Irische Mythologie

Manannan Mac Lir – irischer Totengott

Manannan Mac Lir
Written by Monika Dockter

Manannan Mac Lir gehört zu den etwa 400 keltischen Gottheiten, die bis heute bekannt sind. Laut der irischen Mythologie entstammt er dem Volk der Túatha dé Danann, das Irland lange vor der menschlichen Besiedlung bewohnte. Wie sein Beiname „Totengott“ andeutet, galt er als der Herrscher und Wächter der Anderswelt. Mag Mell, die Ebene der Freude beziehungsweise das Land Tir na nOg, das Land der ewigen Jugend, und die Gesegneten Inseln sind sein Herrschaftsbereich. Ebenso herrscht er über das Meer und die Seefahrt. Neugierig geworden? Hier erfahrt Ihr mehr über diesen düsteren keltischen Gott.

Die Bedeutung des Namens Manannan Mac Lir

Übersetzt bedeutet Manannan Mac Lir Sohn des Meeres. Man nimmt an, dass Manannans Vater Ler ein Meeresgott war, dessen Rolle dann auf den Sohn überging. Sein weniger bekannter Zuname mac Alloit jedoch bedeutet Sohn der Erde bzw. des Landes, sodass Manannan faktisch als beides gelten kann. Dargestellt wird die Gottheit jedenfalls zumeist  in der Rolle als Meeresgott.

Zudem wird der Name Manannan oft mit der Isle of Man in Verbindung gebracht. In der mittelalterlichen Mythologie betrachtete man die Gottheit deshalb nicht nur als ersten Herrscher, sondern auch als Verkörperung dieser Insel in der Irischen See.

Doch es gibt noch etliche Namen mehr, die mit Manannan mac Lir gleichgesetzt werden: Orbsen, Duartaine O’Duartaine, Cathal O’Cein und Gilla Decair. Der Erstgenannte Orbsen war ein bekannter Kaufmann von der Isle of Man, der letztgenannte ein gewitzter Gaukler. Orbsen war obendrein der beste Segler West-Europas, der durch seine Beobachtungen des Himmels das Wetter vorhersagen konnte.

Allerdings behauptet das Gelbe Buch von Lecan, ein bedeutendes mittelalterliches Skript, dass es sich bei den oben Genannten nicht zwingend um ein- und denselben Manannan und damit die keltische Gottheit handelt. Vielmehr steckten dahinter mehrere unterschiedliche Personen dieses Namens, die auch zu unterschiedlichen Zeiten lebten.

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Manannan mac Lir innerhalb der Götterfamilie

Wie bereits erwähnt war der Meeresgott Ler Manannans Vater (Lir, wie es im Namen des Sohnes auftaucht, ist der Genitiv des Namens Ler). Seine Gattin war eine schöne Göttin namens Fand, was soviel wie Perle der Schönheit bedeutet. Andere Quellen benennen auch die Göttin Aine als Manannans Frau.

In der Sage Serglige Con Culainn jedenfalls ist es Manannans schöne Gattin Fand, die sich in einen anderen Mann verliebt: Cú Culainn.( Bild unter Stichpunkt kursiver Name auf dt. wiki) Fands Schönheit bewegt den berühmten Kämpfer dazu, mit ihr in der anderen Welt zu leben. Doch Emer, Cú Culainns eigene Frau, bringt Fand dazu, den Geliebten wieder freizugeben – mit dem Resultat, dass derselbe den Verstand verliert. Hier greift Manannan persönlich ein. Mit seinem Zaubermantel löscht er sämtliche Erinnerungen der beiden Verliebten aneinander aus und holt seine Frau zurück an seine Seite.

aus einer irischen Sage

Harold Robert Millar creator QS:P170,Q5662198, Cuchulainn rebuked by Emer Millar, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Auch eine schöne Tochter hatte der Toten- und Meeresgott, Niamh mit dem goldenen Haar. Sie lebte im Land Tir na nOg. Und sie war es auch, in die der Sohn des großen Fionn sich verliebt hatte. Hier findet Ihr die entsprechende Erzählung zur Legende von Tir na nOg.

Eine weitere Tochter Manannans war Curcog, seine Söhne hießen Eachdond Mor und Gaidiar. Zudem gilt Manannan als Pflegevater mehrerer Söhne, wie Mongáin und Cormac und dem bekannten Gott Lugh.

Manannan Mac Lirs Magie

Als Gottheit besaß Manannan selbstverständlich übernatürliche Fähigkeiten und magische Gegenstände, um die sich zahlreiche Legenden ranken.

Zum Ersten nannte er einen in allen Farben schillernden Zaubermantel sein Eigen. Mit diesem konnte er sich selbst und sein Reich vor aller Augen unsichtbar machen oder, wie in der Geschichte von Cú Chulainn, Erinnerungen auslöschen. Überhaupt galt er als ein Meister der Täuschung und Illusion.

