Irlands Natur

Küste des County Galway: Von Städten und Stränden

Written by Nadja Uebach

Aus den Straßen der alten Stadt hallt die Melodie eines Sommerabends, während der Blick auf die unendliche Weite des Horizonts gerichtet ist und sich die Lunge mit der salzigen Brise des Atlantiks füllt. Nur wenige Küstenkilometer entfernt, werden die Geräusche der Zivilisation gänzlich von der Wildnis Connemaras verschluckt und der Alltag rückt in weite Ferne. Die Küste des County Galway gilt als das Herz des irischen Westens und bietet mit der florierenden Studentenstadt sowie der unberührten Einsamkeit der vom Atlantik geprägten Küstenlandschaft eine unvergleichliche Vielfalt.

An welchen Orten diese Einzigartigkeit besonders zu spüren ist, erfährt Ihr hier!

Galway Bay

Als die drittgrößte Stadt der Republik Irland lohnt sich ein Besuch in Galway zu jeder Zeit. Dabei wartet die Studentenstadt mit einer ganz besonderen Atmosphäre auf, die einen multikulturellen Vibe mit der Gemütlichkeit eines irischen Dorfes vereint. Hinzukommt die Lage der Stadt direkt an der Atlantikküste. Zwischen dem Stadtzentrum und dem nächsten Strand liegt ein gerade einmal 15 Minuten langer Fußmarsch.

Neben dem für Galway bekannten Blackrock Beach an der Salthill Promenade; sind besonders die beiden Claddagh Strände South Park und Grattan Beach sehr beliebt, um dem Stadtgeflüster eine Weile zu entkommen. Etwas außerhalb ist der weitläufige Silverstrand Beach mit seinen Hügeln und der fantastischen Aussicht der perfekte Ort, um die Seele baumeln zu lassen. Das Herz der Galway Bay bilden jedoch nicht die Strände. Sondern die Brücken und Anlegestellen entlang der Corrib-Mündung. Allen voran der Spanische Bogen und der Long Walk der sich über die gesamte Länge des Kais erstreckt.

Küste des County Galway: Aran Islands

Aran Island, Co. Galway, Irland

Vor der Küste des County Galway liegen die wohl bekanntesten Inseln des Landes, die Aran Islands. Die drei Inseln Inis Mór, Inis Meáin und Inis Oírr ziehen jedes Jahr zahlreiche Irlandfans in ihren Bann. Dafür ist hauptsächlich die raue Natur sowie der traditionelle Charakter auf den Eilanden verantwortlich. Tatsächlich hat man hier in der karstigen Landschaft, die an den Burren erinnert und zwischen der überwiegend irischsprechenden Bevölkerung das Gefühl, als wäre die Zeit stehengeblieben. Während man von Galway City lediglich die größte der Aran Islands Inis Mór besuchen kann, geht es etwa 35 Kilometer westlich von Rossaveel das ganze Jahr über auf alle drei Inseln.

Inis Mór bietet unzählige spannende Sehenswürdigkeiten. Wie beispielsweise das prähistorische Steinfort Dún Aonghasa, das an der Südküste am Rande einer Klippe thront. Außerdem ist der natürliche Swimmingpool Poll na bPéist (auch Wormhole genannt) einen Besuch wert. Genauso wie die Ruine des Black Fort und zahlreiche weitere Zeitzeugen der spannenden Inselgeschichte. In der Ortschaft Kilronan erwacht die Kultur der Inseln vor allem in den Sommermonaten zum Leben und an den weißen Sandstränden kommen an warmen Tagen Südseegefühle auf. Die mit nur 200 Einwohnern am wenigsten bewohnte sowie besuchte Inis Meáin punktet mit einem besonders authentischen Flair. Dieser ist vor allem auf den Klippen rund um Synge’s Chair sowie der einsamen Südostküste spürbar. Die kleinste der drei Inseln Inis Oírr ist nicht nur für den grandiosen Weitblick auf die Moher-Küste bekannt. Sondern auch für den einladenden Gemeinschaftsgeist der Inselcommunity, die Fremde genauso in ihrer Mitte begrüßt, wie Freunde!

Keeraunbeg Halbinsel, An Cheathrú Rua

Die Westküste Galways ist sicherlich einer der zerklüftetsten Küstenabschnitte der Grünen Insel. Hier finden sich zahlreiche Halbinseln und Landzungen, die mit ihren wilden Landschaften und einsamen Buchten begeistern. Im Südwesten zählt die Küstenregion rund um Keeraunbeg südlich der Ortschaft An Cheathrú Rua zu diesen Naturräumen.

