite. Dort befinden sich neben allgemeinen Informationen alles Wissenswerte zu Öffnungszeiten, Eintrittsgeldern und Führungen

Über den Autor

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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