Manannans ruder- und segelloses Schiff namens Sguaba Tuinne trägt jeden so schnell wie ein Gedanke über den Ozean in das Land seiner Wünsche. Sein weißes Roß Aonbharr mit dem zugehörigen Streitwagen bewegt sich über Wasser ebenso sicher wie über festes Land. Manche Überlieferungen nennen dieses Pferd auch Enbarr mit der fliegenden Mähne. Darüber hinaus besitzt Manannan ein Schwert, das niemals sein Ziel verfehlt und dessen Hieb stets tödlich ist.

Bei seinen Besuchen im Land der Lebenden bewegt sich der Meeresgott vergleichbar mit dem Wind, einer Schwalbe oder einem Falken oder erscheint mit seinen drei Beinen wie ein donnerndes, rollendes Wagenrad über der Landschaft.

Aus der Vielzahl der Legenden, die sich rund um diese magischen Fähigkeiten und ihren Träger spinnen, möchte ich hier eine herausgreifen:

Ausgewählte Legenden: Die Leihgabe an Lugh

Eines Tages entbrannte in Irland ein Kampf zwischen den Túatha de Danann und den Formorianern, einem halbgöttlichen Volk. Beide Völker nämlich beanspruchten die Königsherrschaft über die Insel.

Ein Kämpfer tat sich in den Schlachten besonders hervor: Der Gott Lugh (Manannans Pflegesohn, siehe oben). Ihm verdankten die Túatha de Danann ihren Sieg – und damit indirekt auch Manannan.

Denn der Gott der Anderswelt Manannan war es, der Lugh als Leihgabe mit den notwendigen Gaben und Fähigkeiten ausstattete. So lieh er seinem Pflegesohn sein magisches Boot ebenso wie das Pferd Aonbharr, mit dem Lugh sich sicher übers Wasser bewegen konnte. Außerdem gab er ihm für die Schlacht eine vollständige Waffenrüstung.

Lugh trug Manannans Brustpanzer und seinen mit Edelsteinen besetzten Helm, dazu das magische Schwert Fragarach. Jede Wunde, die mit diesem Schwert geschlagen wurde, war tödlich, und die Kraft des jeweiligen Kampfgegners glich nur noch der einer „Frau in Geburtswehen“. Mithilfe dieser Ausrüstung also gelang es Lugh, die Königsherrschaft der Túatha de Danann zu sichern. Ihr Königssitz auf dem Hügel von Tara zeugt bis heute davon.

Hill of Tara

Ausblick vom Hill of Tara; Fotograf: Macmillan Media, Creating Agency: Tourism Ireland

Orte und Bräuche, die auf Manannan zurückgehen

Ebenso bis heute gibt es etliche Orte, die speziell an Manannan, den Meeres- und Totengott erinnern. Nicht nur in Irland übrigens, sondern ebenso in Schottland, Wales und der Isle of Man.

In Irland sind es zahlreiche Ortschaften, die mit ihrem Namen an den keltischen Toten- und Meeresgott erinnern. Am Bekanntesten ist wohl die Halbinsel Magilligan im County Londonderry, auf der sich die obige Statue des Manannan befindet. Doch auch Loch Mhanainn in County Mayo oder Mannin Bay im Gounty Galway, Mannin Island im County Cork und so weiter zählen zu diesen Orten. Was die meisten von ihnen gemeinsam haben, ist ihr Bezug zur Seefahrt und zum Meer beziehungsweise dem Wasser im Allgemeinen.

Außerhalb Irlands nimmt die Isle of Man eine besondere Rolle ein, deren erster Herrscher ja Manannan gewesen sein soll. Manche Quellen bezeichnen sie sogar als den Thronsitz Manannans.

Hier opferte man ihm am Mittsommerabend spezielles Gras und Kräuter der Wetlands und erbat seinen Segen für Seefahrt und Fischfang.

Diese Orte und Bräuche sind es, die uns daran erinnern, in welchem Maß ein Land und seine Einwohner – bewusst oder unbewusst – mit ihrer Geschichte verbunden sind  …

Über den Autor

Monika Dockter

Als Schriftstellerin bedeutet Irland für mich Inspiration in ihrer schönsten Form. Ich finde diese Inspiration in den Worten begnadeter irischer „Storyteller“, zwischen den verschlungenen Wurzeln einer uralten Eiche und auf der Brücke über einen Bach, dessen Wasser vom Torf so braun ist wie der Ginster am Ufer gelb…
Für die gruene-Insel.de zu schreiben betrachte ich als einmalige Gelegenheit, etwas von der für mich so faszinierenden Atmosphäre dieses Landes weiterzugeben – und zwar an eingefleischte Irlandfans ebenso wie an solche, die genau das einmal werden wollen.

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