Während man im feinen Sand des Strandes Trá na Reilig ausgiebig entspannen und sich den Lauten des Atlantiks hingeben kann; wartet weiter im Westen am Coral Strand etwas ganz Besonderes. Denn an Stelle von Sand findet man an diesem Strand ausschließlich Korallen in jeglicher Form. Das macht einen Nachmittag am Meer zu einem entdeckungsreichen Abenteuer. Die schmalen Straßen der Halbinsel schlängeln sich zwischen den aufgetürmten Steinmauern hindurch bis zur Südküste. Dort hat man den den Eindruck, als würden sie in den Wellen enden. Die Bucht westlich von Pointa bietet mit dem natürlichen Doleen Harbour ein beschauliches Landschaftsbild; das geprägt ist von dem Grün der Hügel, dem leuchtenden Weiß der kleinen Strände sowie den scharfen Konturen der Felsen, die das Blau des Meeres durchtrennen.

Golam Head, Golam

Nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt lohnt es sich, in Creelogh über den Damm auf die kleine Insel Lettermullen zu fahren. Durch beschauliche Ortschaften und vorbei an felsigen Feldern geht es in Richtung Südwesten. Dort endet die Straße an der Spitze einer schmalen Landzunge am Golam Head, die den Beinamen Trá Mhór hat. Auf einem kleinen Parkplatz kann das Auto abgestellt werden; sodass man die raue Landschaft der Küste ausgiebig zu Fuß erkunden kann. Besonders bei Sonnenuntergang bilden die einsamen Buchten, unzähligen Felsen und vorgelagerten Inselchen eine atemberaubende Kulisse vor dem dunklen Blau des Atlantischen Ozeans.

Im Norden von Lettermullen führt eine weitere kleine Brücke auf die Insel Furnish, die sich wie ein Finger nach den anrollenden Wellen ausstreckt. Insbesondere das nördliche Ufer, das sich in einem zerfledderten und von Steinen durchzogenen Sandstrand verläuft, lohnt sich für einen ausgiebigen Spaziergang. Bei Ebbe kann man von hieraus zudem auf die benachbarte und mittlerweile unbewohnte Dinish Island wandern. Diese kann mit wunderschönen, geschützten Buchten punkten.

  • Extra-Tipp: Auf der daneben liegenden Halbinsel wird man zwischen Ardmore und Crosspatrick von einer ähnlich zerklüfteten Küstenlandschaft mit zahlreichen Inseln, Felsen und einsamen Buchten erwartet. Besonders lohnenswert ist der Strand Trá Mór sowie die raue Natur der mit dem Festland verbundenen Insel Mweenish.

Küste des County Galway: Dog’s Bay, Roundstone

Galways Küste

Dogs Bay, Co. Galway, Irland © Courtesy of Tourism Northern Ireland

Die Küstenstraße R341 führt vom Connemara Nationalpark in den Süden an die Küste. Dort versteckt sich in der Nähe der Ortschaft Errisbeg ein echtes Juwel in Sachen irischer Strände. Die Dog’s Bay erstreckt sich über eine Landbrücke von der Gurteen Bay ins Meer. Das Besondere ist jedoch, das beide Seiten dieser Landzunge von endlos erscheinenden weißen Sandstränden gesäumt werden, die in der Mitte über eine malerische Dünenlandschaft miteinander verbunden sind. Beide Strände gelten als eine der schönsten Badebuchten der Grünen Insel und sind nicht nur entlang der Küste des County Galway einzigartig.

Das Weiß des Sandes endet in einer weitläufigen Landspitze, die mit weiteren sandigen Buchten, einem See sowie einer spektakulären felsigen Küste besticht und zum Verweilen einlädt!

  • Extra-Tipp: Nur etwa sechs Kilometer westlich wartet auf der Höhe des Maunmeen Lough eine ähnliche beeindruckende, sandige Küste. Hier endet das Festland besonders zerklüftet in einem Strand, der bei Ebbe auf die Gezeiteninsel Inishdawros führt, wo man den Eindruck hat, das Ende der Welt erreicht zu haben.

Slyne Head, Ballyconnelly

Bei Golfbegeisterten ist die Slyne Head Halbinsel vor allem für ihren Championship Golf Links Kurs bekannt, lockt jenseits des Fairways allerdings mit unzähligen weiteren unberührten Ecken, die es zu entdecken gilt.

Wer ausreichend Zeit im Gepäck hat, sollte den kleinen, kurvigen Straßen direkt an der Küste folgen. Nach der Ortschaft Murlagh Moorings erreicht man auf diesem Weg zunächst die beeindruckende Strandlandschaft rund um den Fergus Beach, der weitere kleiner Strände und Küstenabschnitte mit einschließt. Westlich des Connemara Bay Beaches lohnt es sich außerdem, das Auto abzustellen und sich in Richtung Wildnis bis an die Spitze der Landzunge des Slyne Head zu verabschieden. Auf einer (wirklich sehr) schmalen Straße geht es zu Fuß vorbei bis an einen weiteren einsamen Strand. Dank der weiten Dünenlandschaft, die auf der einen Seite von Felsbänken sowie imposanten Klippen und auf der anderen Seite von vorgelagerten Inseln, Felsen und tosenden Wellen geprägt wird, lässt es sich mit nur einem tiefen Atemzug sofort entspannen.

Auch der Norden der Halbinsel muss sich in Sachen Strände nicht verstecken. Die Doon Loughan Bay und die Strände der Mannin Bay laden zum Verweilen und Picknicken ein.

Eyrephort, Kingstown

In Clifden beginnt und endet die spektakuläre Küstenstraße Sky Road. Eine Strecke, die mehr als einmal über die Klippen und Abhänge in den Himmel zu führen scheint und somit ihrem Namen alle Ehre macht.

Sky Road Clifden

Die Sky Road © Fáilte Ireland

Im Westen der Sky Road lohnt es sich, diese zu verlassen und stattdessen einer schmalen Straße bis ans Ende der Landzunge zu folgen. Dort wird man am Eyrephort Beach zunächst mit einem malerischen weißen Sandstrand erwartet. Allerdings empfiehlt es sich, das Auto hier etwas länger abzustellen und die Wanderschuhe festzuschnüren. Denn beinahe die gesamte Küstenlinie ist hier von einem zweiten Strand bedeckt, der um eine kleine mit grünen Feldern bestückte Halbinsel führt. Das fast türkis erscheinende Wasser, bildet einen grandiosen Kontrast zu dem leuchtenden Weiß des Sandes und den dahinterliegenden Grüntönen. Zusammen mit der vorgelagerten Insel Inishturk, bietet dieser Küstenabschnitt Galways einen imposanten Panoramablick, der besonders bei Sonnenuntergang für Gänsehaut sorgt.

Omey Island, Gooreenatinny

Kleine Inseln findet man entlang der Küste des County Galway mehr als genug, Omey Island hat jedoch eine Eigenschaft, die sie zu etwas Besonderem macht. Die Gezeiteninsel, kann bei Ebbe nicht nur zu Fuß, sondern auch mit dem Auto erreicht werden. Für eine sichere Fahrt über den breiten Strand, wurden sogar Straßenschilder in den Sand geschlagen, an denen sich Autofahrer orientieren können.

Auf der Insel angekommen kann man das Auto jedoch getrost stehen lassen und die wilde Küstenlandschaft querfeldein zu Fuß erkunden. Hierzu wandert man am besten auf unbefestigten Wegen direkt am Ufer von Omey entlang. Es geht vorbei an kleinen sandigen Buchten, wie zum Beispiel dem South Beach sowie dem geschützten und weitläufigerem Omey Island Beach. Dazwischen liegen felsige Küstenabschnitte, die auf eine faszinierende Art in den Atlantik zu bröckeln scheinen und für ein abwechslungsreiches Landschaftsbild sorgen. Vom nordöstlichsten Punkt des kleinen Eilands aus erstreckt sich ein eindrucksvoller Weitblick über die umliegende Küste der Grafschaft, sowie die vorgelagerten Inseln und Felsen. Wer kurzzeitig genug vom Meer hat, kann sich in der Mitte der Insel in die friedliche Ruhe des Sees Fahy Lough flüchten!

  • Extra-Tipp: Zurück auf dem Festland lohnt sich eine Umrundung der Augris Beg Halbinsel, die mit imposanten Panoramablicken, einsamen Stränden und zerfledderten Küstenlandschaften wartet.

Küste des County Galway: Inishbofin Island

Galways Küste

Westquarter, Inishbofin, Go. Galway, Irland ©Inishbofin Community Services Programme

Um einen besonders authentischen Eindruck in die wilde Natur und das kulturelle Erbe der Connemara Region zu erhalten; geht es von dem kleinen Pier in Cleggan aus per Fähre in Richtung Inishbofin. Die knapp zehn Quadratmeter große Insel blickt auf eine lange Geschichte zurück. Obwohl heute nur noch rund 150 Menschen dauerhaft hier wohnen; zieht sich die Kultur unzähliger Generationen wie ein roter Faden über das Eiland. Hier scheinen die Uhren etwas langsamer zu laufen. Die Hektik des modernen Alltags bleibt beinahe automatisch an der Anlegestelle des Bofin Harbour zurück. Während die Ostküste der Insel mit einem bezaubernden großen weißen Sandstrand und mehreren kleineren einsamen Buchten punktet, wird es im Westen etwas wilder.

Der sogenannte Westquarter Inishbofins ist kaum besiedelt und wird von der rauen Landschaft der zerklüfteten Küste geprägt. Auf einem acht Kilometer langen Rundwanderweg kommt man an der gesamten Küstenstrecke vorbei. Zu den Highlights gehören: Die Blowholes und Brandungstore, die Seefelsen mit dem Beinamen ‚Stags‘, wo sich die ansässige Robbenkolonie heimisch fühlt; sowie die Dún Mor Klippen und die Ruinen mehrerer Steinforts. Entlang der verlassenen Nordküste der Insel verliert man sich in der unendlichen Weite der Moorfelder und Hügel, von denen man die Insel überblicken kann. Wer nur wenig Zeit hat, sollte sich vom Hafen aus auf den Weg zu den Ruinen der Cromwell Barracks machen. Diese stehen am Ende einer besonders zerfledderten Landzunge, die mit versteckten Buchten, Sandstränden und eindrucksvollen Felsen wartet.

  • Extra-Tipp: Der Cleggan Head auf dem irischen Festland bietet einen schönen Blick auf die Insel Inishbofin. Die kleine Halbinsel gehört zu einer Schaffarm, ist jedoch für die Öffentlichkeit zu Fuß zugänglich. Von den Cleggan Farm Cottages geht es an der Küste entlang bis zur Spitze der Landzunge. Auf dem Rückweg sollte man sich die beeindruckenden Cleggan Klippen im Norden nicht entgehen lassen!

Tully Mountain Headland

Die nördlichste Halbinsel, die sich entlang der Küste des County Clare in den Atlantik erstreckt, beherbergt den 356 Meter hohen Tully Mountain. Hier gibt es mehrere spektakuläre Wanderwege, die mit jeder Menge Natur, Schafen und grandiosen Weitblicken warten.

Um auf den Gipfel des Tullys zu gelangen, kann man das Auto zum einen auf den Parkplätzen am Derryherbert Pier am südöstlichen Fuß des Berges stehen lassen. Wer etwas Zeit sparen möchte, folgt der kleinen Straße vom Pier bis zu deren Ende, wo ebenfalls Platz für zwei oder drei Fahrzeuge ist. Der Weg nach oben ist bisher weder ausgewiesen noch befestigt. Über Gatter und Zaunübersteige durchquert man Schafsweiden und sucht sich seine eigene Route auf den Gipfel. Für diese Mühen wird man mit einem imposanten Blick über die Küstenlandschaft, die umliegenden Inseln, sowie dem Panorama des im Osten liegenden Connemara Nationalparks belohnt.

Entlang der Nordküste der Tully Halbinsel finden sich einige malerische Strände. Diese eignen sich für einen ausgedehnten Spaziergang oder ein gemütliches Picknick. Dazu gehören der Curragh Beach im Westen, der Renvyle Beach bei der gleichnamigen Ortschaft sowie der weitläufige Lettergesh Strand und der beeindruckende Glassilaun Beach vor dem Gipfelpanorama der Mündung des Killary Fjords.

  • Extra-Tipp: Im Norden wird die Grafschaftsgrenze zwischen Galway und Mayo von Irlands einzigem Fjord markiert. Die Küste entlang des 16 Kilometer langen Killary Fjords ist auf jedem Meter sehenswert. Egal, ob beim Wandern oder vom Wasser aus mit dem Boot, übt die Landschaft eine ganz besondere Anziehungskraft auf ihre Besucher aus.

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit 2008 auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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